08.09.2025
INTERVIEW

„Ethereum war in einer Findungsphase“

Toni Wahrstätter, Leiter des Prototyping-Teams der Ethereum Foundation, im Interview zum Status Quo und zur Zukunft von Ethereum.
/artikel/ethereum-war-in-einer-findungsphase
Ethereum-Experte Toni Wahrstätter | Foto: privat
Toni Wahrstätter | Foto: privat

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2025 “Schubkraft” erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Bitcoin hat Ende des vergangenen Jahres erstmals die 100.000-Dollar-Marke überschritten und in diesem Jahr weitere Rekordstände erreicht. Um Ethereum war es seit dem viel beachteten Abschied vom Mining, dem „Merge“, im September 2022 deutlich ruhiger. Erst in den vergangenen Wochen kam wieder Bewegung hinein. Woran liegt es – und welche Zukunft hat Ethereum wirklich? Das haben wir mit Toni Wahrstätter besprochen. Der gebürtige Tiroler ist seit 2023 bei der Ethereum Foundation tätig und leitet dort das Prototyping-Team.


brutkasten: Wie bist du selbst zu Ethereum gekommen?

Toni Wahrstätter: Meine Reise begann mit Bitcoin. Zuerst hat mich die Möglichkeit fasziniert, Werte ohne Bank direkt von A nach B zu übertragen; später die Technik dahinter: Dezentralisierung, Zensurresistenz und Self-Sovereignty. In der Blocksize-Debatte 2017 (eine bekannte Kontroverse in der Bitcoin-Community über die maximale Blockgröße, die bestimmt, wie viele Transaktionen pro Block möglich sind, und damit sowohl Transaktionsgebühren als auch den Dezentralisierungsgrad des Netzwerks beeinflusst, Anm. d. Red.) stand ich auf der Seite der „Big Blockers“ – und wurde damals sogar aus einem Subreddit gebannt.

Das war der Moment, in dem ich zu Ethereum gewechselt bin – im Rückblick auch ideologisch der bessere Fit. Seit 2017/18 leiste ich Beiträge zu Ethereum; seit 2023 arbeite ich als Researcher bei der Ethereum Foundation und leite dort das Prototyping-Team. Mein Schwerpunkt liegt auf den nächsten ein bis zwei Forks (größere Updates der Ethereum-Blockchain, Anm. d. Red.) und darauf, welche Verbesserungen wir umsetzen können.

Zuvor habe ich in Innsbruck studiert und bin für meinen PhD an die WU Wien gegangen – zum Crypto-Economics-Institut rund um Alfred Taudes und Davor Svetinovic. Dort habe ich unterrichtet und meinen PhD gemacht, thematisch im Bereich Bitcoin-Privacy. Obwohl ich im Ethereum-Ökosystem arbeite, bin ich weiterhin ein großer Bitcoin-Fan.

Während der Bitcoin-Kurs sich im Vergleich zum vorigen Höchststand aus 2021 mittlerweile verdoppelt hat, kommt der Ether-Kurs gerade erst wieder an seine alte Höchstmarke heran. In Anbetracht von technischen Diskussionen und Solana als erfolgreicher Konkurrenz: Wie steht Ethereum im Sommer 2025 da?

Ethereum hatte in den vergangenen ein, zwei Jahren Schwierigkeiten, mit den Kursgewinnen von Bitcoin mitzuhalten. Das war eine Art Findungsphase nach dem „Merge“, also dem Wechsel des Konsensmechanismus vom rechenintensiven, auf Mining basierenden Proof of Work zum effizienteren Proof of Stake. Es gab danach kein großes Projekt mehr, das die Community vereinte.

Das große Thema war dann die Skalierung der Blockchain. Es war klar, dass der Layer 1 (L1), also die Ethereum-Blockchain selbst, allein nicht mehr auf das benötigte Niveau skaliert. Man setzte deshalb auf sogenannte Layer 2s (L2) (also auf Lösungen, die Transaktionen außerhalb von Ethereum verarbeiten, um sie schneller und günstiger abzuwickeln, und deren Ergebnisse anschließend in verdichteter Form auf Ethereum absichern, Anm. d. Red.). Bei Ethereum lag der Schwerpunkt lange darauf, für solche L2s das bestmögliche Umfeld zu schaffen.

