30.01.2026
PETER STEINBERGER

„Eines meiner Side Projects“: Mit OpenClaw unverhofft zum globalen Hype

Die KI-Anwendung Moltbot (bis vor Kurzem Clawdbot) des Wieners Peter Steinberger schlägt aktuell weltweit Wellen. Gerechnet hat der schon zuvor sehr erfolgreiche Gründer damit offenbar nicht.
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Peter Steinberger im brutkasten-Studio | (c) brutkasten
Peter Steinberger im brutkasten-Studio | (c) brutkasten

„The AI that actually does things“ lautet der Slogan von Moltbot. Es ist kein leeres Versprechen. Der Open-Source-KI-Agent, der heruntergeladen wird und dann lokal am eigenen Gerät läuft (Windows, Mac und Linux), kann auf zahlreiche Apps zugreifen, dabei unterschiedlichste Tätigkeiten übernehmen – und auf Anweisung sogar selbst neue Skills entwickeln. So etwas gab es vorher noch nicht. Menschen auf der ganzen Welt sind begeistert, Medien in aller Herren Länder überschlagen sich mit Berichten.

Der innerhalb kürzester Zeit entstandene Hype hat handfeste Konsequenzen: Wegen einer Copyright-bedingten Intervention von Anthropic, dem Unternehmen hinter der KI Claude, erhält Moltbot erst vor wenigen Tagen seinen neuen Namen – bis dahin hieß der KI-Agent Clawdbot. Der kometenhafte Aufstieg der Anwendung beeinflusst sogar Börsenkurse großer Unternehmen. Und immer mehr kritische Artikel warnen vor Risiken, die mit der Nutzung verbunden sind.

Nachträgliche Anmerkung: Die Anwendung wurde mittlerweile ein weiteres Mal umbenannt. Der neue Name ist OpenClaw. (Stand 30.1.2026)

100-Millionen-Euro-Exit vor fünf Jahren

Dabei steht hinter Moltbot keiner der großen AI-Riesen, die mittlerweile Milliardensummen an VC-Kapital aufgenommen haben. Es ist noch noch nicht einmal ein Unternehmen, ein kleines Startup, das die Anwendung herausgebracht hat. Es ist ein einzelner Entwickler: Peter Steinberger aus Wien.

In der heimischen Startup-Szene ist er kein Unbekannter. Mit PSPDFKit baute er schon einmal zunächst allein, später mit einem über den Planeten verteilten Full-Remote-Team ein erfolgreiches Unternehmen auf, dessen Mehrheit er 2021 um 100 Millionen Euro verkaufte (brutkasten berichtete). Bis dahin war das Startup eigenfinanziert gewesen. Seitdem schien Steinberger immer wieder als Business Angel bei brutkasten auf.

„Ich hatte genug von meinem eigenen Bullshit“

Unternehmerisch war es dagegen eine Zeit lang ruhig um ihn. In einem sehr persönlichen Blog-Eintrag aus dem vergangenen Jahr, erzählt Steinberger über das „Loch“, in das er nach dem Exit gefallen sei. So schreibt er unter anderem:

„Ich habe vieles getan, habe hart gefeiert, habe Therapien gemacht, habe Ayahuasca probiert, bin in ein anderes Land gezogen. Ich bin mit dieser Leere in mir herumgewandert und habe nach Vergnügungen gesucht. Doch dann, vor ein paar Monaten, hat es Klick gemacht: Ich hatte genug von meinem eigenen Bullshit und mir wurde klar, dass man Glück nicht findet, indem man in ein anderes Land zieht. Man findet Sinn nicht, man schafft ihn sich selbst.“

Was kommt nach dem Moltbot-Hype?

Nun hat Peter Steinberger also etwas geschaffen. Etwas Großes. Doch es macht keine Umsätze. Es gibt kein Unternehmen dazu, nur einen gigantischen Hype. Was nun?

