07.05.2026
FLOTTENMANAGEMENT

Effizienz für Fuhrparks: Crashwise launcht digitale Unfalldatenerfassung

Nach einem Verkehrsunfall sorgen lückenhafte Daten im Flottenmanagement oft für hohen administrativen Aufwand. Um die Vor-Ort-Dokumentation zu digitalisieren, rollt das Wiener InsurTech-Startup Crashwise nun seine erste Produktversion aus.
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Matthias Schmidt & Doris Zuba-Stark © Crashwise

Wenn es im Straßenverkehr kracht, sind die Betroffenen meist in einer enormen Stresssituation. Was für Privatpersonen laut Statistik nur etwa alle sieben bis acht Jahre vorkommt , gehört im gewerblichen Verkehr mit großen Fahrzeugflotten zum ständigen Alltag. Hektik und Sprachbarrieren führen vor Ort oft zu lückenhaften Unfalldaten. Das bedeutet für das Flottenmanagement einen enormen Aufwand, um Informationen für Versicherungen, Leasingfirmen und Gutachter mühsam nachzuerfassen. Ein Problem, das das Wiener Startup Crashwise gezielt in Angriff nimmt.

KI-Agent statt Zettelwirtschaft

Das Gründungsteam bestehend aus CEO & CTO Matthias Schmidt sowie CFO Doris Zuba-Stark hat einen KI-Guide entwickelt. Anstatt Formulare auf Papier auszufüllen, kommunizieren die Fahrer direkt in ihrer eigenen Sprache mit einem intelligenten Agenten. Dieser führt sprachbasiert Schritt für Schritt durch die Dokumentation, gibt Anweisungen für Fotos und scannt die Dokumente der Unfallgegner.

Für Unternehmen soll sich daraus ein bedeutender wirtschaftlicher Vorteil ergeben: Laut internen Berechnungen des Startups lassen sich pro Unfall bis zu 600 Euro einsparen. Diese Ersparnis resultiert einerseits aus der drastisch verkürzten Bearbeitungszeit – der Vorgang dauert per App lediglich fünf bis zehn Minuten im Vergleich zu rund 40 Minuten auf Papier – und andererseits aus der Vermeidung teurer Fahrzeugstillstandszeiten, die im Schnitt 150 Euro pro Tag verursachen.

Geballte Branchenerfahrung

Hinter Crashwise stehen zwei erfahrene Köpfe, die das Problem aus unterschiedlichen Perspektiven kennen. Co-Gründer Matthias Schmidt war bereits über Jahre hinweg Geschäftsführer und Gründer des Softwareunternehmens Analyzer Pro, dessen Lösungen weltweit von Sachverständigen bei Gerichtsverfahren zu Verkehrsunfällen eingesetzt werden. Aus dieser Tätigkeit weiß er, dass die herkömmliche Aufnahme von Unfällen vor Ort oft „unterirdisch“ ist und Gerichtsverfahren mangels verlässlicher Daten erschwert.

Doris Zuba-Stark ergänzt das Team mit tiefer Expertise aus der Assekuranz. Die Mathematikerin verbrachte 20 Jahre in der Versicherungswirtschaft, unter anderem in leitenden Positionen bei der Allianz. Ihr sei stets offensichtlich gewesen, dass der fragmentierte Schadensprozess durch eine unvollständige Datenbasis weder für Versicherer noch für Kund:innen rund läuft, meint sie.

Bootstrapping und die Vision eines Marktplatzes

Finanziell agiert das Startup, das auch bei der #glaubandich Challenge 2026 als Gewinner in der Kategorie FinTech & InsurTech ausgezeichnet wurde, derzeit komplett gebootstrappt und hat bereits rund 150.000 Euro investiert. Das primäre Ziel lautet, nachhaltig über Umsätze zu wachsen. Zwar sei man für Gespräche mit Investor:innen offen, jedoch strebe das Team externes Kapital nur dann an, wenn ein Geldgeber einen großen strategischen Mehrwert für das Unternehmen lieferten, heißt es vom Startup.

Mit dem aktuellen Launch der ersten Produktversion fällt nun der Startschuss für den offiziellen Markteintritt, bei dem erste Pilotkunden in zahlende Nutzer konvertiert werden. Die langfristige Vision von Crashwise reicht allerdings weit über die reine Datenerfassung hinaus: In Zukunft plant das Startup eine direkte Systemanbindung an Versicherungen sowie den Aufbau eines Marktplatzes für Reparaturstätten, der automatische Kostenabschätzungen ermöglichen soll.

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v.l. Matthias Schabetsberger, Managing Director Polestar Österreich, mit dem stellvertretenden schwedischen Botschafter Anders Lindgren. | © René Lueger

Der Ort war kein Zufall. „Wir sind eine schwedische Marke”, sagte Schabetsberger vor den Gästen in der schwedischen Botschaft, wo Polestar in Kooperation mit der schwedischen Handelskammer seit Jahren regelmäßig zu Gast ist. Neben Design, Performance und Nachhaltigkeit zahlten die Markenwerte stark auf gesellschaftliche Werte ein, die in Skandinavien hoch gelebt würden: Inklusion, Vielfalt, Gender Equality.

