18.11.2025
MINIATOMKRAFTWERKE

Ex-OeNB-Gouverneur wird Vice President beim Grazer Scaleup Emerald Horizon

Die steirische Emerald Horizon AG präsentierte 2022 erstmals Pläne für "saubere und mobile" Energiegewinnung aus radioaktivem Thorium im Container-Format. 2029 soll ADES, wie die SMR-Technologie (Small Modular Reactors - umgangssprachlich: Miniatomkraftwerke) genannt wird, marktreif sein. Aktuell vermeldet das Green-Tech einen prominenten Neuzugang: Ökonom und Ex-Weltbanker Robert Holzmann übernimmt nach seiner aktiven Zeit als Gouverneur der OeNB die Rolle des Vice President.
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Holzmann, Emerald Horizon
© Emerald Horizon - (v.r.) Robert Holzmann (Vice President) und Florian Wagner, CEO von Emerald Horizon.

Robert Holzmann war viele Jahre Senior Economist beim IWF, Sektorendirektor und Board Head für Social Protection & Labor bei der Weltbank und bis 31. August 2025 Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB).

Holzmann: „Leistbare Energie Säule für Volkswirtschaften“

Zudem lehrte er weltweit an Universitäten, u.a. von 2012 bis 2015 an der University of Malaya in Kuala Lumpur. Für den Kosmopoliten stand in all seinen Funktionen stets ein fairer Chancenzugang durch ökonomische Entwicklung und Stabilität im Vordergrund, wie es per Aussendung heißt. Den Einstieg bei Emerald Horizon sieht der Steirer in diesem Sinne als „perfect match“.

„Der Zugang zu leistbarer Energie ist eine wesentliche Säule für robuste Volkswirtschaften. Dezentrale, saubere und skalierbare Energiesysteme sind entscheidend, damit auch weniger industrialisierte Regionen an globalen Liefer- und Handelsketten Anschluss finden können. Das fördert nicht nur Wirtschaft, sondern auch den sozialen Aufstieg und die Stabilität in betreffenden Regionen“, sagt Holzmann zu seiner neuen Rolle als Vice President bei Emerald Horizon.

Florian Wagner, Founder und CEO von Emerald Horizon, ergänzt: „Wir beschleunigen unsere internationale Expansion mit starken Partnern und laufender Kapitalaufnahme. Der jüngste Start unserer finalen Kapitalrunden unterstreicht, dass Investoren an skalierbare, sichere und CO₂-freie Energie mit ADES glauben. Ich freue mich sehr, dass wir mit Prof. Dr. Holzmann einen internationalen Botschafter gefunden haben und mit ihm unsere Werte und Visionen in die Welt tragen können.“

SMRs und Thorium

Small Modular Reactors (SMRs), umgangssprachlich auch als Miniatomkraftwerke bezeichnet, zählen laut Emerald Horizon zu den großen technologischen Megatrends unserer Zeit. Rund um den Globus entstünden derzeit neue Projekte, Unternehmen und Allianzen, die das Potenzial kleiner, modularer Reaktorsysteme als flexible, skalierbare und klimaneutrale Energiequelle erkennen würden. Während viele SMR-Konzepte auf Rohstoffe wie Uran setzen, möchte Emerald Horizon einen anderen Weg gehen. Das kurz vor der Marktreife stehende ADES-System (Accelerator Driven Energy Source) nutzt das Element Thorium – ein schwach radioaktives Schwermetall und zugleich das häufigste radioaktive Element in der Erdkruste – und stößt die Reaktion mittels Teilchenbeschleuniger an.

„Mit ADES bringen wir den Begriff Small Modular Reactor auf ein neues Niveau. Unsere Technologie verbindet die Vorteile modularer Systeme mit einem radikal anderen Sicherheitsprinzip. Kein kritischer Zustand, kein transuraner Abfall – dafür maximale Kontrolle, Effizienz und Nachhaltigkeit. Damit schaffen wir eine Energiequelle, die ökologisch wie ökonomisch zukunftsfähig ist“, so Wagner weiter.