Für ein brutkasten-Interview hat der Entrepreneur – wenig überraschend – keine Zeit, vielleicht auch keinen Nerv – oder beides. Auf WhatsApp-Nachrichten reagiert er freundlich, aber knapp. Er sei überfordert mit den vielen Anfragen. Wie er mit der Situation umgehe? „Badly“ – mit Smiley. Der durchschlagende Erfolg von Moltbot war jedenfalls nicht erwartet, vermutlich nicht einmal erhofft – zumindest nicht auf diese Weise. „Es ist eines meiner Side Projects“, schreibt Steinberger.

Und ob er nun, angesichts des Hypes, vor hat, es größer zu machen? Keine Antwort mehr. Vielleicht nervt die Frage. Vielleicht weiß er es einfach selber noch nicht.

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Wiewohl die Debatte rund um den Klimawandel in den vergangenen Jahren nachweislich leiser geworden ist, bleibt die Energiewende großes Ziel – in Österreich und Europa alleine schon wegen der brandaktuellen Frage der Souveränität. Dabei versteht man unter Energiewende keineswegs weltweit das selbe, meint Angela Wilkinson, Secretary General und CEO des World Energy Council (WEC) im Interview.

Wir trafen die Chefin der in London ansässigen Dach-Organisation, die über 3.000 Partner-Organisationen in mehr als 100 Ländern hat, beim Verbund Venture Day 2026 an der WU Wien, wo sie auch eine Keynote hielt und an einer Podiumsdiskussion teilnahm. Ihre Kernaussage: Die Menschheit brauche in der Energiewende eine positive gemeinsame Vision.


brutkasten: Was macht das World Energy Council eigentlich genau?

Angela Wilkinson: Das World Energy Council wurde vor 100 Jahren am Ende des Ersten Weltkriegs gegründet. Die ursprüngliche Mission lautete: Wie verhindern wir am Ende der großen Weltreiche eine Situation, in der Nationalstaaten wegen knapper Ressourcen gegeneinander Krieg führen? Das sind die Wurzeln unserer Organisation. Seit 100 Jahren arbeiten und wachsen wir als globale Gemeinschaft – ein verteiltes Netzwerk aus Expertinnen und Experten, Entscheidungsträgern, Unternehmern und Innovatoren, die eine gemeinsame Mission teilen: mehr und bessere Energie für alle Menschen auf der Welt.

Wie kann man sich die konkrete Arbeit des WEC vorstellen?

Wir haben drei Hauptaktivitäten: Erstens erstellen wir Berichte – keine rein technischen Datenstudien wie die IEA (Anm. Internationale Energieagentur), sondern nutzen eigene Frameworks wie den „World Energy Trilemma“-Ansatz. Damit erfassen wir praktische Erfahrungen aus verschiedenen Ländern dazu, wie Regierungen Versorgungssicherheit, Leistbarkeit und Nachhaltigkeit bei der Gestaltung ihrer Energiesysteme in Einklang bringen. Wir analysieren Praxisbeispiele, um Märkte und Politiken zu verbessern.

Zweitens organisieren wir Veranstaltungen: Wir bringen unsere Gemeinschaft aus 120 Ländern zusammen. Unser nächster World Energy Congress findet vom 26. bis 29. April 2027 in Riad statt und führt über 100 Ministerinnen und Minister, mehr als 5.000 CEOs und rund 18.000 Teilnehmende zusammen. Angesichts der globalen Elektrifizierungswelle untersuchen wir, was das System zusammenhält – von Verträgen über Vertrauen, Narrative und Daten bis hin zur Infrastruktur. Wir agieren dabei technologieagnostisch.

Drittens betreiben wir Community Building: Nachhaltige Veränderungen erfordern echte Gemeinschaften. Wie hier beim Ökosystem von Verbund X schafft eine Gemeinschaft das nötige Vertrauen für konstruktive Debatten und arbeitet pragmatisch mit den vorhandenen Stärken, statt in polarisierte Diskussionen zu verfallen.

