30.12.2025
STARTUP BAROMETER

EY Österreich: Finanzierungsvolumen fällt 2025 auf neuen Tiefpunkt

Das aktuelle EY „Start-up Barometer“ zeigt für 2025 einen deutlichen Rückgang bei den Startup-Finanzierungen in Österreich. Während das Investitionsvolumen massiv einbricht, bleibt die Zahl der Runden stabil. Investitionen in KI sowie in Software & Analytics gewinnen weiter an Gewicht.
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Startup-Investments in Österreich erreichen 2025 neuen Tiefpunkt (c) Visualisierung: brutkasten, Grafiken: Canva

Das österreichische Startup-Ökosystem hat 2025 einen weiteren Rückschlag erlitten. Laut dem aktuellen EY Startup-Barometer sank das Investitionsvolumen im Jahresvergleich um rund 56 Prozent auf 253 Millionen Euro. Damit setzte sich der Abwärtstrend bereits im vierten Jahr in Folge fort, nachdem das Finanzierungsniveau seit dem Rekordjahr 2021 kontinuierlich gesunken war.

Während das Gesamtvolumen deutlich zurückging, blieb die Anzahl der Finanzierungsrunden vergleichsweise stabil. 148 Deals wurden 2025 gezählt, nur geringfügig weniger als im Vorjahr. Die Entwicklung deute darauf hin, dass zwar weiterhin investiert werde, allerdings in deutlich kleinerem Umfang, heißt es in der EY-Analyse.

Kaum Wachstumskapital, keine Mega-Deals

Besonders deutlich zeige sich die Schwäche im Bereich größerer Finanzierungsrunden. Lediglich vier Abschlüsse überschritten 2025 die Schwelle von zehn Millionen Euro, Finanzierungen über 50 Millionen Euro blieben vollständig aus. Mega-Runden jenseits der 100-Millionen-Euro-Marke, wie sie in den Jahren 2021 und 2022 noch vereinzelt zu beobachten waren, gab es erneut keine.

Das durchschnittliche Finanzierungsvolumen pro Runde fiel dadurch auf 2,3 Millionen Euro und erreichte den niedrigsten Stand seit zehn Jahren. EY wertet diese Entwicklung als strukturelles Problem, da insbesondere wachstumsorientierte Startups und Scaleups zunehmend Schwierigkeiten hätten, größere Anschlussfinanzierungen zu realisieren.

Wien dominiert weiterhin – Volumen aber stark rückläufig

Regional bleibt Wien das Zentrum der heimischen Startup-Finanzierungen. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) aller Deals entfiel 2025 auf Unternehmen mit Sitz in der Bundeshauptstadt. Beim Investitionsvolumen vereinigten Wiener Startups rund 71 Prozent des gesamten Risikokapitals auf sich.

Dennoch brach das Finanzierungsvolumen in Wien gegenüber dem Vorjahr massiv ein. Statt 378 Millionen Euro flossen nur noch 179 Millionen Euro in Wiener Jungunternehmen. Dahinter folgten die Steiermark, Oberösterreich und Tirol mit deutlich geringeren Volumina.

KI als zentraler Investitionstreiber

Trotz des schwachen Gesamtmarktes bleibt Künstliche Intelligenz der wichtigste Investitionsschwerpunkt. Rund 96 Millionen Euro flossen 2025 laut EY in Startups, die KI als integralen Bestandteil ihres Geschäftsmodells einsetzen. Damit entfielen 38 Prozent des gesamten investierten Kapitals auf diesen Bereich – ein neuer Höchstwert.

Auch bei der Anzahl der Finanzierungsrunden gewann KI weiter an Bedeutung. Mehr als jede dritte Runde betraf ein KI-Startup, im zweiten Halbjahr sogar fast jede zweite. EY sieht darin eine klare Fokussierung der Investor:innen auf skalierbare, technologiegetriebene Geschäftsmodelle, weist jedoch darauf hin, dass dieser Trend den allgemeinen Rückgang nicht kompensieren könne.

Nachhaltigkeit: steigender Anteil bei sinkenden Summen

Ähnlich ambivalent fällt das Bild beim Thema Nachhaltigkeit aus. Zwar erreichten Finanzierungen mit Sustainability-Bezug 2025 einen relativen Rekordanteil von 29 Prozent am gesamten Investitionsvolumen, absolut sank die investierte Summe jedoch auf 73 Millionen Euro und damit auf etwa die Hälfte des Vorjahreswerts.

Der steigende Anteil sei vor allem vor dem Hintergrund des insgesamt geschrumpften Marktes zu interpretieren. Investitionen in nachhaltige Geschäftsmodelle erfolgten selektiver und stärker unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten, so die Einschätzung von EY.

Wenige Leuchttürme an der Spitze

Die größte Finanzierungsrunde des Jahres ging mit 50 Millionen Euro an das Wiener Scaleup refurbed. Dahinter folgten enspired und Emmi AI mit jeweils rund 15 Millionen Euro. Auffällig sei, dass es sich bei den größten Abschlüssen überwiegend um Erweiterungen bestehender Runden gehandelt habe, was auf eine erhöhte Zurückhaltung bei neuen großvolumigen Investments hindeute.

Österreich gegen den europäischen Trend

Im europäischen Vergleich entwickle sich Österreich gegen den Trend. Während das Investitionsvolumen in Europa insgesamt wieder leicht zugelegt habe, verzeichne Österreich einen der stärksten Rückgänge. EY sieht die Ursachen weniger im Marktumfeld als in den Rahmenbedingungen für Risikokapital, institutionelle Investoren und Wachstumsfinanzierungen.

