05.12.2025
INTERVIEW

„Es ist unmöglich, einen Fonds zu timen“

3VC-Gründer und -Partner Peter Lasinger im Interview über Anschlussfinanzierung und was auf politischer Ebene dafür getan werden kann.
/artikel/es-ist-unmoeglich-einen-fonds-zu-timen
3VC-Gründer und -Partner Peter Lasinger | (c) Lorin Canaj
3VC-Gründer und -Partner Peter Lasinger | (c) Lorin Canaj

Dieser Artikel ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von November 2025 “Verantwortung” erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


In einem Land, in dem Venture-Capital-Fonds für die Pre-Seed- und Seed-Phase klar dominieren, ist 3VC eine der wenigen Ausnahmen. 2017 als capital300 gestartet – das Rebranding zu 3VC erfolgte 2020 – investiert der Wiener VC vorwiegend ab Series-A-Kapitalrunden. Der erste Fonds hatte ein Volumen von 50 Millionen Euro; mit ihm gelang eine Unicorn-Rate von rund einem Drittel.

2022 startete der zweite Fonds unter für die VC-Welt durchaus widrigen Umständen, er erreichte ein Volumen von 150 Millionen Euro (brutkasten berichtete damals). Wir sprachen mit Gründer und Partner Peter Lasinger über die schwierigen vergangenen Jahre, Anschlussfinanzierung in Österreich und notwendige politische Maßnahmen auf nationaler und europäischer Ebene.

brutkasten: Die vergangenen Jahre waren bekanntlich schwer für den gesamten Risikokapitalsektor. Wie ist es euch gegangen?

Peter Lasinger: Ich würde sagen, es lief überraschend gut. Allerdings ist ein Fonds immer nur so gut wie das unterliegende Portfolio, und natürlich gibt es dort alle möglichen Aufs und Abs. Es war keineswegs einfach; es gab wirklich etliche Schwierigkeiten. Alles begann mit Covid, und seitdem ist es eine Achterbahnfahrt. Das Hauptlob gebührt den Unternehmern, die wir finanzieren. Es gab viel Arbeit im Portfolio. Was uns dabei geholfen hat, ist unser selektiver Ansatz mit einem sehr fokussierten Portfolio – Stand heute unterstützen wir 20 Unternehmen.

Es hat überall irgendwo gebrannt und wir haben versucht, Lösungen zu finden. Ich muss aber sagen: Es gab keinen einzigen Fallout im Portfolio. Das war möglich, weil einige Teams da richtig reingebissen haben.

Das Umfeld ist jedoch immer noch ambivalent. Wir sind noch nicht über den Berg. Es gibt auf der einen Seite eine positive Zukunftssicht zu allem, was KI betrifft; auf der anderen Seite gibt es aber einen großen Bereich, wo es immer noch extrem schwierig ist, sowohl Finanzierung zu finden als auch Liquidität als Fonds zusammenzubekommen. Das berichten auch alle anderen Fonds. In den USA geht es vielleicht ein bisschen leichter.

Du hast gesagt, es gab keinen einzigen Ausfall. Mit dem ersten Fonds hattet ihr eine Unicorn-Rate von einem Drittel. Ich nehme an, zuletzt ist es schwieriger gewesen, mit dem zweiten Fonds solche Bewertungen im Portfolio zu erreichen, oder liege ich da falsch?

Der zweite Fonds ist erst im dritten Jahr, es ist also noch zu früh. Wir haben zwar schon erste Wertentwicklungen, die Unicorns des ersten Fonds sind geblieben, aber sind diese Wertsteige-rungen so weiter gegangen? Nein, weil die Bewertungen damals zur Zeit des ersten Fonds extrem hoch waren. Die Hälfte der Firmen hat nur zwei Jahre gebraucht, um in diese Bewertungen hineinzuwachsen. Beim zweiten Fonds haben wir dann in einer Phase begonnen zu investieren, in der die Valuations und Erwartungen wieder geschrumpft sind.

Das Ganze dreht sich jetzt wieder. Mit KI-nativen Unternehmen sind wieder extrem hohe Erwartungshaltungen verbunden, die mit extrem hohen Bewertungen einhergehen. Das führt dazu, dass man sehr schnell sogenannte „Papierwerte“ hat. Ob diese sich realisieren oder ob es ein böses Erwachen gibt, wird sich wahrscheinlich in den nächsten zwei bis vier Jahren zeigen.