Seit dem Vorjahr hat sich das geändert: Die Ethereum-Community, auch mit Unterstützung der Ethereum Foundation, fokussiert nun auf Skalierung sowohl für L2 als auch für L1; und zusätzlich auf eine bessere User Experience (UX) als drittes großes Ziel. Der nächste Fork bringt ein großes L2-Scaling-Update; der übernächste dürfte, dem aktuellen Stand nach, ein substanzielles L1-Scaling-Update liefern.

2020 und 2021 boomte der Krypto-Bereich. Dabei gab es Hypes etwa rund um Decentralized Finance (DeFi) und Non-Fungible Tokens (NFTs), die sich jeweils sehr stark im Ethereum-Ökosystem abgespielt haben. Wie beurteilst du das im Nachhinein?

DeFi und NFTs – zuvor schon die ICO-Welle (Initial Coin Offerings, Anm. d. Red.) 2017 – waren teils große Hypes, aber sie haben auch Substanz hervorgebracht. Das Modell dezentraler Exchanges wie Uniswap oder Cowswap, entstanden zwischen 2018 und 2020, ist bis heute führend und gewinnt weiterhin Nutzer sowie Aktivität. Beim NFT-Hype war die Welle größer als die eigentliche Innovation, dennoch sind interessante Projekte geblieben.

Für 2025/26 sehe ich Stablecoins als nächsten großen Treiber: Die Akzeptanz steigt, viele Banken dürften eigene Stablecoins alleine oder gemeinsam emittieren – wie man es in den USA bereits sieht. Auch jüngste Veröffentlichungen und Initiativen dort werden die Verbreitung voraussichtlich weiter fördern.

Es gab kein großes Projekt mehr, das die Community vereinte.

Wie genau profitiert Ethereum vom Stablecoin-Boom?

Die meisten Stablecoins werden auf Ethereum ausgegeben; sie brauchen keine eigene Blockchain. Die großen wie etwa USDT (Tether), USDC (Circle) oder DAI als dezentraler Stablecoin existieren bereits dort. Wer als Bank oder Organisation einen Stablecoin emittiert, profitiert von starken Netzwerkeffekten: Die Liquidität ist auf Ethereum, die dezentralen Börsen laufen dort, und Tooling/Integrationen in bestehende IT-Systeme sind ausgereift. Das macht Ethereum zur naheliegenden Plattform für neue Emissionen.

Für Ethereum selbst bedeutet das: mehr Nutzung, mehr Transaktionsgebühren – und durch den im Sommer 2021 implementierten Burn-Mechanismus wird ein Teil dieser Gebühren in Ether dauerhaft vernichtet. Steigende Aktivität führt damit tendenziell zu einer deflationären Nettoemission von Ether und stützt so Ether-Preis und ökonomische Sicherheit des Netzwerks.

Solana war in den vergangenen beiden Jahren recht erfolgreich und ist grundsätzlich ähnlich positioniert wie Ethereum. Was bedeutet das für Ethereum?

Es gibt immer wieder sogenannte „Ethereum-Killer“ – ähnlich wie bei Bitcoin die „Bitcoin-Killer“: Blockchains, die behaupten, Bitcoin bzw. Ethereum in bestimmten Dimensionen zu übertreffen. Solana ist ein interessantes Beispiel, weil die Chain – anders als frühere Konkurrenten – konsequent auf einen Use Case optimiert ist: Trading. Solana hat die Bedürfnisse der Trader ernst genommen und das System darauf ausgerichtet, Handel möglichst reibungslos zu machen.

Ethereum verfolgt hingegen andere Ziele: Dezentralisierung, Zensurresistenz, Open Source und verifizierbare Sicherheit. Diese Werte bringen naturgemäß Grenzen mit sich. Man könnte die Zahl der Validatoren theoretisch auf zehn reduzieren und sie in leistungsstarke Rechenzentren mit Direktverbindungen setzen – das wäre performant, aber eben nicht Ethereum. Die Ziele sind schlicht andere.

