02.12.2025
INVESTMENT

„Eines der größten Angel-Investments Europas“: Wiener KI-Startup fonio.ai holt sich 3 Mio. Euro

Das Wiener Startup fonio.ai holt für seine KI-Telefon-Technologie ein erstes Investment von drei Millionen Euro. 
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fonio.ai-Gründerteam Daniel Keinrath und Matthias Gruber © fonio.ai
fonio.ai-Gründerteam Daniel Keinrath und Matthias Gruber. | © fonio.ai

Vor vier Monaten hieß es von CEO und Co-Founder Daniel Keinrath noch: “Aktuell genießen wir es, fonio zu bootstrappen”. Denn kein Fremdkapital aufzunehmen, würde einen “enormen Fokus und echtes Ownership in unser Team” bringen. Schon damals schloss er jedoch nicht aus, zeitnah frisches Kapital aufzunehmen.

Mittlerweile ist es soweit: Sein Wiener Startup fonio.ai verkündet nun eine abgeschlossene Finanzierungsrunde über drei Millionen Euro. Und tatsächlich hatte Keinrath schon vor einigen Monaten angekündigt: „2025 wird auf jeden Fall wild für fonio.ai“.

300.000 Euro Monatsumsatz

13 europäische Business Angels investieren in das Wiener KI-Startup, darunter Namen wie Daniel Gutenberg, Early-Investor bei Meta, oder Jens Lapinski von Angel Invest. Genannt wurden außerdem noch Christian Stieber, Robert Wuttke von 10x Founders, sowie ein Sequoia Scout. Laut fonio.ai zählt die Runde zu den größten Angel-Investments in Europa.

“Gründer, die es schaffen, in 14 Monaten von 0 auf 300.000 Euro Monatsumsatz zu bootstrappen, sieht man selbst als einer der aktivsten Angel-Investoren Europas nicht alle Tage”, kommentiert Christian Stieber sein Investment.

Fonio.ai betreut laut Unternehmensangaben aktuell mit zwölf Mitarbeiter:innen knapp 4.000 Kund:innen im DACH-Raum, automatisiert monatlich rund 800.000 Anrufe und arbeitet nach eigenen Angaben bereits profitabel. Der Umsatz liegt derzeit bei knapp unter 300.000 Euro pro Monat. Bis Juni 2026 will man die Marke von einer Million Euro Monatsumsatz erreichen.

Bewusst gegen 6 Mio. Euro entschieden

Das Unternehmen betont, dass man sich bewusst für “nur” drei Millionen Euro Kapitalaufnahme entschieden habe. Das Interesse sei so groß gewesen, dass bis zu sechs Millionen Euro möglich gewesen wären. In einer Aussendung heißt es, man habe sich für diesen Weg entschieden, denn “so bleibt die Verwässerung gering, die strategische Kontrolle im Unternehmen gesichert und der Fokus auf schnellem, sauberem operativem Wachstum.”

Mit dem frischen Kapital will das Startup seine Technologie deutlich ausweiten. Aus der reinen Telefonielösung soll eine vollständige Omnichannel-KI-Plattform entstehen, die künftig auch E-Mail, Chat und weitere Kanäle automatisiert. Damit möchte fonio.ai, so heißt es in der Aussendung weiter, “aus Europa heraus einen neuen globalen Standard für intelligente, skalierbare Kommunikation” setzen. Parallel plant das Unternehmen, in weitere europäische Märkte zu expandieren und seine Lösung dort zügig an den Start zu bringen.

Fonio.ai löse „echtes Marktproblem“

Das von Keinrath und Co-Founder Matthias Gruber gegründete Startup bietet ein KI-gestütztes Telefon für Kundenkommunikation. Es soll “effizienter, verlässlicher und nutzerfreundlicher” sein und Mitarbeiter:innen ermöglichen, sämtliche Kundeninteraktionen zentral zu steuern – mit dem Ziel, Zeit und Kosten zu sparen.

„Die starke Nachfrage der Angel-Investoren zeigt, dass wir ein echtes Marktproblem lösen, das Unternehmen und Kund:innen seit Jahren beschäftigt”, so Keinrath. “Wir entwickeln eine Technologie, die diesen Prozess grundlegend modernisiert und Unternehmen eine schnellere, effizientere und zugleich menschlichere Art der Erreichbarkeit ermöglicht.“

Zum Video-Talk mit Daniel Keinrath

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(v.l.n.r.) Harald Gutschi (Otto Austria), Andreas Zahradnik (DORDA Rechtsanwälte), Peter Windischhofer (CO-Founder refurbed) & Rainer Will (Geschäftsführer Handelsverband) (c) Leadersnet / C. Stowasse

„Am 11. Juni beginnt die Fußball-WM. Österreich steht kurz davor, sich schon vor dem offiziellen Start ein Eigentor zu schießen“, beginnt Rainer Will, Geschäftsführer vom Handelsverband, seine einleitenden Worte bei der Pressekonferenz zur Paketabgabe am Dienstag. Die Frustration der teilnehmenden Vertreter, Harald Gutschi von OTTO Austria, Peter Windischhofer von refurbed, Andreas Zahradnik von den DORDA Rechtsanwälten und Rainer Will, gegenüber der geplanten Paketsteuer der Bundesregierung wächst.