Das ist nichts Neues – leider ist unser Geschäft so. Es ist zyklisch; und es ist unmöglich, einen Fonds zu timen. In einem Zyklus von zehn bis 14 Jahren pro Fonds wird man immer Ups and Downs haben. Man hat entweder Glück, dass man Dinge in einem Hoch verkaufen kann, oder man hat das Pech, dass es genau umgekehrt ist. Die großen ausländischen Fonds vor allem in den USA, mit extrem viel Kapital sind hier im Vorteil.

Es ist schon am Aktienmarkt fast unmöglich, das zu timen, und bei uns noch mehr. Deshalb fokussieren wir uns wirklich darauf, solide Unternehmensentwicklungen zu fördern und die Risiken zu minimieren. Wir versuchen, dass diese Unternehmen self-sustained werden und nicht abhängig davon sind, was der Kapitalmarkt gerade macht. Das ist ein Auf und Ab, und nur weil etwas hoch bewertet ist und dann wieder weniger, sagt das wenig aus. Das ist nicht unbedingt ein Grund zur Panik.

Das Lamento, dass es in Österreich an Anschlussfinanzierung mangelt, ist allgegenwärtig, aber es traut sich trotzdem kaum jemand drüber. Ihr aber schon – das braucht auch entsprechendes Kapital. Was hat euch ursprünglich dazu bewogen, in den Late-Stage-Bereich zu gehen und nicht wie fast alle anderen in Österreich im Early-Stage-Bereich zu bleiben?

Es gab zwei Aspekte: Der erste war unsere Wahrnehmung, dass es in Österreich und den umliegenden Ländern relativ viel Finanzierung in den Seed-Phasen gibt. Es gibt super Angebote und man kann sich über verschiedenste Töpfe, sowohl Public Money als auch Private Money, sehr gut finanzieren. Die zweite Wahrnehmung hatten wir selbst als Unternehmer, dass nicht nur das Kapital, sondern auch das Know-how für die Skalierungsphase fehlt. Was mache ich nach der Series A oder noch später, wenn ich Product-Market-Fit habe und wirklich expandieren möchte? Da gibt es echt wenig.

Wir haben das alles selbst erlebt und können Unternehmen hier unterstützen. Es braucht auch in dieser Phase immer noch Hands-on-Unterstützung; es ist nicht so, dass da bereits alles von selbst läuft, sondern man kann noch viele Dinge falsch machen. Diese Aufbauphase, wo man das Team von 50 auf 200 oder 300 Leute und das Geschäftsmodell von fünf auf 50 bis 60 Millionen Umsatz skaliert, ist schon noch eine sehr kritische Phase. Sie ist noch sehr abhängig von einzelnen Personen und im Speziellen von den Gründerteams. Wir haben also gesagt: Ja, mehr Kapital, aber fokussiert, weil wir unternehmerisch arbeiten wollen. Wir wollen also auch nicht massenweise Investments machen.

Und warum dann nicht noch später? In den Series-B und -C-Phasen gibt es ein sehr starkes internationales Angebot. Wenn du einmal 30 oder 40 Millionen Euro Umsatz erreicht hast, brichst du durch eine Schallmauer und wirst sichtbar für sehr viele internationale Investoren, die dich dann auch sehr gut finanzieren können. Dann geht es eigentlich um Cost of Capital: Wer kann dann günstiger solche Kapitalmengen lukrieren und investieren? Da sind wir in Europa schon noch im Nachteil. Für uns ist es viel schwerer, diese Mittel in der Größenordnung aufzustellen. Es ist schwerer zu investieren und es ist dann schwerer zu verwerten, weil wir einfach nicht die Aktienmärkte haben, die entsprechend große Summen absorbieren und wieder zurückspielen können.

Siehst du nach dem, was du gesagt hast, eigentlich eine Perspektive, dass in Österreich oder Europa ein Fonds entstehen kann, der dieses extreme Volumen hat, um Series-D-Finanzierungen et cetera machen zu können, wie es beispielsweise US-Fonds oder eine japanische Softbank tun?

Ich glaube, da geht es darum, woher die Mittel kommen. Es gibt durchaus Beispiele etwa im nordischen Bereich, zum Beispiel EQT. Die investieren nur im Later-Stage-Bereich und können sich über Pensionskassen et cetera gut finanzieren. Sie haben Milliarden under Management und ein entsprechend starkes Deployment.

