Exit: Wiener Fintech ready2order wird Teil der Zucchetti Group
Das Wener Fintech ready2order schließt sich zu 100 Prozent dem italienischen IT-Marktführer Zucchetti an. Acht Jahre nach der Gründung will das Unternehmen mit einem langfristigen und finanzstarken Partner den Wachstums- und Expansionskurs fortsetzen.
Das Wiener Fintech ready2order hat sich seit 2015 auf die Entwicklung modularer Point-of-Sale- und Payment-Anwendungen für kleine Unternehmen spezialisiert und zählt mittlerweile über 10.000 Firmen in Deutschland und Österreich zu seinen Kunden.
Ready2order bleibt eigenständig
2020 sammelte das Startup etwa fünf Millionen Euro Risikokapital von Speedinvest und Reimann Investors ein. Mittlerweile beschäftigt ready2order knapp 100 Mitarbeiter:innen im Headquarter in Wien sowie in ganz Europa. Nun kam die Übernahme durch die Zucchetti Group, einem italienischen IT-Unternehmen. Die genaue Summe wurde nicht genannt. Auf Basis der (anhand der Anteilsverteilung geschätzten) Firmenbewertung zum Zeitpunkt des Fünf-Millionen-Investments 2020, kann aber jedenfalls von einem achtstelligen Betrag – wahrscheinlich in mittlerer Höhe – ausgegangen werden.
Ready2order bleibt als eigenständiges Unternehmen bestehen. Die beiden Co-Founder Markus Bernhart und Christopher Fuchs werden wie bisher das Unternehmen führen, die Produkte und Lösungen konsequent weiterentwickeln und den Standort in Österreich nachhaltig ausbauen, heißt es laut Aussendung.
„Wir sind stolz darauf, ab sofort ein Teil der internationalen Zucchetti Group zu sein. Gemeinsam können wir unsere Vision weiterentwickeln und den Wachstumsplan für die nächsten Jahre optimal realisieren. Schließlich wollen wir auch in Zukunft mit unseren POS- und Payment-Lösungen für KMUs neue Märkte erschließen und viele weitere Unternehmer:innen dabei unterstützen, geschäftlich erfolgreich zu sein. Durch den Einstieg von Zucchetti haben wir einen international renommierten, finanzstarken und langfristigen Partner an Bord, um in den nächsten Wachstumsphasen den Standort Österreich weiter zu stärken, sowie europaweit zu expandieren“, erklärt CEO Markus Bernhart die strategische Bedeutung dieses Schritts.
Zuchetti möchte Portfolio erweitern
Mit mehr als 8.000 Mitarbeitenden, einem internationalen Vertriebsnetz von mehr als 2.000 Partner:innen und über 700.000 Kunden ist die Zucchetti Group eines der größten italienischen IT-Unternehmen.
Es ist nicht das erste Mal, dass die Gruppe in Österreichs Startup-Szene zuschlägt. Im Jänner 2020 erwarb man das Tiroler TourismTech-Startup RateBoard, vermutlich für einen ebenfalls achtstelligen Betrag – der brutkasten berichtete.
Mit dem 100 Prozent-Erwerb von ready2order möchte die Gruppe ihr Portfolio nun um ein innovatives, cloudbasiertes Kassen- und Bezahlsystem für Unternehmer:innen aus dem KMU-Umfeld erweitern.
„Wir freuen uns, mit ready2order ein etabliertes Unternehmen sowie eine starke Marke für die Zucchetti Group gewinnen zu können. Ihre innovativen, cloudbasierten Kassen- und Zahlungslösungen stellen eine perfekte Ergänzung zu unserem aktuellen Portfolio dar. Das Experten-Team und ihr langjähriges Knowhow im deutschsprachigen Raum ermöglichen uns, langfristig in neue Marktsegmente vorzudringen“, betont Dirk Schwindling, Executive Vice President Zucchetti Worldwide Business Operations.
Ready2order-Founder: „Nicht auf der Suche nach klassischem Exit“
Und Bernhart ergänzt: „Als profitables Unternehmen waren wir auf der Suche nach einer langfristigen und nachhaltigen Partnerschaft und nicht nach einem kurzfristigen Investment oder einem klassischen Exit. In der Zucchetti Group haben wir jetzt den perfekten Partner für uns gefunden. In unseren Gesprächen haben uns vor allem ihre Werte, ihre Erfahrung und ihre Vision überzeugt. Gemeinsam sehen wir ein großes Potential für die zukünftige Weiterentwicklung und den Wachstumskurs von ready2order“, so das Resümee.
Defence statt Climate: Wie die TechBBQ in Kopenhagen zeigt, wohin Europas Startup-Szene steuert
Tech-Unternehmerin Mariebeth Aquino arbeitet an der Erkennung von Desinformations- und Einflusskampagnen (FIMI) in Europa. Auf der größten Startup-Konferenz Skandinaviens war sie vor Ort. In ihrem Gastbeitrag für brutkasten schildert sie, warum das meistgehörte Wort heuer „Defence" war und was Österreich davon lernen könnte.
