29.05.2015

Exklusiv-Interview mit „Sustainable Buildings“: Community Award Gewinner

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Der Community Award wurde in Partnerschaft mit dem Brutkasten vergeben. Auf dem Foto: Dejan Jovicevic, Theresa Sophie Breitsching, Faris Nizamic und Lorenz Edtmayer

Am Pioneers Festival in der Wiener Hofburg wurde soeben der Community Award vergeben. Das niederländische Startup „Sustainable Buildings“ hatte die meisten Votes aus der Community erhalten. Der Preis wurde von Pioneers in Partnerschaft mit dem Brutkasten verliehen. Der Gewinner Faris Nizamic darf sich über ein Paket im Gesamtwert von 12,000 Euro freuen. (Mehr hier)

Der Brutkasten spricht unmittelbar nach Preisübergabe mit Faris Nizamic, CEO und Co-Founder von Sustainable Buildings. Das Startup gibt es seit 1,5 Jahren. Er kann es kaum glauben, dass er tatsächlich die Plakette in Händen hält, die beweist: 2,100 Menschen – 600 mehr als beim Zweitplatzierten – haben für das Startup online gevoted. Und auch nach ein paar Minuten, merkt man ihm die Aufregung immer noch an. „Ich habe ganz vergessen, allen zu danken, die für mich gevoted haben!“, meint er ein paar Mal – Hatte er es nicht doch getan? DerBrutkasten spricht exklusiv mit ihm über die Gefühle bei der Award Verleihung. 

Wie fühlst Du dich? Versuche doch einmal, deine Gefühle in Worte zu fassen!

Ich bin unglaublich aufgeregt und denke an all jene Menschen, die sich die Zeit genommen haben, für uns abzustimmen. Im Vergleich zu den anderen sind wir als Early Stage Startup doch weniger erfahren. Und die anderen Startups sind ebenfalls großartig.

Wie habt ihr es geschafft, so viele Menschen zu motivieren?

Als wir gesehen haben, was für einen kompetitiven Wettbewerb es gibt, haben wir einen inneren Drang entwickelt, gewinnen zu wollen. Wir waren top motiviert. Dann haben wir all unseren Freunden geschrieben. Wir bringen auch bereits ein großes Netzwerk durch Freundeskreis und Arbeit mit. Ich komme aus Bosnien-Herzegowina und bin dann für meinen PhD in Science in die Niederlande gegangen. Darum haben auch viele aus dem Balkan für uns abgestimmt. Mein Partner kommt aus dem Vietnam – wir kennen daher beide viele Menschen. Allerdings ist etwas passiert, womit wir nicht gerechnet hätten: Die Menschen, die uns unterstützt haben, haben den Wettbewerb persönlich genommen. Sie wollten ebenfalls mit uns gewinnen! Sie haben ihre Familien und Bekannten motiviert, für uns abzustimmen. Darum hatten wir unzählige Shares auf unseren Social Media Seiten.

Was macht ihr denn eigentlich und wer hatte die Idee?

Wir, das sind meine Co-Founder Tuan Anh Nguyen sowie die Professoren Marco Aiello und Alexander Lazovik und ich, waren unglücklich darüber, wie viel Energie in Gebäuden verschwendet wird. Etwa werden Fenster offen gelassen, obwohl geheizt wird oder das Licht angelassen, obwohl die Sonne ins Zimmer brennt. Vor allem in Bürogebäuden kümmern sich die Menschen nicht darum, sorgsamer mit der uns zur Verfügung stehenden Energie umzugehen.

Wir geben Gebäuden ein Gehirn. Wir möchten mit unserer Software Gebäuden beibringen, wann sie das Licht abschalten oder zumindest dimmen sollen. Das funktioniert über spezielle Software, die mitlernt. Als Tuan Anh Nguyen und ich das Projekt in Angriff nahmen, war uns schnell klar, dass wir uns vor allem darauf konzentrieren möchten, Elektrizitätsverschwendung zu reduzieren.