Im Normalfall sind die Later-Stage-Runden europäischer Scaleups aber immer noch sehr US-dominiert – Targets gibt es genug. Wenn man den Trend drehen will, muss es gelingen, den Full Cycle zu schließen. Das Kapital muss originär aus der Region stammen und dann von einem regionalen Manager verwaltet oder investiert werden. Und wenn es Rückflüsse gibt, müssen diese auch wieder hier in der Region landen, inklusive Steueraufkommen und allem, was dazugehört. Ansonsten gibt es langfristig keinen wirklichen Benefit davon. Die Kapitalvermögen gibt es ja in Europa. Aber die werden ihrerseits oft in US-Fonds investiert.

Ist dieser Full Circle unmöglich? Nein, sicher ist er möglich. Aber ich glaube, es ist tatsächlich schwer zu bewerkstelligen, und ich sehe diesen originären Pool of Capital nicht wirklich. Ich glaube auch nicht, dass der Staat das alleine machen kann. Es gibt den European Investment Fund, EIF, der der größte Kapitalgeber in Kontinentaleuropa ist. Ohne den gäbe es die gesamte VC- und Private-Equity-Szene in Europa gar nicht. Aber irgendwo muss dann auch privates Kapital in größeren Dimensionen mobilisiert werden.

Die Bundesregierung verfolgt mit dem geplanten Dachfonds ja genau dieses Ziel, privates Kapital für die Anschlussfinanzierung zu mobilisieren. Glaubst du, dass man mit dem anvisierten Gesamtvolumen von maximal 500 Millionen Euro dieses Ziel erfüllen kann?

Es ist sehr schwer zu sagen, weil es auf die genaue Ausgestaltung ankommt. Es hängt etwa davon ab, wer den Dachfonds managt, mit welchen Zielen und mit welchen Einschränkungen. Deutschland hat das recht erfolgreich mit dem Wachstumsfonds umgesetzt, der über eine Milliarde Euro hatte und dann entsprechend mehr Kapital mobilisiert hat.

Grundsätzlich ist so etwas immer zu begrüßen, wenn marktüblich investiert wird. Das heißt, der Dachfonds muss wirklich so agieren wie ein anderer Fund of Funds, der returngetrieben ist und entsprechend offen ist. Wenn es zu starke Einschränkungen gibt, wo das Geld zu investieren ist, dann ist das natürlich auch abschreckend für manche Investoren. Denn letztendlich werden wir und andere Fonds an der finanziellen Rendite gemessen und nicht daran, wo wir regional investieren. Da gibt es Zielkonflikte, die man im Setup möglichst vermeiden sollte.

Im Idealfall sollte es einen soliden Anker geben, der wirklich Stabilität gibt. Das mobilisiert dann weiteres Kapital von eher risikoaversen Unternehmen, Pensionskassen, Versicherungen und Banken.

Im Plan der Regierung soll der Staat selbst als Ankerinvestor agieren. Ist das sinnvoll? Die Idee wird in der Startup-Szene ja durchaus auch kritisiert.

Ist es gut, um überhaupt Geld in den Markt zu bringen? Ja. Aber es muss auch hier weiter gedacht werden, damit es nachhaltig ist. Wie verwertet man diese Beteiligungen letztlich? Wo kommen Rückflüsse her? Wenn hier die Antwort lautet: „Durch einen Börsengang in den USA!“, dann ist klar, wo wieder die Wertschöpfung passiert. Auch bei großen strategischen Übernahmen hört man relativ wenig aus Europa. Die meisten Exits gehen irgendwo in die USA. Wenn wir die Unternehmen finanzieren, ist das dann das, was wir wollen?

Aber grundsätzlich habe ich kein Problem damit, dass der Staat als Ankerinvestor auftritt. Ich glaube, in Österreich gäbe es im Venture-Capital-Bereich wenig, wenn es nicht etwa den aws Gründerfonds gegeben hätte oder Fonds wie Speedinvest nicht auch Public Money erhalten hätten. Das gilt vermutlich für Europa insgesamt.

Ich habe jetzt indirekt das große Thema des gemeinsamen europäischen Kapitalmarkts herausgehört. Wie wichtig ist das aus deiner Sicht – und was müsste da passieren?