Defence statt Climate: Wie die TechBBQ in Kopenhagen zeigt, wohin Europas Startup-Szene steuert
Tech-Unternehmerin Mariebeth Aquino arbeitet an der Erkennung von Desinformations- und Einflusskampagnen (FIMI) in Europa. Auf der größten Startup-Konferenz Skandinaviens war sie vor Ort. In ihrem Gastbeitrag für brutkasten schildert sie, warum das meistgehörte Wort heuer „Defence" war und was Österreich davon lernen könnte.
Gastautorin Mariebeth Aquino war auf der TechBBQ in Kopenhagen vor Ort | Foto: Mariebeth Aquino | (c) Kasia Sosulski
Tag zwei der TechBBQ in Kopenhagen, kurz vor acht Uhr morgens. Die Nacht davor war lang: Side-Events, Netzwerken, Gespräche bis weit nach Mitternacht. Ich schaffe es zwei Minuten vor Beginn zur Royal Reception, durch die Tür fast gleichzeitig mit Prinz Joachim von Dänemark. Ich setze mich an einen Tisch. Er auch. An denselben. Cooler Zufall.
So beginnt für mich der Defence & Dual-Use Summit: mit dem dänischen Königshaus am Tisch einer Startup-Konferenz. Prinz Joachim, der auch Verteidigungsindustrie-Attaché ist, sagt: Die Grenzen zwischen Tech, Wirtschaft und nationaler Sicherheit verschwimmen. Die interessantesten Lösungen kämen nicht mehr aus klassischen Rüstungskonzernen, sondern aus Startups, Uni-Labs und von Leuten, die mit Defence nie zu tun hatten. Und dieses Bild zieht sich durch die gesamte Konferenz: Grenzen verschwimmen.
Die TechBBQ ist mit über 10.000 Teilnehmer:innen Ende August die größte Startup-Konferenz Skandinaviens, und das meistgehörte Wort war heuer „Defence“. Wer regelmäßig auf europäischen Startup- und Tech-Konferenzen unterwegs ist, hat die Verschiebung bemerkt: 2022 sah man noch viele Impact- und Sustainability-Sessions auf den Bühnen. Heuer dominieren Resilienz und Sicherheit. Im Juni, auf der VivaTech in Paris, war das meistgehörte Wort „Sovereignty“ (Souveränität).
Defence Tech boomt
2025 gingen 13 Prozent des gesamten europäischen Venture Capitals in Verteidigung, Sicherheit und Resilienz, dreimal so viel wie drei Jahre zuvor (Dealroom und NATO Innovation Fund, Februar 2026). Auch Atomicos „State of European Tech 2025″ bestätigt den Boom bei Defence Tech. Das Kapital für Climate Tech wird dagegen seit 2022 mit jedem Jahr weniger (Atomico, „State of European Tech“ 2022 bis 2025).
Es braucht heute keinen militärischen oder nachrichtendienstlichen Hintergrund, um in diesem Feld etwas beizutragen. Man braucht technische Tiefe, die Bereitschaft, sich in eine fremde Domäne einzuarbeiten, und ein Umfeld, das einen dabei nicht ausbremst, sondern fördert. Wie in Dänemark.
Die TechBBQ fand am 26. und 27. August 2026 im Bella Center Kopenhagen statt | Foto: Mariebeth Aquino
2005 habe ich bei der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien ein Tool mitentwickelt, das aufdecken sollte, wer gerade versucht, eine Atombombe zu bauen. Im selben Jahr bekam die IAEA den Friedensnobelpreis. Zwanzig Jahre später jage ich mit derselben Logik organisierte Desinformationskampagnen, diesmal als Startup. Denn hybride Bedrohungen sind längst Alltag, auch in neutralen Ländern. Hochriskant, Ausgang offen. Ich versuche es trotzdem.
„Your idea is never too crazy for us. We want to see it. We want to hear it. We want revolutionary, not evolutionary ideas“, sagt Lindsay Heil, Chief of International Cooperation bei DARPA, auf der Bühne. DARPA will Antworten auf schwierige Probleme, und die kommen aus ihrer Erfahrung meistens von Startups. Dieser Aufruf hat mich besonders angesprochen.
Aus Überzeugung in Defence
Verteidigung hat die Verteidigungsblase verlassen. Auf der TechBBQ waren laut Veranstalter über 2.000 Investor:innen vor Ort. Ich habe rund ein Dutzend von ihnen gefragt, ob sie in Defence investieren. Keine einzige Absage. Aber auf einer Konferenz mit eigenem Defence-Summit ist das wohl erwartbar. Spannend war, dass die allerwenigsten einen militärischen oder sicherheitspolitischen Hintergrund haben. Sie tun es aus Überzeugung und lernen die Domäne unterwegs.
Wie sehr sich die Stimmung gedreht hat, bringt Philipp Schröder, CEO und Mitgründer des Hamburger Climate-Tech-Unicorns 1Komma5°, auf den Punkt, als ich ihn nach seinem Talk treffe: Den Shift Richtung Defence und Security spüre man klar. 2022 sei der Peak für Impact- und Energie-Themen gewesen, der sei vorbei. Sterben werde der Sektor aber nicht.
