29.03.2023

Studie: Nur die Hälfte der größten 100 Betriebe in Österreich veröffentlicht einen Nachhaltigkeitsbericht

Mit der sogenannten "Corporate Sustainability Reporting Directive" (CSRD) verschärft die EU in den nächsten Jahren die Anforderungen an das nichtfinanzielle Reporting. Österreichs Top-Unternehmen hinken laut EY allerdings noch hinterher.
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Green Energy Lab
Das Green Energy Lab, Österreichs größtes Innovationslabor für Nachhaltigkeit, erhöht sein Investitionsvolumen auf 140 Millionen Euro. (c) Green Energy Lab

Österreichs Betriebe haben im Bereich der Nachhaltigkeitsberichterstattung noch großen Aufholbedarf. Wie eine neue Analyse der Unternehmensberatung EY zeigt, publizieren nur 46 Prozent der Top-Unternehmen in Österreich einen Nachhaltigkeitsbericht. Für die Studie wurden 100 führende Unternehmen gemäß Trend Top 500 Ranking (Ranking nach Umsatz) untersucht – inklusive fünf der größten Banken und Versicherungen des Landes.

Nachhaltigkeitsbericht: Anforderungen an Unternehmen verschärfen sich

Mit ihrer Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung verschärft die Europäische Union in den kommenden Jahren schrittweise die Anforderungen an das nichtfinanzielle Reporting. Ab 2025 wird die Corporate Sustainability Reporting Directive – kurz CSRD – in Kraft treten, mit der Betriebe ab 250 Mitarbeiter:innen einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen müssen. Unternehmen, die bereits jetzt einer Berichtspflicht unterliegen, müssen die CSRD schon ein Jahr früher, ab 2024, umsetzen.

„Dass es für die andere Hälfte noch gar kein Thema ist, sehe ich kritisch. Wer sich heute mit Nachhaltigkeitsberichterstattung nämlich noch nicht auseinandergesetzt hat, wird bald ins Schleudern kommen“, so Georg Rogl, Leiter des Bereichs Climate Change and Sustainability Services bei EY Österreich.

Wie viele Betriebe dabei zum Zug kommen werden, sei laut der Unternehmensberatung aktuell noch unklar und hänge von der konkreten Ausgestaltung der EU-Richtlinie ab. Im Moment sind in Österreich nur 82 Unternehmen gesetzlich zum Nachhaltigkeitsreporting verpflichtet. „Durch die CSRD werden es deutlich mehr werden – wir rechnen mit mindestens 20- bis 25-mal so vielen Betrieben“, so Rogl.


Die gestaffelte Anwendbarkeit der CSRD

  • Unternehmen, die bereits dem österreichischen NaDiVeG bzw. dem CSRDVorgänger NFRD unterliegen, berichten erstmals im Jahr 2025 über das Geschäftsjahr 2024.
  • Unternehmen, die noch nicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung verpflichtet sind und vom erweiterten Scope der CSRD erfasst werden, berichten erstmals im Jahr 2026 über das Geschäftsjahr 2025.
  • Für börsennotierte KMU, kleine und nicht komplexe Kreditinstitute sowie firmeneigene Versicherungsunternehmen erfolgt die Berichterstattung erstmals im Jahr 2027 für das Geschäftsjahr 2026.
  • Nicht-EU-Unternehmen, die u. a. in der EU einen Nettoumsatz von mehr als 150 Mio. Euro generieren und mindestens ein Tochterunternehmen oder eine Zweigniederlassung in der EU haben, berichten erstmals im Jahr 2029 für das Geschäftsjahr 2028 nach den Vorgaben der CSRD.

Betriebe ab 500 Mitarbeiter:innen

Betriebe ab 500 Mitarbeit:innen sind nach dem Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz (NaDiVeG) bereits seit 2017 dazu verpflichtet, über wesentliche nichtfinanzielle Aspekte zu berichten. Das heißt, sie müssen Angaben zu den Tätigkeiten des Unternehmens machen, die sich auf Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange auswirken. In Österreich sind davon derzeit die bereits genannten 82 Unternehmen betroffen. Rund 95 Prozent der betroffenen Unternehmen veröffentlichten für 2021 einen solchen Bericht in Österreich, die restlichen fünf Prozent ließen sich laut EY durch eine ausländische Muttergesellschaft befreien.


