11.10.2022

Emissionsfreie Paket-Lieferung: Berliner Startup Liefergrün kommt nach Wien

Ab November werden in Wien von Liefergrün Pakete zugestellt. Weitere österreichische Städte sollen sukzessive folgen.
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Liefergrün aus Berlin setzt auf Lastenräder und E-Vans

Laut einer aktuellen E-Commerce Studie nimmt das Interesse am Online-Shopping auch hierzulande weiter zu: 76 Prozent der Österreicher:innen kaufen demnach aktuell online ein. Gleichzeitig beklagen sich die Großstädter:innen zunehmend über Emissionen und Platzprobleme. Große herkömmliche Lieferfahrzeuge auf der letzten Meile sind, Stand jetzt, für rund 70 Prozent der Gesamtemissionen im Lieferprozess verantwortlich. „Das geht besser und muss mit den Wünschen der Verbraucher:innen nach einem umweltbewussteren Leben kompatibel sein“, meint Niklas Tauch. Er gründete im Jahr 2020 in Berlin das Startup Liefergrün zusammen mit Max Schleper und Robin Wingenbach.

Emissionsfreie Lieferung mit Lastenrädern und E-Vans

Liefergrün absolviert die letzte Meile der Logistik emissionsfrei. Dafür setzt das Unternehmen auf Lieferung via (Lasten-)Rad und E-Vans. Das Startup ist bereits für große Marken wie adidas, dyson oder Shop-Apotheke im Einsatz. Die Kund:innen bestimmen dabei, wann die Lieferung ankommen soll und nicht umgekehrt. Das gleiche Prinzip gilt auch für die Retouren. Mit einer eigens entwickelten App wird die optimale Route für die Fahrerin oder den Fahrer mit dem passenden Fahrzeug berechnet. Auf diese Weise werden Lieferungen effizienter, und 86 Prozent der Emissionen im Lieferprozess können dadurch eingespart werden. Der Rest wird durch das Unternehmen kompensiert. Das Ziel ist, irgendwann die 100 Prozent zu erreichen.

Die Liefergrün-Founder Niklas Tauch, Robin Wingenbach und Max Schleper | (c) Anna Kollmer

Liefergrün ab November in Wien

Seinen Lösungsansatz exportiert Liefergrün nun nach Wien, weitere österreichische Städte und Nachbarländer sollen bald folgen. Die Entwicklung des österreichischen Marktes leitet Logistikexperte Sascha Sauer, der zuvor als Head of Logisitcs und Head of Sales als Prokurist bei Hermes Logistik in Österreich tätig war. Mit zehn Jahren Erfahrung im Bereich Logistik und umfangreichen Marktkenntnissen wird er Liefergrün beim Aufbau zu einem europäischen Unternehmen unterstützen. „In Österreich und Osteuropa ist der Onlinehandel eindeutig im Aufwind. Allerdings ist die letzte Meile dort noch nicht ausreichend nachhaltig abgedeckt. Gerade beim letzten Punkt müssen wir schneller werden. Mit dem Liefergrün-Ansatz aus Deutschland sehe ich daher großes Potenzial“, so Sascha Sauer.

Weitere Expansion in Richtung Budapest, Bratislava und Prag

Durch die Nähe Österreichs zu anderen europäischen Ländern hat Liefergrün als nächstes Metropolen wie Budapest, Bratislava und Prag im Visier und kann damit weitere 30 Prozent des Liefermarktes abdecken. „Diese Märkte sind vielversprechend, da das Interesse am Onlinehandel sehr groß ist. Doch ohne moderne und flexible Liefermöglichkeit führt dies zum Verkehrschaos in den Städten. Die derzeitige Infrastruktur entspricht noch lange nicht den nachhaltigen Zielen. Genau hier wollen wir ansetzen. Wir müssen dort, wo überholte Prozesse bestehen, radikal umdenken, um eine intelligentere und nachhaltigere Lieferinfrastruktur für die letzte Meile und mittelfristig für den Regionalverkehr zu schaffen“, so Sauer.

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Majourny
© Majourny - Severin Bergsmann und Fabian Pischinger.

Es begann mit einer App, die KI zur automatischen Routenerstellung nutzte. Basierend auf ihren Interessen bekamen Nutzer:innen Empfehlungen für Hotels, Restaurants und Aktivitäten in der ausgewählten Stadt. Die Routen konnten dann in einem Feed geteilt werden, um Vertrauen zu schaffen und die App von rein algorithmischen Planern zu unterscheiden. Das Ziel der beiden Gründer Fabian Pischinger und Severin Bergsmann war es, als B2C-Reiseplaner Endkund:innen zu erreichen. Doch dann sprach man mit den Hotels.

Majourny-Founder: „Haben nicht im Office überlegt“

„Je mehr wir mit Hotels gesprochen haben, desto klarer wurde: Die Gäste sind längst digital, die Betriebe dahinter oft noch nicht. Dort geht jeden Tag enorm viel Zeit für Telefonate, Zettel und Nachfragen verloren“, sagt Pischinger. Also pivotierte man und versteht sich jetzt als B2B-Plattform für Hotels. Das Wissen über die Erwartungen digitaler Gäste nahm das Team mit. „Die Gen Z will ihre Anliegen digital erledigen, zu jeder Uhrzeit. Gleichzeitig hat das Personal schlicht keine Kapazität mehr, alles händisch abzufangen.“

Seit Ende 2025 entsteht die Software direkt im Hotelalltag, gemeinsam mit dem Stift Schlägl und dem Boutiquehotel Königswieserhof im Bezirk Freistadt. Als dritter Pilotbetrieb kamen die ARVE Chalets auf der Turracher Höhe dazu.

„Wir haben nicht im Büro überlegt, was Hotels brauchen könnten. Wir waren im Betrieb und haben gesehen, wo jeden Tag Zeit verloren geht“, ergänzt Pischinger. Unterstützt wird die Entwicklung durch ein FFG-Kleinprojekt, das Projektvolumen beläuft sich auf 150.000 €. Das Ziel des Projektes ist es, Hotels autonomer zu gestalten und Abläufe mittels KI-Agenten zu vereinfachen.

Daten automatisch ins System

Majourny wird an das bestehende Property-Management-System (PMS) des Hotels angebunden. Anreisen, Zimmernummern und Aufenthaltsdaten fließen somit automatisch ins System, eine zusätzliche Insellösung entstehe nicht. Der TeamHub bündelt Aufgaben, Übergaben und Kommunikation zwischen Rezeption, Housekeeping, Haustechnik und Küche. Eine KI-Wissensdatenbank soll auch neuen oder saisonalen Mitarbeiter:innen Antworten zum Haus liefern, und über einen digitalen Concierge erreichen Gäste das Hotel rund um die Uhr.

Zielgruppe sind der Aussendung zufolge Boutiquehotels, inhabergeführte Hotels und Chalets, also Betriebe, in denen wenige Menschen viele Rollen übernehmen und für eine eigene IT-Abteilung kein Platz ist.

Mit Version 1.0 startete im September auch der Vertrieb. Langfristig sollen KI-Agenten einen großen Teil der Back-Office-Arbeit in Hotels selbstständig erledigen. Die Verantwortung bleibe dabei beim Menschen: Entscheidungen über Preise, Kulanz oder Beschwerden treffe weiterhin das Hotel. „Die KI soll niemanden ersetzen“, so die Founder. „Sie soll die Arbeit übernehmen, die keiner gerne macht, damit wieder mehr Zeit für die Gäste bleibt.“

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