13.02.2025
FINANZIERUNG

Elio: Wiener Startup holt 2-Millionen-Dollar-Investment von Ananda, Ex-Merck-CEO und Ex-Erste-Bank-Chef

Mit nur 22 Jahren gründete der österreichische Gründer Kami Krista 2021 in den USA das Greentech-Startup Elio und hängte dafür sein Harvard-Studium an den Nagel. Das Unternehmen entwickelt eine KI-gestützte Software-Plattform, um die Pharmabranche nachhaltiger zu gestalten. Für das weitere Wachstum konnte Elio eine Finanzierungsrunde in Höhe von zwei Millionen US-Dollar abschließen.
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(c) Elio

Das in Wien ansässige Startup Elio – das auch über eine Muttergesellschaft in den USA verfügt – gab am Donnerstag den Abschluss einer Finanzierungsrunde in Höhe von zwei Millionen US-Dollar bekannt. Die Liste an prominenten Geldgebern ist lang: Die Runde wurde von Ananda Impact Ventures angeführt. Zu den bekannten Investoren zählen außerdem Stefan Oschmann, ehemaliger CEO des Pharma-Riesen Merck, sowie Andreas Treichl, ehemaliger CEO der Erste Group. Das Startup wird zudem von Cerulean (einem AI-Fonds), Overview Capital (einem Klimafonds aus den USA) und Syndikatsgruppen wie We\R und RHEINEST/N&V Capital unterstützt. In der Vergangenheit sorgte das Startup rund um den österreichischen Gründer Kami Krista auch mit einem Investment von Reddit-Co-Founder Alexis Ohanian für Aufsehen (brutkasten berichtete).

Harvard-Abbruch für Startup-Gründung

„Unser Ziel ist es, Nachhaltigkeit nicht länger als nachträgliche Pflichtübung, sondern als zentrales Designelement in der Pharmabranche zu etablieren“, erklärt Co-Founder und CEO Kami Krista gegenüber brutkasten. Krista forschte bereits im jungen Alter von nur 17 Jahren während seiner Schulzeit an HIV-Therapien an der Medizinischen Universität Wien und startete anschließend mit 18 Jahren ein Studium des Bioingenieurwesens an die US-Eliteuniversität Harvard.

Den Studienabschluss legte er 2021 zugunsten der Gründung von Elio auf Eis. „Ich hatte mein Bioingenieurwesen-Studium de facto fertig, es fehlen mir ein paar Credits, bin aber frühzeitig ausgestiegen“, so Krista gegenüber brutkasten. Als Co-Founder kam damals auch Kamil Mroczek an Bord, der sich als CTO auf die Entwicklung der Eco-Design-Software von Elio spezialisiert. Als Serial Entrepreneur blickt Mroczek bereits auf zwei erfolgreiche Exits zurück.

Elio setzt bereits früh beim Designprozess an

Das Startsignal für die Gründung von Elio war laut Krista die Beobachtung, dass in vielen Branchen (allen voran Pharma) das Thema Nachhaltigkeit viel zu spät greift. „Im Herstellungsprozess sind 80 Prozent des finalen ökologischen Fußabdrucks eines Produkts bereits in der Designphase determiniert“, erläutert Krista. Besonders die Pharmaindustrie steht vor massiven Herausforderungen: Einerseits fordern neue EU-Richtlinien wie die Deforestation Regulation (2024), die Corporate Sustainability Due Diligence Directive (2025) und die Packaging and Packaging Waste Revision (2030) mehr Transparenz und klimafreundliches Handeln. Andererseits machen Krankenhaus-Ausschreibungen Nachhaltigkeit zunehmend zum Kriterium beim Einkauf.

