24.05.2022

European Capital Report: Anzahl der Neugründungen an Risikokapitalgebern bricht in Europa ein

Der European Capital Report 2022 von i5invest, i5growth und dem Institut für Entrepreneurship der Wirtschaftsuniversität Wien liefert aktuelle Daten zum VC- und PE-Ökosystem in Europa. Das Ergebnis: Die Zahl der Neugründungen an Venture Capital und Private Equity Investoren halbierte sich 2021.
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(c) AdobeStock

Im vergangen Jahr wurden insgesamt 61 neue europäische VC & PE Investoren gegründet. Das entspricht lediglich der Hälfte der Neugründungen im Vorjahresvergleich zu 2020. Zu diesem Ergebnis kommt der jüngste European Capital Report 2022, der von i5invest, i5growth und dem Institut für Entrepreneurship der Wirtschaftsuniversität Wien durchgeführt wurde.

Skandinavien legt bei Neugründungen zu

Während im Jahr 2020 gemessen an den Investoren-Neugründungen noch die DACH Region am schnellsten gewachsen ist, konnte im Vorjahr Skandinavien eine Vielzahl von Neugründungen von Investoren vorweisen. Insgesamt gab es 2021 elf Neugründungen von Investoren, die ihren die ihren Hauptsitz in der DACH-Region haben.

(c) European Capital Report 2022

„Die meisten mitteleuropäischen Länder haben relativ konstante Wachstumszahlen. Skandinavien konnte allerdings zulegen während wir im Vereinigten Königreich 2021 nur ungefähr ein Drittel der Neugründungen verglichen mit dem Jahr zuvor beobachten konnten“, so Herwig Springer, CEO von i5invest. Dies könnte laut dem Experten auch eine Trendwende innerhalb Europas bedeuten. Gemessen an der Gesamtzahl an Investoren führt dennoch Großbritannien mit 351 Investoren das Ranking weiterhin an. Deutschland belegt mit 199 Investoren Platz 2 und und Frankreich mit 128 Investoren Platz 3.

European Capital Report: Zahlen für Österreich

Der Report liefert auch Zahlen zu Österreich. Demnach sind österreichische Investoren in zehn von 130 europäischen Unicorns sowie 25 von 257 europäischen Soonicorns investiert. Speedinvest schafft es zudem unter die Top 10 der aktivsten Venture Capital Investoren mit insgesamt 99 Investments in 2021. Reiht man Kapitalgeber der DACH Region nach der Anzahl der getätigten Investments im Vorjahr, so führt Global Founders Capital mit 233 Investments, gefolgt von Speedinvest (99), High-Tech Gründerfonds (98), APX (90), und Picus Capital (85).

(c) European Capital Report 2022

Ein weiteres Ergebnis für Österreich: Von den insgesamt 18 Investoren mit Hauptsitz in Österreich haben 83 Prozent zumindest unter anderem einen frühphasigen Investmentfokus. „Scaleups, also Startups in Wachstumsphasen, müssen auch weiterhin schnell ihre Fühler nach Großbritannien ausstrecken, wobei große Finanzierungsrunden in späteren Phasen typischerweise von amerikanischen Investoren angeführt werden. Wir sehen definitiv Potential für mehr europäisches Wachstumskapital“, so Springer.

Innerhalb Österreichs zeigt sich zudem eine starke Konzentration des Risikokapital-Ökosystems in Wien. 16 von 18 Investoren haben ihr Hauptquartier in der österreichischen Hauptstadt. Ob in Zukunft auch andere Städte nachziehen können, steht offen. “Graz und Linz haben in den letzten Jahren ebenfalls beeindruckende Startup und Tech Ökosysteme aufgebaut – ob sich hier auch vermehrt Risikokapital ansiedeln wird, wird sich zeigen.“, so Simona Hübl, CEO von i5growth.

Corporate Venture Capital

Ein Trend, der europaweit nur langsam an Fahrt aufnimmt, ist, dass große Unternehmen als Teil ihrer Innovationsstrategie Risikokapitalableger aufbauen. Demnach gab es laut dem Report insgesamt nur fünf neue Corporate Venture Capital Neugründungen im Vorjahr in Europa.

„Was auffällt ist, dass einige der größten deutschen Konzerne, darunter BMW, SAP und Siemens, ihr Wagniskapital Vehikel im amerikanischen Silicon Valley angesiedelt haben“, so Stephan Jung vom Gründungszentrum der Wirtschaftsuniversität Wien abschließend.


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Souveränität als gemeinsames Ziel

Auch TTTech-CEO und Mitgründer Georg Kopetz stellt die Beteiligung in den Kontext der technologischen Souveränität Europas: „Innovative Technologie aus Österreich, die in marktfähigen Produkten weltweit zum Einsatz kommt, leistet einen wichtigen Beitrag zu Europas technologischer Souveränität sowie zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit, gerade in einer Zeit, in der diese Frage politisch wie wirtschaftlich immer wichtiger wird.“ Mit der Invest AG habe man einen Partner, der dieses Ziel teile, das Geschäftsmodell verstehe und den weiteren Ausbau der globalen Marktposition unterstütze.

Gerald Aichhorn, Aufsichtsrat der Invest AG und Beteiligungsvorstand der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, nennt TTTech „ein Paradebeispiel dafür, welche technologische Substanz in Österreich vorhanden ist“. Gerade bei sicherheitskritischen Technologien zähle Kontinuität mehr als kurzfristiger Erfolg.

Von der Mondmission bis zum Energiemarkt

Zuletzt sorgte TTTech mit der NASA-Mondmission Artemis II für Schlagzeilen: Im April 2026 flog erstmals seit 53 Jahren wieder eine Crew um den Mond, mit Technologie von TTTech an Bord der Orion-Kapsel. Seit über 20 Jahren bringt das Unternehmen österreichische Technologie ins All. Mit der gemeinsam mit der NASA und internationalen Unternehmen erprobten Netzwerktechnologie TTEthernet hat TTTech einen internationalen Standard für hochzuverlässige Datennetzwerke geprägt, der heute unter anderem in der europäischen Trägerrakete Ariane 6 und im Artemis-Programm zum Einsatz kommt.

Zu den zentralen Wachstumsfeldern zählt neben Luft- und Raumfahrt auch der Energiesektor: Mit TTTech Zyne, dem 2025 gemeinsam mit Verbund gegründeten Joint Venture, adressiert das Unternehmen den dezentralen Energiemarkt und dessen Herausforderungen durch volatile Preise und erneuerbare Energien. Im KI-Bereich konzentriert sich TTTech auf die sichere Einbindung in kritische autonome Systeme.

Für Aufsehen sorgte Anfang 2025 zudem der Verkauf der Tochter TTTech Auto an den niederländischen Chiphersteller NXP um 625 Millionen US-Dollar. brutkasten berichtete damals auch über die Hintergründe des Deals.

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