20.11.2025
AWARD

European Young Innovators: Zwei steirische Startups unter Europas Besten

15 junge Unternehmen wurden heuer von den World Summit Awards (WSA) als European Young Innovators 2025 ausgezeichnet. Zwei davon stammen aus der Steiermark.
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Das Team von ontrack (l.) und noknots. | © Science Park Graz, noknots

Die prämierten Projekte der European Young Innovators 2025 beschäftigen sich mit digitalen Lösungen zu Themen wie Nachhaltigkeit, Gesundheit, Bildung und Inklusion. 

Mit noknots und ontrack wurden zwei Startups aus der Steiermark ausgezeichnet. Beide stehen exemplarisch dafür, „die Innovationskraft und den gesellschaftlichen Gestaltungswillen junger Unternehmer:innen“ sichtbar zu machen, heißt es in einer Aussendung.

Prämierte Startups aus der Steiermark

Das Grazer Startup noknots entwickelt eine E-Commerce-Lösung, die Marken und Händler:innen mit verlässlichen Daten versorgen soll. Ziel ist es, Prozesse zu automatisieren, Fehlerquellen zu reduzieren und das Risiko rechtlicher Abmahnungen im Onlinehandel deutlich zu verringern.

Die App ontrack richtet sich an blinde und sehbehinderte Menschen. Sie soll ihnen ermöglichen, sich unabhängiger und intuitiver im urbanen Raum zu bewegen. Die Anwendung setzt auf präzise Navigation und klare Rückmeldungen, um selbstbestimmte Mobilität im Alltag zu erleichtern.

Innovationsstandort Graz

Ihre Lösungen werden die Preisträger:innen beim European Young Innovators Festival in Graz präsentieren. Seit mehr als einem Jahrzehnt bringt das Festival junge Innovationsprojekte aus ganz Europa zusammen und bietet eine Plattform zum Austausch mit Expert:innen aus Technologie, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Finanziert wird die Veranstaltung unter anderem von der Stadt Graz, BMIMI, BMWET sowie einem regionalen Partnernetzwerk.

Elke Kahr, Bürgermeisterin von Graz, betont die Bedeutung des Innovationsstandorts Graz: „Graz ist eine Stadt der Wissenschaft, der Studierenden und der Menschenrechte. Das Festival zeigt, wie stark Innovation, Verantwortung und Zusammenarbeit in Graz gelebt werden – und dass unsere Stadt ein Ort ist, an dem Ideen wachsen und Zukunft entsteht.“

Globale Unsicherheit

In diesem Jahr rückt das Festival zentrale Zukunftsfragen in den Fokus: Wie lässt sich Künstliche Intelligenz ethisch gestalten? Was bedeutet verantwortungsvolles Unternehmertum im digitalen Raum? Und wie kann europäische Zusammenarbeit dabei helfen, Krisen resilient zu bewältigen?

„Junge Leute fühlen globale Unsicherheit. Man braucht dazu Räume um gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Niemand kann das alleine. connect. create. collab. ist somit mehr als nur Motto – es ist ein Hinweis zu Lösungen und Aufruf, gemeinsam an Europas digitaler Zukunft zu arbeiten”, sagt Peter A. Bruck, Chairperson des WSA Boards of Directors.

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Impression vom VERBUND Venture Day 2026 | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Impression vom VERBUND Venture Day 2026 | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

„Von der Innovation zur Skalierung und von der Skalierung zu einem stärkeren Europa“ mit diesem einen Satz könne man das große Ziel für den europäischen Energiesektor zusammenfassen, sagt VERBUND-X-Geschäftsführer Franz Zöchbauer in seinen einführenden Worten zum VERBUND Venture Day 2026, der erstmals beim neuen Energy-Launchpad-Partner WU Wien stattfand. „Wir haben die Lösungen, aber es dauert zu lange, bis sie am Markt sind. Wir müssen skalieren, aber kein Player kann das alleine. Es braucht ein Ökosystem und hier zählen die Menschen“, so Zöchbauer.

Franz Zöchbauer | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Franz Zöchbauer | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

Die Zusammenarbeit im Ökosystem als Motto beim VERBUND Venture Day ist nicht neu, der Diskurs, in den das Motto dieses Jahr eingebettet ist, durchaus: Auch hier dominiert das große Thema europäische Souveränität. Der Titel des diesjährigen Events lautet „Scaling Beyond Borders“.

