02.03.2026
FINANZIERUNG

Ensemo: Tullner Agrar-Startup erhält EU-Millionen-Förderung

Das niederösterreichische AgriTech-Startup Ensemo GmbH sichert sich eine Förderung aus dem EIC-Accelerator-Programm der Europäischen Kommission.
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Ensemo
© AIT/Ensemo

Die Ensemo GmbH konnte erfolgreich eine Förderung im Rahmen des EIC-Accelerator-Programms der Europäischen Kommission einwerben. Das Förderinstrument gilt als eines der „anspruchsvollsten Innovationsprogramme, bei dem europäische Deep-Tech-Unternehmen mit disruptivem Innovationspotential“ gefördert werden, um diese bei der Überführung wissenschaftlicher Durchbrüche in marktfähige Produkte zu unterstützen.

Ensemo impft Saatgut

Das niederösterreichische AgriTech-Startup hat eine Technologie entwickelt, mit der es für die konventionelle Landwirtschaft Alternativen für chemische Düngemittel und Wachstumsförderer anbieten will. In seiner Arbeit kombiniert Ensemo die Biologie mit der modernen Mechatronik.

“Wir impfen Saatgut”, fasste Co-Founderin und Mikrobiologin Birgit Mitter das Unternehmenskonzept 2023 im brutkasten zusammen. „Ebenso wie wir Menschen, sind nämlich auch Pflanzen von Bakterien besiedelt. Für eine gesunde Entwicklung sei das notwendig.“

Die wissenschaftliche Grundlage für diese Technologie wurde im Bioresources-Team des AIT in Tulln gelegt. Der Forschungsschwerpunkt liegt auf Mikrobiomen und pflanzenassoziierten Mikroorganismen, insbesondere Endosymbionten. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse bildeten die Basis für die erfolgreiche Ausgründung von Ensemo.

Schritt zur industriellen Skalierung

„Ensemo zeigt eindrucksvoll, wie exzellente Mikrobiom-Forschung in konkrete Anwendungen für eine nachhaltigere Landwirtschaft überführt werden kann. Die EIC-Förderung ist eine starke Bestätigung für die wissenschaftliche Qualität und das Innovationspotenzial des Teams“, sagt Angela Sessitsch, Head of Center for Health & Bioresources am AIT.

Für Ensemo stellt die Förderung einen zentralen Entwicklungsschritt auf dem Weg zur industriellen Skalierung und internationalen Expansion der über Jahre entwickelten SeedJection-Technologie dar, wie es per Aussendung heißt. Dabei handelt es sich um eine patentierte Plattformlösung, die es ermöglichen soll, nützliche Mikroorganismen bei einem Durchsatz von 3.000 Samen pro Sekunde direkt ins Saatgut einzubringen. Die lebenden Mikroorganismen bleiben dabei unbeschädigt und weisen noch ein halbes Jahr nach ihrer Applikation in die einzelnen Samenkörner dieselbe Aktivität auf wie am ersten Tag.

Der Nutzen der Technologie soll vor allem im agrarökologischen und ökonomischen Bereich liegen. Durch das gezielte Einsetzen biologischer Wirkstoffe in das Saatkorn sollen Pflanzen von Beginn an unterstützt werden können. Dies reduziere den Bedarf an synthetischen Düngern und Pestiziden. Indem sich auf diese Weise die Nährstoffeffizienz der Pflanzen verbessert, steige auch ihre Widerstandsfähigkeit. Das Resultat: gesündere Pflanzen und höhere Erträge, so der Claim.

61 Startups aus 17 Ländern teilen sich 467 Millionen

Insgesamt erhielten 61 Startups und KMUs aus 17 Ländern eine Förderung des EIC im Gesamtvolumen von 467 Millionen Euro zur Weiterentwicklung innovativer Technologien. Begleitet wurde Ensemo während des mehrstufigen Einreichungs- und Evaluierungsprozesses von EUTEMA Research Services, einem Beratungsunternehmen für europäische Forschungs- und Innovationsförderung.

