26.06.2026
INVESTMENT

Ex-OMV-Ingenieur holt 20 Millionen Dollar für sein Silicon-Valley-Startup

Das vom Österreicher Markus Zechner mitgegründete Silicon-Valley-Startup Terra AI sichert sich eine Series-A-Finanzierungsrunde in Höhe von 20 Millionen US-Dollar, angeführt von Khosla Ventures.
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Der Österreicher Markus Zechner, Co-Founder von Terra AI © Terra AI

Die Series-A-Finanzierungsrunde des Silicon-Valley-Startups Terra AI wird von Khosla Ventures angeführt. Der VC ist bereits seit den Anfängen 2023 als Seed-Investor dabei. Neben einem strategischen Investment von BHP Ventures beteiligten sich auch die Business Angels Dan Wright und Paul Balson an der Millionensumme für das Deep-Tech-Unternehmen.

Untergrund-Simulation wie beim autonomen Fahren

Das Startup entwickelt eine künstliche Intelligenz für industrielle Anwendungen in der Rohstoff- und Energieexploration. Dabei liegt der Fokus auf der Einschätzung von Projektrisiken in den Einsatzbereichen Geothermie, CO₂-Speicherung und Mineralexploration.

Technisch ist die Plattform laut Unternehmensangaben von Systemen des autonomen Fahrens inspiriert: Ähnlich wie selbstfahrende Autos potenzielle Routen vorausberechnen, simuliert Terra AI Millionen geologischer Szenarien im Untergrund, heißt es in einer Aussendung. Zu den Partnerunternehmen gehören BHP, Rio Tinto und die OMV.

Vom Erdölkonzern ins Silicon Valley

Der gebürtige Österreicher Markus Zechner blickt auf eine Karriere an der Schnittstelle von Energie und Technologie zurück. Zunächst absolvierte Zechner seinen Master an der Montanuniversität Leoben, bevor es ihn nach Amerika zog. An der Stanford University promovierte er und forschte danach als Adjunct Professor an KI-gestützten Entscheidungssystemen für geologische Untergrundprojekte.

Laut LinkedIn-Profil war Zechner über elf Jahre beim Erdölkonzern OMV beschäftigt – zunächst als Reservoir Engineer am Standort Gänserndorf, bevor er 2019 zum Advisor aufstieg. Gemeinsam mit Anthony Corso und John Mern gründete er schließlich Terra AI.

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Matteo Rosoli, CEO von eustella © eustella

„In den USA wird gerade die Ära der Superintelligenz ausgerufen. Europa darf dabei nicht zuschauen“, sagt Matteo Rosoli, CEO von eustella. Das Wiener Startup hat am 20. Oktober die Version 1.5 seiner Plattform für KI-Agenten veröffentlicht. Sie läuft nach eigenen Angaben auf rein europäischer Cloud-Infrastruktur.

Nachtraining statt Neuentwicklung

Eustella entwickelt kein Sprachmodell von Grund auf. Stattdessen setzt das Team auf offene Modelle, deren Gewichte frei verfügbar sind, und entwickelt sie mit eigenen Daten und Verfahren weiter. Ausgangspunkt ist laut Aussendung „das chinesische Basismodell Qwen 3.8 27B”. Die leistungsstärksten offenen Modelle stammten demnach „derzeit überwiegend aus China”. Das Nachtraining soll auch deren Voreingenommenheit reduzieren.

Ergebnisse aus eigener Messung

Wie viel das Nachtraining bringt, hat eustella selbst gemessen, mit 14 gängigen Leistungstests für KI-Modelle (Benchmarks). Laut Unternehmen schneidet v1.5 in allen 14 besser ab als das Basismodell, im Schnitt um fünf Punkte. Am deutlichsten fällt der Zuwachs beim Programmieren (LiveCodeBench, plus 17,1 Punkte), beim Befolgen komplexer Anweisungen (IFBench, plus 10,9) und in mehrstufigen Gesprächen (MultiChallenge, plus 10,8) aus.

Im Vergleich mit US-Modellen zieht eustella folgende Bilanz: v1.5 erreicht mit 27 Milliarden Parametern bei LiveCodeBench 89,1 Prozent, fast identisch mit Claude Opus 5 (89,0). GPT-5.6 Sol kommt auf 82,6. Bei GPQA Diamond, einem Test mit naturwissenschaftlichen Expertenfragen, liegt eustella mit 92,6 Prozent hinter Claude Opus 5 (93,9). Beim Verstehen langer Dokumente (AA-LCR) führt v1.5 laut eigenen Angaben mit 87,5 Prozent vor Claude Opus 5 (79,0) und GPT-5.6 Sol (84,0).

Auch gegenüber dem französischen Anbieter Mistral liegt v1.5 laut eustella in allen sieben vergleichbaren Benchmarks vorn, obwohl Mistral Medium 3.5 rund fünfmal so viele Parameter habe.

Die im Sommer verglichenen Modelle sind allerdings nicht mehr die aktuellsten ihrer Anbieter. Anthropic hat mit Fable 5.1 (seit 1. September) und Opus 5.5 (seit 22. September) zwei jüngere Modelle veröffentlicht. Auch OpenAI und Mistral haben mittlerweile neue Modelle vorgestellt.

Vom Launch zur Unternehmensplattform

Vorgestellt hat eustella seine App am 24. Juni. Beim Start im Juni waren es knapp 5.000 Nutzer:innen, jetzt mehr als 22.000. Die KI-Agenten unterstützen mehrstufige Aufgaben wie Recherchen, Präsentationen oder Reiseplanung. Ende August folgte laut eustella eine Optimierung, die das Achtfache an Nutzung zum gleichen Preis ermöglicht. Mit v1.5 kommen Team- und Enterprise-Pläne: „Orbit” kostet 20 Euro pro Nutzer:in und Monat, „Constellation” mit vierfachem Nutzungsvolumen 80 Euro. Die ersten 25 Partner:innen haben bereits API-Zugriff.

Eigene Technologie in Planung

„Wir haben diesen Sommer gezeigt, dass ein europäisches Team mit offenen Modellen und eigener Forschung an die Weltspitze heranrücken kann”, sagt Rosoli. v1.5 sei „erst der Anfang”. Weitere Forschung ist in Vorbereitung, eigene KI-Technologie will eustella Schritt für Schritt entwickeln.

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