06.02.2026
ROBOTIK

Ein Rudel Roboter-Hunde: Wien Energie erhöht Sicherheit durch „Energy Dogs“

Wien Energie weitet den Einsatz von Hightech-Robotern aus. Damit soll u.a. die Sicherheit erhöht werden.
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Wien Energie, Robo Hunde, Energy Dogs
© Wien Energie / Michael Horak.

Seit 2023 ist der „Energy Dog“ im Kraftwerk Simmering von Wien Energie tätig. Nun verfügt man über ein ganzes „Robo-Rudel“: Gleich vier neue, KI-unterstütze Assistenzsysteme sollen künftig die Betriebsteams an drei Standorten unterstützen.

Hunde von Boston Dynamics

Ausgerüstet mit moderner Sensorik und Spezialkameras vollführen die vierbeinigen Hightech-Roboter „Spot“ von Boston Dynamics nun autonom Kraftwerksrundgänge durch und melden Anomalien in Echtzeit.

„Wir arbeiten Tag für Tag an der nachhaltigen Energieversorgung von Millionen Wiener:innen. Dabei setzen wir immer mehr auf Innovation und bringen mit nun insgesamt fünf ‚Energy Dogs‘ modernste Robotertechnologie in unsere Kraftwerke und Müllverbrennungsanlagen. Die Hightech-Roboter unterstützen die Mitarbeiter:innen von Wien Energie und tragen so maßgeblich zur Versorgungssicherheit der Wiener:innen bei“, sagt Ulli Sima, Stadträtin für Stadtentwicklung, Mobilität und Wiener Stadtwerke.

Die vier neuen Energy Dogs werden aktuell vom Wien Energie Drohnen- und Robotikteam für ihren Einsatz trainiert und ab 2027 dem Betrieb in den Kraftwerken Simmering und Donaustadt sowie der Müllverbrennungsanlage Flötzersteig übergeben.

Mitarbeitende bei Wien Energie sollen nicht ersetzt werden

Die Roboter-Hunde sind fast einen Meter groß, können bis zu 1,5 Meter pro Sekunde laufen und auch unwegsames Gelände, wie Kraftwerksstiegen oder Gitterböden, erreichen. Zahlreiche Sensoren, darunter eine thermografische Kamera, ein Akustiksensor und ein Multigasmesser würden es ihnen ermöglichen, potenzielle Gefahrenquellen wie Gasaustritte frühzeitig zu erkennen. Als intelligente Assistenzsysteme arbeiten sie zudem autonom, inspizieren die Anlagen und melden mögliche Störfälle direkt und automatisch an das Betriebspersonal.

Mitarbeiter:innen ersetzen sollen die „Energy Dogs“ auch künftig nicht – sie dienen den Expert:innen von Wien Energie als Hightech-Unterstützung, vor allem bei Routinetätigkeiten, wie es heißt. Ein weiterer Vorteil: In gegebenenfalls heiklen Situationen müssten Wien-Energie-Mitarbeiter:innen den Gefahrenbereich nicht mehr persönlich betreten, sondern könnten mithilfe der Tech-Hunde die Störungen präzise und sicher ausmachen.

Wien-Paris

„In Zeiten des Fachkräftemangels ist es umso wichtiger, dass unsere Expertinnen ihre Ressourcen gut nutzen können. Mit den ‚Energy Dogs‘ stellen wir unseren Mitarbeiter:innen intelligente Helfer zur Seite, um sie von Routinetätigkeiten zu entlasten“, sagt Karl Gruber, Geschäftsführer von Wien Energie.

Der erste „Energy Dog“ hat im Kraftwerk Simmering durch seine Inspektionen bereits auf mehrere mögliche Gefahrenquellen aufmerksam gemacht. Seit seinem Einsatz im Regelbetrieb im Jahr 2023 ist er bei seinen rund 4.000 Rundgängen zu je 90 Minuten etwa 1.600 Kilometer gelaufen – und damit umgerechnet weiter als von Wien nach Paris.

