09.09.2021

Erste Bank baut Remote-„Filiale“ mit Startup-Technologie aus

Ein Linzer Startup, das mittlerweile einen Exit geschafft hat, steckt hinter der Technologie, mit der die Erste Bank Kund:innen auf Smartphone oder Computer berät.
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Moderne Bankberater bei der © Erste Bank
Moderne Bankberater bei der © Erste Bank

Obwohl Online- und Mobile-Banking bereits seit Jahren rasant wächst, sind Filialen für viele Bankkunden nach wie vor wichtig. In der Pandemie mit ihren Lockdowns ist die Fangemeinde allerdings ein wenig geschrumpft. 31 Prozent der von IMAS befragten Bankkund:innen hat laut der Erste Bank angegeben, dass sie seit Beginn der Corona-Pandemie seltener in Filialen gehen. Also verstärkt die Ban die Remote-Beratung und hat dafür ein Beratungszentrum mit 50 Mitarbeiter:innen aufgebaut. Damit gewinnt eine Technologie an Bedeutung, die das Linzer Startup Xaleon für genau diesen Einsatzzweck gemeinsam mit Banken entwickelt hat. Xaleon wurde im Jänner von TeamViewer übernommen.

Konkret handelt es sich dabei um eine spezielle Videosoftware. Den Unterschied zu gängigen Lösungen wie Zoom, Teams oder Skype mache laut Privatkundenvorstand Thomas Schaufler das Zusammenspiel aus Licht, Ton, Kamera und Aufnahmequalität in 4K aus. Eine zusätzliche App oder Software am Smartphone, Tablet oder Computer ist dafür nicht erforderlich. Geboten werden in der „Remote-Filiale“ alle Beratungs-Leistungen herkömmlicher Filialen und auch Vertragsabschlüsse sind möglich.

Co-Browsing: Bildschirm teilen ohne Download

Zum Einsatz kommt dabei auch Co-Browsing, das ebenfalls gemeinsam mit Xaleon entwickelt wurde. Diese Lösungen ist geräteunabhängig, ohne Download und auch auf mobilen Apps nutzbar. Egal, ob Kunden mit Fragen zum Internetbanking Kundenportal oder zur mobilen Banking App anrufen, mit einem Button-Klick lässt sich der Bildschirm teilen, ohne sich eine zusätzliche Software installieren zu müssen. Die Kundenservice-Mitarbeiter erhalten so schnell einen bildlichen Kontext.

Durch Co-Browsing erhalten Support-Mitarbeiter laut Xaleon lediglich Zugriff darauf, was für deren Aufgabe wirklich notwendig ist – nämlich die Website-Sitzung. Das bedeutet, dass andere im Hintergrund geöffnete Programme oder parallel geöffnete Webseiten, vom Zugriff vollständig ausgeschlossen sind.

Eines bleibt natürlich wie gewohnt und das sind die Öffnungszeiten, an die sich auch die Remote-Filiale hält.

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(v.l.) Das Führungsteam von reebuild: Nicolaus Lederer, Alexander Kornell, Matteo Cimadom, Luca Papay © Oskar Fleischanderl

Papierordner und manuell geführte Excel-Tabellen sollen der Vergangenheit angehören, zumindest wenn es nach reebuild geht. Das Tech-Startup automatisiert mit seiner KI administrative Tätigkeiten von Bauleitern. Es wandelt also Dokumente, PDFs, Fotos etc. in strukturierte Daten um oder automatisiert Aufgaben wie die Rechnungsprüfung. In der vergangenen Pre-Seed-Runde sind bereits bekannte Investoren wie Hansi Hansmann eingestiegen (brutkasten berichtete). Nun schloss reebuild eine Seed-Runde von über drei Millionen Euro ab, angeführt vom europäischen Investor Fortino Ventures, mit Beteiligung von Rise PropTech und CuriosityVC.

Weitere Automatisierung des kaufmännischen Ablaufs

Mit dem frischen Kapital sollen KI-gestützte Module weiterentwickelt werden, durch die der kaufmännische Ablauf von der Kalkulation bis zur Buchhaltung weitgehend automatisiert werde. „Wir wollen den Kosmos auf unserer Plattform mit immer neuen Workflows erweitern. Darunter verstehen wir z.B. den Erstellungsprozess von Ausgangsrechnungen“, sagt CEO und Gründer von reebuild Alexander Kornell im brutkasten-Gespräch. Zudem soll das Büro in Wien personell aufgestockt werden. Aktuell ist reebuild in Deutschland und in Österreich etabliert. Durch die Investitionen soll nun in weitere europäische Länder wie Italien oder Polen expandiert werden. Es gebe bereits Entwicklungspartnerschaften mit ersten Proof Points.

Zu den Kund:innen zählen Unternehmen wie Pittel+Brausewetter oder 3SI Immogroup. Die Software wird, laut dem Startup, in Wien entwickelt, in Deutschland gehostet und ist DSGVO-konform.

„Jetzt ist der richtige Zeitpunkt“

„Wir sind überzeugt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für Bauunternehmen und Projektentwickler ist, ihre Backoffice-Prozesse mit Software und KI zu digitalisieren und zu automatisieren“, sagt Wouter Goossens, Partner bei Fortino Ventures. Reebuild erklärt, dass die Verwaltung und Steuerung von Kosten zwischen den Abteilungen im operativen Geschäft der Baubranche veraltet sei. Rechnungen würden händisch mit Vertragsbedingungen oder Lieferscheinen abgeglichen und Führungskräfte würden Entscheidungen auf Basis überholter Informationen treffen müssen.

„Wir kennen die Probleme der Branche aus erster Hand und entwickeln reebuild gemeinsam mit unseren Kundinnen und Kunden extrem nah an der Praxis“, sagt Kornell über die Baubranche und ergänzt: „Wir sind überzeugt, dass wir diesen Markt mit einem Team aus Bau- und Technologie-Know-how aufmischen können. Nicht mit einem weiteren Tool, sondern mit einer Lösung, die wirklich versteht, wie Baustellen und Projekte kaufmännisch abgewickelt werden.“

Reebuild sorge für beschleunigte Prozesse und aktuellere Entscheidungsgrundlagen, was wiederum zu messbaren Einsparungen im gesamten Unternehmen führe. Beschaffungskosten könnten dadurch um bis zu 20 Prozent sinken.

Vision: Administrativer Aufwand auf null senken

Der bürokratische Aufwand soll laut reebuild in Zukunft gänzlich verschwinden. Auf Basis der strukturierten Daten hinter jedem Dokument entwickele reebuild das Agentic Backoffice für Bauunternehmen. KI-Agenten übernehmen eigenständig Routineaufgaben wie Prüfung, Abgleich und Vorkontierung. Dadurch sollen Teams ihre Zeit eher für das operative Geschäft anstatt für das manuelle Kostencontrolling nutzen.

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