05.06.2023

Entrepreneurship ruft: Andreas Bierwirth verlässt Erste Bank nach knapp acht Monaten

Andreas Bierwirth beendet nach nicht mal einem Jahr seinen Abstecher zur Erste Bank. Und folgt nun seinem innigen Wunsch, ins Unternehmertum einzusteigen.
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Bierwirth, Erste Bank, Magenta, Fliegen, Pilot
Andreas Bierwirth | Foto: Magenta

Der ehemalige Magenta-Chef Andreas Bierwirth, der im August des Vorjahres zur Erste Group wechselte, verlässt die Bankengruppe bereits wieder. Und möchte sich künftig unternehmerischen Tätigkeiten widmen.

Bierwirth springt ins Unternehmertum

„Es ist noch kein Jahr vergangen, seitdem ich mit viel Begeisterung meinen Wechsel von Magenta Telekom zur Erste Group Bank AG kommunizieren durfte. Umso überraschender wird es für viele nun sein, dass ich heute erneut einen Wechsel bekannt geben möchte. Ich werde die Bank mit Beginn des Sommers verlassen. Mir wurde angeboten, Mitgesellschafter und CEO eines Unternehmens zu werden. Der Sprung ins Unternehmertum war immer einer, den ich in meinem Berufsleben gewagt haben wollte und ein großer Wunsch meinerseits“, beschreibt der ehemalige Magenta-Manager seine Gedankenwelt auf LinkedIn, die zu diesem Entschluss geführt hat.

Eigentlich sollte Bierwirth den für die Vorstandsfunktion der Erste Bank notwendigen „Fit & Proper“ Test absolvieren, der für den September angedacht war. Die Aufnahme in den Vorstand bei positivem Bestehen sollte dann am 1. Oktober folgen.

Die mühsame Zeitkomponente

Bierwirth dazu: „Etwas länger als anfangs von allen geplant, aber die aktuellen Bankenpleiten haben großes Verständnis in mir geschaffen, dass ein ganzes Bilanzjahr als Mindesterfahrung zur Berufung in den Vorstand notwendig geworden ist. Allerdings ist mir in diesem Kontext auch klar geworden, dass allfällige künftige Erweiterungen meiner Verantwortungsbereiche auch nur in einem weitaus behutsameren Tempo vorgenommen werden könnten, als ursprünglich von einigen Seiten und auch von mir erhofft.“

Bierwirth und das Fliegen

Um welches Unternehmen es sich handelt, das Bierwirth ein Angebot gemacht hat, das er nicht ablehnen konnte, wird offiziell noch verschwiegen. Allerdings häufen sich zu seiner Zukunft unter seinem LinkedIn-Post Kommentare seiner Gratulanten und Gratulantinnen, die Referenzen zum Fliegen einstreuen.

Man muss wissen: Bierwirth ist ausgebildeter Berufspilot und Non-Executive Board Member von EasyJet sowie Aufsichtsratsvorsitzender des FK Austria Wien und des börsennotierten Restaurant- und Catering-Konzerns DO & CO AG. Er war zwei Jahre Vice President Marketing bei der Lufthansa, danach und von 2008 bis 2012 Vorstandsmitglied von Austrian Airlines.

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Impeto Impact Gründer Jim Lefébre © Jim Lefébre

Ein Fully-Merchant-BESS (Battery Energy Storage System) ist ein Batteriespeicher, der seine Erlöse vollständig am freien Strommarkt erwirtschaftet, ohne langfristige Verträge, feste Einspeisevergütungen oder staatliche Garantien. Durch den steigenden Anteil an z.B. Photovoltaik und Windkraft kommt es im Netz häufig zu Überschussenergie und starken Preisschwankungen – etwa Negativpreisen zur Mittagszeit im Sommer. Speicherbetreiber:innen nutzen das für Arbitrage: Sie kaufen Strom, wenn er günstig ist, und verkaufen ihn, sobald die Preise wieder steigen. Zusätzlich lässt sich mit einer Batterie auch Regelenergie zur Netzstabilisierung anbieten.

