21.05.2019

Was Entrepreneure von Niki Lauda lernen können – in 9 Zitaten

In der Nacht auf Heute verstarb Formel 1- und Unternehmer-Legende Niki Lauda 70-jährig. Es war sein Mindset, das ihn als Rennfahrer und als Entrepreneur zum Erfolg führte. Wir haben dazu neun Lauda-Zitate ausgewählt.
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Niki Lauda
(c) MacKrys / Wikimedia Commons: Niki Lauda bei einer Veranstaltung 2016

Drei Formel 1-Weltmeistertitel, drei Airlines. Die in der Nacht auf Heute verstorbene Rennfahrer- und Unternehmer-Legende Niki Lauda stand wie kaum ein anderer dafür, Rückschläge wegzustecken und noch stärker daraus hervorzugehen. Und von diesen Rückschläge gab es in Laudas Leben einige. Der wohl bekannteste war sein folgenschwerer Formel 1-Unfall 1976. Der wahrscheinlich heftigste Rückschlag war der Absturz eines von damals nur zwei Lauda Air-Flugzeugen in Thailand 1991, bei dem 223 Menschen ums Leben kamen.

Niki Lauda: Meister des Comebacks

Doch 1977, ein Jahr nach dem Unfall, holte Lauda seinen zweiten Weltmeistertitel. Und 1992, ein Jahr nach dem Absturz, setzte er mit einer Kooperation mit der deutschen Lufthansa entscheidende Wachstumsschritte für seine Fluglinie. Es sollten noch weitere Rückschläge folgen, doch der Unternehmer Lauda stand, wie der Rennfahrer Lauda, immer wieder auf. Dass seine Learnings und sein Mindset auch für andere Entrepreneure nützlich sein können, zeigte er in zahlreichen Interviews. Wir haben neun Passagen aus einigen dieser Gespräche zusammengetragen.

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Ein Teil des brutkasten-Teams traf Niki Lauda beim 4gamechangers 2018
(c) der brutkasten: Ein Teil des brutkasten-Teams traf Niki Lauda beim 4gamechangers 2018

1. Nicht „herumeiern“ und schnell einen neuen Weg finden

Das Niki Lauda ein Meister im wieder Aufstehen war, wurde hier bereits besprochen. Er setzte dieses Prinzip aber nicht nur bei seinen großen Schicksalsschlägen um. „Das Wichtige ist, dass man Rückschläge sofort erkennt, bevor man lange herumeiert und sich darüber ärgert. Man muss sie akzeptieren und dann schell einen neuen Weg suchen – die Zeit ist dabei immer wichtig. Dabei darf man nie das Ziel aus den Augen verlieren“, sagte der Unternehmer 2018.

2. Zu den eigenen Fehlern stehen

Immer am Ziel festzuhalten, bedeutete für Lauda nicht, aus Fehlern keine Konsequenzen zu ziehen. Über den Flugzeugabsturz 1991 sagte er: „Ich hätte mit der Airline sofort aufgehört, wenn wir nur die geringste Schuld für die Ursache des Absturzes getragen hätten“. Aus der Verantwortung ziehen wollte er sich auch sonst nicht: „Nicht das Auto fährt mich, sondern ich fahre das Auto“.

3. Es einfach versuchen – aber mit Hirn

Wer es nicht versucht, kann es auch nicht schaffen. Das bedeutet aber nicht, Schnellschüsse zu riskieren. Lauda brachte es auf den Punkt: „Ich versuche immer die Dinge, die mir in den Kopf kommen – wohlüberlegt – umzusetzen“.

4. Gegen den Strom schwimmen

Bei all dem Maker-Mindset legte Niki Lauda darauf Wert, sich von der Masse abzuheben. Nach dem Geheimnis seines Erfolgs gefragt, sagte er einmal: „Dass ich mich intuitiv nahezu immer gegen den Mainstream entscheide. Wenn 99 Prozent der Leute sagen ‚Es geht in diese Richtung‘, höre ich auf meine Intuition und mache das Gegenteil. Und liege damit in 99 Prozent der Fälle richtig“.

