21.05.2026
FINALE

factorymaker: Wiener DeepTech-Startup gewinnt Startup World Cup Austria

Damit vertritt das Startup rund um die Co-Founderinnen Julia Reisinger und Maria Zahlbruckner Österreich im Silicon Valley.
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Die Co-Founderinnen von factorymaker, Dr. Julia Reisinger (links) und Maria Zahlbruckner (rechts). | © Sebastian Zahlbruckner/photosbyseppo

Im Rahmen der ViennaUP wurde das Finale des Startup World Cup Austria 2026 in der Wirtschaftskammer Österreich ausgetragen. Bereits zum sechsten Mal brachte invest.austria in Kooperation mit AustrianStartups den Startup-Pitch-Wettbewerb nach Österreich.

factorymaker im Februar noch mit Pre-Seed

Das Gewinner-Startup factorymaker, das im Februar ein Pre-Seed-Investment von 1,1 Millionen Euro erhielt, wie brutkasten berichtete, wird Österreich nun beim globalen Finale des Startup World Cup im Silicon Valley vertreten und dort vor internationalen Investor:innen pitchen – mit der Chance auf ein Investment von einer Million US-Dollar.

Das Startup aus Wien entwickelt eine adaptive Industrieplanungsplattform, die Standort-, Gebäude- und Prozessplanung in einem generativen Modell vereint. Dadurch sollen Unternehmen bereits in frühen Projektphasen Simulationen, Szenarienvergleiche und automatisierte Prüfungen durchführen können, bevor kostenintensive Entscheidungen getroffen werden. Die Plattform unterstützt dabei, industrielle Projekte schneller, flexibler und effizienter zu planen und langfristig an veränderte Anforderungen anzupassen.

Alle Gewinner seit 2021

Factorymaker folgt damit auf frühere Gewinner des Wettbewerbs: all but sugar (2025), Cellectric Biosciences (2024), reebuild (2023), Lignovations (2022) und Kape Skateboards (2021).

„Der Startup World Cup Austria zeigt, welches Potenzial im österreichischen Innovationsstandort steckt. Entscheidend ist, dieses Potenzial auch in Wachstum zu übersetzen. Dafür braucht es starke Schnittstellen zwischen Startups und Investor:innen sowie die richtigen politischen Rahmenbedingungen. Initiativen wie der Dachfonds und eine stärkere europäische Kapitalmarktintegration – im Sinne des 28th Regimes – EU Inc. – sind zentrale Hebel, um mehr privates Kapital in den vorbörslichen Markt zu lenken“, sagt Valentin Krenkel, MBA, stellvertretender Geschäftsführer bei invest.austria.

„Mehr als ein Ticket nach San Francisco“

Elisabeth van Holthe tot Echten, Program & Events Managerin bei AustrianStartups, ergänzt: „Der Startup World Cup zeigt jedes Jahr, wie viel unternehmerisches Potenzial in Österreich steckt und dass dieses Potenzial auch international wahrgenommen wird. Über 350 nationale und internationale Gäste haben 12 Finalist:innen aus ganz Österreich auf der Bühne erlebt. Für die Gründer:innen geht es um mehr als ein Ticket nach San Francisco. Es geht um Sichtbarkeit und Kontakte, die den nächsten Schritt ermöglichen. Formate wie der Startup World Cup, die Gründer:innen solch eine Bühne bieten, sind ein Gewinn für das gesamte Ökosystem.“

Das große Finale fand am 18. Mai 2026 in der Wirtschaftskammer Österreich in Wien statt. Im Vorfeld hatten sich Startups bei regionalen Pre-Events in Linz, Innsbruck, Graz und Wien für das Finale qualifiziert. Pro Standort zogen jeweils drei Startups ins nationale Finale ein.

Die zwölf Finalisten des Startup World Cup Austria 2026 waren: Lokistix, NoxAvis Tech Solutions, Combyn Health Care, Serwas, StratoChaser, AINOVO, scopri.ai, BioShift Energy, TAGBASE.io, factorymaker, Deepentix und Parlai.

Die Jury bestand aus Xiaomin Mou (International Finance Corporation), Werner Müller (FFG), Scarlett Sieber (Money20/20), Kenneth Thomas (BackFuture), Florian Haas (EY) und Gregory Gorman (Seed2Exit).

Publikumspreis nach Graz

Neben dem Hauptpreis wurde auch heuer wieder ein Publikumspreis vergeben. Der Community Award ging an das Grazer Startup Combyn Health Care. Das Startup entwickelt mit dem „BioCore Loop“ einen automatisierten Gesundheitskiosk für schnelle Herz-Kreislauf-Checks. Innerhalb von sechs Minuten soll das System umfassende Messungen wie 6-Kanal-EKG, Blutdruckanalyse, Pulswellengeschwindigkeit und Körperzusammensetzung ermöglichen – ohne medizinisches Fachpersonal vor Ort. Ziel ist es, präventive Gesundheitsdiagnostik einfacher, schneller und kostengünstiger zugänglich zu machen.

