31.10.2017

Felix Krause: iOS-Apps können User (legal) am Klo fotografieren

Der Fastlane-Founder Felix Krause schreibt in seinem Blog über eine Datensicherheitslücke bei iOS-Apps: Wenn man es einmal erlaubt, dürfen sie einen jederzeit aufnehmen.
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(c) fotolia.com - ryanking999

„Hast du schon einmal eine Social-Media-App genutzt, während du am Klo gesessen bist?“, fragt Felix Krause in seinem Blog. Der österreichische Developer war bekannt geworden, als er 2015 mit nur 21 Jahren sein Startup Fastlane an Twitter verkaufte. Nun warnt er öffentlich vor Social-Media-Apps für Apples iOS. Provokant stellt er da etwa fest: „Es ist interessant, dass Leute wie Mark Zuckerberg ihre Laptop-Kamera abkleben.“ Der Facebook-Founder weiß wohl was er tut.

+++ Archiv: 21-Jähriger Gründer aus Österreich verkauft Startup an Twitter +++

Was Apps alles dürfen…

(c) krausfx.com

Denn hat man einer iOS-App einmal den Zugriff auf die Kamera von iPhone oder iPad gestattet, bedeutet das laut Krause, dass die Apps folgendes, völlig legal, machen können:

  • Sie bekommen vollen Zugang zu Back- und Frontkamera immer dann, wenn die entsprechende App gerade im Vordergrund läuft.
  • Sie können beide Kameras nutzen, um zu sehen, was die User gerade tun und wo sie sich befinden.
  • Sie können diese Aufnahmen dann auch bei sich hochladen und ein Gesichtserkennungsprogramm darauf anwenden, mit dem sie weitere Fotos des Users im Internet finden können und sogar ein 3D-Modell seines Gesichts erstellen können.
  • Sie können die Aufnahmen prinzipiell livestreamen – etwa auch, wenn man gerade auf der Toilette sitzt. Durch die steigende Geschwindigkeit der Internetverbindungen sei das für User kaum merkbar, schreibt Krause.
  • Sie können damit die aktuelle Stimmung der User einschätzen.
  • Sie sehen, ob der User gerade alleine oder mit jemandem gemeinsam auf das Handy schaut.
  • Sie können mithilfe des iOS 11 Vision Framework Gesichtsausdrücke analysieren.

Den App-Betreibern werde es damit ermöglicht „eine beachtliche Sammlung an Videomaterial aus den Toiletten der Welt zu erstellen“, schreibt Krause.

Und was können User tun?

Tatsächlich sei es der einzig wirklich sichere Weg, die Kameras abzudecken, schreibt Krause. Das funktioniere mit eigens dafür produzierten Kamera-Covers oder durch Abkleben – Zuckerberg macht’s vor. Natürlich könne man aber auch allen Apps den Kamera-Zugriff entziehen. Man kann dann keine Fotos mehr direkt in den Apps machen. Jene, die man mit der Kamera-Anwendung gemacht hat, kann man aber hochladen. Auch damit gebe man der App aber noch viele Metadaten zu den Fotos preis. Daher bleibe die dritte Möglichkeit, in seiner Fotogalerie Screenshots zu machen und die mit Copy-Paste in die Apps einzufügen. Voraussetzung sei hier, dass die Apps diese Funktion unterstützen.

Vorschläge an Apple

Krause belässt es im Blog nicht bei der Warnung und fragt Apple: „Wie könnte man die Wurzel des Problems in Ordnung bringen, sodass wir keine Kamera-Covers nutzen müssen?“ Natürlich hat der Developer ein paar Vorschläge parat. Erstens solle es eine Möglichkeit geben, den Kamera-Zugriff der App nur temporär zu erlauben, also etwa nur dann, wenn man sie aktiv einsetzt. Zweitens könne Apple über ein Icon in der Status-Leiste von iPhone und iPad darauf hinweisen, wenn die Kamera gerade aktiv ist – die Statusleiste müsse dann natürlich automatisch in den Vordergrund kommen. Drittens könne man ein LED neben der Kamera einbauen, das leuchtet, wenn die Kamera aktiv ist (dieses dürfe natürlich nicht umgehbar sein). Das sei die elegante Version, die es beim MacBook bereits gebe, schreibt Krause.

Veranschaulichung mit Fake-App

um seiner Warnung Nachdruck zu verleihen hat Krause übrigens eigens eine Fake App gecodet. Es gibt sie zwar nicht im App-Store, aber User können auf den Code zugreifen.

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Das Zyglox-Team in Graz, in der Mitte die Gründer Jakob Moder (links) und Erik Gerstl (rechts). © Zyglox

Rund die Hälfte der Lifecycle-Kosten eines Zuges entfällt auf die Wartung, und davon wiederum mehr als die Hälfte auf Räder, Achsen und Fahrwerk, sagt Jakob Moder. Wie stark diese Bauteile im Betrieb tatsächlich belastet werden, wird bisher aber kaum gemessen. Der Grund ist simpel: Es fehlt an präziser Messtechnik, die im Dauerbetrieb einsetzbar ist. Das Grazer Startup Zyglox will das ändern.

„Die Eisenbahn ist nicht ins 21. Jahrhundert gekommen“

Der Name ist ein Wortspiel: Zyglox, gesprochen „Zügloks“, steht für Messtechnik für Züge und Loks. Dahinter stehen Jakob Moder und Erik Gerstl, die zuvor gemeinsam in der Messtechnik gearbeitet haben. Moder wechselte später in den Eisenbahnbereich und erlebte die Lücke dort aus der Praxis. Was es brauche, sei eine Lösung, „die das einerseits zuverlässig erkennt und gleichzeitig gut applizierbar ist“. Sein Urteil: „Bei der Usability ist die Eisenbahn nicht ins 21. Jahrhundert gekommen.“ Ende 2023 gründeten die beiden Techniker Zyglox in Graz.