Der Markt ist ja groß genug, wenn man die Volumina oder das BIP ansieht. Da müsste eigentlich wirklich etwas möglich sein. Aber die Fragmentierung und das Nationalstaatliche sind sicher ein Hemmschuh. Was noch dazukommt: Die wirklich großen Kapitalgeber im Börsenbereich, die etwas bewegen können, sind sehr stark US-dominiert. Eine Harmonisierung des Kapitalmarkts wäre also ein großer Schritt, der Liquidität bringen könnte. Denn nur wenn der Markt groß genug ist, ist er interessant und kann entsprechende Volumina bewegen.

Dann geht es auch darum, welchen Stellenwert wachstumsorientierte Technologieaktien oder Technologieunternehmen im Gesamtportfolio von institutionellen Investoren haben. Solange die Grundeinstellung ist: „Es gibt Immobilien, dann vielleicht Anleihen und dann lange nichts“, wird sich nicht wirklich etwas ändern. Es braucht also eine Änderung der Bereitschaft, aber auch der Vorgaben etwa bei Pensionskassen, entsprechend zu investieren. Um das zu durchbrechen, braucht es viel Zeit und gute Erfolgsbeispiele, die funktionieren. Letztlich sind Pensionskassen auch in den USA ein wesentlicher Treiber des Ganzen. Ich verstehe aber natürlich, warum es bei uns historisch bedingt eine höhere Risikoaversion gibt. Es darf auch nicht passieren, dass bei einem Börsencrash Pensionen vernichtet werden.

Siehst du noch weitere mögliche politische Maßnahmen, sei es auf EU-Ebene oder nationaler Ebene, die ein konkreter Hebel sein könnten, sowohl für den Kapitalmarkt als auch für die Startup-Finanzierung und -Anschlussfinanzierung?

Alles, was auf EU-Ebene vereinfacht und harmonisiert wird, ist wünschenswert. Wie kann man die Eintrittsbarrieren herabsetzen? Wie kann man es Gründern und Teams ermöglichen, möglichst einfach in einem Markt zu wachsen, der ähnlich harmonisiert ist wie der große US-Markt? Alles, was dabei hilft, ist extrem begrüßenswert, etwa die vorgeschlagene „EU Inc“, also das sogenannte „28th Regime“. Eine Schwierigkeit, die ich bei all den Konzepten aber immer noch sehe, ist die steuerliche Komplexität, die einfach bleibt: Nachdem jedes Land seine eigene Steuerhoheit hat und das in naher Zukunft sicher nicht geändert wird, wird man da wenige Möglichkeiten haben.

Es wäre also ideal, wenn man neben dem „28th Regime“ für Unternehmen auch ein EU-Steuerregime schaffen würde. Das würde schon einen riesigen Vorteil in der Expansion bringen, weil man etwa Mitarbeiter in allen Ländern gleich incentivieren könnte. Aktuell gibt es ja viele Fälle, wo die Mitarbeiter selbst überhaupt keine Mitarbeiterbeteiligung wollen, wegen möglicher Steuerfallen. Das ist natürlich Gift für das Ökosystem.

Auch jede politische Maßnahme, die hilft, Transparenz, Klarheit und Planbarkeit zu schaffen, ist sinnvoll; außerdem alles, was einen Anreiz schafft, in eher risikobehaftete Anlageklassen zu investieren. Großbritannien hat das lange mit Steuererleichterungen gut gemacht, das aber zuletzt zurückgenommen. Man gerät nämlich auch schnell in das Fahrwasser, dass man Steuerbegünstigungen nur für Reiche und Ultrareiche macht. Man müsste es so ausgestalten, dass es auch für den Normalbürger attraktiv ist, in Risiko-Assets zu investieren, und nicht nur das Großkapital davon profitiert.

Gegen Ende unseres Interviews möchte ich noch auf eine weitere große Frage kommen: die aktuelle US-Politik. Ist diese eher eine Chance für Europa oder überwiegen die Probleme?