Wer ein europäisches Defence- oder Dual-Use-Startup baut, war auf der TechBBQ am richtigen Ort: Top-Management von Rheinmetall und Terma, DARPA, hochrangige Militärs, Leute vom skandinavischen Nachrichtendienst. Auf deren Badges standen nur der Vorname und der Geheimdienst, während alle anderen sämtliche Details preisgaben. Vor denen hatte ich Respekt.
Keine Minderheit mehr
Wer die Revolutionär:innen sucht, muss allerdings auch jene einladen, die bisher nicht mitgemeint waren. Auf männerdominierten Tech-Events ist Unconscious Bias mein ständiger Begleiter. Ich bin darauf sensibilisiert und nehme die Mikroexpressionen wahr: den kurzen Blick, der einordnet und weiterwandert. Ich bin eine kleine Frau mit Migrationsgeschichte. Das Stereotyp sagt: Die steht sicher in keiner Position mit Macht. Also werde ich übersehen, weil ich nicht dem Bild des erfolgreichen weißen Mannes entspreche.
Über 2.000 Investor:innen waren laut Veranstalter auf der TechBBQ in Kopenhagen vor Ort | Foto: Mariebeth Aquino
Nicht in Kopenhagen. Auf der TechBBQ wurden Frauen, Minderheiten und die Crazy Ones, die Misfits, die Rebels willkommen geheißen. Sogar von den alteingesessenen älteren Herren, die auf solchen Konferenzen sonst die Deutungshoheit haben, kam dieses Gefühl kein einziges Mal auf.
Und Frauen waren auf der TechBBQ keine Minderheit. Ich schätze, ein Drittel der Gäste waren Frauen, dazu eine große, durchgehend volle Women-in-Tech-Lounge. Die Organisationsforschung kennt den Effekt als kritische Masse: Unter etwa 15 Prozent ist man die Ausnahme und steht stellvertretend für die ganze Kategorie, ab rund einem Drittel wird man wieder als Individuum gesehen (Rosabeth Moss Kanter). In Kopenhagen war dieser Punkt überschritten, und das war spürbar. Ich fand es befreiend.
Ich gehe seit 2009 auf Tech-Konferenzen und weiß, wie ungewöhnlich das ist. In Kopenhagen wurde auf den Bühnen gefeiert, wofür man sonst schiefe Blicke erntet, oft ohne dass es den Blickenden bewusst ist: Frau sein, Neurodivergenz, Migrationsgeschichte, untypische Lebensläufe. Wenn die interessantesten Defence-Lösungen von Quereinsteiger:innen kommen, wie Prinz Joachim sagt, dann entscheidet genau diese Offenheit, wie groß der Talentpool ist.
Dänemark macht es vor
Dänemark hat seine Verteidigungsausgaben seit 2022 real um rund 180 Prozent erhöht, der stärkste Zuwachs aller NATO-Staaten (NATO, Juli 2026). Hier ist der Ukraine-Krieg geografisch näher an der Bevölkerung und die Gesellschaft hat ein anderes Mindset gegenüber Verteidigung. Und die Industrie hat gelernt, wie Tempo geht: Getestet wird vom ersten Tag an in der Ukraine, am Boden, nah an den Nutzern. Die Anforderungen kommen nicht aus einem Ministerium, sondern aus dem Schützengraben. Was sich dort bewährt, kommt in den Einsatz. Und skaliert wird über Dänemark hinaus, denn, so Terma-CEO Henriette Hallberg Thygesen auf der Bühne, Dänemark allein sei für eine Verteidigungsindustrie zu klein, und Innovation ohne Skalierung werde selten eine echte Fähigkeit im Einsatz.
Und Österreich?
Das Land der Seligen. Wir setzen halt auf die Neutralität. Nur fragen Desinformationskampagnen nicht nach Bündnissen, sie laufen längst, auch bei uns. Auf dem Summit habe ich zwei Tage lang zugehört, wie Dänemark laut die eigenen Schwächen seziert: zu wenig Dringlichkeit, keine Lizenz zum Scheitern. Österreich stellt diese Fragen nicht einmal. „Eure Idee ist uns nie zu verrückt.“ Ich hätte diesen Satz gerne einmal hier gehört.
Über die Autorin: Mariebeth Aquino ist Tech-Unternehmerin. Sie arbeitet an der Erkennung von Desinformations- und Einflusskampagnen (FIMI) in Europa und bildet Security-Software-Engineers aus. www.heldin.eu
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1. Das österreichische Fintech-Unternehmen ready2order, das Point-of-Sale- und Payment-Anwendungen entwickelt, wurde von der italienischen Zucchetti Group übernommen.
2. Ready2order bleibt eigenständig, wird aber von den beiden Co-Foundern weiterhin geführt und plant, den Standort in Österreich auszubauen und europaweit zu expandieren.
3. Die Zucchetti Group möchte ihr Portfolio erweitern und durch den Erwerb von ready2order ein cloudbasiertes Kassen- und Bezahlsystem für KMUs anbieten.