KI zum Untersuchen von tausenden Materialien

So wächst der Druck, bereits während der Prozess- und Produktentwicklung explizit auf umweltschonende Verfahren zu setzen. Genau hier setzt Elio künftig mit seiner Plattform an: Mithilfe von Künstlicher Intelligenz und Large Language Models kann das Startup tausende Chemikalien, Verbrauchsmaterialien und andere Prozesseingänge auf deren voraussichtlichen CO₂-Fußabdruck und weitere Umweltkennwerte untersuchen. „Was wir machen, ist Folgendes: Wir verwenden KI, um diese Daten zu analysieren und zusammenzuführen, damit wir dann sagen können: A ist wahrscheinlich nachhaltiger als B – und zwar aus diesen Gründen“, so Krista.

Mit seinem Tool möchte Elio sich bewusst von der klassischen Nachhaltigkeitsmessung abgrenzen, indem es bereits vor der Skalierung von Produkten eingreift. Statt erst nach Fertigstellung des Produktionsprozesses eine Emissionsbilanz zu erstellen, rückt Elio das Thema schon in der Design- und Entwicklungsphase in den Fokus. Hier würde sich laut Krista entscheiden, ob ein Medikament beispielsweise basierend auf petrochemischem oder einem biobasierten Rohstoff synthetisiert wird sowie die Verbrauchsmaterialien, die als Teil des Prozesses benötigt werden, recyclebar sind.

Plattform kommt bereits zur Anwendung

Erste Praxistests laufen bereits: Eine enge Partnerschaft besteht mit ten23 health aus der Schweiz, einer sogenannten nachhaltigkeitsorientierten Contract Development- and Manufacturing-Organization (CDMO). Dort konnte Elio seine Lösung bereits erfolgreich in echte Entwicklungs- und Herstellprozesse integrieren. „Kein anderes Tool nimmt einen so umfassenden Blick auf die gesamte Wertschöpfungskette“, bestätigt ten23-health-Sustainability-Leiterin Alissa Monk.

Darüber hinaus gründete Elio gemeinsam mit Partnern wie Cytiva und My Green Lab das erste Pharma Eco-design Consortium. Dabei handelt es sich um eine Allianz, die vorwettbewerbliche, technologiegestützte Ökodesign-Lösungen entwickelt, um Entscheidungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu vernetzen. Die erste Arbeitsgruppe entwickelt eine branchenweite Lösung, mit der Unternehmen den Zugang zu nachhaltigkeitsrelevanten Daten für verschiedene Endnutzer – von Kunden bis hin zu Softwareanbietern wie Elio – verwalten können.

„Diese Gruppe ist einzigartig aufgestellt, um Lösungen zu entwickeln, die Eco-Design beschleunigen. Dafür ist ein kollaborativer Ansatz entlang der gesamten Wertschöpfungskette notwendig“, sagt Karl Britt, VP of R&D and Sustainable Innovation bei Cytiva.

Große Pharmafirmen im Fokus

Neben ersten Test- und Pilotkunden wie dem Schweizer CDMO ten23 health hat Elio bereits mehrere große Pharmafirmen von seiner KI-Plattform überzeugt. „Wir haben bereits große Namen unter Vertrag, dürfen sie aber leider noch nicht öffentlich nennen“, sagt Elio-Gründer Kami Krista. „Wir stehen unter strengen NDAs. Das ist in der hochregulierten Pharmabranche ganz normal.“ Besonders groß ist das Interesse laut Krista bei familiengeführten Pharmaunternehmen: „Vor allem in Europa gibt es etliche große Familienbetriebe, die generationenübergreifend denken. Für sie ist Nachhaltigkeit mehr als ein netter Zusatz – sie sehen darin den Schlüssel, um das Unternehmen für die nächste Generation abzusichern.“ Mit Blick auf die USA zeigt sich Krista dagegen verhaltener: „In Europa spürt man den Druck für nachhaltiges Ökodesign jetzt schon sehr stark. In den Vereinigten Staaten wird das Thema zwar wichtiger, aber dort ist Nachhaltigkeit oft noch ein Add-on, nicht unbedingt Kernkriterium.“