Dezentrale Energiequellen

Der globale Energiebedarf nimmt deutlich zu – neben dem Wachstum in den BRICS-Staaten seien es besonders Player wie die USA, wo Künstliche Intelligenz, Cloud Computing und Datencenter-Infrastrukturen enorme Mengen an kontinuierlicher Energie verlangen. Hier würde ADES die Möglichkeit bieten, dezentrale, emissionsfreie Energiequellen direkt an die Standorte dieser High-Tech-Industrien zu bringen. Das schaffe Netzstabilität und senke gleichzeitig den CO₂-Ausstoß, so das Emerald-Team

Im Nahen Osten und in Südostasien, wo rasches Bevölkerungswachstum und Industrialisierung den Energiehunger verstärken, könnte ADES neue Möglichkeiten für autonome, dezentrale Versorgungssysteme ermöglichen, so die Hoffnung von Wagner und Co. Besonders Malaysia, ein Land mit mehr als 800 Inseln, stehe stellvertretend für Regionen, in denen klassische, zentrale Stromnetze an ihre Grenzen stoßen.

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Follow startet mit der FHWien der WKW eine Social-Media-Ausbildung auf Hochschulniveau

Die Wiener Social-Media-Agentur Follow launcht mit Unterstützung der FHWien der WKW einen Online-Lehrgang für Social Media. Die Gründer wollen damit ein Problem lösen, das sie aus dem eigenen Agenturalltag kennen: Wer Social Media professionell lernen wolle, finde bislang keine zertifizierte, praxisnahe Ausbildung.
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Für Ilja Jay Lawal und Pedram Parsaian, die Gründer der Social-Media-Agentur Follow, schließt sich mit dem neuen Lehrgang ein Kreis. Beide haben an der FHWien der WKW Kommunikationswirtschaft studiert und sich dort kennengelernt. Seit mehreren Jahren sind sie zudem als Lektoren an der Hochschule tätig. Auch geschäftlich besteht bereits eine Verbindung: Die FHWien der WKW ist Kundin der Agentur, die für sie unter anderem Performance-Marketing und Influencer-Marketing-Projekte umsetzt, um neue Studierende anzusprechen.

Follow hat heuer bereits mehrfach Schlagzeilen gemacht: Zu Jahresbeginn beteiligte sich Musiker RAF Camora mit fünf Prozent an der Agentur (brutkasten berichtete), im August wurde Follow offizieller Social-Media-Vermarktungspartner der ProSiebenSat.1 Puls 4 Gruppe und damit Kooperationspartner von deren Vermarktungs-Unit Seven.One Austria (brutkasten berichtete). Mit dem Lehrgang folgt nun der Schritt ins Bildungsgeschäft.

„Du kannst Social Media nicht studieren“

Die Motivation für die neue Ausbildung kommt direkt aus dem Agenturalltag. „Da merken wir in der Praxis sehr stark: Du kannst Social Media nicht studieren. Es gibt keine zertifizierte, universelle Ausbildung, wo man sagt: Wenn du das gelernt hast, dann kannst du es“, sagt Lawal im Gespräch mit brutkasten. Die Agentur erhalte laufend Bewerbungen von Menschen, die in den Bereich einsteigen wollen, aber keine praktische Erfahrung mitbringen und keinen Ort haben, an dem sie das Handwerk lernen können.

Gleichzeitig sei der Beruf deutlich anspruchsvoller geworden. Waren Social-Media-Manager:innen früher vor allem für Texte und Themenauswahl zuständig, brauche es heute deutlich mehr: „Zusätzlich bist du Videograf, Fotograf, machst Grafik. Du musst mit dem Smartphone alles Mögliche können“, so Parsaian. Der Job sei mittlerweile einer der schwierigsten im Marketing-Mix, obwohl er oft noch als kleiner Teil des Marketings gelte.

Dass die Ausbildung nicht im Alleingang, sondern mit einer Hochschule entsteht, war für die Gründer eine bewusste Entscheidung. Es gebe zwar bereits Online-Kurse zum Social Media Manager, diese seien aber reine Theoriekurse, hinter denen weder eine Hochschule noch eine Agentur mit Praxiserfahrung stehe. Die Unterstützung durch die FHWien der WKW soll das ändern.

