19.09.2019

Farmhedge: So sollen Österreichs Bauern von einer irischen App profitieren

Das irische Startup Farmhedge möchte mit seinem digitalen Marktplatz die Kommunikation zwischen Landwirten und Lagerhäusern verbessern. Per App können sich User über aktuelle Angebote informieren und auch ihre eigenen Waren zum Verkauf anbieten.
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Farmhedge, landwirte, App, Lagerhäuser
(c) RWA/iStock - Seit 1. September bieten zahlreiche Lagerhäuser Landwirten mit der App Farmhedge einen neuen digitalen Marktplatz.

Landwirten aus Niederösterreich, Oberösterreich, der Steiermark und dem Burgenland steht mit Farmhedge ein neuer digitaler Marktplatz zur Verfügung. „Die Lagerhaus-Genossenschaften stehen seit jeher in täglichem Austausch mit den Landwirten. Das gilt heute genauso wie früher. Allerdings muss die Kommunikation heute viel rascher, effizienter und ortsunabhängig erfolgen. Mit der Handy-App Farmhedge etablieren die Lagerhäuser einen neuen digitalen Kanal, der in der Kommunikation und im Handel zwischen Landwirt und Lagerhaus eine neue Ära einleitet“, so Christoph Metzker, Verantwortlicher bei Raiffeisen Ware Austria (RWA).

+++ Wenn der Mähdrescher sich vom Feld meldet: A1 und TTControl vernetzen Maschinen +++

So funktioniert Farmhedge

Der Landwirt lädt die App kostenfrei auf sein Handy, registriert sich und wird dem Lagerhaus seiner Region zugeordnet. Mittels Nachrichten wird der Landwirt über die App laufend über für ihn interessante Angebote informiert – diese reichen beispielsweise von verschiedenen Betriebsmitteln wie Saatgut, Pflanzenschutz oder Düngemittel über Energieprodukte wie Diesel bis hin zu verschiedenen Dienstleistungen. Gleichzeitig erfährt der Landwirt, welchen Preis das Lagerhaus aktuell für bestimmte landwirtschaftliche Produkte zahlt, und kann seine Ware bei Interesse direkt über die App verkaufen.

Persönliche Angebote durch persönliches Profil

Aufgrund des persönlichen Profils sollen Landwirte nur jene Angebote sehen, die für sie auch relevant sind. Entwickelt wurde die App vom irischen Startup Farmhedge. Das Unternehmen durchlief im Jahr 2017 das Acceleration- & Market Entry Programm des Agro Innovation Lab (AIL), der gemeinsamen Innovationsplattform von RWA Raiffeisen Ware Austria und BayWa.

RWA und BayWa haben sich anschließend 2018 mit jeweils 11,3 Prozent am Unternehmen Farmhedge beteiligt. In Folge wurde das Tool in Zusammenarbeit mit dem AIL und den Lagerhäusern für den österreichischen Markt adaptiert, weiterentwickelt und getestet. Seit 1. September steht die App nun Kunden von 19 Lagerhaus-Genossenschaften kostenfrei zur Verfügung.

⇒ Zur Homepage des digitalen Marktplatz

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(c) Verena Nageler

Mit vierundzwanzig habe ich einen großen Teil meines Ersparten in ein Wiener Mobility-Startup gesteckt. Verrückt, ich weiß, aber ich habe verdammt viel gelernt, als ich am Tisch mit namhaften Business Angels aus Österreich und VCs wie Elevator Ventures, Uniqa Ventures und dem aws Gründerfonds sitzen durfte. Die Firma hieß goUrban, eine Plattform für Car- und Micro-Mobility-Sharing und für die Digitalisierung von Firmenflotten. Im September 2024 wurde goUrban von Wunder Mobility übernommen.

Geblieben ist mir aus dieser Zeit vor allem eine Lektion. Sie kommt in der aktuellen Debatte über autonomes Fahren fast nie vor: Ein Fahrzeug ist noch kein Geschäftsmodell.

Beim Sharing entscheidet nämlich nicht die App. Fahrzeuge wollen geladen, gereinigt, gewartet und umverteilt werden. Sie müssen dort stehen, wo in zwanzig Minuten jemand sucht. Stehen sie falsch, kosten sie Geld. Sind sie defekt, ist die Kund:in weg. Bleibt die Auslastung aus, hilft die beste Technologie nichts.

Beim autonomen Fahren ist und wird das nicht anders sein. Die Person am Steuer kann verschwinden. Der Betrieb bleibt ja trotzdem.

Die USA und China machen es logisch, aber anders

Die USA und China skalieren autonome Mobilität dort, wo Dichte, große Flotten und zahlungsbereite Kund:innen zusammenkommen. Das Robotaxi ist als individuelles Produkt gedacht und fährt zuerst in den Gebieten, in denen sich der Betrieb rechnet. Das ist logisch und funktioniert dort auch.

