05.12.2025
INTERVIEW

„Es ist unmöglich, einen Fonds zu timen“

3VC-Gründer und -Partner Peter Lasinger im Interview über Anschlussfinanzierung und was auf politischer Ebene dafür getan werden kann.
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3VC-Gründer und -Partner Peter Lasinger | (c) Lorin Canaj
3VC-Gründer und -Partner Peter Lasinger | (c) Lorin Canaj

Dieser Artikel ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von November 2025 “Verantwortung” erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


In einem Land, in dem Venture-Capital-Fonds für die Pre-Seed- und Seed-Phase klar dominieren, ist 3VC eine der wenigen Ausnahmen. 2017 als capital300 gestartet – das Rebranding zu 3VC erfolgte 2020 – investiert der Wiener VC vorwiegend ab Series-A-Kapitalrunden. Der erste Fonds hatte ein Volumen von 50 Millionen Euro; mit ihm gelang eine Unicorn-Rate von rund einem Drittel.

2022 startete der zweite Fonds unter für die VC-Welt durchaus widrigen Umständen, er erreichte ein Volumen von 150 Millionen Euro (brutkasten berichtete damals). Wir sprachen mit Gründer und Partner Peter Lasinger über die schwierigen vergangenen Jahre, Anschlussfinanzierung in Österreich und notwendige politische Maßnahmen auf nationaler und europäischer Ebene.

brutkasten: Die vergangenen Jahre waren bekanntlich schwer für den gesamten Risikokapitalsektor. Wie ist es euch gegangen?

Peter Lasinger: Ich würde sagen, es lief überraschend gut. Allerdings ist ein Fonds immer nur so gut wie das unterliegende Portfolio, und natürlich gibt es dort alle möglichen Aufs und Abs. Es war keineswegs einfach; es gab wirklich etliche Schwierigkeiten. Alles begann mit Covid, und seitdem ist es eine Achterbahnfahrt. Das Hauptlob gebührt den Unternehmern, die wir finanzieren. Es gab viel Arbeit im Portfolio. Was uns dabei geholfen hat, ist unser selektiver Ansatz mit einem sehr fokussierten Portfolio – Stand heute unterstützen wir 20 Unternehmen.

Es hat überall irgendwo gebrannt und wir haben versucht, Lösungen zu finden. Ich muss aber sagen: Es gab keinen einzigen Fallout im Portfolio. Das war möglich, weil einige Teams da richtig reingebissen haben.

Das Umfeld ist jedoch immer noch ambivalent. Wir sind noch nicht über den Berg. Es gibt auf der einen Seite eine positive Zukunftssicht zu allem, was KI betrifft; auf der anderen Seite gibt es aber einen großen Bereich, wo es immer noch extrem schwierig ist, sowohl Finanzierung zu finden als auch Liquidität als Fonds zusammenzubekommen. Das berichten auch alle anderen Fonds. In den USA geht es vielleicht ein bisschen leichter.

Du hast gesagt, es gab keinen einzigen Ausfall. Mit dem ersten Fonds hattet ihr eine Unicorn-Rate von einem Drittel. Ich nehme an, zuletzt ist es schwieriger gewesen, mit dem zweiten Fonds solche Bewertungen im Portfolio zu erreichen, oder liege ich da falsch?

Der zweite Fonds ist erst im dritten Jahr, es ist also noch zu früh. Wir haben zwar schon erste Wertentwicklungen, die Unicorns des ersten Fonds sind geblieben, aber sind diese Wertsteige-rungen so weiter gegangen? Nein, weil die Bewertungen damals zur Zeit des ersten Fonds extrem hoch waren. Die Hälfte der Firmen hat nur zwei Jahre gebraucht, um in diese Bewertungen hineinzuwachsen. Beim zweiten Fonds haben wir dann in einer Phase begonnen zu investieren, in der die Valuations und Erwartungen wieder geschrumpft sind.

Das Ganze dreht sich jetzt wieder. Mit KI-nativen Unternehmen sind wieder extrem hohe Erwartungshaltungen verbunden, die mit extrem hohen Bewertungen einhergehen. Das führt dazu, dass man sehr schnell sogenannte „Papierwerte“ hat. Ob diese sich realisieren oder ob es ein böses Erwachen gibt, wird sich wahrscheinlich in den nächsten zwei bis vier Jahren zeigen.

