17.08.2022

EY Leadership Barometer: Nur jedes elfte Vorstandsmitglied in Österreich ist weiblich

Das jüngste EY Leadership Barometer für Österreich zeigt, dass in den heimischen Chefetagen der 56 untersuchten WBI-Unternehmen im Vergleich zu 172 Männern nur 17 weibliche Vorstandsmitglieder vertreten sind.
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Florian Haas, Leiter des Startup-Ökosystems bei EY und Helen Pelzmann, Partnerin für EY Law und Verantwortliche für die Initiative „Women. Fast Forward“ bei EY Österreich. (c) EY/Robert Herbst
Florian Haas, Leiter des Startup-Ökosystems bei EY und Helen Pelzmann, Partnerin für EY Law und Verantwortliche für die Initiative „Women. Fast Forward“ bei EY Österreich. (c) EY/Robert Herbst

Frauen in den heimischen Chefetagen sind eine seltene Begegnung – das übermittelt das jüngste EY Leadership Barometer für Österreich. In den Vorständen der 56 untersuchten Unternehmen im Wiener Börse Index (WBI) wurden 17 weibliche und 172 männliche Vorstandsmitglieder verzeichnet. Im Vergleich zum Jahresanfang 2022 ist die Zahl somit um eine Frau gestiegen. Wurde noch im Herbst letzten Jahres ein Rückgang des Frauenanteils in Vorständen aufgezeichnet, stieg dieser nun im Vergleich zum Vorjahr von 7,1 auf neun Prozent. Bei Beginn der Untersuchungen im Juli 2015 lag die Frauenquote in Österreichs Chefetagen bei nur 4,1 Prozent. 

„Der Frauenanteil bei Vorstandsmitgliedern der österreichischen börsennotierten Unternehmen ist im letzten halben Jahr leicht gestiegen – somit ist aktuell jedes elfte Vorstandsmitglied weiblich. Dass das einen neuen – wenn auch bescheidenen – Höchstwert bedeutet, ist zwar ein positives Zeichen auf dem Weg zu mehr Diversität, doch die Trendwende geht viel zu langsam und der Frauenanteil ist noch deutlich zu niedrig”, sagt Helen Pelzmann, Partnerin für EY Law und Verantwortliche für die Initiative „Women. Fast Forward“ bei EY Österreich.

Keine weibliche Vorstandsmitglieder in 5 Branchen

Die meisten Frauen sind aktuell in den Vorständen der Immobilienbranche anzutreffen (20 Prozent). Auch in der Konsumgüterbranche (19 Prozent) und in der Industrie (9,5 Prozent) begegnet man mittlerweile mehr Frauen in den Chefetagen. Noch keine einzige Vorständin gibt es in der Automobil-, Informationstechnologie-, Rohstoff-, Telekommunikations- und Transportbranche. Hier sieht Pelzmann die fehlenden Lenkungsmaßnahmen, das Umfeld und die Modelle, die es nicht möglich machen, Arbeit und Familie besser zu vereinbaren, als größten Hemmschuh für Frauen in Führungspositionen. “Ein flexibles Arbeitsumfeld, mehr Unterstützung bei der Kinderbetreuung sowie mehr Akzeptanz und Beistand von den Unternehmen für individuelle Lebensmodelle von Frauen und Männern sind nur einige wichtige Elemente für einen Umbruch. Eine Schwangerschaft darf nicht mehr Bremse oder sogar die Endstation eines Karrierewegs sein”, erklärt die EY-Partnerin weiter. 

Deutlich höher liegt die Frauenquote in den heimischen Aufsichtsräten. Hier verzeichnete EY seit 2021 einen Anstieg von 28,4 auf 30,2 Prozent. In fast neun von zehn österreichischen WBI-Unternehmen ist mindestens eine Frau im Aufsichtsrat vertreten. Somit sitzen 163 weibliche Aufsichtsräte 376 Männern gegenüber. Die Transport- und Logistikbranche verzeichnet den höchsten Anteil an weiblichen Aufsichtsratsmitgliedern, wo fast jede dritte Person weiblich ist (37 Prozent). Gefolgt von der Energiebranche mit 34,9 Prozent und der Telekommunikationsbranche mit 33,3 Prozent. Den geringsten Anteil an weiblichen Gremiumsmitgliedern verzeichnet aktuell die Rohstoffbranche mit 19 Prozent. 