Ich sehe es problematisch, weil die Unsicherheit massiv zugenommen hat. Zu all den anderen Effekten wie Covid, Finanzkrise und Überschuldung kommt jetzt noch politische und wirtschaftliche Unsicherheit hinzu. Das ist grundsätzlich Gift, wenn keiner weiß, ob es morgen einen Zoll gibt oder ob der Kapitalverkehr eingeschränkt wird. Auch werden uns durch die Situation die enormen Abhängigkeiten der EU von den USA vor Augen geführt, etwa in der IT-Infrastruktur oder bei Cloud-Services.

Für Europa ist es aber insofern eine Chance, weil dadurch Braindrain aufgehalten wird. Wenn Forscher Angst haben, ihre Forschung fortsetzen zu können, und sich dann in Europa ansiedeln, ist das natürlich – obwohl es insgesamt negativ ist – im Kleinen vielleicht ein Vorteil, wenn man gewisse Leute halten kann, die man sonst nicht halten könnte. Aber es muss klar sein: Wir bekommen sie ja nur, weil sie nicht dorthin können; nicht, weil wir selbst so attraktiv sind.

Ich glaube, es ist auch eine Chance für die EU, nun zu sagen: Wir können selbstbewusster auftreten. Aber man muss es entsprechend gestalten. Es gibt viele Mechanismen in der EU, die das nicht unbedingt unterstützen. Bei so vielen Einzelinteressen sind wir keine starke Einheit. Das Einstimmigkeitsprinzip ist hier zum Beispiel ein Problem.

Die Welt ist sicher nicht einfacher geworden. Trotzdem bin ich Optimist und sage: Man macht das Beste daraus. Es wäre jetzt ganz verkehrt, den Kopf in den Sand zu stecken. Eigentlich ist jetzt die Zeit, zu sagen: Wir packen an! Und das machen ja zum Glück viele.

Das wäre ein schönes Schlusswort, aber ich habe noch eine Abschlussfrage, nämlich zur Zukunft von 3VC. Was ist hier der Ausblick?

Die Planung ist, dass wir das weiter machen. Wir haben das Team erweitert und werden es weiter erweitern – auch auf Partnerebene. Wir werden weiterhin fokussiert das machen, was wir bislang getan haben: Weniger ist mehr und Qualität vor Quantität. Wir wollen wirklich fokussiert Teams in Europa dabei unterstützen, große Unternehmen zu bauen. Da sind wir auf einem guten Weg, aber stehen gleichzeitig auch noch am Anfang. Wir wollen noch viel mehr Unternehmen unterstützen. Wir haben aber nicht vor, ein Milliardenfonds zu werden. Und wir wissen, dass immer wieder Herausforderungen auf uns zukommen werden. Das ist unser Umfeld, damit rechnen wir – und das müssen wir auch entsprechend begleiten können.

Deine ungelesenen Artikel:
vor 7 Stunden

Umarmungen statt Visitenkarten: Zu Besuch beim ersten Conxious Picnic am Otto Wagner Areal

Zwei Tage lang hat die Community rund um Andreas Tschas auf dem Otto Wagner Areal in Wien an einem „neuen Betriebssystem für unsere Wirtschaft“ gearbeitet. Ein Besuch beim ersten Conxious Picnic.
/artikel/conxious-picnic-otto-wagner-areal
vor 7 Stunden

Umarmungen statt Visitenkarten: Zu Besuch beim ersten Conxious Picnic am Otto Wagner Areal

Zwei Tage lang hat die Community rund um Andreas Tschas auf dem Otto Wagner Areal in Wien an einem „neuen Betriebssystem für unsere Wirtschaft“ gearbeitet. Ein Besuch beim ersten Conxious Picnic.
/artikel/conxious-picnic-otto-wagner-areal
Business Angel Hansi Hansmann und Conxious-Gründer Andreas Tschas | (c) Luisazzoe / StudioZucker

Es braucht seine Zeit, bis man oben ist. Wer zum Conxious Picnic will, muss hinauf auf die Baumgartner Höhe in Wien-Penzing, fernab der hektischen Innenstadt. Der Ort ist bewusst gewählt.

Das Otto Wagner Areal wurde vor rund 120 Jahren als Heil- und Pflegeanstalt eröffnet und umfasst rund 50 Hektar. Das entspricht der Fläche von rund 70 Fußballfeldern. Nach einem Jahrhundert klinischer Nutzung wird das denkmalgeschützte Jugendstilensemble neu belebt. 2030 oder 2031 soll hier die Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (MUK) einziehen. Bis dahin wird das Gelände zwischengenutzt, unter anderem von Kreativkollektiven und für Kunst- und Kulturveranstaltungen.