Das ist nichts Neues – leider ist unser Geschäft so. Es ist zyklisch; und es ist unmöglich, einen Fonds zu timen. In einem Zyklus von zehn bis 14 Jahren pro Fonds wird man immer Ups and Downs haben. Man hat entweder Glück, dass man Dinge in einem Hoch verkaufen kann, oder man hat das Pech, dass es genau umgekehrt ist. Die großen ausländischen Fonds vor allem in den USA, mit extrem viel Kapital sind hier im Vorteil.

Es ist schon am Aktienmarkt fast unmöglich, das zu timen, und bei uns noch mehr. Deshalb fokussieren wir uns wirklich darauf, solide Unternehmensentwicklungen zu fördern und die Risiken zu minimieren. Wir versuchen, dass diese Unternehmen self-sustained werden und nicht abhängig davon sind, was der Kapitalmarkt gerade macht. Das ist ein Auf und Ab, und nur weil etwas hoch bewertet ist und dann wieder weniger, sagt das wenig aus. Das ist nicht unbedingt ein Grund zur Panik.

Das Lamento, dass es in Österreich an Anschlussfinanzierung mangelt, ist allgegenwärtig, aber es traut sich trotzdem kaum jemand drüber. Ihr aber schon – das braucht auch entsprechendes Kapital. Was hat euch ursprünglich dazu bewogen, in den Late-Stage-Bereich zu gehen und nicht wie fast alle anderen in Österreich im Early-Stage-Bereich zu bleiben?

Es gab zwei Aspekte: Der erste war unsere Wahrnehmung, dass es in Österreich und den umliegenden Ländern relativ viel Finanzierung in den Seed-Phasen gibt. Es gibt super Angebote und man kann sich über verschiedenste Töpfe, sowohl Public Money als auch Private Money, sehr gut finanzieren. Die zweite Wahrnehmung hatten wir selbst als Unternehmer, dass nicht nur das Kapital, sondern auch das Know-how für die Skalierungsphase fehlt. Was mache ich nach der Series A oder noch später, wenn ich Product-Market-Fit habe und wirklich expandieren möchte? Da gibt es echt wenig.

Wir haben das alles selbst erlebt und können Unternehmen hier unterstützen. Es braucht auch in dieser Phase immer noch Hands-on-Unterstützung; es ist nicht so, dass da bereits alles von selbst läuft, sondern man kann noch viele Dinge falsch machen. Diese Aufbauphase, wo man das Team von 50 auf 200 oder 300 Leute und das Geschäftsmodell von fünf auf 50 bis 60 Millionen Umsatz skaliert, ist schon noch eine sehr kritische Phase. Sie ist noch sehr abhängig von einzelnen Personen und im Speziellen von den Gründerteams. Wir haben also gesagt: Ja, mehr Kapital, aber fokussiert, weil wir unternehmerisch arbeiten wollen. Wir wollen also auch nicht massenweise Investments machen.

Und warum dann nicht noch später? In den Series-B und -C-Phasen gibt es ein sehr starkes internationales Angebot. Wenn du einmal 30 oder 40 Millionen Euro Umsatz erreicht hast, brichst du durch eine Schallmauer und wirst sichtbar für sehr viele internationale Investoren, die dich dann auch sehr gut finanzieren können. Dann geht es eigentlich um Cost of Capital: Wer kann dann günstiger solche Kapitalmengen lukrieren und investieren? Da sind wir in Europa schon noch im Nachteil. Für uns ist es viel schwerer, diese Mittel in der Größenordnung aufzustellen. Es ist schwerer zu investieren und es ist dann schwerer zu verwerten, weil wir einfach nicht die Aktienmärkte haben, die entsprechend große Summen absorbieren und wieder zurückspielen können.

Siehst du nach dem, was du gesagt hast, eigentlich eine Perspektive, dass in Österreich oder Europa ein Fonds entstehen kann, der dieses extreme Volumen hat, um Series-D-Finanzierungen et cetera machen zu können, wie es beispielsweise US-Fonds oder eine japanische Softbank tun?

Ich glaube, da geht es darum, woher die Mittel kommen. Es gibt durchaus Beispiele etwa im nordischen Bereich, zum Beispiel EQT. Die investieren nur im Later-Stage-Bereich und können sich über Pensionskassen et cetera gut finanzieren. Sie haben Milliarden under Management und ein entsprechend starkes Deployment.

