20.10.2021

Emerge: Diese 9 Startups sind im Diversity-Accelerator von Speedinvest und Softbank

Speedinvest hat mit Softbank in Europa einen Startup-Accelerator gestartet, der Diversität in der Tech-Branche fördern soll.
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Speedinvest: Oliver Holle
(c) Speedinvest: Oliver Holle

In Europa macht Softbank für den Accelerator Emerge gemeinsame Sache mit dem VC Speedinvest mit Sitz in Wien. Emerge soll Startups fördern, die in der Tech-Branche unterrepräsentierte Gruppen in Gründerteam haben. Dazu zählen nach wie vor Frauen und auch People of Color, Menschen mit Behinderung, Geflüchtete oder Menschen aus der LGBTQ+ Community.

Softbank und Speedinvest wollen diese Startups nicht nur mit einem achtwöchigen Mentoring-Programm unterstützen, sondern auch mit Kapitalinvestitionen – etwa Gründerinnen haben es bei den meist männlichen Investoren schwerer Geld aufzustellen als männliche Gründer, wie Studien zeigen. 70 Prozent der Startups, die sich für den ersten Batch von Emerge in Europa beworben hatten, hatten zu dem Zeitpunkt weniger Kapital eingesammelt als 500.000 Dollar, heißt es in einer Aussendung zu Emerge. Allerdings zielt der Accelerator auf frühphasige Startups ab. Am Ende des Programms dürfen die teilnehmenden Startups vor dem breiten VC-Netzwerk von Softbank und Speedinvest pitchen.

„Viele andere gut gemeinte Initiativen“

„Es gibt zwei Dinge, die ich an Emerge besonders schätze“, sagt Oliver Holle, Speedinvest-Mitgründer und Managing Partner. „Erstens, die unglaubliche Breite und Tiefe an qualitativ hochwertigen Startups. Es ist schlichtweg ein gutes Geschäft in diese Gründer:innen zu investieren. Und zweitens: Softbank, Speedinvest und alle unsere geschätzten Partner reden nicht nur, sondern wir investieren tatsächlich. Die Finanzierung ist das, was diese großartigen Teams zuallererst brauchen. In dieser Hinsicht geht Emerge über viele andere gut gemeinte Initiativen hinaus.“

Insgesamt haben sich 600 Startups aus 30 Ländern angemeldet, von denen es neun in den Accelerator geschafft haben. Aus Österreich hat es kein Startup ins Programm geschafft – zwei der Jungunternehmen haben Standorte in Deutschland. Die meisten Anmeldungen habe es aus UK (44 Prozent) und Deutschland (13 Prozent), gefolgt von Schweden, Frankreich und den Niederlanden gegeben. Auffällig sei die hohe Anzahl an ClimateTech-Startups gewesen (6 Prozent).

Diese 9 Startups haben es 2021 in Emerge von Speedinvest und Softbank geschafft:

  • Blloc (USA, Deutschland), eine Homescreen-App, die Nutzer:innen hilft, ihre Bildschirmzeit zu reduzieren und ihre Produktivität zu steigern.
  • Credrails (Kenia) entwickelt offene Finanzsysteme für die Digital-Wirtschaft Afrikas.
  • FiatRepublic (UK) ist eine Plattform, die Banken und Kryptowährungen miteinander verbindet.
  • Juli (USA) ist eine Plattform, die es Patienten und Pflegeteams ermöglicht, komplexe chronische Erkrankungen mit einer KI-gestützten App zu verwalten.
  • Kwara (Deutschland) hat sich zum Ziel gesetzt, Finanzdienstleistungen für 1 Milliarde Menschen bereitzustellen, indem es Kreditgenossenschaften in Schwellenländern in Neobanken umwandelt.
  • Pear Bio (UK) rekonstruiert, visualisiert und analysiert den Verlauf von Krebserkrankungen, um wirksame Therapien für Patient:innen zu finden.
  • Robin AI (UK) vereinfacht Verträge, indem es das Vertragsmanagement durch eine Kombination aus Software, maschinellem Lernen und menschlichen Experten automatisiert.
  • Vitaance (Spanien) ist eine Lebensversicherung, die Menschen hilft, ihre Lebensqualität durch finanzielles, emotionales und körperliches Wohlbefinden zu verbessern.
  • The Stack World (UK) ist eine Plattform und ein Marktplatz für weibliche Kreative, die ihre Wissensarbeit zu Geld machen.
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(v.l.) Peter Hajek, Monika Köppl-Turyna, Lisa-Marie Fassl und Markus Raunig © Tobias Gärtner

Wie steht es um das Interesse an der Selbstständigkeit in Österreich? Eine Online-Befragung von Peter Hajek Public Opinion Strategies im Auftrag der Stiftung Unternehmerische Zukunft liefert dazu aktuelle Daten. Im Befragungszeitraum vom 22. Mai bis 8. Juni 2026 wurden insgesamt rund 1.500 Personen der österreichischen Wohnbevölkerung im erwerbsfähigen Alter zwischen 16 und 69 Jahren befragt. Die Zahlen zeigen, wie stark das direkte Umfeld die Neigung zum Unternehmertum in Österreich prägt.