Mit Wirkung zum 1. Oktober 2026 soll die Paketabgabe in Höhe von zwei Euro pro zugestelltem Paket eingeführt werden. Diese Regelung richtet sich an umsatzstarke Online-Handelsplattformen, die einen jährlichen Umsatz von mindestens 100 Millionen Euro erwirtschaften, wie brutkasten berichtete. Die genannten Vertreter haben dies zum Anlass genommen, die zentralen Kritikpunkte an der Paketsteuer aus volkswirtschaftlicher, rechtlicher, betriebswirtschaftlicher, politisch/regulatorischer und europäischer Perspektive sowie aus Sicht der Endkonsument:innen zu erläutern.

„Mehr als jede zweite Online-Bestellung betroffen“

Zwei Impact Analysen der GAW (Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung, Innsbruck) zeigen volkswirtschaftliche Folgekosten der Paketsteuer auf. „Mehr als jede zweite Online-Bestellung und mindestens jeder dritte österreichische Webshop wäre von der Paketsteuer unmittelbar betroffen. Die negativen Auswirkungen beschränken sich keineswegs nur auf einzelne Großkonzerne. Von EPUs über Klein- und Mittelbetriebe bis hin zu Großunternehmen hätten tausende Firmen erhebliche Verluste zu tragen. Kleinst- und Kleinbetriebe würden 128 Millionen Euro an Wertschöpfung verlieren“, warnt HV-Vizepräsident Harald Gutschi, Geschäftsführer von Otto Austria. Insgesamt würde die österreichische Wirtschaftsleistung durch die Paketsteuer und die daraus resultierenden Umsatzverschiebungen ins Ausland um 360 Mio. Euro reduziert werden.

Folgen für Endkonsument:innen

Im Auftrag des Handelsverbands hat Reppublika Research mehr als 1.000 Österreicher:innen zu ihrer Einstellung zur Paketsteuer befragt. Demnach sprechen sich 70 Prozent gegen eine geplante Paketsteuer aus. „Man wollte ursprünglich Fernost Plattformen treffen, jetzt belastet sie viele Geldbörsel der heimischen Konsumenten. 70 Prozent der Bevölkerung lehnen diese neue Massensteuer ab. Die Bundesregierung sollte das Signal ernst nehmen und jetzt die Reißleine ziehen“, fordert Rainer Will. Nach der Umfrage denken 69 Prozent, dass es die Konsument:innen am stärksten belasten wird und 92 Prozent befürchten höhere Endkundenpreise.

Kritik seitens der Startup- und Scaleup Szene

Die geplante Paketsteuer sorgt in der österreichischen Startup- und Scaleup-Landschaft für heftigen Gegenwind. Besonders problematisch sei sie etwa für Secondhand-, Refurbished- und Reuse-Geschäftsmodelle, wie jenes von refurbed. Dort sind die Margen i.d.R. deutlich geringer als im klassischen Neuwarenhandel. Während Tech-Riesen die Gebühr aufgrund hoher Margen kaum spüren, würde sie Unternehmen wie refurbed existentiell treffen: „Mit einem neuen iPhone macht Apple 30-40 Prozent Marge. Bei einem Refurbisher liegt diese bei drei bis fünf Prozent. Wenn man da jetzt zwei Euro draufschlägt, dann ist automatisch der Profit weg.“

Das bittere Resultat für den Standort wäre, dass ausgerechnet „jene Firmen, die regional produzieren, die in Europa Wertschöpfung betreiben und die Kreislaufwirtschaft und dadurch auch die Ökologie vorantreiben, massiv benachteiligt werden“. Windischhofer bezeichnet die Abgabe als reines „Greenwashing“, das ökologischen Zielen in Wahrheit sogar schade.

Paketsteuer möglicherweise verfassungs- bzw. unionsrechtswidrig

Laut einem Rechtsgutachten der Kanzlei DORDA, das ebenfalls präsentiert wurde, sei die neue Steuer weder verhältnismäßig noch konsistent ausgestaltet und stehe daher rechtlich auf „wackeligen Beinen“. Besonders kritisch wird bewertet, dass Lieferungen nach stationärem Kauf oder „Click & Collect“ ausgenommen sind, obwohl hier dieselben Transportvorgänge stattfänden. Juristische Schritte werden auch von Seiten des Handelsverbands angedacht: „Wir werden rechtlich gegen die Paketabgabe vorgehen und beim Verfassungsgerichtshof bzw. beim Europäischen Gerichtshof dagegen klagen. Ich kann dieser Bundesregierung nur dringend empfehlen, den Gesetzesentwurf vor Beschluss präventiv einem EU-Notifikationsverfahren zu unterziehen. Damit wird die Rechtsmäßigkeit im Vorfeld geprüft und das verhindert jahrelange Rechtsunsicherheit“, sagt Harald Gutschi.

Am Schluss: Appell an die Politik

„Ein durchschnittlicher österreichischer Haushalt wird durch die MwSt-Senkung ab 1. Juli laut Budgetdienst des Parlaments rund 6 Euro im Monat sparen – und durch die neue Paketabgabe ab 1. Oktober rund 6 Euro draufzahlen. Das ist klassische linke-Tasche-rechte-Tasche-Politik“, zieht Rainer Will sein Fazit. Der Handelsverband appellierte am Dienstag eindringlich an alle zuständigen Mitglieder der Bundesregierung, die nationale Paketsteuer zu stoppen und stattdessen Maßnahmen zur Stärkung von Wachstum, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit umzusetzen.

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