26.07.2021

Fake or Real Green? – von Authentizität und guten alten Werten in der Klimadebatte

In seiner aktuellen Kolumne beschäftigt sich Mic Hirschbrich mit dem Mangel an Authentizität in unserer Klimadebatte und geht der Frage nach, welchen Effekt der Kultur-Wandel ab den 50er und 60er Jahren für unser Klimaverständnis hatte.
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In Social Media wuselt es nur so vor klugen Menschen. Viele dort wissen ganz genau, was gut und richtig ist, für die Welt, die Gesellschaft und das Klima. „Man muss mehr für den Klimaschutz tun, sagen sie.“ Und gemeint sind mit „man“ freilich immer die anderen, nie „man selbst“.

Auch die Milliardäre sollten sich besser um das Klima kümmern, anstatt ins All zu fliegen, sagen sie. Das hat schon etwas Wahres, auch wenn der technologische Fortschritt der Raumfahrt begeistert. Aber eines muss man ihnen zugutehalten, diesen superreichen Selbstdarstellern: Sie heucheln wenigstens nicht, wenn sie Milliarden investieren, um ein paar Minuten lang schweben zu können. Sie kommunizieren klar, was sie anstreben und feiern sich selbst ab, wenn sie ihre Ziele erreichen. Bezos hat sich auch noch artig bedankt, hätten doch seine Angestellten und wir Kunden das alles finanziert. Das kann man sympathisch finden oder nicht, aber es ist im Grunde ehrlich.

Wenn Menschen in den sozialen Medien argumentieren, was sie punkto Klima für gut und richtig halten, es aber in der Realität selbst nicht leben, dann sind sie den Klimawandelleugnern im Ergebnis ähnlich.

Mic Hirschbrich

Über den Mangel an Authentizität in unseren Klima-Debatten.

In der Softwareentwicklung gibt es den sogenannten „Wysiwyg“ („What you see is what you get“) -Editor. Damit sieht man beim Programmieren gleich von Beginn an, wie das Resultat mal aussehen wird. Wie praktisch.

Im echten Leben ist es nicht ganz so einfach. Da braucht es Authentizität, nur dann erahnt man, was man vom gegenüber erwarten kann. Wenn Menschen in den sozialen Medien argumentieren, was sie punkto Klima für gut und richtig halten, es aber in der Realität selbst nicht leben, dann sind sie den Klimawandelleugnern im Ergebnis ähnlich. Denn sie tun beide nichts aktiv gegen die Klimakatastrophe und verschwenden unsere Zeit.
„Be the change you wish to see“ forderte einst Mahatma Gandhi und der Spruch stimmt nirgends so wie beim Thema Klima. Reine Meinungs-Täter braucht niemand. Wir brauchen authentische Vorbilder, die erfolgreich leben, was sie uns täglich als richtig „verkaufen“.

Vom „value action gap“ und falschen Feindbildern.

Psychologen nennen das oben beschriebene Phänomen den „value action gap“. Die (kommunizierten) Werte des Menschen stimmen dabei nicht (mehr) mit seinen Handlungen überein. „Wasser predigen und Wein trinken“ nannte das Heinrich Heine in einem Epos.

Einigen jungen Klimaaktivist:innen wird vorgeworfen, zwar gerne mit erhobenem Zeigefinger zu ermahnen und schwere Geschütze gegen Klimasünder in deutschen ÖR-Debatten aufzufahren, aber selbst verwöhnt und materialistisch zu sein und im Privaten nicht nach den besagten Zielen zu leben. Am Ende ist das alles eine unnötige Ablenkung vom entscheidenden Thema.

Eine Klimakatastrophe ist weder links noch rechts.

Mic Hirschbrich

Fokus auf das Wesentliche!

Am Ende verlieren wir mit diesen (teils ideologisierten) Debatten und künstlich geschaffenen Feindbildern viel Zeit. Wirklich entscheidend sind doch diese drei Fragen zum Klimawandel:

  • Wie genau lautet die wissenschaftlich übereinstimmende, seriöse These zum Klimawandel und seiner zeitlichen sowie qualitativen Entwicklung?
  • Was müssen wir Menschen in Bezug zu dieser These konkret beitragen (Innovations-technisch, staatlich-regulativ und eigenverantwortlich), damit wir die vorhergesagte Katastrophe vermeiden?
  • Wie können wir dieses wissenschaftlich definierte Ziel erreichen und dabei Wohlstand und Lebensqualität auf möglichst hohem Niveau halten und (nachhaltig) weiterentwickeln?