5. Den schnellsten Weg finden

Startup-Gründern gab Lauda in einem Interview explizit auf den Weg: „Eine gute Idee zu haben ist die eine Sache – dazu muss man sich auch bilden. Dann hängt es davon ab, wie weit man sich selber emotional zurücknimmt, um dann pragmatisch den schnellsten Weg zu finden. Manche machen es kompliziert, manche machen es einfach. Aber der, der früher am Ziel ist, gewinnt“.

6. Dabei nicht immer Vollgas geben

Dass dieser schnellste Weg nicht mit dem Kopf durch die Wand führt, zeigte Lauda an anderer Stelle: „Was ich gelernt habe, ist: auf dem schnellsten Weg zum Ziel, keine Schlangenlinien. Aber man kann natürlich nicht nur Gas geben, sondern muss ökonomisch fahren. Und ich glaube, dass ich gut delegieren kann. Ich habe sehr gute Leute, die mir den Laden führen. Ich fang nicht an, da reinzupfuschen“.

7. Sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen

Und die Rennfahrer-Legende hatte einen weiteren Tipp parat, den sich wohl einige Startup-Gründer zu Herzen nehmen könnten: „Wenn man sich mit Dingen wie Stolz aufhält, hat man schon verloren. Denn in der Zeit, in der man sich auf die Schulter klopft, wird man schon von fünf anderen überholt. Selbst wenn ich mit Kopfweh in der Früh nach einem Sieg aufgewacht bin, habe ich mir sofort gesagt: ‚Wie kann ich beim nächsten Mal noch mehr herausholen?'“

8. Sich an den besten orientieren

Zum Thema Konkurrenz vertrat Niki Lauda eine Meinung, die wohl die meisten Startup-Gründer ohnehin verinnerlicht haben: „Während in Österreich jeder zufrieden ist, wenn man sich im EU-Vergleich im Mittelfeld befindet, ist es mir völlig wurscht, wer hinter mir liegt. Ich will nur wissen, wer vor mir ist und wie ich den dann überhole“.

9. Niemals den Humor verlieren

Und zuguterletzt darf diese Anekdote wohl nicht fehlen. „Na ja, das war eine von diesen amerikanischen Morningshows, die kamen zum Nürburgring, und so eine Frau, groß, blond, alles dran, wollte mich an der Unfallstelle interviewen. Die hatten sich alle gesagt: Ui, der wird sicher weinen, das wird ein ganz großer emotionaler Moment! Ich hab mir aber vom Hotelbuffet ein Kipferl mitgenommen und das vorher ins Gras gelegt. Die fängt an: ‚Mister Lauda, how is it to be here …‘ Sag ich: ‚Just a moment!‘ und geh ein paar Schritte ins Gras. Fragt sie: ‚What are you doing?‘ Sag ich: ‚Oh look, here’s my ear!‘ Die war fertig. Die hat die Fassung verloren. Die mussten alles noch mal drehen.“


Anmerkung der Redaktion: Die Zitate in diesem Beitrag sind Interviews bei Puls 4, profil, Stern und Süddeutsche Zeitung Magazin entnommen.

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V.l.n.r.: Peter Llewellyn-Davies (Präsident BIOTECH AUSTRIA), Lejla Pock (CEO Human.technology Styria), Marcus Hofer (CEO Standortagentur Tirol) © BIOTECH AUSTRIA

Rund 250 Teilnehmer:innen aus zwölf Ländern, zwei Tage in Innsbruck, ein Motto: „Start up, Scale up, Step up!“ Mit vielen neuen Kontakten und einem guten Gefühl bin ich nach Hause gefahren und mit einer offenen Frage: Die österreichische Biotech-Branche ist so gut vernetzt wie nie, aber woher kommt  künftig das Geld, damit aus exzellenter Forschung Unternehmen werden, die in Europa groß werden?

Am Wissen fehlt es nicht. Ob Europa in der Biotechnologie mitspielt, entscheidet sich an der Finanzierung der Wachstumsphase.

Europa zwischen den USA, Golfstaaten und China

Der Schwerpunkt des Summits lag auf dem Scaleup, also auf dem Schritt vom Startup zum international wachsenden Unternehmen.

