30.04.2026
ÜBERNAHME

Exit: Wiener Solar-Startup raicoon geht an US-Konkurrent Stem

Das Wiener Startup raicoon hat eine KI-gestützte Technologie zur effizienteren Nutzung von Solar-Anlagen entwickelt. Nun übernahm das an der New Yorker Börse notierte US-Unternehmen Stem in einem Asset-Deal die Software des Startups.
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Das raicoon-Team rund um das Founder-Trio Fiona Amann (CEO), Ralf Tschanun (CPO) und Michael Edelbacher (CTO) | (c) raicoon
Das raicoon-Team rund um das Founder-Trio Fiona Amann (CEO), Ralf Tschanun (CPO) und Michael Edelbacher (CTO) | (c) raicoon

Mit seinem KI-gestützten „autonomen Betriebszentrum“ verspricht das Wiener Startup raicoon seit dem Start 2018 eine deutliche Effizienzsteigerung bei Solar-Anlagen. 2023 konnte man damit unter anderem Push VC und Voltares (beide aus Wien) von einem Investment überzeugen: Vier Millionen Euro kamen bei der Seed-Runde herein, wie brutkasten damals berichtete. Ein Jahr später machte das Startup zudem mit einer Kooperation mit dem US-Riesen Amazon auf sich aufmerksam (brutkasten berichtete) und streckte damit seine Fühler auch in die USA aus.

Übernahme durch Stem: US-Konkurrent mit ca. 90 Mio. Dollar Marktwert

Von dort wiederum kommt ein Konkurrent, der die Software des Startups nun in einem Asset-Deal übernahm. Stem mit Sitz in der texanischen Hauptstadt Houston hat ebenfalls eine Energieoptimierungssoftware entwickelt. Nun soll die raicoon-Lösung in die eigene Plattform „PowerTrack“ integriert werden. Der Kaufpreis wurde dabei nicht genannt. Er kann aber eingegrenzt werden: Stem ist zwar an der New Yorker Börse notiert, hat aber selbst aktuell eine Marktkapitalisierung von knapp unter 90 Millionen US-Dollar. Ein Mega-Deal scheint somit ausgeschlossen.

raicoon-Lösung wird integriert

Für raicoon-Kund:innen soll sich vorerst nichts ändern – die Plattform bleibt bestehen, soll aber von der Erweiterung auf Stems Leistungsportfolio profitieren. Beim US-Unternehmen wiederum erwartet man sich durch die Integration der Wiener Software eine Verbesserung im Bereich Fehlererkennung, eine Beschleunigung der Abläufe und eine insgesamt bessere Performance. „Diese Übernahme stärkt PowerTrack weiter, indem sie unsere Fähigkeit verbessert, die wichtigsten Probleme automatisch aufzuzeigen und zu priorisieren, was den [Anlagen-]Betreibern hilft, Leistungsprobleme schneller zu beheben und mit größerer Zuversicht zu handeln“, kommentiert Matt Tappin, President of Software bei Stem, in einer Aussendung.

Und raicoon-Co-Founder und CPO Ralf Tschanun kommentiert: „PowerTrack ist bereits eine führende Plattform für das Management von Erneuerbare-Energien-Anlagen, und wir freuen uns darauf, dass unsere Technologie diese weiter stärkt. Als Teil von Stem können wir das einem globalen Kundenstamm auf der Plattform bereitstellen, die bereits den Standard für das Management von Anlagen für saubere Energien setzt“.

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(v. l.) AT-Styria-Vorsitzender Herbert Ritter, BrightFlare-CEO Markus Seme, GMAR-Präsidentin Ulrike Haslauer, DCCS-Geschäftsführer Thomas Edlinger, Joanneum Research-Geschäftsführer Heinz Mayer und AT Styria-Geschäftsführer Helmut Röck © Lukas Elsneg

Der Cluster AT Styria (Plattform Automatisierungstechnik Steiermark), ein branchenübergreifendes Netzwerk von 120 Unternehmen, die in der Automatisierungstechnik tätig sind, hat bei den „European Robotics and Automation Talks“ in Graz seinen Plan für eine Robotik-Testregion vorgestellt. Dort soll die nächste Robotergeneration unter realen Produktionsbedingungen bis zur industriellen Einsatzreife entwickelt werden.

Ziel: Industrielle Einsatzreife

Mit an Bord sind unter anderem Joanneum Research, TU Graz, FH Campus 02, Magna Steyr, der KI-Softwareanbieter DCCS und der Security-Spezialist BrightFlare. Über die „Area Süd“ werden Kärntner Partner eingebunden. Dazu kommen das slowenische Netzwerk SRIP Factories of the Future, das italienische DITEDI, mit dem im Juli 2026 ein Memorandum of Understanding unterzeichnet wurde, sowie Bayern Innovativ.

Aus Sicht von AT-Styria-Vorsitzendem Herbert Ritter, der auch Vizepräsident der WKO Steiermark ist, wird KI-gestützte Robotik zur zentralen Standortfrage. „Wir wollen Kooperationen erzeugen, als Enabler wirken und dafür sorgen, dass neue Technologien schneller in den Betrieben ankommen“, sagt er.

18 Millionen Euro aus Horizon Europe

Das Konsortium bewirbt sich um das einzige europaweite Leitprojekt, das Horizon Europe für die industrielle Integration KI-gestützter Robotik vorsieht. Horizon Europe ist das Forschungs- und Innovationsprogramm der Europäischen Union und läuft von 2021 bis 2027. Mit einem Budget von rund 95 Milliarden Euro ist es eines der größten Förderprogramme dieser Art weltweit. Gefördert werden Projekte, in denen Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen aus mehreren Ländern zusammenarbeiten.

Die Ausschreibung öffnet im November 2026, dafür stehen rund 18 Millionen Euro bereit. Der Antrag soll im Frühjahr 2027 eingereicht werden, die Förderentscheidung fällt im Sommer. Bei einer Zusage könnte das Projekt 2028 starten.

Drei Pilotprojekte als Rückgrat

Geplant sind drei industrielle Pilotprojekte. Im ersten arbeiten humanoide Roboter an mehreren Arbeitsplätzen einer Fertigung, bedienen Maschinen und wechseln Werkstücke. Der zweite Pilot widmet sich der innerbetrieblichen Logistik mit autonomen mobilen Robotern. Im dritten übernehmen KI-Systeme Aufgaben in Qualitätskontrolle, Inspektion und Instandhaltung.

Heinz Mayer, Geschäftsführer von Joanneum Research, erklärt das Ziel: „Jeder Pilot setzt bei einem konkreten Engpass im Betrieb an. Am Ende steht eine klare wirtschaftliche und technische Bilanz: Welche Taktzeit erreicht das System, wie zuverlässig arbeitet es, welchen Integrationsaufwand verursacht es und wann rechnet sich die Investition? Genau diese Antworten brauchen Unternehmen, bevor sie eine neue Technologie in größerem Maßstab einsetzen.“

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