Es gibt die These, dass sich DeFi und Ethereum ähnlich entwickeln könnten wie Linux: Es hat als Betriebssystem nie Windows abgelöst, wie in den 2000er-Jahren manche gehofft hatten; stattdessen etablierte es sich aber für Server, und sehr viele Dinge laufen heute auf Linux – ohne dass die Endnutzer:innen das unbedingt wissen. Ist aus deiner Sicht ein ähnliches Szenario für Ethereum und die Finanzwelt vorstellbar?

Ja, im Grunde lässt sich die gesamte Finanzwelt auf Ethereum onboarden. Die zentrale Frage ist die Skalierbarkeit; und genau dafür gibt es Layer-2-Lösungen. Banken könnten eigene Layer-2-Lösungen für ihre Kund:innen starten, auf Ethereum. So müssen sie die bereits etablierte Sicherheit nicht neu aufbauen und profitieren zugleich von den bestehenden Netzwerkeffekten. Je mehr Institute eigene L2s auf Ethereum launchen, desto stärker werden diese Netzwerkeffekte.

Gleichzeitig bleibt aber Ethereum auch ein Ort für Endnutzer – als Hub für DeFi. Ich gehe davon aus, dass der Großteil der Liquidität auf L1 verbleibt: Hochwertige, große Transaktionen laufen weiter auf L1, während Alltagszahlungen, etwa der Kaffee beim Bäcker, eher auf L2 stattfinden. Ethereum wird genügend Kapazität für große Transfers auf L1 bieten; kleinere Beträge lassen sich sinnvoll auf L2 auslagern.

Aus der Bitcoin-Community kommt oft der Vorwurf, Ethereum sei nicht ausreichend dezentralisiert. Was entgegnest du darauf?

Das Thema ist deutlich abgeflaut. Blickt man heute auf die Verteilungen – Bitcoin-Mining-Pools versus Ethereum-Staker –, steht Ethereum klar dezentraler da. Als Bitcoiner macht mir die Zentralisierung im Mining dennoch Sorgen: Bitcoin ist nicht immun gegen MEV (Miner Extractable Value), und Skaleneffekte führen dazu, dass sich Miner zusammenschließen und Pools immer größer werden. Diese Tendenz sehe ich seit Jahren bei beiden Netzwerken.

Aktuell spricht jedoch das Proof-of-Stake-Design für Ethereum: Die Stake-Verteilung ist breiter, eine 51-Prozent-Attacke (Angriff, bei dem eine Gruppe über die Mehrheit der Rechenleistung einer Blockchain verfügt und Transaktionen manipulieren kann, Anm. d. Red.) würde mehrere unabhängige Akteure erfordern. Bei Bitcoin reichen teils ein oder zwei große Pools, um in die Nähe dieser Schwelle zu kommen – die Hashrate-Verteilung wirkt entsprechend konzentriert. Vor diesem Hintergrund empfinde ich die Stake-Verteilung bei Ethereum derzeit als deutlich gesünder.

Bitcoiner entgegnen oft, Mining-Pools seien keine einheitlichen Akteure und könnten nicht geschlossen handeln. Ist das für dich ein stichhaltiges Gegenargument?

Ja, das Argument ist valide. In der Praxis baut der einzelne Miner den Block häufig nicht selbst, sondern liefert nur Hashrate. Entscheidet ein Pool etwa, bestimmte Transaktionen auszulassen, müsste der Miner aktiv werden und den Pool verlassen. Bei einer 51-Prozent-Attacke käme das jedoch wahrscheinlich zu spät – dann wäre eine schnelle, koordinierte Reaktion nötig, was in der Realität schwer umzusetzen ist.

Kritiker aus dem Bitcoin-Lager sagen mitunter, die Ethereum Foundation oder Ethereum-Gründer Vitalik Buterin selbst könnten im Zweifel alles entscheiden. Wie siehst du das?

Ich glaube nicht, dass das der Fall ist. Am Governance-Prozess kann jeder teilnehmen – etwa in den wöchentlichen, öffentlich zugänglichen Entwickler-Calls. Diese werden gestreamt, man kann per Zoom teilnehmen. Die Debatten laufen transparent, unter anderem auf Discord. Schaut man auf die EIPs (Ethereum Improvement Proposals), sieht man: Die Entscheidungen sind keineswegs zentralisiert.