Der „Eltern-Effekt“ als zentraler Einflussfaktor

Der zentralste Befund der Untersuchung liegt in der familiären Prägung: Der Wunsch und die konkrete Absicht zu gründen gehen laut den Studiendaten maßgeblich mit der unternehmerischen Tätigkeit der eigenen Eltern einher. Insgesamt geben 20 Prozent der Befragten an, mindestens einen selbstständigen oder unternehmerischen Elternteil zu haben. Laut Umfrage verändert diese Erfahrung die Haltung grundlegend: Während sich ohne unternehmerischen Hintergrund lediglich 27 Prozent der Befragten eine Gründung grundsätzlich vorstellen können, steigt dieser Wert bei Personen mit unternehmerischem Elternhaus auf 47 Prozent.

Noch drastischer unterscheidet sich die konkrete Planung: Bei Befragten ohne unternehmerische Eltern geben derzeit nur 7 Prozent an, innerhalb der nächsten zwölf Monate konkret eine Gründung zu planen. Hat mindestens ein Elternteil ein Unternehmen geführt oder gegründet, springt diese Gründungsabsicht auf 18 Prozent, also mehr als das Doppelte. Das Elternhaus senkt somit laut Studie die subjektiven Hürden von der bloßen Vorstellung hin zur konkreten Absicht.

Eklatanter Mangel an sichtbaren Vorbildern im Alltag

Dass die familiäre Herkunft in den Daten eine so dominante Rolle spielt, deckt sich mit einem deutlichen Mangel an sichtbaren Alternativen im öffentlichen Raum. Laut Umfrage fällt fast der Hälfte der Gesamtbevölkerung (49 Prozent) spontan kein einziger Name einer Unternehmerin oder eines Unternehmers ein.

Unter den Befragten zwischen 16 und 29 Jahren geben sogar 60 Prozent an, niemanden nennen zu können. Werden überhaupt Namen genannt, handelt es sich meist um prominente Großunternehmer wie Mateschitz (13 Prozent), Haselsteiner (5 Prozent), Benko (3 Prozent), Swarovski (3 Prozent) oder Elon Musk (2 Prozent). Greifbare Vorbilder aus dem alltäglichen Leben fehlen in der Wahrnehmung vieler Befragter.

Gleichzeitig zeigt die Erhebung: Wer im unternehmerischen Umfeld aufwächst oder entsprechende Kontakte hat, würde im Falle eines Gründungsvorhabens eine nahestehende Person laut Eigenangabe mit 37 Prozent mehr als doppelt so oft aktiv bestärken wie Personen ohne dieses Umfeld (17 Prozent).

Breiter Ruf nach Wirtschaftsbildung an Schulen

Unterstützung aus dem Elternhaus ist ein wichtiger Faktor, doch soll er laut den Befragten nicht der einzige sein, der über die berufliche Zukunft entscheidet, wie sich aus weiteren Ergebnissen ablesen lässt. 80 Prozent sprechen sich dafür aus, dass Jugendliche bereits in der Schule stärker lernen sollten, wie man Unternehmen gründet oder führt. Zudem hätten sich 75 Prozent selbst mehr praktische Wirtschaftsbildung gewünscht.

Für Markus Raunig, Vorstand der Stiftung Unternehmerische Zukunft, liefern die Befragungsergebnisse deshalb einen klaren Auftrag an die Bildungspolitik. Seine zentrale These formuliert Raunig bei der heutigen Pressekonferenz als Kernversprechen der Stiftungsarbeit: „Unsere Überzeugung als Stiftung lautet: Es darf nicht davon abhängen, was für Eltern oder welches Umfeld man hat, ob man unternehmerisch tätig wird oder nicht.“

Durch praxisnahe Schulprogramme, den Aufbau eigener Medienkanäle zur Veranschaulichung des unternehmerischen Alltags und die gezielte Sichtbarmachung nahbarer Vorbilder soll dieses Herkunfts-Delta geschlossen werden.

Wachstumsorientierte Startups als echter Jobmotor

Aus volkswirtschaftlicher Sicht kommt es jedoch nicht bloß auf die reine Anzahl an Gründungen an, sondern auf deren Qualität, das betont Monika Köppl-Turyna, Direktorin von EcoAustria. Die auch als Vorstandsmitglied der Stiftung agierende Wirtschaftsforscherin hebt hervor, dass vor allem junge, wachstumsstarke Unternehmen als entscheidender Motor für Beschäftigung und Innovation wirken und überproportional viele neue Arbeitsplätze schaffen.

Auf der Pressekonferenz spitzte Investorin und Stiftungs-Vorstandsmitglied Lisa-Marie Fassl die Notwendigkeit einer gesamtgesellschaftlichen Haltungswende zu: „Das einzige, was uns hilft wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben als Standort, ist Innovation. […] Es muss gesamtgesellschaftlich gesehen einfach wieder sexy sein, einen Beitrag zu leisten. Wir leben in einem Land mit einer massiven Vollkaskomentalität, wo man darauf wartet, dass irgendwer etwas für einen richtet.“

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