Die bisherige Methode mit Dehnmessstreifen sei „einfach zu teuer“, erklärt Moder. Der Zug müsse dafür ein bis zwei Wochen zerlegt und instrumentiert werden, deshalb passiere das nur bei der Zulassung. „Das dauert ein Jahr, diese Technik reinzubringen, die Zulassung durchzuführen, und dann wird es wieder rausgenommen.“ Im laufenden Betrieb bleiben nur Beschleunigungssensoren, wie sie auch in jedem Smartphone stecken. „Das ist von der Datenqualität her ganz was anderes. Unser Sensor ist wie 4K, der Beschleunigungssensor liefert ein verpixeltes Foto von den Zuständen.“

Ein Sensor für Zulassung und Dauerbetrieb

Die Lösung von Zyglox lässt sich ohne größere Änderungen am Bauteil anbringen. „Wir haben eine Plug-and-Play-Lösung, die kann man einfach aufstecken“, sagt Moder. Ein Techniker braucht dafür laut Zyglox 30 Minuten. Der Sensor messe Dehnungen an Achsen, Wellen oder Schienen und liefere „gleiche oder bessere Daten als die Lösungen bisher“. Das Ziel ist ein Universalwerkzeug: genau genug für die Zulassung, aber so ausgelegt, dass es danach auf dem Fahrzeug bleibt und die Kräfte im Rad-Schiene-Kontakt dauerhaft erfasst. „Da gibt es ein großes Anwendungsfeld, denn damit wird auch die Infrastruktur überwacht“, so Moder.

Jeden Tag werden auf der Schiene hunderttausende Kilometer zurückgelegt. Zyglox will jeden davon nutzbar machen, um zu lernen, zu verbessern und vorherzusagen. Mit herkömmlichen Methoden war das Erfassen dieser Daten bisher zu teuer, zu langsam und zu aufwendig. © Zyglox

Physik aus dem Trafo, Sensoren aus dem Weltraum

Technisch nutzt Zyglox hochsensitive Magnetfeldsensoren aus der Raumfahrt, das Startup ist Teil eines Downstream-Programms der ESA. Das Prinzip erklärt Moder am Transformator: Der brummt, weil das Magnetfeld des Wechselstroms den Stahl minimal dehnt. „Und wir machen das Umgekehrte: Wenn sich der Stahl dehnt, ändert sich sein Magnetfeld in der Umgebung.“ Ein aktives Messverfahren berücksichtigt dabei den linearen Zusammenhang zwischen Belastung und Sensorsignal. Die Technologie ist patentiert, entwickelt und montiert wird in Graz.

Betreiber als Kunden, Wartung als Hebel

Als primäre Kunden sieht Zyglox die Bahnbetreiber, bei denen die Wartungskosten anfallen. Dazu kommt die Sicherheit: „Es gibt viele Vorfälle, die vielleicht nicht zu einem Unfall führen, wo man aber trotzdem sicherer und zuverlässiger unterwegs wäre, wenn man gutes Condition Monitoring hat.“

Ein kleines Pilotprojekt ist bereits abgeschlossen. Für 2027 ist der Einbau des Systems in Fahrzeuge im regulären Streckenbetrieb geplant, zunächst als Prototyp für einige Wochen Messung. Danach folgt die Zulassung. Ende 2027 soll daraus ein fertiges Produkt werden, erst dann könne die Skalierung beginnen, sagt Moder. An Interesse mangelt es nicht: „Wir können gar nicht alle Pilotprojekte machen“, weil Sensorentwicklung samt Software personalintensiv sei. Ende September zeigt das Team den Prototyp auf der InnoTrans in Berlin, der größten Messe für Schienenfahrzeuge.

Mit aws Preseed und aws Seed vom Effekt zum Produkt

Finanziert hat sich Zyglox bisher aus eigenen Mitteln und über die Austria Wirtschaftsservice (aws). Mit aws Preseed, konkret im Programm „aws Preseed | Seedfinacing – Deep Tech“, hat das Startup die ersten eineinhalb Jahre an der Sensortechnologie getüftelt. „Es hat uns die Möglichkeit gegeben, eine Idee, die bereits validiert war, einfach zu erproben. Einfach Zeit zu haben, weil Hardware dauert ein bisschen, etwa Prototypen zu iterieren“, sagt Moder. Es sei vor allem darum gegangen, „sicherzustellen, dass das dann ein Produkt werden kann“. Seit Mitte 2025 ist Zyglox im Seed-Programm der aws, das voraussichtlich bis Anfang 2028 läuft. Das Team ist inzwischen auf rund sieben Personen gewachsen. Für die Skalierungsphase im kommenden Jahr will sich das Startup nach Investoren umsehen: „Wenn eine Bestellung eintritt oder größer wird, werden wir das mit den aktuellen Mitteln wahrscheinlich nicht mehr stemmen können.“

Standortvorteil Graz

Den Standort Graz sieht Moder als klaren Vorteil: Siemens fertigt hier Fahrwerke, dazu kommen Messdienstleister, Prüfstandbauer und Nextsense. Zyglox sitzt direkt am Campus der TU Graz, mit Zugang zu Prüfständen der Universität und Maschinen der voestalpine. „Die gesamte Infrastruktur ist einzigartig“, sagt Moder. „Im Silicon Valley könnten wir das Produkt wahrscheinlich nicht entwickeln, in Österreich geht es besser. Das ist eigentlich ein bisschen verrückt, aber wir haben hier die optimalen Bedingungen.“


Disclaimer: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Medienkooperation mit der Austria Wirtschaftsservice (aws) entstanden.

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