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Die Gründer von versa: Jakob Logar, Maximilian Brehm und Elija Dentler (v. l.) | (c) webformance.agency

Ein schwieriges Kundengespräch, eine heikle Preisverhandlung oder eine verärgerte Kundin: Solche Situationen gehören in vielen Berufen zum Alltag. Doch wie bereitet man Mitarbeitende darauf vor? Klassische Kommunikationstrainings sind oft zeitaufwendig und bieten nur begrenzte Möglichkeiten, das Gelernte praktisch anzuwenden.

Genau hier setzt das Grazer Startup versa an. Das im Jänner 2026 gegründete Unternehmen hat eine KI-basierte Plattform entwickelt, mit der Mitarbeitende realistische Gesprächssituationen simulieren und anschließend individuelles Feedback erhalten können.

Gegründet wurde das Unternehmen von Jakob Logar, Elija Dentler und Maximilian Brehm. Die Idee entstand aus den beruflichen Erfahrungen der Gründer. Co-CEO Logar war rund 20 Jahre im Vertrieb tätig und absolvierte selbst zahlreiche Kommunikationstrainings. Diese seien zwar hilfreich gewesen, hätten aber meist nur wenig Raum für praktische Übungen geboten. „Da haben wir jetzt einfach gesehen, das was KI da möglich macht, ist eben diesen Flaschenhals der Rollenspiele aufzuheben“, erklärt Logar. Mitarbeitende könnten dadurch unabhängig von Trainer:innen oder Vorgesetzten Gespräche üben.

Von einem Forschungsprojekt zur KI-Plattform

Den Anstoß lieferte ein Forschungsprojekt am Grazer Know-Center. Dort wurde auf Anfrage der Medizinischen Universität Innsbruck untersucht, ob sich Arzt-Patienten-Gespräche mit KI simulieren lassen. Ein erster ChatGPT-Prototyp zeigte Potenzial, aber auch technische Grenzen.

Heute kombiniert versa verschiedene KI-Modelle für die Szenarioerstellung, Sprachinteraktion und Auswertung. Unternehmen können eigene Unterlagen und Kundenprofile einbinden, um möglichst praxisnahe Trainingssituationen zu schaffen.

Doch warum braucht es dafür eine eigene Plattform statt ChatGPT? „Die Magie liegt eigentlich in der KI-Architektur und in der Agent-Orchestrierung“, sagt Logar. Anders als bei der Nutzung eines einzelnen Sprachmodells sollen die KI-Personas konsistent bleiben und die Auswertungen vergleichbar sein.

Eigene KI-Basismodelle entwickelt das Startup nicht. Stattdessen setzt es auf eine flexibel aufgebaute Architektur. „Wir verwenden immer das beste Modell“, so Logar. Neue Technologien könnten dadurch einzelne Komponenten ersetzen, ohne die gesamte Plattform verändern zu müssen.

Eingesetzt wird versa derzeit vor allem beim Onboarding neuer Mitarbeitender. Diese können vom ersten Kundentelefonat bis zur Preisverhandlung unterschiedliche Gesprächssituationen trainieren.

Das KI-Trainingsgespräch selbst erfolgt dann im Look eines Video-Calls. (c) versa Training GmbH

14 zahlende Kunden und bereits profitabel

Nur wenige Monate nach der Gründung zählt versa laut Logar rund 14 zahlende Unternehmenskunden. Darunter befinden sich eine große Bank und einer der größten deutschen Versicherer. Als Zielgruppe sieht versa nicht ausschließlich Großkonzerne. Interessant sei die Plattform grundsätzlich für Unternehmen mit mindestens 20 Mitarbeitenden in kundenorientierten Rollen, etwa im Vertrieb oder Kundenservice.

Der Weg vom ersten Interesse zum Vertragsabschluss sei allerdings nicht immer kurz. Besonders bei größeren Unternehmen würden rechtliche Prüfungen rund um den Einsatz von KI den Verkaufsprozess verlängern.

Finanziert wurde das Startup bislang ausschließlich aus Eigenmitteln. Das Stammkapital von 10.000 Euro brachten die drei Gründer selbst auf. Auf die Frage, wann das Unternehmen profitabel werden wolle, antwortet Logar: „Wir sind schon profitabel.“

Förderabsage als Wendepunkt

Ursprünglich hatte das Gründerteam auf eine aws-Seedförderung gehofft. Nach einem Pitch im Frühjahr 2026 folgte jedoch die Absage. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Gründer ihre bisherigen Jobs bereits gekündigt. Trotz des Rückschlags beschlossen sie weiterzumachen. „Wir haben dann aber den Entschluss gefasst, weiterzumachen, weil die Idee so gut ist“, erzählt Logar. Die Absage habe das Team letztlich stärker auf den Markt fokussiert.

Aktuell ist versa in der Science Park Graz Academy und arbeitet im Grazer Unicorn. Zunächst will das Startup aus eigener Kraft weiterwachsen und einen mittleren sechsstelligen Umsatzbetrag erreichen. Für die spätere Skalierung werden Partner gesucht.

Dabei denkt das Team von Beginn an international. „Wir haben ja keine sprachlichen Restriktionen“, erklärt Logar. Erste Kunden aus Deutschland hat versa bereits gewonnen. Langfristig will das Unternehmen vor allem dort wachsen, wo der Bedarf an skalierbaren Kommunikationstrainings besonders groß ist.

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