Eine Klimakatastrophe ist weder links noch rechts. Aber wenn wir die kommenden Jahre die falschen Antworten auf die drei Fragen geben, ist sie gleich zerstörerisch für uns alle, ganz gleich aus welchem „Stall“ wir kommen.

Verschwendung statt Entnazifizierung?

Der angesehene Klimaforscher Prof. Hans Joachim Schellnhuber stellte kürzlich eine interessante These vor: Wir hätten nach dem Zweiten Weltkrieg, anstatt uns der Entnazifizierung zu widmen, die amerikanische Verschwendungs-Kultur übernommen.

Ich bin nicht sicher, ob diese These in der Form beweisbar ist. Aber die Analyse klingt plausibel, dass das zunehmende Ignorieren der Natur und die enorme Verschwendung in unserer Konsum-Gesellschaft kulturell nicht zu unserem Abendland gehört(e). Es ist eine historisch junge Erscheinung. Es hat, wie ich schon öfters in meinen Kolumnen hervorhob, auch nicht zwingend mit Kapitalismus oder dem ökonomischen Wachstums-Dogma zu tun. Die Marktwirtschaft ist diesbezüglich wertfrei, sie funktioniert mit nachhaltigem und ethischem Konsum genauso gut wie die Wegwerfindustrie. Letztlich entscheidet der Konsument, welche Industrie er stützt oder stürzt.

Ein Kultur-Wandel ab den 50er und 60er Jahren hat uns zu einer Art von Konsument:innen gemacht, der weder uns selbst noch dem Klima guttat, zumindest in etlichen Produkt-Bereichen.

Mic Hirschbrich

Zurück zu alten Werten?

Ich kannte meine Urgroßeltern noch gut, die konsumtechnisch ein völlig anderes Leben lebten als die Generationen danach. Verschwendung war ihnen ein echtes Greul. Der Krieg mag sie geprägt haben, aber ihre diesbezügliche Haltung war auch davor so gewesen. Sie warfen Nahrungsmittel praktisch nie weg, bezogen sie fast ausschließlich regional und kauften nur teure, hochwertige Kleidung. Investitionen wurden nach Kriterien wie Nachhaltigkeit und Qualität getätigt, nicht impulshaft. Dinge kosteten mehr, aber hielten auch länger.

Ökonomisch stärkte das die guten Handwerksbetriebe und hochwertige Lieferanten. Aus vielen Gesprächen weiß ich, sie waren in ihrem Wesen die Mehrheit, nicht die Minderheit in Österreich. Ein Kultur-Wandel ab den 50er und 60er Jahren hat uns zu einer Art von Konsument:innen gemacht, der weder uns selbst noch dem Klima guttat, zumindest in etlichen Produkt-Bereichen.

Dass die heute oft gelebte Ressourcen-Verschwendung logischer Teil unserer ökonomischen und persönlichen Entwicklung sein muss(te) – sollten wir nicht unwidersprochen lassen. Denn, so sind wir nicht. Oder zumindest, so sind wir nicht immer gewesen.


Zum Autor

Mic Hirschbrich ist CEO des KI-Unternehmens Apollo.AI, beriet führende Politiker in digitalen Fragen und leitete den digitalen Think-Tank von Sebastian Kurz. Seine beruflichen Aufenthalte in Südostasien, Indien und den USA haben ihn nachhaltig geprägt und dazu gebracht, die eigene Sichtweise stets erweitern zu wollen. Im Jahr 2018 veröffentlichte Hirschbrich das Buch „Schöne Neue Welt 4.0 – Chancen und Risiken der Vierten Industriellen Revolution“, in dem er sich unter anderem mit den gesellschaftspolitischen Implikationen durch künstliche Intelligenz auseinandersetzt.