Im Normalfall sind die Later-Stage-Runden europäischer Scaleups aber immer noch sehr US-dominiert – Targets gibt es genug. Wenn man den Trend drehen will, muss es gelingen, den Full Cycle zu schließen. Das Kapital muss originär aus der Region stammen und dann von einem regionalen Manager verwaltet oder investiert werden. Und wenn es Rückflüsse gibt, müssen diese auch wieder hier in der Region landen, inklusive Steueraufkommen und allem, was dazugehört. Ansonsten gibt es langfristig keinen wirklichen Benefit davon. Die Kapitalvermögen gibt es ja in Europa. Aber die werden ihrerseits oft in US-Fonds investiert.

Ist dieser Full Circle unmöglich? Nein, sicher ist er möglich. Aber ich glaube, es ist tatsächlich schwer zu bewerkstelligen, und ich sehe diesen originären Pool of Capital nicht wirklich. Ich glaube auch nicht, dass der Staat das alleine machen kann. Es gibt den European Investment Fund, EIF, der der größte Kapitalgeber in Kontinentaleuropa ist. Ohne den gäbe es die gesamte VC- und Private-Equity-Szene in Europa gar nicht. Aber irgendwo muss dann auch privates Kapital in größeren Dimensionen mobilisiert werden.

Die Bundesregierung verfolgt mit dem geplanten Dachfonds ja genau dieses Ziel, privates Kapital für die Anschlussfinanzierung zu mobilisieren. Glaubst du, dass man mit dem anvisierten Gesamtvolumen von maximal 500 Millionen Euro dieses Ziel erfüllen kann?

Es ist sehr schwer zu sagen, weil es auf die genaue Ausgestaltung ankommt. Es hängt etwa davon ab, wer den Dachfonds managt, mit welchen Zielen und mit welchen Einschränkungen. Deutschland hat das recht erfolgreich mit dem Wachstumsfonds umgesetzt, der über eine Milliarde Euro hatte und dann entsprechend mehr Kapital mobilisiert hat.

Grundsätzlich ist so etwas immer zu begrüßen, wenn marktüblich investiert wird. Das heißt, der Dachfonds muss wirklich so agieren wie ein anderer Fund of Funds, der returngetrieben ist und entsprechend offen ist. Wenn es zu starke Einschränkungen gibt, wo das Geld zu investieren ist, dann ist das natürlich auch abschreckend für manche Investoren. Denn letztendlich werden wir und andere Fonds an der finanziellen Rendite gemessen und nicht daran, wo wir regional investieren. Da gibt es Zielkonflikte, die man im Setup möglichst vermeiden sollte.

Im Idealfall sollte es einen soliden Anker geben, der wirklich Stabilität gibt. Das mobilisiert dann weiteres Kapital von eher risikoaversen Unternehmen, Pensionskassen, Versicherungen und Banken.

Im Plan der Regierung soll der Staat selbst als Ankerinvestor agieren. Ist das sinnvoll? Die Idee wird in der Startup-Szene ja durchaus auch kritisiert.

Ist es gut, um überhaupt Geld in den Markt zu bringen? Ja. Aber es muss auch hier weiter gedacht werden, damit es nachhaltig ist. Wie verwertet man diese Beteiligungen letztlich? Wo kommen Rückflüsse her? Wenn hier die Antwort lautet: „Durch einen Börsengang in den USA!“, dann ist klar, wo wieder die Wertschöpfung passiert. Auch bei großen strategischen Übernahmen hört man relativ wenig aus Europa. Die meisten Exits gehen irgendwo in die USA. Wenn wir die Unternehmen finanzieren, ist das dann das, was wir wollen?

Aber grundsätzlich habe ich kein Problem damit, dass der Staat als Ankerinvestor auftritt. Ich glaube, in Österreich gäbe es im Venture-Capital-Bereich wenig, wenn es nicht etwa den aws Gründerfonds gegeben hätte oder Fonds wie Speedinvest nicht auch Public Money erhalten hätten. Das gilt vermutlich für Europa insgesamt.

Ich habe jetzt indirekt das große Thema des gemeinsamen europäischen Kapitalmarkts herausgehört. Wie wichtig ist das aus deiner Sicht – und was müsste da passieren?

Der Markt ist ja groß genug, wenn man die Volumina oder das BIP ansieht. Da müsste eigentlich wirklich etwas möglich sein. Aber die Fragmentierung und das Nationalstaatliche sind sicher ein Hemmschuh. Was noch dazukommt: Die wirklich großen Kapitalgeber im Börsenbereich, die etwas bewegen können, sind sehr stark US-dominiert. Eine Harmonisierung des Kapitalmarkts wäre also ein großer Schritt, der Liquidität bringen könnte. Denn nur wenn der Markt groß genug ist, ist er interessant und kann entsprechende Volumina bewegen.