„Die Zahlen zeigen unmissverständlich, dass sich das österreichische Startup-Ökosystem
weiter abschwächt. Nach bereits drei Jahren rückläufiger Finanzierungsaktivität ist 2025 ein
neuer Tiefpunkt erreicht. Das ist kein kurzfristiger Zyklus, sondern ein strukturelles Warnsignal.
Ohne rasche und koordinierte Maßnahmen droht Österreich im internationalen Wettbewerb
weiter zurückzufallen“, sagt Florian Haas, Head of Startup bei EY Österreich.

Aus Sicht der Barometer-Autor:innen seien insbesondere niedrigere Lohnnebenkosten, bessere Anreize für privates Kapital und die rasche Umsetzung des angekündigten Rot-Weiß-Rot-Dachfonds entscheidend, um den Standort langfristig zu stabilisieren. Andernfalls drohe eine nachhaltige Schwächung des österreichischen Startup-Ökosystems.


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© brutkasten

Wer Blockchain hört, denkt oft noch immer an Kryptowährungen, Kursentwicklungen und die Spekulationsexzesse der vergangenen Jahre. Dieses Bild greift jedoch zunehmend zu kurz. Nach zwei Tagen beim Proof of Talk in Paris, einem der relevantesten europäischen Treffen für Web3, digitale Assets und Finanzinnovation, ist mein Eindruck vor allem einer: Die Diskussion hat sich fundamental verändert.

Bemerkenswert war dabei weniger die Technologie selbst als die Zusammensetzung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Neben Gründer:innen und Technologieunternehmen waren Banken, Asset Manager, institutionelle Investoren, Zahlungsdienstleister und Regulatoren präsent. Viele der Gespräche drehten sich nicht mehr um die Frage, ob Blockchain-Technologien künftig eine Rolle spielen werden, sondern darum, wo und wie sie konkret eingesetzt werden können. Die Debatte hat die Nische verlassen und ist in der Mitte des Finanzsystems angekommen.

Genau darin liegt auch die eigentliche Relevanz der Entwicklung. Im Kern geht es längst nicht mehr um Kryptowährungen. Es geht um die Infrastruktur der Finanzwelt von morgen. Diskutiert wurden Themen wie Tokenisierung, Stablecoins, digitale Identitäten, neue Kapitalmarktmodelle und die Frage, wie Finanztransaktionen künftig abgewickelt werden. Viele dieser Entwicklungen stehen noch am Anfang. Dennoch entsteht zunehmend der Eindruck, dass sich hier grundlegende Bausteine einer neuen Finanzarchitektur herausbilden.

Besonders häufig fiel in Paris das Schlagwort Tokenisierung. Die dahinterstehende Idee ist, reale Vermögenswerte digital abzubilden und damit einfacher handelbar, teilbar und zugänglich zu machen. Befürworter sehen darin die Chance auf effizientere Kapitalmärkte und einen leichteren Zugang zu Investitionen. Ob sich diese Vision in vollem Umfang verwirklichen wird, bleibt abzuwarten. Unübersehbar ist jedoch, dass erhebliche Ressourcen und Aufmerksamkeit in diese Richtung fließen.

Für Europa stellt sich dabei eine weit größere Frage als jene nach einzelnen Technologien oder Geschäftsmodellen, nämlich die Wettbewerbsfähigkeit. In den vergangenen Jahren wurde intensiv darüber diskutiert, wie Europa bei künstlicher Intelligenz, Cloud-Infrastruktur oder Halbleitern eine stärkere Rolle einnehmen kann. Weniger Aufmerksamkeit erhält bislang die Frage, wer die Finanzinfrastruktur des digitalen Zeitalters gestaltet.

Dabei sind die Parallelen offensichtlich. Wer die Standards definiert, die Plattformen betreibt und die Infrastruktur kontrolliert, verfügt über einen erheblichen strategischen Vorteil. Wenn Europa digitale Souveränität ernst meint, sollte diese Debatte daher nicht bei KI oder Cloud-Lösungen enden. Sie muss auch den Finanzsektor umfassen.

Die Voraussetzungen dafür wären grundsätzlich vorhanden. Europa verfügt über starke Universitäten, technologisches Know-how, hohe Sparquoten und etablierte Finanzinstitutionen. Gleichzeitig zeigt sich seit Jahren ein wiederkehrendes Muster: Innovationen entstehen häufig in Europa, werden aber anderswo skaliert. Genau deshalb wird es entscheidend sein, Forschung, Unternehmertum, Kapital und Regulierung stärker zusammenzuführen und die Umsetzungsgeschwindigkeit zu erhöhen.

Proof of Talk hat mir vor allem eines vor Augen geführt: Die Diskussion befindet sich an einem anderen Punkt als noch vor wenigen Jahren. Die Frage lautet nicht mehr, ob Blockchain-Technologien jemals relevant werden könnten. Die Frage lautet zunehmend, welche konkreten Anwendungen sich durchsetzen und welche Regionen von dieser Entwicklung profitieren werden.

Ob Blockchain tatsächlich die Finanzwelt grundlegend verändern wird, kann heute niemand mit Sicherheit beantworten. Sicher ist jedoch, dass Banken, Investoren, Unternehmen und Regulatoren diese Möglichkeit mittlerweile ernsthaft diskutieren. Allein das unterscheidet die aktuelle Situation grundlegend von jener vor einigen Jahren.

Gerade deshalb lohnt es sich, die Entwicklungen aufmerksam zu verfolgen. Nicht, weil jede technologische Vision Realität wird. Sondern weil in solchen Phasen oft die Grundlagen jener Infrastrukturen entstehen, die Wirtschaft und Gesellschaft über Jahrzehnte prägen. Die nächste Finanzinfrastruktur wird möglicherweise genau jetzt gebaut. Die entscheidende Frage für Europa lautet daher nicht, ob sie kommt, sondern welche Rolle wir dabei spielen werden.

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