Dieses Geschäftsfeld zeichnet sich zum einen durch hohe Gewinnchancen bei stark schwankenden Strompreisen, aber auch volles Risiko bei fallenden Marktpreisen oder geringer Volatilität aus. Hinzu kommt, dass ein Speicher gleichzeitig auf fünf Erlösmärkten agiert – darunter Day-Ahead und Regelenergie –, die permanent miteinander konkurrieren und sich gegenseitig Kapazitäten streitig machen. Diese unsichere Dynamik führt für Betreiber:innen wiederum zu erschwerten Finanzierungsmöglichkeiten bei Banken. Hier setzt Impeto Impact mit seinem Tool BESS-Invest an.

Modellrechnungen statt Live-Einsatz

„Man kann eigentlich immer nur in einem Markt handeln. Also muss man in der Modellierung entscheiden, in welchem Markt der Strom gekauft und verkauft wird, um letztlich einen plausiblen Business Case zu erteilen“, erklärt Jim Lefébre, Gründer von Impeto Impact. Sein laut eigenen Angben komplett eigenfinanzierte Produkt soll jetzt mehr Transparenz für Investor:innen bringen und setzt bei der Modellierung auf sogenanntes Forwardtesting. „Backtesting beantwortet, was gewesen wäre“, erklärt der Gründer. „Für eine Investitionsentscheidung mit 15 Jahren Laufzeit braucht der Markt eine Antwort auf das, was kommt.“

BESS Invest soll eine fünfjährige Markthistorie mit eigenen Projektionsannahmen zu Preistrends, Reserve-Erlösen und Volatilität verknüpfen. Laut Unternehmensangaben entstünden aus diesem Zusammenspiel simulierte Marktpfade in 15-Minuten-Auflösung – bis hinunter zum eigentlichen Lastprofil der Batterie. Das Modell würde dabei eine Ergebnisbandbreite vom konservativen bis zum optimistischen Szenario abbilden. Verändere sich die Marktlage, ließe sich dies über erneute Simulationen jederzeit anpassen. Dabei handelt es sich laut Lefèbre ausdrücklich um Modellrechnungen und Schätzungen zur Plausibilisierung, nicht um eine Live-Optimierung.

BESS Invest Dashboard © Impeto Impact

Verzicht auf KI

Ursprünglich entstand die Idee aus Lefèbres eigenem Beratungsgeschäft: Der Markt für Großspeicher sei dynamisch, die Kapitalmobilisierung stocke jedoch mangels Transparenz, so Lefèbres Erkenntnis. Gemeinsam mit Jonas Puck von der WU Wien wurde daraus zunächst das Whitepaper „Charging Ahead“ aus dem schlussendlich das Tool mithilfe von Pilotkund:innen aus dem Kreis großer Energieversorger hervorging.

Auf Künstliche Intelligenz wird verzichtet: „Wir arbeiten bei unseren Simulationen strikt ohne KI, weil eine KI auch halluzinieren kann“, so Lefèbre. Ein geschlossener Algorithmus soll stattdessen nachvollziehbare Ergebnisse hervorbringen.

Vor der Gründung war Lefèbre unter anderem ÖVP-Pressesprecher ehe er 2017 bis 2019 die Position des Pressesprechers im Justiz- und später im Finanzministerium übernahm. Anschließend war er in diversen Positionen für Montana Tech Components des Investors Michael Tojner, sowie den Batteriehersteller Varta tätig. Bis heute vertritt er zudem die von Tojner mitgegründete eXplore!-Initiative. Außerdem fiel Lefébre in der Vergangenheit beim brutkasten mit seinem Corona-Test-Startup auf.

Co-Location und Expansionspläne

Vertrieben wird BESS Invest im Lizenzmodell mit drei Paketstufen, wahlweise als Monatslizenz oder als Berechnungskontingent im 50er-Block. Bislang modelliert die Software den reinen Speicherbetrieb. Als nächsten Schritt will das Team die Integration von Co-Location-Projekten und Industrieanwendungen angehen. Außerdem plant Lefèbre die Expansion nach Deutschland und perspektivisch in Richtung Südosteuropa.

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