Dann geht es auch darum, welchen Stellenwert wachstumsorientierte Technologieaktien oder Technologieunternehmen im Gesamtportfolio von institutionellen Investoren haben. Solange die Grundeinstellung ist: „Es gibt Immobilien, dann vielleicht Anleihen und dann lange nichts“, wird sich nicht wirklich etwas ändern. Es braucht also eine Änderung der Bereitschaft, aber auch der Vorgaben etwa bei Pensionskassen, entsprechend zu investieren. Um das zu durchbrechen, braucht es viel Zeit und gute Erfolgsbeispiele, die funktionieren. Letztlich sind Pensionskassen auch in den USA ein wesentlicher Treiber des Ganzen. Ich verstehe aber natürlich, warum es bei uns historisch bedingt eine höhere Risikoaversion gibt. Es darf auch nicht passieren, dass bei einem Börsencrash Pensionen vernichtet werden.

Siehst du noch weitere mögliche politische Maßnahmen, sei es auf EU-Ebene oder nationaler Ebene, die ein konkreter Hebel sein könnten, sowohl für den Kapitalmarkt als auch für die Startup-Finanzierung und -Anschlussfinanzierung?

Alles, was auf EU-Ebene vereinfacht und harmonisiert wird, ist wünschenswert. Wie kann man die Eintrittsbarrieren herabsetzen? Wie kann man es Gründern und Teams ermöglichen, möglichst einfach in einem Markt zu wachsen, der ähnlich harmonisiert ist wie der große US-Markt? Alles, was dabei hilft, ist extrem begrüßenswert, etwa die vorgeschlagene „EU Inc“, also das sogenannte „28th Regime“. Eine Schwierigkeit, die ich bei all den Konzepten aber immer noch sehe, ist die steuerliche Komplexität, die einfach bleibt: Nachdem jedes Land seine eigene Steuerhoheit hat und das in naher Zukunft sicher nicht geändert wird, wird man da wenige Möglichkeiten haben.

Es wäre also ideal, wenn man neben dem „28th Regime“ für Unternehmen auch ein EU-Steuerregime schaffen würde. Das würde schon einen riesigen Vorteil in der Expansion bringen, weil man etwa Mitarbeiter in allen Ländern gleich incentivieren könnte. Aktuell gibt es ja viele Fälle, wo die Mitarbeiter selbst überhaupt keine Mitarbeiterbeteiligung wollen, wegen möglicher Steuerfallen. Das ist natürlich Gift für das Ökosystem.

Auch jede politische Maßnahme, die hilft, Transparenz, Klarheit und Planbarkeit zu schaffen, ist sinnvoll; außerdem alles, was einen Anreiz schafft, in eher risikobehaftete Anlageklassen zu investieren. Großbritannien hat das lange mit Steuererleichterungen gut gemacht, das aber zuletzt zurückgenommen. Man gerät nämlich auch schnell in das Fahrwasser, dass man Steuerbegünstigungen nur für Reiche und Ultrareiche macht. Man müsste es so ausgestalten, dass es auch für den Normalbürger attraktiv ist, in Risiko-Assets zu investieren, und nicht nur das Großkapital davon profitiert.

Gegen Ende unseres Interviews möchte ich noch auf eine weitere große Frage kommen: die aktuelle US-Politik. Ist diese eher eine Chance für Europa oder überwiegen die Probleme?

Ich sehe es problematisch, weil die Unsicherheit massiv zugenommen hat. Zu all den anderen Effekten wie Covid, Finanzkrise und Überschuldung kommt jetzt noch politische und wirtschaftliche Unsicherheit hinzu. Das ist grundsätzlich Gift, wenn keiner weiß, ob es morgen einen Zoll gibt oder ob der Kapitalverkehr eingeschränkt wird. Auch werden uns durch die Situation die enormen Abhängigkeiten der EU von den USA vor Augen geführt, etwa in der IT-Infrastruktur oder bei Cloud-Services.

Für Europa ist es aber insofern eine Chance, weil dadurch Braindrain aufgehalten wird. Wenn Forscher Angst haben, ihre Forschung fortsetzen zu können, und sich dann in Europa ansiedeln, ist das natürlich – obwohl es insgesamt negativ ist – im Kleinen vielleicht ein Vorteil, wenn man gewisse Leute halten kann, die man sonst nicht halten könnte. Aber es muss klar sein: Wir bekommen sie ja nur, weil sie nicht dorthin können; nicht, weil wir selbst so attraktiv sind.