Genderquote der EU zeigt Wirkung in den Aufsichtsräten

Trotz des höheren Frauenanteils in den heimischen Kontrollgremien erklärt Pelzmann, dass die von der EU eingeführte Genderquoten-Regelung in den Vorstandsetagen den Wandel beschleunigt habe. “Die Genderquote zeigt Wirkung, es gibt 62 weibliche Aufsichtsratsmitglieder mehr als zum Zeitpunkt des Inkrafttretens am 1. Jänner 2018 und der Frauenanteil in Kontrollgremien ist von 18,8 auf 30,2 Prozent geklettert. Dieser Zuwachs ist zu einem überwiegenden Teil darauf zurückzuführen, dass jene österreichischen im WBI notierten Unternehmen, die die Quote erfüllen müssen, mehr Aufsichtsratsposten an Frauen vergeben haben. Allerdings ist das Ziel noch nicht erreicht. Fast jedes vierte verpflichtete österreichische Unternehmen muss die Frauenquote im Aufsichtsrat bei der nächsten Wahl oder Entsendung erhöhen“, so Pelzmann. 

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(v.l.) Das Führungsteam von reebuild: Nicolaus Lederer, Alexander Kornell, Matteo Cimadom, Luca Papay © Oskar Fleischanderl

Papierordner und manuell geführte Excel-Tabellen sollen der Vergangenheit angehören, zumindest wenn es nach reebuild geht. Das Tech-Startup automatisiert mit seiner KI administrative Tätigkeiten von Bauleitern. Es wandelt also Dokumente, PDFs, Fotos etc. in strukturierte Daten um oder automatisiert Aufgaben wie die Rechnungsprüfung. In der vergangenen Pre-Seed-Runde sind bereits bekannte Investoren wie Hansi Hansmann eingestiegen (brutkasten berichtete). Nun schloss reebuild eine Seed-Runde von über drei Millionen Euro ab, angeführt vom europäischen Investor Fortino Ventures, mit Beteiligung von Rise PropTech und CuriosityVC.

Weitere Automatisierung des kaufmännischen Ablaufs

Mit dem frischen Kapital sollen KI-gestützte Module weiterentwickelt werden, durch die der kaufmännische Ablauf von der Kalkulation bis zur Buchhaltung weitgehend automatisiert werde. „Wir wollen den Kosmos auf unserer Plattform mit immer neuen Workflows erweitern. Darunter verstehen wir z.B. den Erstellungsprozess von Ausgangsrechnungen“, sagt CEO und Gründer von reebuild Alexander Kornell im brutkasten-Gespräch. Zudem soll das Büro in Wien personell aufgestockt werden. Aktuell ist reebuild in Deutschland und in Österreich etabliert. Durch die Investitionen soll nun in weitere europäische Länder wie Italien oder Polen expandiert werden. Es gebe bereits Entwicklungspartnerschaften mit ersten Proof Points.

Zu den Kund:innen zählen Unternehmen wie Pittel+Brausewetter oder 3SI Immogroup. Die Software wird, laut dem Startup, in Wien entwickelt, in Deutschland gehostet und ist DSGVO-konform.

„Jetzt ist der richtige Zeitpunkt“

„Wir sind überzeugt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für Bauunternehmen und Projektentwickler ist, ihre Backoffice-Prozesse mit Software und KI zu digitalisieren und zu automatisieren“, sagt Wouter Goossens, Partner bei Fortino Ventures. Reebuild erklärt, dass die Verwaltung und Steuerung von Kosten zwischen den Abteilungen im operativen Geschäft der Baubranche veraltet sei. Rechnungen würden händisch mit Vertragsbedingungen oder Lieferscheinen abgeglichen und Führungskräfte würden Entscheidungen auf Basis überholter Informationen treffen müssen.

„Wir kennen die Probleme der Branche aus erster Hand und entwickeln reebuild gemeinsam mit unseren Kundinnen und Kunden extrem nah an der Praxis“, sagt Kornell über die Baubranche und ergänzt: „Wir sind überzeugt, dass wir diesen Markt mit einem Team aus Bau- und Technologie-Know-how aufmischen können. Nicht mit einem weiteren Tool, sondern mit einer Lösung, die wirklich versteht, wie Baustellen und Projekte kaufmännisch abgewickelt werden.“

Reebuild sorge für beschleunigte Prozesse und aktuellere Entscheidungsgrundlagen, was wiederum zu messbaren Einsparungen im gesamten Unternehmen führe. Beschaffungskosten könnten dadurch um bis zu 20 Prozent sinken.

Vision: Administrativer Aufwand auf null senken

Der bürokratische Aufwand soll laut reebuild in Zukunft gänzlich verschwinden. Auf Basis der strukturierten Daten hinter jedem Dokument entwickele reebuild das Agentic Backoffice für Bauunternehmen. KI-Agenten übernehmen eigenständig Routineaufgaben wie Prüfung, Abgleich und Vorkontierung. Dadurch sollen Teams ihre Zeit eher für das operative Geschäft anstatt für das manuelle Kostencontrolling nutzen.

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