03.09.2019

FBI-9/11-Chefermittlerin zu Cyber Security: 3 „grundsätzliche ToDos“

Mary Galligan leitete die Ermittlungen des FBI nach den Anschlägen des 11. September 2001. Heute ist sie Managing Director Risk & Financial Advisory bei Deloitte USA. Wir sprachen mit ihr über Cyber Security und Risiko-Minimierung.
/artikel/fbi-9-11-chefermittlerin-cyber-security
Deloitte-Expertin Mary Galligan im brutkasten-Talk zu Cyber Security
Deloitte-Expertin Mary Galligan im brutkasten-Talk zu Cyber Security

„Es geht in der Cyber Security immer um das Risiko. Man sollte sich dabei nicht auf die Frage konzentrieren, was möglich ist, sondern darauf, was wahrscheinlich ist. Denn möglich ist unglaublich viel – sich darin zu verfangenen ist aber nicht Risiko-Management. Man muss das tatsächliche Risiko analysieren und feststellen, wie man es mit den zu Verfügung stehenden Ressourcen abschwächen kann“, sagt Mary Galligan im Gespräch mit dem brutkasten. Nach dem 11. September 2001 hatte sie für das FBI die Ermittlungen zu den folgenschweren Anschlägen geleitet. Heute beschäftigt sich Galligan als Managing Director Risk & Financial Advisory bei Deloitte USA unter anderem mit Cyber-Anschlägen.

+++ “Sicherheitschere zwischen großen Unternehmen und KMU” +++ 

Eine Frage von Führung und Strategie

Ganz auslöschen könne man die Gefahr niemals, sagt die Expertin. „Die Technologie ist da und wird sich immer weiterentwickeln. Angst bringt uns hier aber nicht weiter. Wenn man jegliches Risiko ausschließen will, muss man den Laptop schließen und aufhören, Technologie zu nutzen“. Doch natürlich gelte: „Wenn man als Unternehmen heute überleben will, muss man innovativ sein und Technologie nutzen. Das kann man aber nicht, wenn man sich von Cyber-Risiko aufhalten lässt“. Bei den dafür notwendigen Ressourcen ginge es weniger um finanzielle Mittel. „Man braucht die entsprechende Führung und Strategie und muss die Maßnahmen dann auch tatsächlich umsetzen“.

Mary Galligan im Video-Talk:

Video-Talk with Mary Galligan from Deloitte U.S

Video-Talk with the former FBI Cyber Security Expert and 9/11 Lead Investigator Mary Galligan, now Managing Director Risk & Financial Advisory at Deloitte U.S., about demistifying cyber security.

Gepostet von DerBrutkasten am Freitag, 30. August 2019

3 „grundsätzliche ToDos“ in der „Cyber-Hygiene“

Auf die Frage, was man konkret tun kann, gibt Galligan mitunter altbekannte Antworten. Generell gelte es, eine „Cyber-Hygiene“ zu wahren. Es gebe dabei sehr grundsätzliche ToDos, die für kleine wie große Unternehmen gleichermaßen gelten würden:

Erstens müsse man den Bereich Access Management im Griff behalten. „Es geht dabei um die Frage: Wer im Unternehmen hat Zugang zu welchen Informationen? Wenn jeder Zugang hat, kann ein Cyber-Angreifer auch in jeden Account hinein. Wenn man weniger Leuten Zugang gibt, kann man einen problematischen Vorfall schneller eingrenzen“, erklärt die Expertin.

Zweitens ginge es in der Cyber-Hygiene um Passwörter. Diese sollten einen hohen Komplexitätsgrad haben und häufig geändert werden.

Drittens gelte besonders für kleinere Unternehmen: Bei ihnen bestünde eine erhöhte Gefahr, dass ihnen bei Cyber-Attacken der Datenzugang gegen eine „Lösegeld-Forderung“ verwehrt wird. Für diesen Fall sollten entsprechende Backups angelegt und laufend aktualisiert werden.

Regulatorik als Fluch und Segen

Es sei insgesamt ein Bereich, der sich laufend fortentwickle und immer neu angegangen werden müsse, sagt Galligan. Dem Gesetzgeber räumt sie dabei nur begrenzte Möglichkeiten ein. „Gesetzliche Regulierung kann dabei hilfreich sein. Wer jedoch glaubt, man könne die Gefahr wegregulieren, der irrt“, sagt die Expertin. Bei vielen Deloitte-Kunden beobachte man sogar einen negativen Effekt durch Regulierung.

„Die Unternehmen sind durch die scharfen Regelungen immer stärker Compliance-getrieben. Sie arbeiten eine Checklist ab, um keine Strafe zahlen zu müssen. Die eigentlich dahinterstehende Frage nach der Cyber Security wird dabei aber vernachlässigt“. Ein gewisses Risiko bliebe, wie erwähnt immer erhalten. „Jeder unserer großen Kunden akzeptiert täglich ein bestimmtes Restrisiko. Diesen Zugang brauchen wir auch von regulatorischer Seite“.