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kalkül
© kalkül - Michael Leister (links) und Lukas Weilguny (rechts) von kalkül.

Entstanden ist kalkül aus einem eigenen Problem. Lukas Weilguny und Michael Leister entwickeln als Selbstständige seit 2017 Software für Unternehmen. Als ihr damals genutztes Rechnungsprogramm nach einer Übernahme spürbar schlechter wurde, sahen sie sich nach Alternativen um und testeten mehr als zehn Buchhaltungsprogramme.

„Wir haben kein einziges gefunden, das wirklich einfach und gleichzeitig auf Österreich zugeschnitten war. Buchhaltung ist der langweiligste Teil im Alltag von Selbstständigen. Niemand will stundenlang eine Software lernen, nur um die erste Rechnung zu schreiben. Genau das ändern wir“, erinnert sich Leister.

kalkül: von 1.000 auf 10.000 Nutzer:innen

Also schufen sie 2023 eine eigene Lösung: Ihre Software, die von der we-dev e.U. betrieben wird, dient der Erstellung von Angeboten und Rechnungen, führt die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung mit und deckt Mahnwesen und Zahlungsabgleich ab. Laut Unternehmen ist sie auf die österreichischen Steuervorgaben abgestimmt.

Im November 2024 zählte kalkül 1.000 Nutzer:innen, im Februar 2026 waren es 5.000. Seither hat sich die Zahl innerhalb von sieben Monaten noch einmal verdoppelt. Treibende Kraft hinter dem organischen Wachstum waren den Gründern zufolge persönliche Empfehlungen und die Sichtbarkeit in Suchmaschinen. Bezahlte Werbeanzeigen testen die Gründer erst seit Kurzem. Das Unternehmen ist eigenfinanziert und hat bis heute keine externe Finanzierung aufgenommen.

Allgemein wird der Markt für Rechnungssoftware im deutschsprachigen Raum von deutschen Anbietern dominiert. Österreich werde dort meist nur als kleines Nischenland mitgedacht. Besonderheiten wie Kleinunternehmerregelung, Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, BAO-Aufbewahrungspflichten oder Verzugszinsen nach österreichischem Recht werden oft nur oberflächlich abgedeckt, sagen die Founder. Kalkül sei hingegen exakt für diesen Markt gebaut, inklusive Rechnern für Einkommensteuer, SVS-Beiträge, Gewinnfreibetrag und Abschreibungen.

Freemium-Modell

Um Selbstständige gerade zu Beginn zu entlasten, setzt kalkül auf ein Freemium-Modell: Kernfunktionen wie Angebote, Rechnungen, Mahnwesen und die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung sind ohne Limits dauerhaft kostenlos. Ein Abo indes schaltet Zusatzfunktionen wie den automatischen Bankabgleich mit über 2.600 Banken frei. Der überwiegende Teil der 10.000 Nutzer:innen verwendet die Gratisversion, wie man mitteilt.

„Als wir das Abo eingeführt haben, gab es dafür wochenlang praktisch keine exklusiven Funktionen. Trotzdem haben Leute bezahlt, einfach um die Entwicklung zu unterstützen. Das war für uns das ehrlichste Feedback, das wir bekommen konnten“, sagt Weilguny.

Integrierte Registrierkassenlösung als nächster Schritt

Als nächsten großen Schritt kündigen die Gründer eine integrierte Registrierkassenlösung an. Parallel baut kalkül die Zusammenarbeit mit Steuerberatern aus: Enger Partner ist die Linzer Kanzlei Raml & Partner, die zwölffach als „Steuerberater des Jahres“ (in der Kategorie „Allrounder Oberösterreich“) ausgezeichnet wurde. Weitere Kooperationen sind geplant. Mittelfristig soll außerdem eine KI-gestützte Belegerkennung Ausgaben automatisch auslesen und kategorisieren.

Welche Funktionen zuerst kommen, entscheidet – laut Foundern – weitgehend die Community: Je häufiger ein Feature angefragt wird, desto weiter rückt es nach vorn. „Wir wollen das einfachste Rechnungsprogramm für Selbstständige in Österreich sein“, sagt Leister. „Mit 10.000 Nutzern sind wir ein gutes Stück weiter, aber bei 376.112 Ein-Personen-Unternehmen im Land haben wir noch viel vor uns.“

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