Sustainable Buildings

Da würde eigentlich die Integration von erneuerbarer Energie nahe liegen…

Das stimmt. Aber wir fokussieren uns darauf, was wir heute verändern können. Wenn wir die Energieverschwendung erst einmal reduzieren konnten, können wir an erneuerbare Ernergies denken.

Kannst Du ein Beispiel geben, was ihr konkret macht?

Zum Beispiel analysieren wir, wann Menschen ihren PC verwenden. Anhand dieser Daten wissen wir, wann sie normalerweise nicht davor sitzen und können ihn automatisch in den Ruhestand versetzen. Das gilt natürlich nicht nur für den PC, sondern für alle elektrischen Geräte. Der Algorithmus bleibt der gleiche.

Und das System lernt mir. Wenn wir ihn in den Schlafzustand schicken, aber er wieder eingeschalten wird, wissen wir, dass unser Befehl fehlerhaft war. Wir bzw. unsere Software sind dann aufmerksamer. Im Fokus steht natürlich immer auch der Komfort des Users.

Kann man eure Software auch anderwertig verwerten?

Wir wurden bereits angefragt, ob es denn nicht möglich wäre, bei einer Katastrophe über unser System festzustellen, wie viele Leute sich noch im Gebäude aufhalten. Und ja, das können wir tatsächlich. Aber unser Hauptfokus liegt erstmals nicht darauf.

Wird euer System bereits angewendet?

Ja. Es ist bereits in einem Gebäude installiert. Der Facility Manager sieht, wann und wieso etwa mehr Energie an manchen Tagen verbraucht wurde – ob es am Wetter liegt, oder an etwas anderem. Es gibt im Haus Displays auf denen die Daten jederzeit abgerufen werden können. Wir bieten eine Komplettanalyse und merken auch, dass es ankommt, denn durch dieses Projekt sind bereits weitere Hausbesitzer auf uns aufmerksam geworden. Mit uns kann der Hausmeister die Energie im Haus auch remote steuern. Das Licht ab- oder andrehen, etc. Er hat überdies Real Time Informationen über den Verbrauch.

Ziele? Wollt ihr vergrößern?

Wir sind aktuell zu fünft. Das Gründerteam und ein Lead Developper. Unser Ziel ist es unser Produkt zu so vielen Gebäuden wie nur möglich zu bekommen. Im ersten Jahr – wir launchen 2016 – sollen das über hundert sein. Ich weiß, dass wir das können, auch wenn dieses Ziel viel klingt. Wir wollen mit dem Preis vor allem unseren Websauftritt verbessern.

Vielen Dank und noch einmal sehr herzliche Gratulation!

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V.l.n.r.: Peter Llewellyn-Davies (Präsident BIOTECH AUSTRIA), Lejla Pock (CEO Human.technology Styria), Marcus Hofer (CEO Standortagentur Tirol) © BIOTECH AUSTRIA

Rund 250 Teilnehmer:innen aus zwölf Ländern, zwei Tage in Innsbruck, ein Motto: „Start up, Scale up, Step up!“ Mit vielen neuen Kontakten und einem guten Gefühl bin ich nach Hause gefahren und mit einer offenen Frage: Die österreichische Biotech-Branche ist so gut vernetzt wie nie, aber woher kommt  künftig das Geld, damit aus exzellenter Forschung Unternehmen werden, die in Europa groß werden?

Am Wissen fehlt es nicht. Ob Europa in der Biotechnologie mitspielt, entscheidet sich an der Finanzierung der Wachstumsphase.

Europa zwischen den USA, Golfstaaten und China

Der Schwerpunkt des Summits lag auf dem Scaleup, also auf dem Schritt vom Startup zum international wachsenden Unternehmen.