Wien Energie-Hunde „stärken Versorgungssicherheit“

„High-Tech-Roboter wie die ‚Energy-Dogs‘ stehen bei Wien Energie für Fortschritt und Verantwortung zugleich. Sie unterstützen den sicheren und effizienten Betrieb unserer Kraftwerke und stärken damit die Versorgungssicherheit für Wien“, sagt Stefan Gara, Energiesprecher der Wiener NEOS. „Gleichzeitig sichern wir mit klarer Datensouveränität die Kontrolle über kritische Infrastrukturen und schaffen Vertrauen in einer digitalen, nachhaltigen Energiezukunft.“

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Matteo Rosoli, CEO von eustella © eustella

„In den USA wird gerade die Ära der Superintelligenz ausgerufen. Europa darf dabei nicht zuschauen“, sagt Matteo Rosoli, CEO von eustella. Das Wiener Startup hat am 20. Oktober die Version 1.5 seiner Plattform für KI-Agenten veröffentlicht. Sie läuft nach eigenen Angaben auf rein europäischer Cloud-Infrastruktur.

Nachtraining statt Neuentwicklung

Eustella entwickelt kein Sprachmodell von Grund auf. Stattdessen setzt das Team auf offene Modelle, deren Gewichte frei verfügbar sind, und entwickelt sie mit eigenen Daten und Verfahren weiter. Ausgangspunkt ist laut Aussendung „das chinesische Basismodell Qwen 3.8 27B”. Die leistungsstärksten offenen Modelle stammten demnach „derzeit überwiegend aus China”. Das Nachtraining soll auch deren Voreingenommenheit reduzieren.

Ergebnisse aus eigener Messung

Wie viel das Nachtraining bringt, hat eustella selbst gemessen, mit 14 gängigen Leistungstests für KI-Modelle (Benchmarks). Laut Unternehmen schneidet v1.5 in allen 14 besser ab als das Basismodell, im Schnitt um fünf Punkte. Am deutlichsten fällt der Zuwachs beim Programmieren (LiveCodeBench, plus 17,1 Punkte), beim Befolgen komplexer Anweisungen (IFBench, plus 10,9) und in mehrstufigen Gesprächen (MultiChallenge, plus 10,8) aus.

Im Vergleich mit US-Modellen zieht eustella folgende Bilanz: v1.5 erreicht mit 27 Milliarden Parametern bei LiveCodeBench 89,1 Prozent, fast identisch mit Claude Opus 5 (89,0). GPT-5.6 Sol kommt auf 82,6. Bei GPQA Diamond, einem Test mit naturwissenschaftlichen Expertenfragen, liegt eustella mit 92,6 Prozent hinter Claude Opus 5 (93,9). Beim Verstehen langer Dokumente (AA-LCR) führt v1.5 laut eigenen Angaben mit 87,5 Prozent vor Claude Opus 5 (79,0) und GPT-5.6 Sol (84,0).

Auch gegenüber dem französischen Anbieter Mistral liegt v1.5 laut eustella in allen sieben vergleichbaren Benchmarks vorn, obwohl Mistral Medium 3.5 rund fünfmal so viele Parameter habe.

Die im Sommer verglichenen Modelle sind allerdings nicht mehr die aktuellsten ihrer Anbieter. Anthropic hat mit Fable 5.1 (seit 1. September) und Opus 5.5 (seit 22. September) zwei jüngere Modelle veröffentlicht. Auch OpenAI und Mistral haben mittlerweile neue Modelle vorgestellt.

Vom Launch zur Unternehmensplattform

Vorgestellt hat eustella seine App am 24. Juni. Beim Start im Juni waren es knapp 5.000 Nutzer:innen, jetzt mehr als 22.000. Die KI-Agenten unterstützen mehrstufige Aufgaben wie Recherchen, Präsentationen oder Reiseplanung. Ende August folgte laut eustella eine Optimierung, die das Achtfache an Nutzung zum gleichen Preis ermöglicht. Mit v1.5 kommen Team- und Enterprise-Pläne: „Orbit” kostet 20 Euro pro Nutzer:in und Monat, „Constellation” mit vierfachem Nutzungsvolumen 80 Euro. Die ersten 25 Partner:innen haben bereits API-Zugriff.

Eigene Technologie in Planung

„Wir haben diesen Sommer gezeigt, dass ein europäisches Team mit offenen Modellen und eigener Forschung an die Weltspitze heranrücken kann”, sagt Rosoli. v1.5 sei „erst der Anfang”. Weitere Forschung ist in Vorbereitung, eigene KI-Technologie will eustella Schritt für Schritt entwickeln.

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