11.05.2026
PHYSICAL AI

Eday 2026: Robotik und Automatisierung als Zukunftstreiber?

Welche Potenziale haben Robotik & Automatisierung für heimische Unternehmen & KMU? Diese Frage stand im Zentrum des diesjährigen Eday der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Automatisierungsexperte Dominik Bösl gab in seiner Keynote zusätzlich Einblicke in die Entwicklungen der Robotik weltweit.
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WKÖ Vizepräsidentin Angelika Sery-Froschauer bei der Eröffnung des Eday. Sie steht bei einem Rednerpult und spricht (c) Florian Wieser
WKÖ Vizepräsidentin Angelika Sery-Froschauer bei der Eröffnung des Eday (c) Florian Wieser

Software-KI ist im österreichischen Mittelstand angekommen, physische Roboter sind es noch nicht: Während nach einer internen Umfrage der WKÖ rund 60 Prozent der heimischen Unternehmen KI nutzen, setzt erst ein Bruchteil Robotik ein. Die Frage, wie schnell sich das verschiebt und welche Bedeutung Automatisierung & Robotik für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen haben, wurde beim Digitalisierungsevent Eday 2026 thematisiert.

Zunehmende Dynamik bei Automatisierung & Robotik

Nach der WKÖ Umfrage setzen konkret elf Prozent der Unternehmen Roboter ein, in der Produktion liegt der Anteil bei 13 Prozent. Insbesondere größere Produktionsbetriebe greifen immer stärker auf Automatisierung zurück: Bei Unternehmen mit mindestens 75 Mitarbeitenden nutzen bereits 43 Prozent Robotiklösungen und rund die Hälfte aller Prozesse laufen automatisiert.

Als zentrale Treiber für den Einsatz von Robotik würden laut WKÖ vor allem Produktivitätssteigerung, höhere Qualität und sinkende Stückkosten gelten. Gleichzeitig zeigten die erhobenen Daten, dass Investitionskosten sowie der Mangel an Fachkräften weiterhin wesentliche Herausforderungen für eine breitere Umsetzung darstellen würden.

Physical AI & humanoide Roboter stehen erst am Anfang

Im Gegensatz zur raschen Verbreitung von Software-KI steht die Entwicklung im Bereich der physischen Robotik noch relativ am Anfang. Der internationale Robotik- und Automatisierungsexperte Dominik Bösl ordnete diese Situation in seiner Keynote ein: „Auf dem Gipfel der Gartner Hype-Kurve – ein Modell, das den typischen Lebenszyklus technologischer Trends von der ersten Begeisterung bis zur produktiven Reife beschreibt – sind derzeit AI-Agents und General AI Systems. Aber Physical AI oder der Humanoid Working Robot stehen noch ganz unten.“ Dies deute jedoch auch auf ein entsprechend großes Entwicklungspotenzial hin.

Die vier Phasen der Robotik

Zur Veranschaulichung dieser Entwicklung skizzierte Bösl vier Phasen der Robotik, die weltweit beobachtet werden können: Die erste Phase umfasst räumlich getrennte Industrierobotik. Maschinen verrichten wiederholende Arbeitsschritte, sind dabei aus Sicherheitsgründen jedoch räumlich vom Menschen getrennt. Die zweite Phase an Roboter, die Kollaborative Robotik (Cobots), lässt dank integrierter Sicherheitssensoren die Interaktion mit Menschen am Arbeitsplatz zu.

In der dritten Phase erlangen die Maschinen Mobilität. Mobile Roboter finden sich bereits im Hotel- und Büroumfeld sowie im Agrarsektor. In der vierten Phase sind die Maschinen in der Lage, eigenständig Aufgaben zu übernehmen, die ihnen lediglich verbal erklärt werden, beispielsweise im Pflege- oder Haushaltsbereich. Hier setzt der humanoide Roboter an.

„Der Roboter in der Pflege wird kommen, wir sind aber heute noch nicht so weit“, hält Bösl mit Blick auf die steigende Lebenserwartung weltweit fest.

Dominik Bösl hält beim Eday 2026 die Eröffnungs-Keynote (c) Florian Wieser

Warum Industrieroboter Gesichter brauchen

Um die Akzeptanz für diese neuen Technologien im Betrieb oder im Alltag zu steigern, ist laut Bösl die Emotionalisierung ein wichtiger Faktor. „In dem Moment, wo Sie Augen und ein Gesicht an einen Industrieroboter kleben, haben Sie eine emotionale Identifikation. Die kann man bewusst nutzen, um Ängste abzubauen“, so Bösl. Da der Mensch von Natur aus den Drang habe, Dingen eine „Seele“ einzuhauchen, sieht der Experte künftig auch einen großen Markt für Roboter-Haustiere.