Das Jugendstiltheater am Otto Wagner Areal in Wien-Penzing war Schauplatz des Conxious Picnic. Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Am 30. September und 1. Oktober war das Jugendstiltheater mit seinen Gärten Schauplatz des ersten Conxious Picnic. Schon beim Hineingehen weiß man: Hier geht es anders zu als bei einem üblichen Business-Event. Man spricht sich mit Vornamen an. Teilweise umarmt man sich bei der Begrüßung.

Das Betriebssystem von morgen

Hinter dem Format steht Andreas Tschas, Gründer von Conxious. Seine Vision fasst er im Gespräch mit brutkasten in einem Satz zusammen: „Ein neues Betriebssystem für unsere Wirtschaft, das auf Vertrauen und innerer Klarheit beruht.“ Nach diesem Gedanken sei auch die Veranstaltung aufgebaut gewesen. Es gehe darum, Wirtschaft wieder menschlicher zu machen: „Weg vom Business, hin zur Wirtschaft, zum Wirt.“ Der Wirt sei jemand, der auf die Ressourcen schaue, ein Host, der auf die Community achte.

Rund 200 Gäste waren laut Andreas Tschas an den beiden Tagen durchgehend vor Ort. | Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Das Interesse war größer als erwartet. 250 Personen waren laut Tschas angemeldet, durchgehend seien rund 200 vor Ort gewesen. Die Gäste kamen auch aus anderen europäischen Ländern, darunter die Niederlande, Portugal, Deutschland und Italien.

Was man mitbringen muss

Wer mitmachen will, braucht vor allem Zeit. Die Veranstalter baten ihre Gäste vorab, an beiden Tagen zu bleiben. Das Picknick sei als ein Bogen gedacht, bei dem jeder Akt auf dem vorigen aufbaut.

Dazu kommen Neugier, Präsenz und die Offenheit für Menschen, die man noch nicht kennt. So stand es in der Einladung an die Gäste. Wer wollte, brachte eine Blume mit, einen Kuchen zum Teilen oder ein Sitzkissen für die Wiese. Einen Dresscode gab es nicht, Farbe war ausdrücklich willkommen.

Wer sitzt, kann etwas vorbringen

Am zweiten Tag geht es im Jugendstiltheater um Träume. Bianca Gfrei von Conxious steht in der Mitte des Raums. Rund um sie sind Vintage-Möbel des Wiener Generationencafés Vollpension aufgereiht, dazwischen liegen Sitzkissen. Wer hier Platz nimmt, soll die Augen schließen und seine Wünsche benennen.

Bianca Gfrei von Conxious leitete am zweiten Tag die Runde zu den Träumen der Gäste. | Foto: Luisazzoe| / StudioZucker

Dann öffnet Gfrei die Runde. Gefragt wird nach Themen: Wer hat einen Traum, wenn es um Business geht? Wer, wenn es um Räume geht? Wer in der Runde sitzt, kann etwas vorbringen und sagen, welche Unterstützung er oder sie braucht.

Auch Tschas bringt einen Traum ein, und der betrifft Bildung. Inhalte für Kinder würden künftig viele Unternehmen liefern, entscheidend sei das Erlebnis rundherum. Mit „Conxious in the Garden“ treffen sich bereits Familien an Wochenenden. Er sei nicht überzeugt, dass sich das Bildungssystem in Österreich so schnell anpassen könne wie nötig. Zugleich gebe es sehr gute Schulen, nur brauche es mehr davon. Für das Vorhaben sucht er einen CEO, ein Investor sei bereits interessiert.

Vertrauen als Business Case

So weich das klingt, Tschas argumentiert wirtschaftlich. Das Fundament von Conxious sei Vertrauen, und das Picknick habe mit genau diesem Gedanken begonnen: „Trust as a Business Case“. Er erzählt dazu von Business Angel Hansi Hansmann, einem der Founding Partner von Conxious. Der habe ihm gesagt, dass es um Vertrauen gehe, sei für ihn ein No-Brainer. Für Tschas ist das der Punkt: „Du lernst den Menschen kennen und du vertraust ihm einmal.“ Daraus seien die großen Erfolgsgeschichten entstanden.

