01.06.2022

Elevator Ventures-Chef: „Gespräche mit Startups vermehrt über Profitabilität“

Seit vier Jahren betreibt die RBI mit Elevator Ventures einen Corporate VC. Anlässlich des "Portfolio Day" sprachen wir mit Managing Director Maximilian Schausberger.
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Maximilian Schausberger, Managing Director Elevator Ventures | (c) Raiffeisen Bank International
Maximilian Schausberger, Managing Director Elevator Ventures | (c) Raiffeisen Bank International

Im Mai 2018 verkündete die Raiffeisen Bank international (RBI) den Start ihres Corporate VC Elevator Ventures – der brutkasten berichtete damals. Vier Jahre später hat die Investment-Gesellschaft bereits einiges vorzuweisen – unter anderem drei Exits, etwa mit dem Wiener RegTech-Startup kompany. Das aktuelle Portfolio umfasst nicht nur typische FinTech-Startups sondern etwa auch Unternehmen aus dem Agrar- und dem E-Commerce-Sektor. Vor kurzem kam mit dem Wiener Unicorn-Anwärter byrd auch ein Logistik-Scaleup hinzu. Daneben hält Elevator Ventures Anteile an mehreren Firmen, in die man über ein gemeinsames FinTech-Investment-Vehikel mit Speedinvest und Uniqa Ventures eingestiegen ist.

Anlässlich des Portfolio Day 2022 befragten wir Managing Director Maximilian Schausberger zum Status Quo, zur Zusammensetzung und zur Entwicklung des Portfolios sowie zum Umgang mit dem aktuell raueren Klima im VC-Bereich.


Wenn man sich das Elevator Ventures-Portfolio ansieht, fällt auf, dass es keineswegs den klaren Fokus auf FinTech gibt, den man erwarten könnte. Wonach sucht ihr die Startups aus?

Wir investieren in die besten Teams mit Technologien und Geschäftsmodellen, die die Finanzwelt über die nächsten Jahre innovativ verändern und damit das Kundenerlebnis verbessern wollen. Dabei kommen uns Technologien, wie Machine Learning, Blockchain und die Standardisierung von Bankschnittstellen zu Gute, die in allen Geschäftsbereichen der Bank angewendet werden können.

Herausstechend im Portfolio ist der AgrarTech-Bereich, der auch am Portfolio Day thematisiert wurde. Warum liegt ein Schwerpunkt von euch dort?

Unter dem Stichwort „Embedded Finance“ sehen wir wie Finanzdienstleistungen in viele Wertschöpfungsketten anderer Industrien eingebettet werden. Der landwirtschaftliche Sektor ist ein wichtiger Bereich für Raiffeisen Bank International. Die beiden Unternehmen, Tarfin und Agro.Club vereinfachen den Zugang zu günstiger Finanzierungen für Landwirte.

Welche Rolle spielt euer Accelerator Elevator Lab beim Scouting?

Die Unternehmen, welche im Elevator Lab reüssieren sind spannende Kandidaten für ein Investment durch Elevator Ventures. Bei Unternehmen wie Kompany und Pisano hat sich dieses Konzept bereits bewährt. Außerdem ist das Elevator Lab die ideale Struktur, um über Pilotprojekte die Zusammenarbeit zwischen unseren Portfoliounternehmen und Raiffeisen Bank International zu ermöglichen.

Der internationale VC-Markt bricht aktuell spürbar ein. Wie stark seid ihr als Corporate VC von dieser Entwicklung beeinflusst?

Wir sehen noch keine konkreten Auswirkungen in unserem Portfolio. Aber die Markterwartungen scheinen sich in manchen Bereichen abzukühlen. Daher drehen sich die Gespräche mit den Startups vermehrt um die Profitabilität des Geschäftsmodells und den bewussten Einsatz des investierten Kapitals. Da diese Themen für uns immer wichtig waren, sehen wir diesen Fokus positiv.

Wie beurteilst du generell die Lage im Startup-Investment-Bereich. Wird das eine längere Krise? Könnte sich der Bereich auch in einer allgemein schlechten wirtschaftlichen Lage stabilisieren?

Eine langfristige Vorhersage ist momentan schwer zu treffen. Wir sehen weiterhin spannende Startup-Unternehmen gerade auch in den Märkten der RBI in Zentral und Osteuropa. Viele der genannten Trends bieten im Finanzbereich auch zukünftig Möglichkeiten für neue, innovative Geschäftsmodelle.

Was sind die nächsten Pläne von Elevator Ventures?

Wir werden weiterhin in Startups in Österreich und Zentral- und Osteuropa investieren. Die Themenlage ist vielfältig von Embedded Finance, über Digitale Assets bis hin zu Cybersecurity und RegTech.

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Nathalie Picquot und Marcin Pakulnicki | (c) Twitter / LinkedIn
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Vergangenes Jahr sorgte der laut Medienberichten nicht ganz freiwillige Abgang der beiden Wiener Gründer der Berliner Neobank N26 für Aufsehen. Nach Valentin Stalf im August räumte im Dezember auch Maximilian Tayenthal den CEO-Posten. Seitdem ist Mike Dargan beim FinTech-Scaleup am Ruder.

Zwei neue C-Level-Besetzungen

Nun verkündete N26 einen weiteren Umbau im C-Level – diesmal allerdings mit gewisser Vorlaufzeit. Nathalie Picquot übernimmt mit Oktober die Rolle der Chief Growth and Marketing Officer; Marcin Pakulnicki startet bereits mit September als Chief Technology Officer. Ihre jeweiligen Vorgänger, Timo Meyer und Gino Cordt scheiden laut Unternehmen beide Ende 2026 aus. Beide waren jeweils mehr als zehn Jahre in unterschiedlichen Rollen bei N26 tätig.

Nathalie Picquot mit Stationen bei Google, Twitter und zuletzt Santander

Nathalie Picquot bringt mehr als zwei Jahrzehnte Führungserfahrung mit: Zuletzt leitete sie fünf Jahre lang global die Bereiche Corporate Marketing, Brand Experience und Digital Engagement bei Banco Santander. Zuvor war sie über 15 Jahre in leitenden Positionen bei Google und Twitter tätig. „Ihre nachweislichen Erfolge bei der Beschleunigung der digitalen Transformation an der Schnittstelle von Marketing, Wachstum und Expansion werden entscheidend dazu beitragen, die Präsenz der Marke N26 weiter auszubauen und die Kundenbindung in Europa zu stärken“, kommentiert man bei N26.

Marcin Pakulnicki zuvor bei ING Group

Der neue CTO Marcin Pakulnicki war zuvor bei der ING Group tätig, wo er für den Aufbau und die Skalierung der globalen mobilen und digitalen Technologieplattform der Bank verantwortlich war und zudem die Entwicklung der Conversational Banking- und Agentic AI-Initiativen leitete. Er verfüge über umfassende Erfahrung in der Skalierung mobiler Technologieplattformen und Innovationen im Umfeld stark regulierter, marktübergreifender Finanzdienstleistungen, heißt es von N26.

„Mit ihrer umfassenden Expertise werden sie entscheidend zum nächsten Kapitel operativer Reife und europäischer Skalierung von N26 beitragen. Dieser Meilenstein markiert zugleich einen Moment des Wandels für N26“, kommentiert CEO Mike Dargan die beiden Neubesetzungen. „Mit diesem gestärkten Führungsteam ist N26 ideal aufgestellt, um in all unseren Märkten ein resilientes und vertrauenswürdiges Bankerlebnis als Hauptbank zu bieten.“

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