Automatisierung als Zukunftstreiber?

Mit den Worten „Die Technologie ist großartig, sie wird kommen und ich glaube, dass sie gewinnbringend einzusetzen ist, wenn wir das sinnvoll tun. Dabei würde ich Sie aber bitten, gesunde Skepsis walten zu lassen“, wendet sich Bösl abschließend an die Unternehmer:innen im Saal.

Für WKÖ-Vizepräsidentin Angelika Sery-Froschauer steht fest, dass zeitnahe Investitionen unerlässlich sind, da Digitalisierung und KI die globale Wettbewerbsfähigkeit maßgeblich bestimmen. Sie zieht ihr Fazit wie folgt: „Wer heute nicht investiert, ist morgen bloßer Anwender fremder Technologien statt Gestalter einer Transformation, die unaufhaltsam voranschreitet.“

Bei dem Summit in Genf sind viele Roboter unterwegs. Bild: (c) Owen Beard/Unsplash
Physical AI & humanoide Roboter stehen erst am Anfang (c) Owen Beard/Unsplash

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Das am Wiener Flughafen ansässige Scaleup Enpulsion hat sich in den vergangenen Jahren eine beachtliche Position auf dem SpaceTech-Weltmarkt herausgearbeitet. Nach eigenen Angaben ist man mittlerweile Europas führender industrieller Hersteller für Weltraum-Antriebssysteme. Im Zentrum stehen dabei bislang elektrische Antriebe für Mikro- und Nano-Satelliten, die die „FEEP-Technologie“ nutzen, bei der flüssiges Metall (Indium) in winzige geladene Teilchen zerlegt und ausgestoßen wird. Mittlerweile bietet man zudem auch Antriebe für größere Satelliten mit bis zu 500 Kilogramm Gewicht an.

Konkurrierende Antriebssysteme

Diese elektrischen Antriebe, mit denen Enpulsion groß geworden ist, sind eine Alternative zu vielfach genutzten chemischen Antriebssystemen. Ein nun kommunizierter strategischer Schritt kann daher auf den ersten Blick durchaus verwundern: Mit Lift Me Off Ltd (LMO) aus dem Vereinigten Königreich will man ein Unternehmen zu 100 Prozent übernehmen, das auf chemische Weltraum-Antriebssysteme spezialisiert ist. Das Unternehmen ist unter anderem an den ESA-LEO-Missionen (Low Earth Orbit) und geplanten Mondmissionen beteiligt.

Über den Kaufpreis gibt es dabei keine Angabe. Erst im März dieses Jahres hatte Enpulsion eine 22,5 Millionen Euro schwere Finanzierungsrunde verkündet. Die aktuelle Transaktion muss noch von den britischen Behörden im Rahmen des National Security and Investment Act 2021 (NSIA) bewilligt werden. Der Abschluss wird für das dritte Quartal 2026 erwartet.

Mit Technologie-Kombination zum Komplettanbieter

Bei Enpulsion argumentiert man die Übernahme als strategischen Schritt, um hybride Antriebssysteme aus einer Hand anbieten zu können. Man wolle durch die Kombination mit dem konkurrierenden Antriebssystem einen „complete spacecraft mobility backbone“ aufbauen, wird Gründer und CEO Alexander Reissner in einer Aussendung zitiert: „LMO bringt Erfahrungen im institutionellen Bereich, ein talentiertes Team und eine komplementäre Technologiebasis im Bereich chemischer Antriebe und Tanksysteme mit.“ In Kombination mit den industriell produzierten elektrischen Antrieben könne man Kunden ermöglichen, ihre gesamte Weltraum-Mobilitätsarchitektur über einen einzigen Partner aufzubauen, so Reissner.

LMO-Chef Shaun Dormon sieht einen logischen Schritt für beide Unternehmen, die eine ähnliche Vision, aber unterschiedliche technologische Zugänge hätten. „Gemeinsam können wir eine Kombination aus hocheffizientem und agilem Manövrieren im Weltraum bei minimaler Komplexität schaffen“, so Dormon. Das LMO-Team, das im Harwell Space Cluster nahe dem ESA-Zentrum ECSAT angesiedelt ist, soll erhalten bleiben. Auch die laufenden Missionen werden weitergeführt.

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