„Cyber Security von Beginn der Produktentwicklung an mitdenken“

Und wie sieht es mit dem Einfluss von Security-Maßnahmen auf die Usability aus? Gute User Experience und Cyber Security würden einander nicht zwingend widersprechen, es gelte aber dennoch oft, eine „Balance“ zu finden, sagt die Expertin. Man müsse jedenfalls darauf achten, Cyber Security bereits von Beginn der Produktentwicklung bzw. am Anfang eines Innovationsprozesses mitzudenken. „Heute wird das häufig im Nachgang gemacht und dann treten die großen ‚Neins‘ auf“, sagt Galligan.

Cyber-Kriminalität „nicht das größte Problem“

Auch für Startups böte das Feld Cyber Security große Chancen. „Bis jetzt hat noch niemand die Lösung gebracht. Das liegt natürlich daran, dass es keine einzelne Lösung dafür gibt. Dazu ist das Feld viel zu komplex“. Dadurch könnten zahlreiche Startups profitieren, in dem sie Lösungen für einzelne große Probleme liefern.

Eines sei aber klar. Wie sich auch in der Arbeit mit den Kunden zeige, sei Cyber-Kriminalität aber nicht das größte Problem: Tatsächlich würden technische Probleme durch Software-Fehler weltweit erheblich größere Kosten verursachen als Cyber-Attacken, sagt Galligan. Zweitere würden jedoch medial weit größere Aufmerksamkeit erfahren.

⇒ Galligan auf der Deloitte-Page

Redaktionstipps
Deine ungelesenen Artikel:
03.06.2026

fixed: Erste Doku von refurbed zeigt die Vielschichtigkeit von E-Waste

Im April 2026 machte sich refurbed Co-Founder Kilian Kaminski mit einem Team auf, um den Umgang mit E-Waste in Ghana in einer Dokumentation festzuhalten. Der bislang erste Film des Wiener Scaleups hinterfragt außerdem Europas Verständnis von globalem Elektroschrott. Gestern präsentierte Kaminski die Dokumentation in den Breitenseer Lichtspielen, wo brutkasten vor Ort war.
/artikel/fixed-erste-doku-von-refurbed-zeigt-die-vielschichtigkeit-von-e-waste
03.06.2026

fixed: Erste Doku von refurbed zeigt die Vielschichtigkeit von E-Waste

Im April 2026 machte sich refurbed Co-Founder Kilian Kaminski mit einem Team auf, um den Umgang mit E-Waste in Ghana in einer Dokumentation festzuhalten. Der bislang erste Film des Wiener Scaleups hinterfragt außerdem Europas Verständnis von globalem Elektroschrott. Gestern präsentierte Kaminski die Dokumentation in den Breitenseer Lichtspielen, wo brutkasten vor Ort war.
/artikel/fixed-erste-doku-von-refurbed-zeigt-die-vielschichtigkeit-von-e-waste
Ein Mann in Accra sitzt in einer Garage und repariert einen alten Computer (c) refurbed
Schrotthändler Fuseini Yakubu arbeitet im informellen Sektor von Accra. (c) refurbed

Ein Blick auf Ghanas Hauptstadt Accra. Im sogenannten „informellen Sektor“ der E-Waste-Verarbeitung liegt Agbogbloshie, eine der größten Elektromüllhalden der Welt. Hier werden Berge an Elektroteilen gesammelt, sortiert, repariert und weiterverarbeitet. Das ist die Einstiegszene der neuen refurbed-Doku „fixed“.

Brennende Müllberge im globalen Süden sind Bilder, die uns in Europa bekannt sind und unser Narrativ über Elektroschrott prägen. Während kaputte Geräte in Europa sehr schnell als Müll betrachtet werden, was die Wegwerfgesellschaft ankurbelt, hat sich in Ghana durch den E-Müll eine formelle wie auch informelle Reparatur- und Recyclingwirtschaft entwickelt.

Um die unterschiedliche Wahrnehmung von E-Waste aufzuzeigen, hat ein Team rund um refurbed-Co-Founder Kilian Kaminski im April die erste eigene Doku „fixed – Accras Antwort auf Europas Elektroschrott“ vor Ort in Ghana gedreht.

Elektroschrott als Krise, aber auch als Ressource

„In den letzten Jahren drehten sich Gespräche rund um Nachhaltigkeit oft um CO2-Emissionen, und das ist auch wichtig. Aber im Hintergrund brodelt eine weitere Krise, die ständig wächst: der Elektroschrott. Dazu gehören Berge von ausrangiertem Elektroschrott, giftige Umgebungen und Gemeinschaften, die für Konsumgewohnheiten bezahlen müssen, die sie selbst gar nicht verursacht haben“, hält Kaminski in seinen Begrüßungsworten bei der Präsentation der Dokumentation fest.