10,25 Billionen Euro für die Energiewende

Zöchbauer drückt die Ambition hinter der eingeforderten Skalierung in Zahlen aus: Es brauche Schätzungen zufolge 10,25 Billionen Euro, um das Energiesystem Europas bis 2040 zu transformieren. „Das ist 70 mal das Volumen des Marshallplans oder das Volumen von 25 Jahren globale VC-Investments“, so der VERBUND-X-Geschäftsführer. Es handle sich also um eine epochale Investment-Chance. Doch er erinnert: „Zahlen ändern die Welt nicht. Menschen tun es.“

Achim Kaspar | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Achim Kaspar | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

Dabei sei die Energiewende keineswegs nur ein Wunsch, sondern eine Notwendigkeit, betont VERBUND-COO Achim Kaspar in einer Panel-Diskussion unter dem Titel „Owning the Future“: „Wir sind an einem Wendepunkt. Man liest jeden Tag von Problemen beim Transport fossiler Energieträger. Wir müssen auf erneuerbare umsteigen.“ Für VERBUND sei dabei schon lange klar: „Wir wollen nicht das nächste Kodak werden.“

„Es laufen mehrere Energiewenden parallel“

Diese europäische Sicht auf die Energiewende setzt Angela Wilkinson, CEO des World Energy Council, im Panel und bei ihrer Keynote in die globale Perspektive: „Es laufen mehrere Energiewenden parallel. In Europa geht es um den hundertprozentigen Umstieg auf erneuerbare Energieträger. Im nahen Osten etwa geht es um Technologien, um den CO2-Ausstoß auch mit fossilen Energieträgern auf Null zu bringen.“

Angela Wilkinson | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Angela Wilkinson | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

Bei der Souveränität gehe es letztlich um die Möglichkeit, sich seine Abhängigkeiten auszusuchen, „nicht um teuren Isolationismus“, meint Wilkinson. Was ihr insgesamt fehle, sei eine kollektive Vision für eine bessere Zukunft. „Wir haben klare Ziele bei der CO2-Reduktion, aber keine gemeinsame positive Perspektive. Wir haben die Energiewende zwar an die Wall Street gebracht, aber nicht auf die Hauptstraße, wo die Menschen sind.“

Konsequenter Fokus auf die Kund:innen

Darum, wie die Transformation direkt zu den Menschen gebracht werden kann, ging es in einem Talk von VERBUND-CEO Michael Strugl und Greg Jackson, Gründer von Octopus Energy. Strugl sieht das britischen Unternehmen dabei als Vorbild: „Octopus ist ein echter Champion, wenn es um Kundenservice geht.“ Als er Jackson zum ersten Mal nach dessen Geschäftsmodell gefragt habe, sei die Antwort denkbar simpel gewesen: „Ich will den Kunden weniger verrechnen.“ Dieser konsequente Fokus auf die Kund:innen sei der Schlüssel, sagt Strugl.

Michael Strugl | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Michael Strugl | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

Viele Energieunternehmen würden Kund:innen bisher nur als reine Abnehmer verstehen, meint Jackson. Octopus setze stattdessen auf radikale Vereinfachung und digitale Flexibilität: „Statt schwer lesbarer, regulierter PDFs nutzen wir einfache E-Mails, auf die man direkt antworten kann.“ Diese Kundennähe gepaart mit intelligenter Steuerung – etwa beim Laden von Elektrofahrzeugen – sei der Treiber für das rasante Wachstum des Unternehmens. Für Strugl ist das eine klare Orientierung für die gesamte Branche: „Innovatoren und Disruptoren helfen uns dabei, das gesamte System in ein erneuerbares, dezentrales und digitalisiertes Energiesystem zu verwandeln.“

Tragende Rolle für Gründer:innen – Unis entscheidend

Es sind also nicht nur Politiker:innen und Verantwortliche in Energiekonzernen, sondern auch Gründer:innen, die bei der Energiewende eine tragende Rollen spielen. Hier wiederum sind die Universitäten entscheidende Akteure, wie Franz Zöchbauer am Panel gemeinsam mit WU-Wien-Rektor Rupert Sausgruber und TU-Wien-Rektor Jens Schneider erläutert. „Es gibt im Energiesektor so viel Potenzial, aber man braucht nicht nur viel Geld sondern auch die Ideen“, bringt es Schneider auf den Punkt.

Jens Schneider (l.) und Rubert Sausgruber (r.) | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

„Starke Gründer:innen, aber viele Hindernisse am Weg“

Dass natürlich auch die Politik ihren Beitrag leisten muss, um die Skalierung über die Grenzen hinaus zu ermöglichen, erörtert Startup-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner in ihrer Keynote. Man müsse die Herausforderung angehen, Startups in Europa zu halten. „Wir haben starke Gründer:innen, aber viele Hindernisse am Weg“, sagt Zehetner und spricht nicht nur das bekannte Thema Wachstumskapital, sondern unter anderem auch die Ausgründungsbedingungen für universitäre Spinoffs an.

Elisabeth Zehetner | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Elisabeth Zehetner | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

Als konkrete Maßnahmen – teils auf europäischer, teils auf nationaler Ebene – nennt die Staatssekretärin etwa den European Scaleup Fund und den heimischen Dachfonds und die Notwendigkeiten, die europäische Kapitalmarktunion zu stärken und die Mitarbeiter:innenbeteiligung auch durch steuerliche Anreize weiter zu verbessern. Denn letztlich sei das Ziel – ganz getreu dem Motto des Venture Days – klar: „Erfinde dein Produkt hier, bau dein Unternehmen hier und skaliere hier, aber verkaufe dein Produkt in die ganze Welt.“

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