19.06.2024
CYBERSECURITY

Fake Shop Detector: KI kämpft gegen Internetbetrug

Mit einem Plug-in automatisiert gegen Internetbetrug vorgehen. Das will der Fake Shop Detector. Das Consortium bestehend aus den Linzer X-Net Services, dem AIT und ÖIAT ist bereits mehrfach ausgezeichnet. Jetzt wurde der Fake Shop Detector mit dem Constaninus Award erneut mit Anerkennung belohnt.
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Das Bild zeigt einen Computerbildschirm mit der Website
Fake-Shop mit Plugin-Anzeige (c) ACR-OeIAT

Internetbetrug automatisiert erkennen – so soll einkaufen im Internet sicherer werden. Mit dem Fake Shop Detector entwickelte der IT Dienstleister X-Net, gemeinsam mit dem Austrian Institute of Technology (AIT) und dem Österreichischen Institut für angewandte Telekommunikation (ÖIAT) ein kostenloses Plug-In, das betrügerische Online Shops erkennt und User warnt.

Cybercrime steigt an

Vermeintliche Schnäppchen, ausverkauft geglaubte Artikel und besonders verführerische Konditionen – zu gut um wahr zu sein? Oft ist es das auch! Betrug im Internet boomt, Fake Shops werden schwieriger zu erkennen und Cybercrime steigt.

Das Ausmaß des Problems in Österreich wird durch den erst kürzlich veröffentlichten Cybercrime Report deutlich. Im vergangenen Jahr wurden über 65.800 Delikte angezeigt, das sind 9,4 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor. Ein trauriger Aufwärtstrend, der auch noch mit einer gesunkenen Aufklärungsquote von 31.8 Prozent der Fälle einhergeht. Für Betroffene ist es also schwierig, in den meisten Fällen sogar unmöglich, den Schaden wieder rückerstattet zu bekommen.

Besser vorher klüger als hinterher

Lieber vorher klüger als hinterher ist also die Devise im Internethandel. Genau hier setzt der Fake Shop Detector an. Das Tool funktioniert als KI-Warnsystem, das per Ampelsystem die User vor Betrug warnt.

Die Künstliche Intelligenz wurde mit Trainingsdaten aus über 35.000 Online Shops trainiert und hat so verräterische Merkmale gelernt. Beim Aufrufen der Websites analysiert die KI und vergleicht dabei mehr als 21.000 Merkmale. Den Usern wird im Ampelsystem dann angezeigt, ob es sich um einen vertrauenswürdigen, anerkannten Shop oder um einen Fake Shop handelt.

Ausgezeichnet

Das Sicherheitsservice wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. Das Gemeinschaftsprojekt kann sich nun neben dem IT Wirtschaftspreis „eAward“ und dem Staatspreis Digitalisierung in der Kategorie Lifestyle, Jugend und e-Sports auch über den Constantinus Award freuen. X-Net Geschäftsführer Nikolaus Dürk fühlt sich durch die Auszeichnungen „ermutigt, den erfolgreichen Zusammenschluss von Forschung und Entwicklung in Österreich weiter voranzutreiben“.

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Fahne der Europäischen Union
Foto: Adobe Stock

Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll hat Digitale Souveränität in einer Aussendung vom letzten Herbst klar zusammengefasst: „Digitale Souveränität heißt, dass Europa selbst entscheidet, wie es seine Technologien nutzt, Daten schützt und Innovationen gestaltet – unabhängig, sicher und im Einklang mit unseren Werten.“

Um Europas Digitale Souveränität zu sichern, stellt Brüssel heute das Gesetzespaket „European Tech Sovereignty“ vor, das die eigene Tech-Branche stärken und die Abhängigkeit von den größten Playern USA und China verringern soll.

Mit dem schrittweisen Inkrafttreten des EU AI Acts und neuen Souveränitätsgesetzen wandelt sich die Wichtigkeit des Themas: Der Gedanke der Digitalen Souveränität sowie der Unabhängigkeit von Tech-Riesen hat in Brüssel längst Einzug gefunden.

Der Cloud & AI Development Act: Eine Übersicht

Der EU AI Act, der 2024 in Kraft trat, reguliert den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Europa streng nach Risikostufen, um Anwendern Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Sicherheit zu garantieren.

Demgegenüber erlaubt der amerikanische Cloud Act den US-Behörden den Zugriff auf Daten von US-Tech-Konzernen, völlig unabhängig davon, in welchem Land diese Server physisch stehen. Wenn eine US-Behörde zum Beispiel Daten von Microsoft fordert, muss Microsoft diese laut US-Recht herausgeben – selbst wenn die Daten auf einem Server in Frankfurt liegen.

Als europäische Antwort darauf führt der Cloud and AI Development Act (CADA) nun ein verbindliches Bewertungssystem (SEAL) für öffentliche Ausschreibungen ein. Dieses Gesetz verpflichtet sensible staatliche Sektoren dazu, bevorzugt rein europäische Cloud-Infrastrukturen zu nutzen, die gegen ausländische Datenzugriffe rechtlich immun sind. Dadurch setzt sich in Zukunft nicht mehr das beste Preis-Leistung-Angebot durch, sondern es muss für besonders kritische Sektoren eine europäische Lösung verwendet werden.

Das Praxisbeispiel Qwant

Laut dem Nachrichtenportal Politico fordern auch die EU-Abgeordneten selbst mehr digitale Souveränität. Dabei soll statt der amerikanischen Suchmaschine Google in Zukunft das französische Qwant als Standard-Suchmaschine im EU-Parlament verwendet werden. Laut einer internen Mitteilung an die Abgeordneten, die Politico vorliegt, erfolgt dieser Schritt im Einklang mit der Verpflichtung des Parlaments zu „digitaler Souveränität und dem Schutz der personenbezogenen Daten von Nutzern“. Die Abgeordneten dürften schon letztes Jahr mehr Unabhängigkeit im Unternehmen gefordert haben.

Auch auf nationaler Ebene von Bedeutung

Zurück in Österreich. Auch hier sorgt die Digitale Souveränität am Mittwoch in der Bundesratssitzung für Gesprächsstoff.

Seitdem die geopolitische Lage gekippt ist, habe Europa bitter gelernt, was es heißt, im Energiebereich nicht souverän zu sein, sagte Staatssekretär Alexander Pröll. „Genau diesen Fehler dürfen wir bei digitalen Technologien kein zweites Mal machen.“ Daten, Clouds und Künstliche Intelligenz (KI) seien die Ressourcen des Jahrhunderts. Wer sie kontrolliert, habe die Macht. Wer sich abhängig macht, werde erpressbar, so Pröll. 

Gehen die Meinungen der österreichischen Parteien normalerweise auseinander, zeigt sich bei diesem Thema Einigkeit: Die Digitale Souveränität sollte auf allen Ebenen angedacht werden und die aktuelle digitale Abhängigkeit von ausländischen – insbesondere US-amerikanischen – Technologieanbietern, stelle ein massives Problem dar.

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