11.12.2023

Erstmalig: KI-Map für Legal Tech 2023

Seit dem Launch von ChatGPT 2022 sind KI-Technologien branchenübergreifend Dauerthema. Nun erobern sie auch den Markt von Kanzleien und Rechtsabteilungen.
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Gründerin Sophie Martinez lehnt an einer weßen Wand und lächelt

„In Bezug auf KI herrscht eine große FOMO“, sagt Sophie Martinez, Future-Law Gründerin. Das bedeute, dass viele Bereiche Angst haben etwas zu verpassen, wenn es um die Weiterentwicklung neuer Technologien mit Künstlicher Intelligenz geht, erklärt sie. Dass sie damit recht hat, zeigt das branchenübergreifende Interesse an KI und die Einbettung in diversen Bereichen sowie die jährlich wachsende Anzahl an Einträgen der Legal Tech Branche. Nun soll auch im Rechtsbereich – von Kanzleien bis hin zu juristischen Abteilungen von Unternehmen sowie der öffentlichen Hand- aufgeholt werden. Und zwar mit einer speziellen KI-Map.

Kleine Schritte für große Anwendung

Die seit 2018 jährlich präsentierte Legal Tech Map Austria wird von der Innovations- und Digitalisierungsplattform für den Rechtsbereich „Future-Law“ erstellt. Wie brutkasten berichtete, veröffentlichte das Legal Tech Future-Law auch in diesem Jahr die Legal Tech Map – eine Listung an Unternehmen, die die wachsende Relevanz des Sektors unterstreichen. Heuer war sie mit insgesamt 142 Einträgen so groß wie nie zuvor. Erstmals erschien nun auch eine KI-Map, die einen handlichen Überblick zu Legal Tech-Unternehmen mit KI-Funktionen und ihren Einsatzbereichen bietet.

Für Rechtsabteilungen, Kanzleien und Bereichen der öffentlichen Hand sei es nun wichtig, sich mit „kleinen Schritten die konkreten Anwendungsbereiche und konkreten Möglichkeiten des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz zu nähern“, betont Martinez.

How to: Anlaufstelle und Kategorien der neuen KI- Map

Und der genaue Anwendungsbereich? Für die Nutzung von KI im Rechtsbereich sei ein Erfolgskriterium, heißt es in der Presseaussendung. Ob beim Einsatz in der Automatisierung von Arbeitsabläufen- etwa hinsichtlich Verträge, Analysen- bis hin zum Wissensmanagement könne KI überall vermehrt eingesetzt werden. Die Frage ist nun nicht mehr ob, sondern wie der Einsatz stattfindet. Provider und Anbieter müssen näher angeschaut werden, hierfür soll die KI-Map eine erste Anlaufstelle bieten.

In den einzelnen Kategorien aus der Legal Tech Map für KI können Fortschritte in den Bereichen Rechtsautomatisierung, Vertragsmanagement, Rechtsforschung, Compliance und vielem mehr erkundet werden. Die aktuellen Kategorien findet man hier:

  • Contracting (Contract Management)
  • Document Drafting
  • Contract Review & Analysis
  • Legal Research
  • E-Billing
  • Consumer Rights
  • eDiscovery
  • Litigation
  • Intellectual Property
  • Transcription
  • CLM (Contract Lifecycle Management)
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kalkül
© kalkül - Michael Leister (links) und Lukas Weilguny (rechts) von kalkül.

Entstanden ist kalkül aus einem eigenen Problem. Lukas Weilguny und Michael Leister entwickeln als Selbstständige seit 2017 Software für Unternehmen. Als ihr damals genutztes Rechnungsprogramm nach einer Übernahme spürbar schlechter wurde, sahen sie sich nach Alternativen um und testeten mehr als zehn Buchhaltungsprogramme.

„Wir haben kein einziges gefunden, das wirklich einfach und gleichzeitig auf Österreich zugeschnitten war. Buchhaltung ist der langweiligste Teil im Alltag von Selbstständigen. Niemand will stundenlang eine Software lernen, nur um die erste Rechnung zu schreiben. Genau das ändern wir“, erinnert sich Leister.

kalkül: von 1.000 auf 10.000 Nutzer:innen

Also schufen sie 2023 eine eigene Lösung: Ihre Software, die von der we-dev e.U. betrieben wird, dient der Erstellung von Angeboten und Rechnungen, führt die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung mit und deckt Mahnwesen und Zahlungsabgleich ab. Laut Unternehmen ist sie auf die österreichischen Steuervorgaben abgestimmt.

Im November 2024 zählte kalkül 1.000 Nutzer:innen, im Februar 2026 waren es 5.000. Seither hat sich die Zahl innerhalb von sieben Monaten noch einmal verdoppelt. Treibende Kraft hinter dem organischen Wachstum waren den Gründern zufolge persönliche Empfehlungen und die Sichtbarkeit in Suchmaschinen. Bezahlte Werbeanzeigen testen die Gründer erst seit Kurzem. Das Unternehmen ist eigenfinanziert und hat bis heute keine externe Finanzierung aufgenommen.

Allgemein wird der Markt für Rechnungssoftware im deutschsprachigen Raum von deutschen Anbietern dominiert. Österreich werde dort meist nur als kleines Nischenland mitgedacht. Besonderheiten wie Kleinunternehmerregelung, Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, BAO-Aufbewahrungspflichten oder Verzugszinsen nach österreichischem Recht werden oft nur oberflächlich abgedeckt, sagen die Founder. Kalkül sei hingegen exakt für diesen Markt gebaut, inklusive Rechnern für Einkommensteuer, SVS-Beiträge, Gewinnfreibetrag und Abschreibungen.

Freemium-Modell

Um Selbstständige gerade zu Beginn zu entlasten, setzt kalkül auf ein Freemium-Modell: Kernfunktionen wie Angebote, Rechnungen, Mahnwesen und die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung sind ohne Limits dauerhaft kostenlos. Ein Abo indes schaltet Zusatzfunktionen wie den automatischen Bankabgleich mit über 2.600 Banken frei. Der überwiegende Teil der 10.000 Nutzer:innen verwendet die Gratisversion, wie man mitteilt.

„Als wir das Abo eingeführt haben, gab es dafür wochenlang praktisch keine exklusiven Funktionen. Trotzdem haben Leute bezahlt, einfach um die Entwicklung zu unterstützen. Das war für uns das ehrlichste Feedback, das wir bekommen konnten“, sagt Weilguny.

Integrierte Registrierkassenlösung als nächster Schritt

Als nächsten großen Schritt kündigen die Gründer eine integrierte Registrierkassenlösung an. Parallel baut kalkül die Zusammenarbeit mit Steuerberatern aus: Enger Partner ist die Linzer Kanzlei Raml & Partner, die zwölffach als „Steuerberater des Jahres“ (in der Kategorie „Allrounder Oberösterreich“) ausgezeichnet wurde. Weitere Kooperationen sind geplant. Mittelfristig soll außerdem eine KI-gestützte Belegerkennung Ausgaben automatisch auslesen und kategorisieren.

Welche Funktionen zuerst kommen, entscheidet – laut Foundern – weitgehend die Community: Je häufiger ein Feature angefragt wird, desto weiter rückt es nach vorn. „Wir wollen das einfachste Rechnungsprogramm für Selbstständige in Österreich sein“, sagt Leister. „Mit 10.000 Nutzern sind wir ein gutes Stück weiter, aber bei 376.112 Ein-Personen-Unternehmen im Land haben wir noch viel vor uns.“

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