10.12.2024
ADVISOR

Ehemaliger N26-Dach-Chef Georg Hauer über die Auswahl richtiger Startup-Berater

Georg Hauer, ehemaliger N26-General-Manager, hat im Vorjahr ein Beratungsunternehmen gegründet. Nun teilt er seine Erfahrungen und hat für Gründer:innen Tipps parat, wann ein Berater Sinn ergibt und worauf man bei der Advisor-Auswahl achten sollte.
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Berater, Advisor.
(c) Hauer - Georg Hauer mit Tipps für den richtigen Advisor.

Es ist eine Kunst, den richtigen Advisor für das eigene Startup auszuwählen. Bei der Auswahl kann es passieren, dass man sich von der Strahlkraft des Beraters oder der Beraterin blenden lässt, dabei aber die Frage negiert, ob dadurch ein tatsächlicher Mehrwert entsteht.

Georg Hauer, ehemaliger General Manager DACH und Northern Europe bei N26, wechselte 2021 zu einem Anti-Geldwäsche-Startup und gründete vor rund eineinhalb Jahren eine private Risiko- und Beratungsfirma. „Seitdem habe ich das Privileg, bei mehreren Fintechs und digitalen Banken als Berater oder Vorstandsmitglied mitzuwirken“, schreibt er auf LinkedIn und startet mit diesen Zeilen die Preisgabe diverser „Schlüsselmuster“, die er „identifiziert hat, um sicherzustellen, dass ein Berater die richtige Wahl ist – und wann er es nicht ist.“

Diese Punkte sind bei der Suche nach einem Berater zu beachten

An die Founder:innen und Leader gerichtet, zählt Hauer sechs Punkte auf, die die Suche nach Advisors vereinfachen sollen:

  • Vermeiden Sie es, einen Berater einzustellen, nur um sein Bild in Ihrem Pitch-Deck zu verwenden, um glaubwürdig zu sein. Kein VC wird aus diesem Grund investieren.
  • Verstehen Sie Ihre Kernbedürfnisse und wählen Sie die Berater strategisch auf der Grundlage ihrer Expertise und ihres Netzwerks aus. Ihr Beratungsgremium sollte wie ein Team sein, mit sich ergänzenden Fähigkeiten.
  • Nehmen Sie nur dann einen Berater auf, wenn Sie wirklich davon überzeugt sind, dass er einen langfristigen Mehrwert schaffen kann. Andernfalls sollten Sie sie als Freiberufler oder Teilzeit-Führungskräfte betrachten.
  • Suchen Sie jemanden, der Sie herausfordert. Ein Team von „Ja-Sagern“ wird Ihrem Unternehmen nicht helfen, zu wachsen.
  • Beurteilen Sie, ob der Berater Ihre Probleme wirklich aus eigener Anschauung kennt. Nicht jeder kluge Strategieberater weiß wirklich etwas über Ihre alltäglichen Herausforderungen. Dias werden Ihnen nicht zum Erfolg verhelfen.
  • Machen Sie sich klar, wie Sie Erfolg definieren. Suchen Sie einen Sparringspartner oder jemanden, der Ihnen beim Verkaufen hilft? Wollen Sie Einblicke in die Branche oder Hilfe bei der Behebung einer künftigen Krise? Gute Berater können mehrere Aspekte abdecken, aber seien Sie transparent.

Für Advisor

Anschließend wechselt der „Hauer Fintech Advisory GmbH“-Gründer zur anderen Seite der Medaille und wendet sich direkt an Advisor. Er nennt seine Kriterien (Frameworks) und Fragen, die es zu beantworten gilt, bevor man sich als Berater:in für ein Startup zur Verfügung stellt:

  • Glaube ich, dass das Unternehmen ein echtes, brennendes Problem für eine klar definierte Zielgruppe löst? Wenn das Problem nicht dringlich genug ist oder die Zielgruppe zu breit gefächert ist, sollten Sie es vergessen. Sie werden es schwer haben, in der Anfangsphase Fuß zu fassen.
  • Verfügt das Unternehmen über einen eindeutigen technologischen Vorsprung? Ohne einen soliden Wassergraben werden die Konkurrenten aufholen. Bequemlichkeit und UX sind nicht genug. Jeder behauptet, dass seine Technologie die beste ist. Stellen Sie tiefgreifende Fragen.
  • Sind die Gründer echte „Macher“, die sich auch von Rückschlägen nicht entmutigen lassen? Beharrlichkeit ist oft die wichtigste Fähigkeit für den Erfolg. Es wird viele Tiefpunkte oder sogar Nahtoderfahrungen für das Unternehmen geben.
  • Verfügen die Gründer über eine solide Integritätsbilanz? Wenn nicht, laufen Sie weg. Prüfen Sie Referenzen. Machen Sie Ihre Hausaufgaben. Investieren Sie keine Zeit in Gründer, die in der Vergangenheit Zusagen gebrochen oder Mitarbeiter angelogen haben.
  • Kann ich langfristig (mehr als zwölf Monate) einen signifikanten Wertbeitrag leisten? Wenn nicht, stimmen unsere Erwartungen möglicherweise nicht überein.
  • Und nicht zuletzt: Verbringe ich gerne Zeit mit diesen Menschen? Kein Geld der Welt kann die Zeit aufwiegen, die man mit einem verbringt.