Die nächsten Schritte von Elio

„Unser nächstes Ziel ist es, die erfassten Prozess-Inputs deutlich zu erweitern und die Datengrundlage noch präziser und umfangreicher zu gestalten“, erklärt Kami Krista. „Damit wollen wir unter anderem auch technisch vergleichbare Alternativen besser identifizieren. Gleichzeitig arbeiten wir eng mit unseren Kunden zusammen, um ihre komplexen Entscheidungsprozesse bei uns abzubilden und die verschiedenen Beteiligten an einer Entscheidung reibungsloser zu koordinieren.“ Langfristig gehe es jedoch um weit mehr: „Die Vision ist natürlich, nicht nur die Eingänge, sondern alle Prozessschritte von der Forschung bis zur großskaligen Produktion abzudecken – und die damit verbundenen Entscheidungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu koordinieren. Das Konsortium ist dafür der erste Grundstein.“


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Impression vom VERBUND Venture Day 2026 | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Impression vom VERBUND Venture Day 2026 | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

„Von der Innovation zur Skalierung und von der Skalierung zu einem stärkeren Europa“ mit diesem einen Satz könne man das große Ziel für den europäischen Energiesektor zusammenfassen, sagt VERBUND-X-Geschäftsführer Franz Zöchbauer in seinen einführenden Worten zum VERBUND Venture Day 2026, der erstmals beim neuen Energy-Launchpad-Partner WU Wien stattfand. „Wir haben die Lösungen, aber es dauert zu lange, bis sie am Markt sind. Wir müssen skalieren, aber kein Player kann das alleine. Es braucht ein Ökosystem und hier zählen die Menschen“, so Zöchbauer.

Franz Zöchbauer | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Franz Zöchbauer | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

Die Zusammenarbeit im Ökosystem als Motto beim VERBUND Venture Day ist nicht neu, der Diskurs, in den das Motto dieses Jahr eingebettet ist, durchaus: Auch hier dominiert das große Thema europäische Souveränität. Der Titel des diesjährigen Events lautet „Scaling Beyond Borders“.

10,25 Billionen Euro für die Energiewende

Zöchbauer drückt die Ambition hinter der eingeforderten Skalierung in Zahlen aus: Es brauche Schätzungen zufolge 10,25 Billionen Euro, um das Energiesystem Europas bis 2040 zu transformieren. „Das ist 70 mal das Volumen des Marshallplans oder das Volumen von 25 Jahren globale VC-Investments“, so der VERBUND-X-Geschäftsführer. Es handle sich also um eine epochale Investment-Chance. Doch er erinnert: „Zahlen ändern die Welt nicht. Menschen tun es.“

Achim Kaspar | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Achim Kaspar | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

Dabei sei die Energiewende keineswegs nur ein Wunsch, sondern eine Notwendigkeit, betont VERBUND-COO Achim Kaspar in einer Panel-Diskussion unter dem Titel „Owning the Future“: „Wir sind an einem Wendepunkt. Man liest jeden Tag von Problemen beim Transport fossiler Energieträger. Wir müssen auf erneuerbare umsteigen.“ Für VERBUND sei dabei schon lange klar: „Wir wollen nicht das nächste Kodak werden.“

„Es laufen mehrere Energiewenden parallel“

Diese europäische Sicht auf die Energiewende setzt Angela Wilkinson, CEO des World Energy Council, im Panel und bei ihrer Keynote in die globale Perspektive: „Es laufen mehrere Energiewenden parallel. In Europa geht es um den hundertprozentigen Umstieg auf erneuerbare Energieträger. Im nahen Osten etwa geht es um Technologien, um den CO2-Ausstoß auch mit fossilen Energieträgern auf Null zu bringen.“

Angela Wilkinson | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Angela Wilkinson | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