Ich glaube, es ist auch eine Chance für die EU, nun zu sagen: Wir können selbstbewusster auftreten. Aber man muss es entsprechend gestalten. Es gibt viele Mechanismen in der EU, die das nicht unbedingt unterstützen. Bei so vielen Einzelinteressen sind wir keine starke Einheit. Das Einstimmigkeitsprinzip ist hier zum Beispiel ein Problem.

Die Welt ist sicher nicht einfacher geworden. Trotzdem bin ich Optimist und sage: Man macht das Beste daraus. Es wäre jetzt ganz verkehrt, den Kopf in den Sand zu stecken. Eigentlich ist jetzt die Zeit, zu sagen: Wir packen an! Und das machen ja zum Glück viele.

Das wäre ein schönes Schlusswort, aber ich habe noch eine Abschlussfrage, nämlich zur Zukunft von 3VC. Was ist hier der Ausblick?

Die Planung ist, dass wir das weiter machen. Wir haben das Team erweitert und werden es weiter erweitern – auch auf Partnerebene. Wir werden weiterhin fokussiert das machen, was wir bislang getan haben: Weniger ist mehr und Qualität vor Quantität. Wir wollen wirklich fokussiert Teams in Europa dabei unterstützen, große Unternehmen zu bauen. Da sind wir auf einem guten Weg, aber stehen gleichzeitig auch noch am Anfang. Wir wollen noch viel mehr Unternehmen unterstützen. Wir haben aber nicht vor, ein Milliardenfonds zu werden. Und wir wissen, dass immer wieder Herausforderungen auf uns zukommen werden. Das ist unser Umfeld, damit rechnen wir – und das müssen wir auch entsprechend begleiten können.

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Während der ViennaUP wurde Wien einmal mehr zur internationalen Drehscheibe der Startup-Welt. Inmitten dieser Woche voller Begegnungen, Ideen und Innovationen setzte ein Event einen ganz besonderen Akzent: Im Wien Museum, mit weitem Blick über den Karlsplatz, kamen zahlreiche Founder, Investor:innen, Corporate-Partner und Wegbegleiter:innen zusammen, um ein Jubiläum zu feiern, das sinnbildlich für den internationalen Fokus des österreichischen Innovationsstandorts steht: 10 Jahre Global Incubator Network Austria (GIN).

Schon beim Eintreten wurde spürbar, was GIN über das vergangene Jahrzehnt ausgemacht hat – das Zusammenspiel aus österreichischen Wurzeln und globaler Reichweite. Gründer:innen aus Wien trafen auf asiatische Startups, die diese Woche in der Stadt zu Gast waren, um in Europa Fuß zu fassen.

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Eine von ihnen war Nga Chi Lydia Yip, Co-Founderin und CSO von Elleon Biotech aus Hongkong. Ihr Startup hat ein Reagenz entwickelt, mit dem sich markierte Zellen – etwa Krebs- oder virusinfizierte Zellen – mit bloßem Auge oder per Smartphone sichtbar machen lassen, ganz ohne teure Mikroskope oder geschultes Personal. „Ich habe in den letzten Tagen mehr wertvolle Leads getroffen als in zwei Jahren in Hongkong“, erzählte sie. Über das GIN-Programm war sie auf der Suche nach einem strategischen Partner für die Antikörper-Produktion – und wurde bei einem der Networking-Momente tatsächlich fündig. „Ich liebe den Vibe hier. Die Leute sind wirklich da, um einander zu helfen.“

Genau diese Atmosphäre baut GIN seit 2016 systematisch auf: Verbindungen, die weit über ein einzelnes Programm oder eine Delegationsreise hinausreichen.

Ein Jahrzehnt Brückenbauen zwischen Österreich und Asien

Seit seiner Gründung 2016 verfolgt GIN ein klares Ziel: innovative Startups beim internationalen Wachstum zu unterstützen und gleichzeitig Österreich als zentralen Innovationsstandort zu stärken. Unter dem Leitgedanken „Connecting the Circles of Growth“ hat sich daraus ein Netzwerk entwickelt, das weit über klassische Förderprogramme hinausgeht.