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Die Aitiologic-Gründer (v.l.n.r.): Andreas Posch, Stephan Beisken und Achim Plum | (c) Aitiologic

Im Oktober 2024 verließ das Wiener Startup Aitiologic den „Stealth Mode“. Damals hatte es 2,5 Millionen Euro an Investments und Förderungen eingesammelt. Jetzt folgt eine Seed-Finanzierung über 6,4 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Dienstag bekannt gab.

Angeführt wird die Runde von den Healthcare-Investoren Heal Capital und Ananda Impact Ventures. Die bisherigen Investoren Push VC und Lana Ventures sind wieder dabei. Dazu kommen laut Startup mehrere Biotech-Gründer, die bereits Börsengänge und Exits hinter sich haben.

Ein Bluttest, der zeigt, was im Gewebe passiert

Aitiologic entwickelt die Plattform „Aitios“. Sie untersucht zellfreie DNA im Blut und wertet die Daten mit KI aus. Das Ziel: Aus einer normalen Blutprobe soll sich ablesen lassen, aus welchem Gewebe die DNA stammt und was dort gerade passiert. Die Technologie geht auf Forschung von Gründer und CEO Andreas Posch bei Siemens Healthineers zurück. Aitiologic hat sie exklusiv lizenziert.

2024 sprach das Startup noch allgemein von Krebs- und Pränataldiagnostik. Nun ist die erste Anwendung klar: die Risikoabschätzung für Präeklampsie im ersten Schwangerschaftsdrittel. Die Bluthochdruck-Erkrankung betrifft laut Aussendung geschätzt drei bis acht Prozent aller Schwangerschaften. Sie ist eine der wichtigsten Ursachen für Todesfälle von Müttern und Föten weltweit. Aitiologic will dafür dieselbe Blutprobe nutzen, die ohnehin für den nicht-invasiven Pränataltest (NIPT) abgenommen wird. Eine zusätzliche Blutabnahme wäre also nicht nötig.

Eine erste Studie mit Kypros Nicolaides und dem Fetal Medicine Research Institute habe gezeigt, dass sich damit das Präeklampsie-Risiko einschätzen lässt, so das Startup. Jetzt läuft eine größere Studie mit der Fetal Medicine Foundation, an der mehr als 1.000 Schwangere teilnehmen. „Wir sind von einer Technologie-Hypothese zu publizierten klinischen Daten gekommen“, sagt Posch. Das frische Kapital soll in diese Studie und in die Produktentwicklung fließen.

Oxford-Nanopore-Mitgründer im Beirat, neue Chief Medical Officer

Mit der Finanzierung holt Aitiologic zwei bekannte Namen an Bord. Gordon Sanghera hat Oxford Nanopore Technologies mitgegründet, ein britisches Unternehmen für DNA-Sequenzierung. Er führte es 21 Jahre lang als CEO, vom Spinoff der Universität Oxford bis zum Börsengang in London. In der Aussendung wird er als „Pionier der Molekulardiagnostik“ bezeichnet. Für Aitiologic ist das relevant, weil die eigene Plattform auf der Sequenzierung von DNA aus dem Blut aufbaut: Sanghera bringt also Erfahrung mit dem Aufbau, der Finanzierung und der Skalierung genau dieser Art von Technologie mit. Er investiert in die Runde und wird Mitglied des Beirats. Die ersten klinischen Daten von Aitiologic seien „sehr ermutigend“, sagt Sanghera.

Neue Chief Medical Officer ist Rebecca Ertl. Sie ist Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe und hat ein nach eigenen Angaben führendes Zentrum für Pränataldiagnostik in Österreich gegründet. Bei Aitiologic verantwortet sie die medizinische Strategie, zunächst für das Präeklampsie-Programm. Ertl nennt bereits ein mögliches nächstes Thema: Man prüfe, ob der Bluttest auch bei Schwangerschaftsdiabetes früher Hinweise liefern könne.

Neben dem Risikokapital erhält Aitiologic Förderungen von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), der Austria Wirtschaftsservice (aws) und der Wirtschaftsagentur Wien. Dazu kommt Unterstützung über den Europäischen Investitionsfonds (EIF) im Rahmen von InvestEU. Zugelassen ist die Plattform noch nicht, sie befindet sich weiterhin in der Entwicklung.

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