Ein Bild für die Zukunft der Pharmatrends zeichnete Claudio Albrecht, ehemaliger CEO der Stada AG. Er sprach darüber, wie Geopolitik, neue Technologien und sich wandelnde Gesundheitssysteme die Pharmaindustrie bis 2035 prägen könnten. Besonders hervorgehoben hat er dabei die Transformation Chinas von einer Service-Industrie zu einem Innovationsmotor sowie die Dynamik in den Golfstaaten. Europa widmete er keine eigene Folie in seiner Präsentation, was vom Publikum hinterfragt wurde. Es wirft die Frage auf, welchen Stellenwert Europa künftig im globalen Wettbewerb überhaupt noch spielen wird.

(c) Hofelich – Claudio Albrecht gab einen Ausblick in die Zukunft.

 Ein Champion, der nicht auswandern muss

Den Gegenentwurf lieferte Karl Nehammer, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB) und ehemaliger Bundeskanzler. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir vor allem ein Satz: „The next champion should not need to leave Europe in order to become a global champion.“ 

(c) Hofelich – Karl Nehammer, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB).

Das Ziel ist ambitioniert und gerade in der Biotechnologie bislang schwer erreichbar. Entwicklungszyklen dauern hier i. d. R. mehr als ein Jahrzehnt. 

Der Startup- & Scaleup-Dachfonds: eine gute Nachricht mit Fragezeichen

Für die Branche besonders interessant war die Diskussion über den geplanten österreichischen Dachfonds. Stefan Haubner, Founding Partner bei APEX Ventures, widmete sich der Frage, ob Europa ein eigenes Modell für Venture Capital braucht. Dabei ging es auch um den österreichischen Fund-of-Funds. 

Der Dachfonds soll Anfang 2027 starten. Der Staat steuert 100 Mio. Euro bei, institutionelle Investoren sollen weitere 400 Mio. Euro bringen. Das ist ein wichtiges Signal. Weil es ein Dachfonds ist, investiert er aber nicht direkt in Unternehmen, sondern in andere Fonds.

Wie viel von diesem Geld tatsächlich bei Biotech-Unternehmen ankommt, ist derzeit offen.

Life Sciences brauchen Investoren mit Fachwissen und langem Atem. Davon gibt es in Österreich nur wenige. Wenn der Dachfonds vor allem in Generalisten-Fonds fließt, könnte die Biotechnologie leer ausgehen.

Tirol zeigt, wie Standortarbeit aussieht

Auch organisatorisch war der Summit ein Vorzeigeprojekt. Veranstaltet wurde der Summit von BIOTECH AUSTRIA, Human.technology Styria und der Standortagentur Tirol. Vor Ort vertreten waren Peter Llewellyn-Davies, Präsident von BIOTECH AUSTRIA, Marcus Hofer, CEO der Standortagentur Tirol, und Lejla Pock, CEO von Human.technology Styria. Äußerst charmant moderiert hat Damita Pressl.

Die Villa Blanka hoch über Innsbruck bot eine außergewöhnliche Kulisse; ebenso das Gala-Dinner am Abend in der Rooftop-Bar des Hotels aDLERs. Begeistert zeigten sich auch die Teilnehmer:innen, die am Vortag im Rahmenprogramm die Skisprungschanze Bergisel besichtigt hatten. Ich selbst habe mir am Dienstagmorgen den Health Hub Tirol angesehen. Das Technologiezentrum ist seit knapp einem Jahr in Betrieb und bietet noch freie Flächen. Das ist die Art Standortpolitik, die wirkt: Infrastruktur, Netzwerk und ein Treffpunkt, an dem Forschung, Investor:innen und Politik tatsächlich ins Gespräch kommen.

Was es jetzt braucht

Der Summit hat gezeigt, dass die Branche sich der Herausforderungen bewusst ist und weiß, was zu tun ist.

Der nächste Champion muss nicht auswandern. Aber dafür muss das Kapital vor Ort stärker mobilisiert werden. 

Der fünfte Biotech Summit Austria findet am 21. und 22. Oktober 2027 in Graz statt. Bis dahin wissen wir mehr darüber, ob der Dachfonds auch der Biotechnologie hilft.


Disclaimer: Karin Hofelich ist Life Science Lead beim brutkasten-Schwestermagazin VentureCapital. Das VC Magazin war Medienpartner des Summits.

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