„Diese Förderung bestätigt das wirtschaftliche Potenzial und die ökologische Relevanz unserer Technologie“, sagt Mitter. „Mit der Unterstützung des EIC können wir nun die Industrialisierung gezielt vorantreiben. Die Zusammenarbeit mit EUTEMA Research Services war dabei ein entscheidender Erfolgsfaktor.“

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Das Tumbleweed-Team © Tumbleweed

Vier Monate nachdem Tumbleweed mit „Oasis Alpha“ Österreichs ersten kommerziellen Satelliten an Bord einer SpaceX-Rakete ins All geschickt hat, vermeldet das Wiener Jungunternehmen frisches Kapital. In einer 6,9 Millionen Euro schweren Seed-Runde investieren Lead-Investor PactVC, Vanagon Ventures, Prototype Capital, EWOR sowie internationale Business Angels.

Rund 300.000 Euro aus eigenen Reihen

Auffällig ist das finanzielle Engagement der eigenen Belegschaft: Mehr als ein Drittel der 25 Mitarbeitenden steuerte insgesamt rund 300.000 Euro aus eigener Tasche bei. Der Impuls dazu kam aus dem Team selbst. „Als Founder ist das natürlich mehr, als ich mir je erträumt hätte“, sagt Co-Gründer und CEO Julian Rothenbuchner gegenüber brutkasten.

Auf Investorenseite ging die Beteiligung von EWOR auf eine persönliche Empfehlung zurück, wie Rothenbuchner erzählt: Ein befreundeter Investor war unmittelbar eingestiegen und vermittelte den Kontakt zu EWOR-CEO Daniel Dippold. „Tumbleweed hat Österreichs ersten kommerziellen Satelliten schneller in den Orbit gebracht, als die Zertifizierung eines einzigen Experiments normalerweise dauert. Julian hat genau das geliefert, was er uns beim ersten Treffen angekündigt hat — nur schneller“, so Dippold. „Jetzt kann jedes Labor und jeder Hersteller den Weltraum nutzen, ohne selbst zu einem Raumfahrtunternehmen zu werden.“

Von Mars-Plänen zur orbitalen Forschungsplattform

Einer der Tumbleweed-„Pods“ © Tumbleweed

Das ursprünglich mit dem Konzept eines windgetriebenen Marsrovers gestartete Unternehmen konzentriert sich heute auf standardisierte Experimente in der Mikrogravitation. Weil Zertifizierungen für die Internationale Raumstation ISS laut Tumbleweed oft Jahre beanspruchen, entwickelte das Startup vorzertifizierte Nutzlastbehälter („Pods“), die ab 15.000 Euro buchbar sind.

F&E-Teams aus Pharma, Biotech und Materialwissenschaften sollen so Strom- und Datenanbindung im Orbit, ohne eine eigene Satelliteninfrastruktur aufbauen zu müssen, erhalten. Dass dieses Setup im Markt greift, zeigte das Team im Sommer: Die Hardware für Oasis Alpha entstand in unter neun Monaten und flog mit vier zahlenden Kund:innen.

Drei Missionen für 2027 und Kapsel-Rückkehr ab 2028

Vorbereitungen für Oasis Alpha © Tumbleweed

Mit dem frischen Kapital will das 25-köpfige Team mit Standorten in Wien und den Niederlanden drei orbitale Missionen im Jahr 2027 für mehr als zehn Kund:innen finanzieren. Für die Raketenstarts verhandelt Tumbleweed weltweit, setzt künftig jedoch verstärkt auf europäische Partner:innen, heißt es von Seiten des Unternehmens.

„Diese Finanzierung erlaubt es uns, das zu skalieren, was wir mit unserer ersten Mission Oasis Alpha bewiesen haben: dass Mikrogravitation eine breit verfügbare industrielle Ressource sein kann. Wir freuen uns sehr darauf, diese Möglichkeit nun noch mehr Kunden zu eröffnen und letztendlich eine Zukunft zu bauen, in der Mikrogravitation genutzt wird für zehnmal bessere Krebstherapien, zehnmal bessere Halbleiter und eine zehnmal schnellere Pharmaentwicklung“, erklärt Rothenbuchner.

Parallel treibt das Startup die Folgeplattform „Oasis Beta“ voran. Die Vorbereitungen laufen, erste Kundengelder liegen laut CEO Rothenbuchner bereits auf dem Konto. Ab 2028 sollen Experimente zudem physisch zur Erde zurückgebracht werden. Dafür entwickelt das Team seit mehreren Monaten eine Kapsel, die sich im Orbit vom Satelliten trennen und mit einem Fallschirm landen soll.

So soll der Oasis Beta Satellit aussehen © Tumbleweed
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