Wie schwedisch das Unternehmen ist, machte er an Zahlen fest: Von den etwas mehr als 2.000 Mitarbeitern arbeiten mehr als zwei Drittel in Schweden. Entwickelt, abgestimmt und designt wird in Schweden, wo die Verbindung zur Schwestermarke Volvo nach wie vor eng ist. Entstanden ist Polestar vor rund zehn Jahren aus einem schwedischen Rennteam, mit einem klaren Bekenntnis zum reinen Elektroantrieb. “So wollen wir als kleine schwedische reine Elektroauto-Marke der Challenger sein für die große Automobilindustrie”, so Schabetsberger.

Der stellvertretende schwedische Botschafter Anders Lindgren nannte Polestar ein gutes Beispiel dafür, wie Innovation den Übergang zur Elektromobilität in praktische Lösungen übersetzt. Die Erfahrung Schwedens zeige, dass Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit einander verstärken.

Fünf Jahre Polestar in Österreich: Jubiläumsempfang in der schwedischen Botschaft im 9. Wiener Bezirk. | © René Lueger

“Wir waren ein Startup und sind jetzt ein Scaleup”

Im Gespräch mit brutkasten zog Schabetsberger eine Parallele zur Gründerszene. Polestar sei ein junges Unternehmen: “Wir waren ein Startup und sind jetzt ein Scaleup.” Diese Dynamik habe man bewusst gewählt, ebenso den Anspruch, Dinge anders zu denken als klassische Mitbewerber. Einen typischen Polestar-Fahrer gebe es nicht, die Marke sei über alle Altersklassen hinweg beliebt, mit einem relativ ausgeglichenen Anteil männlicher und weiblicher Kunden. Was sie verbinde: die Einstellung zur Elektromobilität und zu gesellschaftlichen Werten. Als skandinavische Marke sei Polestar Europas einzige rein elektrische Automarke.

Polestar ist darüber hinaus eng mit dem schwedischen Innovationsökosystem verbunden. In Göteborg ist Polestar Partner von MobilityXlab, einem Innovationshub am Lindholmen Science Park, der Tech-Startups mit Unternehmen wie Ericsson, Volvo Group und Zenseact zusammenbringt. Ursprünglich auf Mobilität und Konnektivität fokussiert, öffnet sich die Plattform seit September 2026 auch für weitere Industrien. Ausgewählte Startups arbeiten eng mit Polestar an Proofs of Concept, etwa für digitale Customer Journeys und das Erlebnis im Fahrzeug.

Quiet Luxury statt noch mehr Touchscreens

Auf die Frage nach dem Design antwortete Schabetsberger mit einem Begriff aus der Mode: Quiet Luxury. Für Polestar heiße das: “wir brauchen aus unserer Sicht nicht mehr, sondern besser”. Während viele Premiumhersteller im Innenraum mit Holz, Alu, Leder, vielen Lichtvarianten und immer mehr Bildschirmen arbeiten, gehe Polestar einen anderen Weg: klare Linien, reduziertes, funktionales Design. “Wir finden immer mehr Kunden, die in einer aufgeregten Welt mit ständig neuen Produkten und ständiger Veränderung genau dieses reduzierte Design, diesen Quiet Luxury schätzen.” Das Prinzip gelte auch für den Auftritt der Marke: “Man muss jetzt nicht unbedingt immer laut schreien, um gehört zu werden.”

Der Polestar 5 vor der schwedischen Botschaft in Wien: Der vollelektrische Grand Tourer ist das neue Flaggschiff der schwedischen Marke und leistet in der Performance-Version bis zu 650 kW. | © René Lueger

Weniger Bildschirme heißt dabei nicht weniger Technologie. Beim neuen Polestar 4 SUV zieht mit Google built-in der KI-Assistent Google Gemini ins Auto ein. Dank der engen Partnerschaft mit Google ist dieser sukzessive auch in weiteren Modellen verfügbar. Funktionen wie Vehicle-to-Load und ein Camping Mode kommen per Software-Update. Die Transparenz, die Schabetsberger betont, hat eine Zahl: Für den Polestar 4 SUV weist Polestar den CO2-Fußabdruck bis zum Werkstor aus, 20,2 Tonnen CO2-Äquivalent bei der Rear-Motor-Variante. Bis 2030 will Polestar die Treibhausgasemissionen pro verkauftem Fahrzeug halbieren, bis 2040 in der gesamten Wertschöpfungskette klimaneutral sein. Und Polestar Charge bündelt mehr als 1,25 Millionen Ladepunkte in Europa über ein Konto, inklusive Tesla Supercharger.

Von drei auf 13 Standorte

Gestartet ist Polestar in Österreich mit einem Direct-to-Consumer-Modell und einem Polestar Space in der Wiener Herrengasse, später kamen Graz und Linz dazu. Im Vorjahr wurde das Modell erweitert: Online bestellen geht weiterhin, zusätzlich können Kunden bei regionalen Partnern in einem Agentursystem Probe fahren, kaufen und das Fahrzeug ausgeliefert bekommen. Die Zahl der Standorte wuchs von drei auf 13, von Dornbirn bis Wien.

Dahinter steht eine Marktbeobachtung: Traditionell seien Flottenkunden die Early Adopter gewesen, in den vergangenen zwölf bis 24 Monaten komme das Wachstum aber vor allem von Privatkunden und Kleinunternehmen. Um sie in Vorarlberg, Tirol oder Salzburg zu erreichen, brauche es regionale Partner. Fünf Jahre nach dem ersten Polestar Space blickt Schabetsberger nach vorne, auf “weitere Jahrzehnte in enger Kooperation”.

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