26.03.2026
ETCI 2

European Investment Fund will 15-Milliarden-Euro-Dachfonds aufsetzen

Der European Investment Fund (EIF) hat bereits 2023 einen Dachfonds gelauncht. Der zweite Fund of Funds soll nun deutlich größer werden und in rund 100 VCs investieren.
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Fahnen der Europäischen Union
Fahnen der Europäischen Union | Foto: Adobe Stock

Der als „Scale-up-Fonds“ titulierte östereichische Dachfonds ist weiterhin in Arbeit. Doch unter der Hand vernimmt man aus dem VC-Umfeld Zweifel, ob der von der Regierung angestrebte Plan so funktionieren wird. Indessen dürfte der European Investment Fund (EIF) Österreich mit einem EU-weiten Fund-of-Funds-Modell überholen. Schon diesen Sommer strebt man das First Closing des Fonds ETCI 2 an, der insgesamt auf ein Volumen von 15 Milliarden Euro kommen soll, wie unter anderem Sifted berichtet.

Erster EIF-Dachfonds bereits 2023

Der EIF hat freilich einen Startvorteil. Bereits 2023 setzte man einen Dachfonds auf, der gezielt Later-Stage-Funds unterstützen sollte, um den Abstand der EU zu den USA zu verringern. ETCI 1 hatte ein Volumen von 3,9 Milliarden Euro und investierte in 14 VC-Fonds mit einem Volumen von je mehr als einer Milliarde Euro, darunter Atomico, Headline und Eurazeo.

Kapitalspritze für 100 Fonds soll 80 Milliarden Euro mobilisieren

ETCI 2 soll nun nicht nur erheblich größer ausfallen, sondern auch breiter investieren. So soll das Kapital in insgesamt rund 100 Fonds fließen – sowohl in Milliardenfonds, als auch in „mittelgroße“ ab einem Zielvolumen von 300 Millionen Euro. Die Ticketgröße soll dabei bis zu 200 Millionen Euro pro Fonds betragen – im Vergleich zu 60 Millionen bei ETCI 1. Das erklärte Ziel: Man will damit bis zu 80 Milliarden Euro für europäische Wachstumsunternehmen hebeln.

EU-Staaten als Limited Partner

Das Kapital soll dabei von einer Reihe unterschiedlicher Limited Partner kommen. Der EIF selbst stellt 1,25 Milliarden Euro bereit. Einzahlen sollen auch „möglichst viele“ EU-Mitgliedstaaten – beim ETCI 1 waren Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Belgien und die Niederlande an Bord, diesmal sollen es mehr werden*. Außerdem will der EIF institutionelle Investoren wie Banken, Versicherungen und Pensionskassen für den Dachfonds gewinnen.

Komplementär zu 5-Mrd.-Euro großem „Scaleup Europe Fund“

Zum geplanten fünf Milliarden Euro schweren „Scaleup Europe Fund“, der direkt in Scaleups investieren soll, will der EIF-Dachfonds übrigens komplementär sein. „Wenn überhaupt, wäre der Scaleup Fund eher ein Investitionsziel für ETCI als ein Konkurrent“, sagt Uli Grabenwarter, stellvertretender Chief Investment Officer beim EIF, gegenüber Sifted.

Mittelgroßer größter Fund of Funds

Mit dem anvisierten Volumen wird der ETCI 2 der größte Dachfonds in Europa. Im Vergleich zu internationalen Volumina im VC-Bereich ist die Summe aber freilich bestenfalls mittelgroß. Die drei größten US-VCs etwa haben jeweils ein Volumen von mehr als 50 Milliarden US-Dollar. Und mit KI-Riese OpenAI holte zuletzt ein einzelnes US-Unternehmen ein Investment in Höhe von 110 Milliarden US-Dollar. Ob 15 Milliarden Euro auf 100 Fonds in Europa verteilt den Abstand zu den USA tatsächlich merkbar verkleinern, bleibt also abzuwarten.


*Hinweis: brutkasten fragte im Büro von Startup-Staatsekretärin Elisabeth Zehetner an, ob Österreich eine Beteiligung in Erwägung zieht – zum Artikel.