Bei uns sind die Voraussetzungen andere. Wir haben ein dichtes öffentliches Netz, starke Verkehrsverbünde und die politische Erwartung, dass Mobilität auch dort funktioniert, wo sie sich betriebswirtschaftlich nicht ausgeht.

Ein europäisches Waymo zu bauen, löst diese Frage nicht. Der Bahnhof im Seitental, der Weiler am Dienstagabend, der Tourismusort im November: Da fehlt kein weiteres einzelnes Fahrzeug. Da fehlt das System, das dieses Fahrzeug in den öffentlichen Verkehr einhängt.

Die spannendste europäische Position liegt für mich deshalb nicht im Technologie-Layer. Sie liegt bei denen, die Flotten betreiben, Nachfrage bündeln, Fahrten disponieren, Fahrzeuge laden und warten, Schnittstellen zu den Verbünden bauen und Gemeinden, Betriebe und Behörden an einen Tisch bekommen. Also bei der unglamourösen Arbeit.

Ohne Nachfrage keine Skalierung

Autonome Fahrzeuge rechnen sich erst, wenn sie regelmäßig fahren. Und genau hier wird der Tourismus unterschätzt.

Eine Destination bündelt Nachfrage räumlich und zeitlich. Samstagvormittag kommen die Gäste an denselben zwei, drei Bahnhöfen an. Sie fahren zu einer überschaubaren Zahl an Unterkünften, Bergbahnen, Veranstaltungsorten und Ausflugszielen. Diese Wege sind planbarer als die einer beliebigen Stadtbevölkerung. Wir sehen das in unseren Daten immer wieder.

Ein einzelnes Hotel wird trotzdem nie eine autonome Flotte aufbauen. Eine Region kann es. Sie kann die Nachfrage aus Beherbergung, Freizeitwirtschaft, Bevölkerung und öffentlichem Verkehr zusammenlegen. Aus einzelnen Fahrten wird ein Bediengebiet, aus dem Pilotprojekt ein Angebot, das bleibt. Und die Einheimischen fahren mit. Das ist der Punkt, an dem Konnektivität das Leben am Land wieder attraktiver macht.

Nur: Irgendwer muss diese Struktur aufsetzen. Wer übernimmt die Buchung? Wer garantiert den Anschluss, wenn der Zug 18 Minuten Verspätung hat? Wer zahlt die schwachen Zeiten? Wem gehören die Daten? Wer haftet, wenn eine Fahrt ausfällt? Und wer entscheidet, ob das Fahrzeug zum gut ausgelasteten Bahnhof fährt oder zum Betrieb am Ende des Tals?

Das klingt weniger nach Zukunft als Sensorik und Fahrzeugmodelle. Wirtschaftlich entscheidet es mehr.

Menschen steigen nicht wegen der Technik um

Das beste Angebot scheitert, wenn es niemand nutzt. Und die Rolle des Klimabewusstseins wird dabei gehörig überschätzt.

Der Gast lässt das Auto nicht stehen, um ein guter Mensch zu sein. Er lässt es stehen, wenn die Alternative bequemer ist und er sich darauf verlassen kann. Wenn sie günstiger ist, umso besser.

Der Urlaub ist dafür ein guter Moment. Menschen sind aus ihren Routinen raus, probieren Sachen aus, organisieren ihre Wege ohnehin neu. Ob das zuhause nachwirkt, ist noch nicht ausreichend belegt, da würde ich mich nicht zu weit hinauslehnen. Für eine Destination reicht der Urlaub trotzdem: Hier lässt sich zeigen, dass es ohne eigenes Auto geht, ohne dass sich jemand einschränken muss.

Die Technologie macht es möglich. Genutzt wird sie erst, wenn sie im Alltag der Gäste die bequemere Variante ist.

Wer das System organisiert, dem gehört der Markt

Europa pilotiert viel und skaliert wenig. Das liegt nicht nur an Regulierung und technischer Vorsicht. Meistens fehlt jemand, der aus Fahrzeug, öffentlichem Verkehr, touristischer Nachfrage und regionaler Verantwortung ein Produkt macht.

Waymo wird uns das nicht bauen. Und auch kein europäischer Fahrzeughersteller wird entscheiden, wie der Gast vom Bahnhof in ein österreichisches Seitental kommt.

Die unternehmerische Chance liegt zwischen den Zuständigkeiten. Sie gehört denen, die Betreiber, Verkehrsverbünde, Destinationen, Gemeinden und Betriebe koordinieren und daraus ein Angebot machen, das an einem Dienstag im November genauso funktioniert wie am Anreisesamstag im Winter.

Wer damit anfangen will, braucht dafür übrigens kein autonomes Fahrzeug. Es reicht, in einer Region die Fragen von oben zu beantworten: Buchung, Anschluss, Finanzierung der schwachen Zeiten, Daten, Haftung. Wer das geklärt hat, ist bereit, wenn die Fahrzeuge kommen. Die anderen pilotieren dann noch.

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