Einzelne Personen sind bekannt und einflussreich, haben aber keine „Allmacht“. Entscheidend sind Reputation und langfristige Beiträge zum Protokoll – Gründerstatus allein reicht nicht, um Änderungen durchzudrücken. Vitalik gehört wahrscheinlich zu den Personen mit den meisten nicht umgesetzten EIPs.

Der „Merge“, also der Umstieg von Ethereum vom rechenintensiven „Proof auf Work“-Konsensmechanismus auf den effizienteren „Proof of Stake“-Mechanismus, ist mittlerweile fast drei Jahre her. War er rückblickend eine Erfolgsgeschichte – oder gibt es Aspekte, die du kritisch siehst?

Ja, der „Merge“ war aus meiner Sicht eine große Erfolgsgeschichte; nicht nur, weil Ethereum im laufenden Betrieb von Proof of Work auf Proof of Stake umgestellt wurde – das ist für sich genommen eine außergewöhnliche Leistung. Besonders beeindruckend war die Koordination eines global verteilten Open-Source-Projekts ohne zentrale Firma. Ich kenne den Code gut – zu sehen, wie elegant der neue Konsens am Ende zusammenspielt, war bemerkenswert.

Kritisch anmerken könnte man höchstens die Dauer: Vielleicht hätte man eine weniger perfekte PoS-Variante früher ausrollen und damit schon früher viel CO2 einsparen können, um Details später über weitere Forks nachzuschärfen. Insgesamt war der „Merge“ aber ein großer Erfolg – auch wenn es lange gedauert hat.

Welchen Einfluss wird künstliche Intelligenz auf den Blockchain-Bereich haben?

Kurzfristig werden wir sehen, dass man mit KI-Agenten interagiert, die einfache Anweisungen ausführen – etwa: „Erstelle eine Transaktion auf dem Ethereum-Mainnet und tausche US-Dollar gegen Ether.“ Langfristig erwarte ich vollständig autonome KI-Agenten mit eigenen Wallets, die untereinander wirtschaften und sich dafür mit Kryptowährungen bezahlen. Krypto ist dafür ideal: Eine Transaktion benötigt im Kern nur eine digitale Signatur – sie kann theoretisch sogar offline vorbereitet und später übertragen werden. Eine dritte Partei ist nicht nötig. In einer Welt, in der viele Aufgaben von Agenten übernommen werden, werden diese über eigene Budgets verfügen – und die werden sehr wahrscheinlich in Kryptowährungen geführt.

Deine ungelesenen Artikel:
07.10.2026

Umarmungen statt Visitenkarten: Zu Besuch beim ersten Conxious Picnic am Otto Wagner Areal

Zwei Tage lang hat die Community rund um Andreas Tschas auf dem Otto Wagner Areal in Wien an einem „neuen Betriebssystem für unsere Wirtschaft“ gearbeitet. Ein Besuch beim ersten Conxious Picnic.
/artikel/conxious-picnic-otto-wagner-areal
07.10.2026

Umarmungen statt Visitenkarten: Zu Besuch beim ersten Conxious Picnic am Otto Wagner Areal

Zwei Tage lang hat die Community rund um Andreas Tschas auf dem Otto Wagner Areal in Wien an einem „neuen Betriebssystem für unsere Wirtschaft“ gearbeitet. Ein Besuch beim ersten Conxious Picnic.
/artikel/conxious-picnic-otto-wagner-areal
Business Angel Hansi Hansmann und Conxious-Gründer Andreas Tschas | (c) Luisazzoe / StudioZucker

Es braucht seine Zeit, bis man oben ist. Wer zum Conxious Picnic will, muss hinauf auf die Baumgartner Höhe in Wien-Penzing, fernab der hektischen Innenstadt. Der Ort ist bewusst gewählt.

Das Otto Wagner Areal wurde vor rund 120 Jahren als Heil- und Pflegeanstalt eröffnet und umfasst rund 50 Hektar. Das entspricht der Fläche von rund 70 Fußballfeldern. Nach einem Jahrhundert klinischer Nutzung wird das denkmalgeschützte Jugendstilensemble neu belebt. 2030 oder 2031 soll hier die Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (MUK) einziehen. Bis dahin wird das Gelände zwischengenutzt, unter anderem von Kreativkollektiven und für Kunst- und Kulturveranstaltungen.