Bei der Souveränität gehe es letztlich um die Möglichkeit, sich seine Abhängigkeiten auszusuchen, „nicht um teuren Isolationismus“, meint Wilkinson. Was ihr insgesamt fehle, sei eine kollektive Vision für eine bessere Zukunft. „Wir haben klare Ziele bei der CO2-Reduktion, aber keine gemeinsame positive Perspektive. Wir haben die Energiewende zwar an die Wall Street gebracht, aber nicht auf die Hauptstraße, wo die Menschen sind.“

Konsequenter Fokus auf die Kund:innen

Darum, wie die Transformation direkt zu den Menschen gebracht werden kann, ging es in einem Talk von VERBUND-CEO Michael Strugl und Greg Jackson, Gründer von Octopus Energy. Strugl sieht das britischen Unternehmen dabei als Vorbild: „Octopus ist ein echter Champion, wenn es um Kundenservice geht.“ Als er Jackson zum ersten Mal nach dessen Geschäftsmodell gefragt habe, sei die Antwort denkbar simpel gewesen: „Ich will den Kunden weniger verrechnen.“ Dieser konsequente Fokus auf die Kund:innen sei der Schlüssel, sagt Strugl.

Michael Strugl | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Michael Strugl | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

Viele Energieunternehmen würden Kund:innen bisher nur als reine Abnehmer verstehen, meint Jackson. Octopus setze stattdessen auf radikale Vereinfachung und digitale Flexibilität: „Statt schwer lesbarer, regulierter PDFs nutzen wir einfache E-Mails, auf die man direkt antworten kann.“ Diese Kundennähe gepaart mit intelligenter Steuerung – etwa beim Laden von Elektrofahrzeugen – sei der Treiber für das rasante Wachstum des Unternehmens. Für Strugl ist das eine klare Orientierung für die gesamte Branche: „Innovatoren und Disruptoren helfen uns dabei, das gesamte System in ein erneuerbares, dezentrales und digitalisiertes Energiesystem zu verwandeln.“

Tragende Rolle für Gründer:innen – Unis entscheidend

Es sind also nicht nur Politiker:innen und Verantwortliche in Energiekonzernen, sondern auch Gründer:innen, die bei der Energiewende eine tragende Rollen spielen. Hier wiederum sind die Universitäten entscheidende Akteure, wie Franz Zöchbauer am Panel gemeinsam mit WU-Wien-Rektor Rupert Sausgruber und TU-Wien-Rektor Jens Schneider erläutert. „Es gibt im Energiesektor so viel Potenzial, aber man braucht nicht nur viel Geld sondern auch die Ideen“, bringt es Schneider auf den Punkt.

Jens Schneider (l.) und Rubert Sausgruber (r.) | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

„Starke Gründer:innen, aber viele Hindernisse am Weg“

Dass natürlich auch die Politik ihren Beitrag leisten muss, um die Skalierung über die Grenzen hinaus zu ermöglichen, erörtert Startup-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner in ihrer Keynote. Man müsse die Herausforderung angehen, Startups in Europa zu halten. „Wir haben starke Gründer:innen, aber viele Hindernisse am Weg“, sagt Zehetner und spricht nicht nur das bekannte Thema Wachstumskapital, sondern unter anderem auch die Ausgründungsbedingungen für universitäre Spinoffs an.

Elisabeth Zehetner | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Elisabeth Zehetner | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

Als konkrete Maßnahmen – teils auf europäischer, teils auf nationaler Ebene – nennt die Staatssekretärin etwa den European Scaleup Fund und den heimischen Dachfonds und die Notwendigkeiten, die europäische Kapitalmarktunion zu stärken und die Mitarbeiter:innenbeteiligung auch durch steuerliche Anreize weiter zu verbessern. Denn letztlich sei das Ziel – ganz getreu dem Motto des Venture Days – klar: „Erfinde dein Produkt hier, bau dein Unternehmen hier und skaliere hier, aber verkaufe dein Produkt in die ganze Welt.“

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