Die Bilanz nach zehn Jahren spricht für sich: 756 unterstützte Startups, 71 internationale Programm-Batches, 7 zentrale Partnerregionen und über 30 internationale Innovationspartner. Im Zentrum stehen die beiden Programme GO ASIA und GO AUSTRIA, die den Austausch in beide Richtungen ermöglichen – ein zweiseitiger Ansatz, der GIN zu einer einzigartigen Brückenbauerin macht. Geschichten wie jene von Elleon Biotech zeigen, was das konkret bedeutet.

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Zur Beginn reflektierten Henrietta Egerth (Geschäftsführerin FFG) und Bernhard Sagmeister (Geschäftsführer aws) über die Vision hinter GIN, die gemeinsame Steuerung der beiden Programme und den Blick nach vorne. „Zehn Jahre Global Incubator Network Austria bedeuten zehn Jahre messbaren Impact für das österreichische Startup-Ökosystem und weit darüber hinaus“, betont Henrietta Egerth. „Allein am aktuellen GIN-Programm nehmen 56 Startups aus sieben asiatischen Zielregionen teil – mehr als jemals zuvor.“

Panel: Local Roots, Global Reach

Unter dem Titel „Local Roots, Global Reach: The New Rules of Internationalization“ diskutierte ein hochkarätig besetztes Panel die veränderten Spielregeln internationaler Expansion. Marcus Berger (CEO, Aviloo), Ayashi Das Majumder (Co-Founderin & COO, Sensegrass), Markus Lang (General Partner, Speedinvest) und Andreas Mühlberger (Infineon Technologies Austria) brachten vier sehr unterschiedliche Perspektiven zusammen. Die zentrale Botschaft: Für einen kleinen Exportmarkt wie Österreich ist Internationalisierung essenziell – gleichzeitig aber komplexer geworden, und sie gelingt nur durch starke Partnerschaften und langfristige Begleitung.

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Workshop: Impulse für die nächsten zehn Jahre

Im interaktiven Workshop-Teil, moderiert von Viktoria Ilger (Venture Clienting Austria), wurden die Gäste selbst zu Mitgestaltenden. An mehreren Tischen diskutierten sie in kleinen Runden über die zentralen Fragen rund um Internationalisierung. Begleitet wurde der Nachmittag von einem Live-Graphic-Recording-Team, das die wichtigsten Gedanken und Erkenntnisse in Echtzeit visuell festhielt – ein wachsendes Bild, das ebenso entstand wie die Insights selbst und am Ende eindrucksvoll präsentiert wurde.

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Blick nach vorne: Indien als nächster Meilenstein

Mit der geplanten Erweiterung von GIN GO ASIA nach Indien ab 2027 wurde ein klares Signal für die nächste Phase gesetzt. Bereits heute holt das aktuelle GO AUSTRIA Programm sieben indische Deep-Tech-Startups nach Österreich. Indien zählt mittlerweile über 130 Startup-Unicorns und entwickelt sich mit enormer Dynamik zu einem der wichtigsten Technologie- und Wachstumsmärkte der Welt. Mit der India-Austria Startup Bridge wurde bereits vor zwei Jahren ein erstes Instrument geschaffen, um indische Startups nach Österreich zu holen – ab 2027 öffnen sich die Türen gezielt auch für österreichische Startups in diesen Zukunftsmarkt. So festigt GIN Österreichs Rolle als europäisches Gateway für Innovation, Technologie und internationale Zusammenarbeit.

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Zum Abschluss wurde sichtbar, was GIN über die Zahlen hinaus ausmacht: eine globale Community aus Foundern, Partner:innen, Mentor:innen und Freund:innen. In einem Happy-Birthday-Video schickten Wegbegleiter*innen aus aller Welt ihre Glückwünsche. Das GIN-Team kam auf die Bühne, die Gläser wurden erhoben – und der Nachmittag mündete in eine Feier, die anschließend bei GIN & Friends am Karlsplatz ihre Fortsetzung fand. Für Lydia Yip stand da nur noch ein letztes Meeting an, bevor auch sie dazustieß: „Ich hätte nie erwartet, dass eine Geschäftsreise so viel Freude macht.“


Das Global Incubator Network Austria (GIN) ist eine Initiative der österreichischen Bundesregierung und wird von der Austria Wirtschaftsservice (aws) und der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) umgesetzt. Ziel ist es, Start-ups, Investor:innen und Innovationspartner:innen international zu vernetzen und den Innovationsstandort Österreich nachhaltig zu stärken. Der Artikel wurde in Kooperation mit der Austria Wirtschaftsservice (aws) umgesetzt.

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