Das Jugendstiltheater am Otto Wagner Areal in Wien-Penzing war Schauplatz des Conxious Picnic. Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Am 30. September und 1. Oktober war das Jugendstiltheater mit seinen Gärten Schauplatz des ersten Conxious Picnic. Schon beim Hineingehen weiß man: Hier geht es anders zu als bei einem üblichen Business-Event. Man spricht sich mit Vornamen an. Teilweise umarmt man sich bei der Begrüßung.

Das Betriebssystem von morgen

Hinter dem Format steht Andreas Tschas, Gründer von Conxious. Seine Vision fasst er im Gespräch mit brutkasten in einem Satz zusammen: „Ein neues Betriebssystem für unsere Wirtschaft, das auf Vertrauen und innerer Klarheit beruht.“ Nach diesem Gedanken sei auch die Veranstaltung aufgebaut gewesen. Es gehe darum, Wirtschaft wieder menschlicher zu machen: „Weg vom Business, hin zur Wirtschaft, zum Wirt.“ Der Wirt sei jemand, der auf die Ressourcen schaue, ein Host, der auf die Community achte.

Rund 200 Gäste waren laut Andreas Tschas an den beiden Tagen durchgehend vor Ort. | Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Das Interesse war größer als erwartet. 250 Personen waren laut Tschas angemeldet, durchgehend seien rund 200 vor Ort gewesen. Die Gäste kamen auch aus anderen europäischen Ländern, darunter die Niederlande, Portugal, Deutschland und Italien.

Was man mitbringen muss

Wer mitmachen will, braucht vor allem Zeit. Die Veranstalter baten ihre Gäste vorab, an beiden Tagen zu bleiben. Das Picknick sei als ein Bogen gedacht, bei dem jeder Akt auf dem vorigen aufbaut.

Dazu kommen Neugier, Präsenz und die Offenheit für Menschen, die man noch nicht kennt. So stand es in der Einladung an die Gäste. Wer wollte, brachte eine Blume mit, einen Kuchen zum Teilen oder ein Sitzkissen für die Wiese. Einen Dresscode gab es nicht, Farbe war ausdrücklich willkommen.

Wer sitzt, kann etwas vorbringen

Am zweiten Tag geht es im Jugendstiltheater um Träume. Bianca Gfrei von Conxious steht in der Mitte des Raums. Rund um sie sind Vintage-Möbel des Wiener Generationencafés Vollpension aufgereiht, dazwischen liegen Sitzkissen. Wer hier Platz nimmt, soll die Augen schließen und seine Wünsche benennen.

Bianca Gfrei von Conxious leitete am zweiten Tag die Runde zu den Träumen der Gäste. | Foto: Luisazzoe| / StudioZucker

Dann öffnet Gfrei die Runde. Gefragt wird nach Themen: Wer hat einen Traum, wenn es um Business geht? Wer, wenn es um Räume geht? Wer in der Runde sitzt, kann etwas vorbringen und sagen, welche Unterstützung er oder sie braucht.

Auch Tschas bringt einen Traum ein, und der betrifft Bildung. Inhalte für Kinder würden künftig viele Unternehmen liefern, entscheidend sei das Erlebnis rundherum. Mit „Conxious in the Garden“ treffen sich bereits Familien an Wochenenden. Er sei nicht überzeugt, dass sich das Bildungssystem in Österreich so schnell anpassen könne wie nötig. Zugleich gebe es sehr gute Schulen, nur brauche es mehr davon. Für das Vorhaben sucht er einen CEO, ein Investor sei bereits interessiert.

Vertrauen als Business Case

So weich das klingt, Tschas argumentiert wirtschaftlich. Das Fundament von Conxious sei Vertrauen, und das Picknick habe mit genau diesem Gedanken begonnen: „Trust as a Business Case“. Er erzählt dazu von Business Angel Hansi Hansmann, einem der Founding Partner von Conxious. Der habe ihm gesagt, dass es um Vertrauen gehe, sei für ihn ein No-Brainer. Für Tschas ist das der Punkt: „Du lernst den Menschen kennen und du vertraust ihm einmal.“ Daraus seien die großen Erfolgsgeschichten entstanden.