Online-Videokurs mit KI-Kapitel

Der Lehrgang ist als Online-Videokurs konzipiert und auf drei Monate ausgelegt, kann aber im individuellen Tempo absolviert werden, etwa abends oder am Wochenende neben dem Job. Am Ende steht ein Zertifikat. Die Module werden von einem gemischten Team unterrichtet: FH-Professor:innen, Mitglieder des Follow-Teams inklusive der beiden Gründer sowie externe Expert:innen, etwa aus den Bereichen Recht und Psychologie. Ein eigenes Kapitel widmet sich dem Einsatz von KI im Social-Media-Bereich. Der reguläre Preis liegt bei 2.970 Euro.

Die Ausbildung richtet sich an drei Zielgruppen: junge Menschen, die Social Media Manager:innen werden wollen, KMU und Marketingteams, die Social Media für das eigene Unternehmen aufbauen möchten, sowie Creator und Influencer:innen, die professioneller mit ihren Kanälen umgehen wollen.

Seitens der FHWien der WKW betont Studiengangsleiter David Dobrowsky den Anspruch der Ausbildung: „Der Anspruch dieser Ausbildung ist es, Social Media als eigenständiges und zentrales Feld von Unternehmenskommunikation und Marketing zu vermitteln. Professionelle Social-Media-Kommunikation braucht beides: fundiertes Wissen und praktische Anwendungsskills der Tools. Deshalb werden theoretische Grundlagen mit dem Umgang mit relevanten Tools und konkreten Anwendungen verbunden.“

KI senkt die Eintrittsbarriere, ersetzt aber niemanden

Dass KI den Bereich verändert, sehen die Gründer täglich. Die Eintrittsbarriere sei geringer geworden, weil sich mit KI-Unterstützung durchaus brauchbare Social-Media-Pläne erstellen ließen. „Ein einzelner Social-Media-Manager mit KI ist vielleicht so wie ein Team von drei, vier, fünf Leuten“, sagt Lawal. Eine echte Person ersetzen könne die Technologie aber nicht: „Dazu braucht man auch den Blick auf das, was sich laufend verändert. Es ist eine massive Arbeitserleichterung, Stand jetzt aber kein Ersatz.“

Neuer Revenue Stream für die Agentur

Für Follow ist der Lehrgang auch ein Business Case. Die Agentur ist nach eigenen Angaben auf 35 Mitarbeiter:innen gewachsen, bei einem jährlichen Umsatzwachstum im zweistelligen Prozentbereich. Das bringt ein Problem mit sich: „Wir sind mittlerweile einfach als Agentur zu groß für viele Kleine. Die kleine Immobilienkanzlei zu betreuen, rechnet sich für uns als Case nicht mehr“, sagt Lawal. Anfragen kleinerer Unternehmen müsse man ablehnen, obwohl auch diese Hilfe im Social-Media-Bereich bräuchten.

Der Lehrgang soll genau diese Lücke schließen und zugleich einen neuen, skalierbaren Umsatzstrom eröffnen, der nicht mit zusätzlichem Personal wächst. Selbst im schlechtesten Fall sehen die Gründer keinen Nachteil: Dann bleibe eine interne Schulungsressource für das eigene Team und das Onboarding. Künftig sollen auf der Videoplattform auch Vertiefungen dazukommen, etwa in den Bereichen Influencer-Marketing und Content Creation.

Sieglinde Martin, Head of Department of Communication an der FHWien der WKW, sieht in der Kooperation auch eine besondere Verbindung zur eigenen Alumni-Community: „Für uns als FHWien der WKW war schnell klar, dass wir mit so erfolgreichen Absolventen wie den Gründern von Follow kooperieren wollen. Sie setzen in ihrem Agenturalltag praktisch perfekt um, was wir in unseren Studiengängen am Department of Communication lehren. Es ist uns wichtig, diese Weiterbildung nicht nur zu unterstützen, sondern sie vor allem mit fundierten theoretischen Grundlagen und aktuellen Insights aus der Wissenschaft zu begleiten. Besonders freut es uns natürlich, dass wir so wieder mit ehemaligen Studenten zusammenarbeiten können und sich somit für uns der Kreis auf eine ganz besondere Weise schließt.“

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