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Andreas Onea: Der Para-Schwimmer und ORF-Moderator ist einer der Beteiligten am offenen Datensatz von Ottobock. © Ottobock

„Wer nicht sichtbar ist, existiert nicht. Ganz einfach“, sagt Onea im brutkasten-Gespräch. Menschen mit körperlicher Behinderung lägen laut dem ORF-Moderator in der Gesellschaft unter der Wahrnehmungsgrenze, und diese Unsichtbarkeit verhindere die Teilhabe. Auch die KI trage dazu bei: Derzeit stellten KI-Modelle Menschen mit körperlicher Behinderung nicht richtig dar. Auf manchen generierten Bildern hat der Para-Schwimmer, der mit fünf Jahren seinen linken Arm verlor, einen halben Arm zu viel oder einen falsch dargestellten Stumpf. „Manche sagen vielleicht, das ist banal. Aber im Endeffekt geht es um Teilhabe. Und Teilhabe heißt, ich bin dabei“, sagt Onea. Dass Bildmodelle Behinderung verzerrt darstellen, ist auch wissenschaftlich dokumentiert. Eine im Juli veröffentlichte Untersuchung der Universität Utrecht, bislang als Preprint, zeigt, dass Text-zu-Bild-Modelle Menschen mit Behinderung etwa überwiegend als alt und weiß darstellen.

An dieser Teilhabe arbeitete einer der erfolgreichsten Para-Schwimmer Österreichs zusammen mit Microsoft und dem Prothesenhersteller Ottobock. Gemeinsam erstellten sie Trainingsmaterial, mit dem KI-Modelle lernen können. Das Ergebnis, zwei Datensätze mit jeweils rund 400 Bildern und bis zu 100 Videos, wurde für alle frei zugänglich auf der Open-Source-Plattform Hugging Face veröffentlicht. Es liegt nun an den KI-Unternehmen, sie zu nutzen. Onea hat eine eindeutige Vision für die Zukunft: „Wenn man eine Menschenmenge generiert, dann sollten da auch repräsentativ Rollstuhlfahrer, Amputierte und Blinde drinnen sein. Das wäre eben adäquate Sichtbarkeit.“

„Innovationsgeist aus Europa heraus fördern“

Das Projekt berührt die Debatte um digitale Souveränität. Laut Onea darf sich Europa nicht damit zufriedengeben, die Entwicklungen aus den USA und dem asiatischen Raum einfach nur zu regulieren. „Das darf nicht unser USP sein. Wir müssen den Innovationsgeist aus Europa heraus fördern, anstiften und ermöglichen. Ich glaube, dass wir wahnsinniges Potential haben“, sagt der Moderator. Aktuell sind US-Tech-Giganten wie Google und Microsoft federführend in der KI-Entwicklung. Von ihnen wünscht sich Onea mehr Rücksichtnahme in der Produktentwicklung. Für Menschen mit Behinderung kann es etwa schon ein Problem darstellen, eine Tastenkombination aus drei Tasten gleichzeitig zu drücken.

KI.Bilder zeigen Menschen mit Prothese oft falsch oder gar nicht | Foto: Microsoft

Die Möglichkeiten für Unternehmen

Der ORF-Moderator sieht wirtschaftliches Potential in inklusiver KI. „Wenn du deine Produkte, deine Services, deine KI-Wrapper so baust, dass sie von allen nutzbar sind, kannst du mehr Menschen damit erreichen“, erklärt er. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt die Zahl der Menschen mit erheblicher Behinderung weltweit auf 1,3 Milliarden. Gleichzeitig biete ein inklusiver Zugang zum Arbeitsmarkt auch Chancen für Unternehmen. Firmen, die auch Menschen mit Behinderung anstellen, hätten in ihren Teams laut Onea eine höhere Resilienz. „Ich muss seit meinem sechsten Lebensjahr jeden Tag Lösungen finden in einer Welt, die nicht darauf vorbereitet ist, dass ich einarmig da durchspaziere. Das heißt, ich habe eine irrsinnige Lösungsorientiertheit und Frustrationsschwelle“, sagt der 34-Jährige.

In Österreich gibt es bereits Firmen, die gezielt Menschen mit Beeinträchtigungen einstellen, etwa das Startup Responsible Annotation Services. Das Unternehmen annotiert Daten, das heißt, es fügt ihnen Informationen und Kennzeichnungen hinzu. Mit den annotierten Daten können KI-Systeme trainiert und verbessert werden. Wie der brutkasten im März des Vorjahres berichtete, besteht das Team nach eigenen Angaben großteils aus neurodivergenten Expert:innen, viele davon im Autismus-Spektrum, die außergewöhnliche Fähigkeiten in Mustererkennung, Konzentration und Konsistenz mitbringen. „Diese Menschen haben hier irrsinnige Fähigkeiten, weil sie wahnsinnig konzentriert sein können und wirklich auf die kleinsten Details Wert legen. Also solche Sachen, bei denen wir einfach im Regelspektrum die Nerven wegschmeißen“, sagt Onea.

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