Ein Bild für die Zukunft der Pharmatrends zeichnete Claudio Albrecht, ehemaliger CEO der Stada AG. Er sprach darüber, wie Geopolitik, neue Technologien und sich wandelnde Gesundheitssysteme die Pharmaindustrie bis 2035 prägen könnten. Besonders hervorgehoben hat er dabei die Transformation Chinas von einer Service-Industrie zu einem Innovationsmotor sowie die Dynamik in den Golfstaaten. Europa widmete er keine eigene Folie in seiner Präsentation, was vom Publikum hinterfragt wurde. Es wirft die Frage auf, welchen Stellenwert Europa künftig im globalen Wettbewerb überhaupt noch spielen wird.

(c) Hofelich – Claudio Albrecht gab einen Ausblick in die Zukunft.

 Ein Champion, der nicht auswandern muss

Den Gegenentwurf lieferte Karl Nehammer, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB) und ehemaliger Bundeskanzler. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir vor allem ein Satz: „The next champion should not need to leave Europe in order to become a global champion.“ 

(c) Hofelich – Karl Nehammer, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB).

Das Ziel ist ambitioniert und gerade in der Biotechnologie bislang schwer erreichbar. Entwicklungszyklen dauern hier i. d. R. mehr als ein Jahrzehnt. 

Der Startup- & Scaleup-Dachfonds: eine gute Nachricht mit Fragezeichen

Für die Branche besonders interessant war die Diskussion über den geplanten österreichischen Dachfonds. Stefan Haubner, Founding Partner bei APEX Ventures, widmete sich der Frage, ob Europa ein eigenes Modell für Venture Capital braucht. Dabei ging es auch um den österreichischen Fund-of-Funds. 

Der Dachfonds soll Anfang 2027 starten. Der Staat steuert 100 Mio. Euro bei, institutionelle Investoren sollen weitere 400 Mio. Euro bringen. Das ist ein wichtiges Signal. Weil es ein Dachfonds ist, investiert er aber nicht direkt in Unternehmen, sondern in andere Fonds.

Wie viel von diesem Geld tatsächlich bei Biotech-Unternehmen ankommt, ist derzeit offen.

Life Sciences brauchen Investoren mit Fachwissen und langem Atem. Davon gibt es in Österreich nur wenige. Wenn der Dachfonds vor allem in Generalisten-Fonds fließt, könnte die Biotechnologie leer ausgehen.

Tirol zeigt, wie Standortarbeit aussieht

Auch organisatorisch war der Summit ein Vorzeigeprojekt. Veranstaltet wurde der Summit von BIOTECH AUSTRIA, Human.technology Styria und der Standortagentur Tirol. Vor Ort vertreten waren Peter Llewellyn-Davies, Präsident von BIOTECH AUSTRIA, Marcus Hofer, CEO der Standortagentur Tirol, und Lejla Pock, CEO von Human.technology Styria. Äußerst charmant moderiert hat Damita Pressl.

Die Villa Blanka hoch über Innsbruck bot eine außergewöhnliche Kulisse; ebenso das Gala-Dinner am Abend in der Rooftop-Bar des Hotels aDLERs. Begeistert zeigten sich auch die Teilnehmer:innen, die am Vortag im Rahmenprogramm die Skisprungschanze Bergisel besichtigt hatten. Ich selbst habe mir am Dienstagmorgen den Health Hub Tirol angesehen. Das Technologiezentrum ist seit knapp einem Jahr in Betrieb und bietet noch freie Flächen. Das ist die Art Standortpolitik, die wirkt: Infrastruktur, Netzwerk und ein Treffpunkt, an dem Forschung, Investor:innen und Politik tatsächlich ins Gespräch kommen.

Was es jetzt braucht

Der Summit hat gezeigt, dass die Branche sich der Herausforderungen bewusst ist und weiß, was zu tun ist.

Der nächste Champion muss nicht auswandern. Aber dafür muss das Kapital vor Ort stärker mobilisiert werden. 

Der fünfte Biotech Summit Austria findet am 21. und 22. Oktober 2027 in Graz statt. Bis dahin wissen wir mehr darüber, ob der Dachfonds auch der Biotechnologie hilft.


Disclaimer: Karin Hofelich ist Life Science Lead beim brutkasten-Schwestermagazin VentureCapital. Das VC Magazin war Medienpartner des Summits.

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