Sie haben in Ihrer Keynote gesagt, es gebe weltweit recht klare Ziele für die Energiewende, aber es fehle an einer positiven Vision. Können Sie das näher ausführen?

Energiewende ist zu einem der am meisten missverstandenen Begriffe geworden. Europäer verstehen darunter den Verzicht auf fossile Brennstoffe, Golfstaaten das Eliminieren von Treibhausgasemissionen, während man in den USA den Begriff derzeit überhaupt meidet und lieber von „Energieüberfluss“ spricht. Die Realität ist jedoch: Energie ist das Betriebssystem und das Fundament des Ökosystems unserer Zivilisation. Wir sprechen meist nur darüber, was die Zukunft nicht sein soll. Wir führen aber keine inspirierende Debatte mit den Menschen auf der Straße darüber, welche neuen Möglichkeiten ihr Leben verbessern können. Die Energiewende wird zu sehr als Geschichte von Verzicht und Leiden dargestellt.

Sie meinten in Ihrer Keynote auch, es brauche die Aktivierung noch nicht vorhandener Nachfrage…

Es geht darum, Nachfrage als aktiven Gestalter der Energiewende einzubinden, statt nur als deren Folge. Ein Beispiel: Meine 26-jährige Tochter arbeitet in der Modeindustrie und hat per se keinen Bezug zur Energie; aber Branchen wie die Bekleidungsindustrie besitzen reale Stellschrauben. Anstatt nur über Erzeugung, Übertragung und Speicherung zu sprechen und den Endverbraucher zu vernachlässigen, müssen wir in der Energiebranche vom konkreten Nutzen für das tägliche Leben der Menschen aus denken. Wenn Menschen verstehen, wie Energie ihr Leben verbessert, begreifen sie auch deren Wert. Wir brauchen eine Geschichte der Möglichkeiten aus dem Alltag heraus und keine reine Technologie-Story von oben.

Sie sagten in Bezug auf die Energiewende auch: „Moleküle werden bleiben.“ Wie lautet dazu Ihre Prognose?

Selbst wenn wir das Ziel von 50 bis 60 Prozent Elektrifizierung bis 2050 erreichen, bleiben 40 Prozent übrig. Meine Wette gilt sauberen Molekülen – sei es durch CO2-Abscheidung, dekarbonisierte Barrels oder wasserstoffbasierte Treibstoffe. Flüssige und gasförmige Brennstoffe bieten eine Transportfähigkeit, Energiedichte, saisonale Speichermöglichkeit und Flexibilität, die Elektronen und Batterien schlicht nicht haben. Die Zukunft gehört einer Kombination aus Elektronen, Molekülen und Qubits.

Als CEO des World Energy Council haben Sie eine globale Perspektive. Welche Rolle spielen Europa und speziell Österreich in diesem globalen System?

Österreich verfügt mit Initiativen wie dem Verbund X Accelerator über ein starkes Innovations-Ökosystem. Meine Aufgabe besteht darin, solche lokalen Innovatoren auf die globale Bühne zum World Energy Congress zu bringen, damit verschiedene Regionen voneinander lernen können. Verbund X hat Gegenstücke in vielen Ländern. Bottom-up-Initiativen sind hervorragend, aber Bottom-up und Top-down müssen sich treffen, um echte Wirkung zu entfalten.

Zum Abschluss: Wie würden Sie in sehr wenigen Worten die wichtigsten Maßnahmen beschreiben, um die von ihnen skizzierte Vision umzusetzen?

In zwei Begriffen: Energy Literacy und Energy Fluency. Die meisten der neun Milliarden Menschen verstehen das Energiesystem nicht und wissen nicht, woher ihre Energie kommt. Selbst wenn ich in Europa Energieexperten frage, wie viel Energie sie verbrauchen, können es viele nicht beantworten. Wenn wir nicht einmal unseren eigenen Energieverbrauch benennen können – was verwalten wir dann überhaupt?

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