Gleichzeitig hat der E-Schrott eine innovative Reparaturkultur in Ghana entwickelt. Dr. Michael Osei Asibey, Experte für Umweltpolitik an der ghanaischen KNUST-Universität, forscht seit Jahren intensiv zum Recyclingsektor und plädiert im Film für ein radikales Umdenken. Seine prägnante Formel „Waste is a resource in the wrong place“ (Abfall ist eine Ressource am falschen Ort) bringt das Kernanliegen der Dokumentation auf den Punkt: Elektronik darf kein kurzlebiges Wegwerfprodukt sein. Vielmehr müssen wir ausgediente Geräte als wertvolle Materiallager begreifen, die dauerhaft in einem Kreislaufsystem gehalten werden.

Co-Founder von refurbed Kilian Kaminski (r.) bei den Dreharbeiten in Ghana. (c) refurbed

Vielschichtige Blockaden der Kreislaufwirtschaft

Politische, wirtschaftliche, aber auch gesellschaftliche Blockaden verhindern in Europa die Umsetzung von flächendeckenden Kreislaufwirtschaften. Kaminski sieht Blockaden in der Politik vor allem darin, dass der Fokus meist auf kurzfristigen Themen liegt. „Man konnte das gut im März 2020 beobachten, als Covid kam. Plötzlich waren Nachhaltigkeit und die Kreislaufwirtschaft nicht mehr die wichtigen Themen. Das Thema Nachhaltigkeit wird immer als ein Zukunftsproblem behandelt, obwohl es eigentlich ein aktuelles Problem ist, weil wir jetzt dagegen vorgehen müssen“, so der Co-Founder von refurbed.

Unternehmen seien gefragt, auf langlebige Produkte zu setzen. Die Praxis der künstlichen Obsoleszenz – also das bewusste Kaputtgehen von Geräten für schnellere Upgrades – sollte nicht weiter gefördert werden.

„Und als Privatpersonen sollten wir wirklich überdenken: Was und wie konsumieren wir? Behalten wir vielleicht ein Produkt länger? Geben wir alte Produkte weiter? Also einfach ein Verständnis zu entwickeln, dass der Wert des Gerätes viel höher ist, als wir eigentlich denken. Es geht nicht nur um den finanziellen Wert. Die Rohstoffe, die in den Produkten sind, haben einen sehr langen Lebenszyklus und kommen oftmals aus der gesamten Welt zurück zu einem Ort.“

Durch die Dokumentation soll ein differenzierteres Bild von E-Waste geschaffen werden. (c) refurbed

Kreislaufwirtschaft als Thema für Startups

Im Thema Kreislaufwirtschaft stecke für Startups und Jungunternehmen laut Kaminski gerade sehr viel Potenzial. Es sei nur eine Frage der Zeit, wann die Wirtschaft den Fokus auf diese Themen lege. „Wir stehen mit der Kreislaufwirtschaft ganz am Anfang. Und ich glaube, jetzt kann man vor allem die großen Unternehmen speziell mit Geschäftsmodellen, die die Kreislaufwirtschaft im Herzen haben, viel mehr challengen, als mit Geschäftsmodellen, die einfach dasselbe machen, wie es seit 100 Jahren gemacht wurde. Und das beinhaltet ja am Ende des Tages ganz viele Nachhaltigkeitsthemen, egal ob es Energie oder Rohstoffe sind.“

Auf die Frage, welches Problem Kaminski heute als Startup lösen würde, antwortet er: „Ich würde nach wie vor den E-Waste bekämpfen.“

Über refurbed

Ziel des 2017 von Peter Windischhofer, Kilian Kaminski und Jürgen Riedl in Wien gegründeten Unternehmens refurbed ist es, den Konsum in ganz Europa dauerhaft zu verändern. Mittlerweile ist das Scaleup in 24 europäischen Ländern aktiv und zählt zu den führenden Online-Marktplätzen für generalüberholte Produkte.

Die ganze Dokumentation von refurbed wurde gestern auf YouTube veröffentlicht und vorab präsentiert.

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

FBI-9/11-Chefermittlerin zu Cyber Security: 3 „grundsätzliche ToDos“

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

FBI-9/11-Chefermittlerin zu Cyber Security: 3 „grundsätzliche ToDos“

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

FBI-9/11-Chefermittlerin zu Cyber Security: 3 „grundsätzliche ToDos“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

FBI-9/11-Chefermittlerin zu Cyber Security: 3 „grundsätzliche ToDos“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

FBI-9/11-Chefermittlerin zu Cyber Security: 3 „grundsätzliche ToDos“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

FBI-9/11-Chefermittlerin zu Cyber Security: 3 „grundsätzliche ToDos“

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

FBI-9/11-Chefermittlerin zu Cyber Security: 3 „grundsätzliche ToDos“

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

FBI-9/11-Chefermittlerin zu Cyber Security: 3 „grundsätzliche ToDos“

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

FBI-9/11-Chefermittlerin zu Cyber Security: 3 „grundsätzliche ToDos“