Auch der Autor und NEOS-Mitgründer Matthias Strolz war vor Ort. | Foto: Luisazzoe / StudioZucker

In Unternehmen sehe er oft das Gegenteil. Wenn er in Abteilungen nachfrage, wie viel Zeit in Konflikte und interne Politik fließe, höre er im Schnitt 70 Prozent. Der Grund sei ein Vertrauensproblem.

Bei Startups zeige sich das im Founder-Konflikt. Der „Return on Investment on emotional well-being“ werde völlig unterschätzt, sagt Tschas. Er kenne nur wenige Investoren, die vorbeugend etwas tun. Komme es zum Konflikt, könne man „mindestens 50 Prozent der Bewertung abschreiben“.

Auch die Freiflächen rund um das Jugendstiltheater wurden bespielt. | Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Wer dabei war

Auf dem Programm standen unter anderem der Impact-Investor Charly Kleissner, die Kulturanthropologin Bettina Ludwig, der Autor und NEOS-Mitgründer Matthias Strolz, Thomas Funke, Mitgründer der Tomorrow University, und Eversports-Mitgründer Hanno Lippitsch. Unter den Gästen waren laut Tschas zudem viele Gründer, die diesen Weg schon gegangen sind, darunter TTTech-Mitgründer Georg Kopetz sowie Busuu-Mitgründer und Investor Bernhard Niesner. Auch Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll und Bernhard Sagmeister, Geschäftsführer der Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws), waren vor Ort.

TTTech-Mitgründer Georg Kopetz im Gespräch mit Conxious-Gründer Andreas Tschas | Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Auch der Unternehmer Klaus Buchroithner war dabei, dessen Firma das Merchandise für Conxious produziert. „Die letzten zwei Tage ist es sehr wenig ums Business gegangen und sehr viel um Persönlichkeitsentwicklung“, sagt er. Es habe Sessions gegeben, in denen man sich bewegt hat, aber auch Vorträge. Eine klassische Business-Konferenz sei es sicher nicht gewesen.

Besonders mitgenommen hat Buchroithner den Beitrag von Ludwig über eine der letzten Jäger-und-Sammler-Gemeinschaften. Dort sei jeder von Geburt an Teil eines größeren Ganzen, weil die Gemeinschaft nur gemeinsam überlebt. Sein Schluss daraus: Egoistische Entscheidungen seien „eigentlich kompletter Unsinn“.

Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Was aus dem Picknick entstehen soll

Beim Reden soll es nicht bleiben. Tschas formuliert eine Hypothese: Unternehmen und Startups, die auf dieser Basis von Vertrauen gegründet werden, funktionieren besser. Aus der Community heraus würden gerade die ersten Unternehmen gemeinsam gestartet.

Konkret denkt man laut Tschas über drei Dinge nach. Ein Magazin, das sich um Bewusstsein in der Wirtschaft dreht. Räume für Meetings, in denen man präsenter und weniger abgelenkt ist. Und eine Schule. In drei bis vier Monaten werde man mehr dazu sagen können.

Das Prinzip dahinter beschreibt er so: „Dem Glück auf die Sprünge helfen, indem wir coole Leute und coole Ideen zusammenbringen und die Erfolgswahrscheinlichkeit erhöhen.“


Video-Tipp: Andreas Tschas über Conxious: „Ein neues Betriebssystem für die Wirtschaft“

Andreas Tschas spricht im Talk über sein Projekt Conxious – eine kuratierte Community, die Vertrauen und innere Klarheit ins Zentrum des wirtschaftlichen Handelns rücken möchte.

Im Gespräch erklärt Tschas, warum Vertrauen ein unterschätzter Produktivitätsfaktor in Unternehmen sei, wie aus tiefen menschlichen Verbindungen nachhaltige Projekte entstehen können und wie ein zukunftsfähiges Betriebssystem für die Wirtschaft aussehen soll.

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

„Es ist unmöglich, einen Fonds zu timen“

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Es ist unmöglich, einen Fonds zu timen“

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Es ist unmöglich, einen Fonds zu timen“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Es ist unmöglich, einen Fonds zu timen“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Es ist unmöglich, einen Fonds zu timen“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Es ist unmöglich, einen Fonds zu timen“

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Es ist unmöglich, einen Fonds zu timen“

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Es ist unmöglich, einen Fonds zu timen“

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Es ist unmöglich, einen Fonds zu timen“