Auch der Autor und NEOS-Mitgründer Matthias Strolz war vor Ort. | Foto: Luisazzoe / StudioZucker

In Unternehmen sehe er oft das Gegenteil. Wenn er in Abteilungen nachfrage, wie viel Zeit in Konflikte und interne Politik fließe, höre er im Schnitt 70 Prozent. Der Grund sei ein Vertrauensproblem.

Bei Startups zeige sich das im Founder-Konflikt. Der „Return on Investment on emotional well-being“ werde völlig unterschätzt, sagt Tschas. Er kenne nur wenige Investoren, die vorbeugend etwas tun. Komme es zum Konflikt, könne man „mindestens 50 Prozent der Bewertung abschreiben“.

Auch die Freiflächen rund um das Jugendstiltheater wurden bespielt. | Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Wer dabei war

Auf dem Programm standen unter anderem der Impact-Investor Charly Kleissner, die Kulturanthropologin Bettina Ludwig, der Autor und NEOS-Mitgründer Matthias Strolz, Thomas Funke, Mitgründer der Tomorrow University, und Eversports-Mitgründer Hanno Lippitsch. Unter den Gästen waren laut Tschas zudem viele Gründer, die diesen Weg schon gegangen sind, darunter TTTech-Mitgründer Georg Kopetz sowie Busuu-Mitgründer und Investor Bernhard Niesner. Auch Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll und Bernhard Sagmeister, Geschäftsführer der Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws), waren vor Ort.

TTTech-Mitgründer Georg Kopetz im Gespräch mit Conxious-Gründer Andreas Tschas | Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Auch der Unternehmer Klaus Buchroithner war dabei, dessen Firma das Merchandise für Conxious produziert. „Die letzten zwei Tage ist es sehr wenig ums Business gegangen und sehr viel um Persönlichkeitsentwicklung“, sagt er. Es habe Sessions gegeben, in denen man sich bewegt hat, aber auch Vorträge. Eine klassische Business-Konferenz sei es sicher nicht gewesen.

Besonders mitgenommen hat Buchroithner den Beitrag von Ludwig über eine der letzten Jäger-und-Sammler-Gemeinschaften. Dort sei jeder von Geburt an Teil eines größeren Ganzen, weil die Gemeinschaft nur gemeinsam überlebt. Sein Schluss daraus: Egoistische Entscheidungen seien „eigentlich kompletter Unsinn“.

Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Was aus dem Picknick entstehen soll

Beim Reden soll es nicht bleiben. Tschas formuliert eine Hypothese: Unternehmen und Startups, die auf dieser Basis von Vertrauen gegründet werden, funktionieren besser. Aus der Community heraus würden gerade die ersten Unternehmen gemeinsam gestartet.

Konkret denkt man laut Tschas über drei Dinge nach. Ein Magazin, das sich um Bewusstsein in der Wirtschaft dreht. Räume für Meetings, in denen man präsenter und weniger abgelenkt ist. Und eine Schule. In drei bis vier Monaten werde man mehr dazu sagen können.

Das Prinzip dahinter beschreibt er so: „Dem Glück auf die Sprünge helfen, indem wir coole Leute und coole Ideen zusammenbringen und die Erfolgswahrscheinlichkeit erhöhen.“


Video-Tipp: Andreas Tschas über Conxious: „Ein neues Betriebssystem für die Wirtschaft“

Andreas Tschas spricht im Talk über sein Projekt Conxious – eine kuratierte Community, die Vertrauen und innere Klarheit ins Zentrum des wirtschaftlichen Handelns rücken möchte.

Im Gespräch erklärt Tschas, warum Vertrauen ein unterschätzter Produktivitätsfaktor in Unternehmen sei, wie aus tiefen menschlichen Verbindungen nachhaltige Projekte entstehen können und wie ein zukunftsfähiges Betriebssystem für die Wirtschaft aussehen soll.

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

„Ethereum war in einer Findungsphase“

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Ethereum war in einer Findungsphase“

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Ethereum war in einer Findungsphase“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Ethereum war in einer Findungsphase“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Ethereum war in einer Findungsphase“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Ethereum war in einer Findungsphase“

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Ethereum war in einer Findungsphase“

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Ethereum war in einer Findungsphase“

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Ethereum war in einer Findungsphase“