Infobox

1912 berichteten Forscher erstmals über den Zusammenhang von Kohle-Verbrennung, CO2 und dessen negativer Wirkung auf unser Klima. Also seit 109 Jahren macht uns die Wissenschaft, mit zunehmender Vehemenz, auf dieses Thema aufmerksam.
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Isabell Claus, Ashley Zvaniashvili, Eva Reder (v. l.) | (c) xchannels.ai

Das Wiener KI-Startup xchannels.ai setzt seinen internationalen Expansionskurs fort. Wie das Unternehmen am Donnerstag bekannt gab, geht es eine strategische Partnerschaft mit der im Silicon Valley ansässigen Marketingagentur GrowthMasters.io ein. Für das von Isabell Claus und Ashley Zvaniashvili geführte Startup ist die Kooperation der nächste Schritt seiner internationalen Wachstumsstrategie. „Die Präsenz im Silicon Valley ist für uns keine symbolische Geste, sondern essentieller Teil unserer Strategie“, sagt Ashley Zvaniashvili, Co-Geschäftsführerin von xchannels.ai.

Im Mittelpunkt der Partnerschaft steht der Wissenstransfer zwischen dem Silicon Valley und Europa. Xchannels.ai will die lokale Marktkenntnis und das Netzwerk von GrowthMasters.io nutzen, um neue Entwicklungen rund um KI, digitales Marketing und AI Visibility direkt im US-Markt aufzugreifen. AI Visibility bezeichnet die Sichtbarkeit von Unternehmen in KI-gestützten Such- und Antwortsystemen wie ChatGPT.

„Im Silicon Valley entstehen nahezu alle Trends, die später weltweit Marketingstrategien und digitale Geschäftsmodelle bestimmen. Europäische Unternehmen – insbesondere KMU – haben häufig erst mit starker Verzögerung Zugang zu diesem Wissen“, sagt Co-Geschäftsführerin Isabell Claus. Die gewonnenen Erkenntnisse aus den USA will xchannels.ai in konkrete Marketinglösungen übersetzen, die die europäischen Kunden nutzen können.

US-Marketingagentur mit österreichischen Wurzeln

Mit GrowthMasters.io holt sich xchannels.ai einen Partner an Bord, der bereits seit mehreren Jahren im US-amerikanischen Marketingmarkt tätig ist. Die Agentur wurde von der Oberösterreicherin Eva Reder gegründet und ist auf LinkedIn-Content, digitales Marketing und bezahlte Werbekampagnen spezialisiert.

Der Kontakt zwischen den beiden Unternehmen entstand durch ein anderes österreichisches Startup. GrowthMasters.io sei auf der Suche nach einer technischen Lösung gewesen, wie sie xchannels.ai anbietet, erklärt Claus. Die Zusammenarbeit soll dabei in beide Richtungen funktionieren: Während GrowthMasters.io seine Erfahrung und sein Netzwerk im US-Markt einbringt, stellt xchannels.ai seine KI-basierte Marketingplattform zur Verfügung. Diese unterstützt Unternehmen dabei, Marketinginhalte automatisiert zu erstellen und über verschiedene digitale Kanäle zu verbreiten. GrowthMasters.io will die Plattform künftig auch für seine eigenen Kunden in den USA einsetzen.

Erste US-Kunden über GrowthMasters.io erwartet

Die Partnerschaft markiert laut Claus erst den Beginn der US-Expansion. Das Startup, dass in Kürze erste Bestandskunden von GrowthMasters.io auch die Plattform von xchannels.ai nutzen werden.

Darüber hinaus plant das Unternehmen noch vor Jahresende eine Reise in die USA, um potenzielle Geschäftspartner zu treffen, die eigene Plattform vorzustellen und sein Netzwerk weiter auszubauen. Neben dem Silicon Valley steht dabei auch New York im Fokus. Vor allem die dort stark vertretene Kreativ- und Werbeindustrie mache den Standort für xchannels.ai interessant.

Von acht auf zehn internationale Märkte

Auch in Europa setzt xchannels.ai seinen Wachstumskurs fort. Bereits im August war das Startup nach eigenen Angaben mit rund 50 Unternehmenskunden in acht Ländern aktiv. Mittlerweile zählt das Unternehmen laut Claus 86 Kunden und zehn Mitarbeitende. Die Zahl der internationalen Märkte ist auf zehn gestiegen, zuletzt kamen Lettland und Italien hinzu.

Beim internationalen Wachstum setzt xchannels.ai weiterhin auf strategische Partnerschaften. Unter anderem arbeitet das Startup bereits mit der Deutschen Telekom zusammen. Die nun geschlossene Kooperation mit GrowthMasters.io soll diesen Ansatz auf den amerikanischen Markt ausweiten.

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