25.02.2021

Exit: Kastner kauft St. Pöltner Gastro-Startup Ordito

Das bis zuletzt selbstfinanzierte Startup Ordito verkaufte bereits im Dezember an den Lebensmittelgroßhändler aus Niederösterreich.
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Ordito - Kremser Accent-Startup mit Predictive Analytics gegen Lebensmittelverschwendung
(c) i2b IdeaMeetsMoney: Die Ordito-Co-Founder Maurice Beurskens und Eric Weisz

Der niederösterreichische Lebensmittelgroßhändler Kastner hat das St. Pöltner Gastro-Startup Ordito gekauft. Ordito wurde 2019 von Maurice Beurskens und Eric Weisz gegründet und bietet Restaurants eine Software an, über die Kunden unkompliziert über das Smartphone Speisen und Getränke an den Tisch ordern können. Darüber, wieviel Geld bei dem Deal geflossen ist, haben die beiden Unternehmen Stillschweigen vereinbart.

Exit von Anfang an geplant

„Wir wollten von Anfang an einen Exit-Case bauen und waren bis zum Ende gebootstrapped“, erzählt Weisz im Gespräch mit dem brutkasten. Dementsprechend schnell ging der Deal im Dezember 2020 über die Bühne: „Kastner war von Anfang an ein enger Vertriebspartner von uns“, schildert der Co-Founder. „Ende des Jahres wäre der Vertrag ausgelaufen und dann stand sehr schnell der Verkauf im Raum“. Die Due Dilligence habe schließlich nur zwei Wochen gedauert: „Es war alles extrem unkompliziert“.

Ordito soll Mjam Konkurrenz machen

In der Kastner-Gruppe bleibt Ordito als Marke erhalten. „Die Lösung wird zu einer größeren Plattform ausgebaut, die Restaurants auch eine günstigere Alternative zu Mjam oder Lieferando bieten soll“, verrät Weisz. Ordito arbeitet mit QR-Codes, die von Kunden mit dem Smartphone gescannt werden und die auf eine mobile Website mit Speisekarte weiterleiten. Die Lösung bietet eine Bestell- und Bezahl-Möglichkeit und kann über diverse Module erweitert werden – beispielsweise eine Gästeregistrierung, wie sie im Coronajahr 2020 teilweise in Restaurants erforderlich war.

Vergangenes Jahr habe dem Startup jedenfalls bei der Skalierung in die Karten gespielt, sagt der Jungunternehmer. Es sei auf der anderen Seite aber auch schwierig gewesen, Restaurants unter diesen Umständen „Geld aus der Tasche zu ziehen“. Ordito hat schließlich das Preismodell angepasst und die Lösung während der Lockdowns auch teilweise kostenlos angeboten.

Gründer haben neue Projekte

Die Gründer haben den Verkauf auch angepeilt, weil beide bereits neue Projekte haben. Beurskens wurde von dem tschechischen Online-Supermarkt-Startup Rohlík zum Österreich-Geschäftsführer von gurkerl.at gemacht. Weisz hat mit Circly ein neues Startup, das aus einem Datenprojekt in Ordito hervorgegangen ist. Circly hat ein KI-basiertes Prediction-System für den Lebensmittelhandel entwickelt, das das Kaufverhalten vorhersagt und so dabei hilft, Lagerbestände und Bestellungen zu optimieren.

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Gruppenfoto von Georg Kopetz, CEO und Mitgründer von TTTECH und Eddie Myers, CEO TTTech Systems SE / (c) Nicky Webb
Gruppenfoto von Georg Kopetz, CEO und Mitgründer von TTTECH und Eddie Myers, CEO TTTech Systems SE / (c) Nicky Webb

Die Wiener High-Tech-Gruppe TTTech stellt sich neu auf. Mit Wirkung zum 1. Oktober 2026 gründet das Unternehmen die TTTech Systems SE, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft, in der die Geschäftsfelder Luft- und Raumfahrt, Verteidigung und kritische Infrastruktur gebündelt werden. Zur kritischen Infrastruktur zählt TTTech etwa Anwendungen in der Energieerzeugung. Laut Aussendung wachsen diese Märkte gerade in Nordamerika und Europa stark.

Das Portfolio der neuen Gesellschaft umfasst Komponenten, Produkte und komplette Plattformlösungen für sicherheitsrelevante Anwendungen. Zum Einsatz kommen sie nach Unternehmensangaben in Kommunikations- und Avionikarchitekturen von Verkehrsflugzeugen, militärischen Luftfahrzeugen, Advanced-Air-Mobility-Plattformen, Satelliten, Raumfahrzeugen und Trägerraketen. Technologien und Produkte von TTTech kommen unter anderem in der europäischen Trägerrakete Ariane 6 und bei der NASA-Mondmission Artemis II zum Einsatz.

Nächster Schritt nach NXP-Deal und Invest-AG-Einstieg

TTTech ordnet die Gründung als weiteren Schritt seiner langfristigen Wachstumsstrategie ein. Anfang 2025 hatte die Gruppe ihre Anteile an der von ihr mitbegründeten TTTech Auto an NXP verkauft und sich danach stärker auf ihre Kerngeschäfte konzentriert. Erst im August stieg zudem die Linzer Invest AG mit 11 Prozent bei TTTech ein (brutkasten berichtete).

Das Unternehmen verweist auf die weltweit steigende Nachfrage nach sicheren, resilienten und zunehmend autonomen Technologien. Gleichzeitig würden technologische Souveränität, Versorgungssicherheit und digitale Resilienz an Bedeutung gewinnen.

„Europa braucht in Bereichen wie Raumfahrt, Verteidigung, kritischer Infrastruktur und industrieller Automatisierung starke Technologieunternehmen mit langfristiger Perspektive. Mit der TTTech Systems SE schaffen wir die Voraussetzungen, unsere Stärken gezielter einzusetzen und neue Wachstumschancen in internationalen Märkten zu nutzen“, wird Georg Kopetz, CEO und Mitgründer von TTTech, in der Aussendung zitiert.

Eddie Myers wird CEO

An der Spitze der TTTech Systems SE steht Eddie Myers. Er ist am 15. Juli zu TTTech gekommen und derzeit als CEO von TTTech North America tätig. Die Leitung der neuen Gesellschaft übernimmt er mit 1. Oktober zusätzlich. Myers soll laut Aussendung Branchenkenntnisse und Verbindungen in Nordamerika, einen Kernmarkt von TTTech, einbringen und die weltweite Marktpositionierung der Tochter vorantreiben.

Hauptsitz bleibt Wien

Sowohl TTTech als auch die TTTech Systems SE haben ihren Hauptsitz in Wien. Die Stadt soll auch künftig das Zentrum der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der Gruppe bleiben, ergänzt durch Engineering-Teams in Deutschland, Finnland, Serbien und Rumänien.

Für Kunden, Partner und Lieferanten ändert sich mit dem Übergang der Geschäftsbereiche laut TTTech nichts. Produkte, Dienstleistungen, laufende Projekte und Supportleistungen würden in gewohnter Form fortgeführt. Bestehende Verträge, Zertifizierungen und Geschäftsbeziehungen bleiben demnach gültig, ebenso die bisherigen Ansprechpartner und Prozesse.

„Gleichzeitig steht dieser Schritt für Kontinuität. Unsere Kunden und Partner können weiterhin auf die technologische Exzellenz und Verlässlichkeit vertrauen, für die TTTech seit Jahrzehnten steht“, so Kopetz.

Die TTTech Group beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 1.200 Mitarbeitende an zwölf Standorten in elf Ländern.

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