27.05.2025
INVESTMENT

ecop: Wiener CleanTech-Scaleup erhält 10,5-Millionen-Investment von Milliarden-Konzern

Der Frankenthaler Pumpen- und Armaturenhersteller KSB beteiligt sich mit einem achtstelligen Millioneninvestment am österreichischen Entwickler industrieller Wärmepumpen ecop.
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ecop
(c) Ecop

Es war im Dezember 2022, als das österreichische CleanTech-Unternehmen ecop Technologies mit seiner Rotationswärmepumpe, die eine energieeffiziente Wärmerückgewinnung in der Industrie ermöglicht, eine Series A in Höhe von zehn Millionen Euro bekannt gab – brutkasten berichtete. Rund zwei Jahre danach erzählte CEO Fabian Sacharowitz in Barcelona auf dem Event von EIT InnoEnergy von der Weiterentwicklung der Technologie und den nächsten Wachstumsschritten. Nun vermeldet man erneut ein Millionen-Investment.

ecop: Gasgemisch als Arbeitsmedium

Die genaue Höhe des frischen Kapitals wird mit 10,5 Millionen Euro beziffert. Dafür erhält das Unternehmen KSB, das mit rund 16.400 Mitarbeitern im Geschäftsjahr 2024 einen Umsatz von ca. drei Mrd. Euro erwirtschaften konnte, Anteile in Höhe von 20 Prozent. Damit möchte es sein Energiegeschäft erweitern und sich den Zugang zu einem stark wachsenden Markt von Großwärmepumpen für thermische Leistungen sichern.

Ecop, das heute 20 Mitarbeiter:innen beschäftigt, wurde bereits im Jahr 2011 in Wien gegründet und hat eine Rotationswärmepumpe entwickelt, die einstufig einen sehr hohen Temperaturhub erzielen kann. Durch die Nutzung eines Gasgemisches als Arbeitsmedium und den Einsatz der Rotationstechnologie sei die Wärmepumpe in einem sehr breiten und flexiblen Temperaturbereich effizient einsetzbar. Damit könnten vorhandene Wärmequellen besonders gut ausgenutzt werden.

Das Verfahren könne in Industrien mit Wärmebedarf wie zum Beispiel der Papier- und Textilindustrie, bei Nahrungsmittelherstellern sowie bei Nah- und Fernwärmebetreibern zum Einsatz kommen und die Wärmeerzeugung durch fossile Brennstoffe ersetzen, so der Claim.

„Streben nach Nachhaltigkeit“

„Wir erleben einen weltweit steigenden Energiebedarf, wobei der Energiemix sich stark zugunsten CO2-vermeidender Verfahren verändert“, sagt Stephan Timmermann, Sprecher der KSB-Geschäftsleitung. „Rund zwei Drittel des industriellen Energiebedarfs entfällt auf Wärme. Die Dekarbonisierung thermischer Energie birgt hier ein enormes Potenzial. Ecop und KSB verbindet nicht nur die Spitzen-Technologie, sondern auch das Streben nach Nachhaltigkeit.“

Die beiden Unternehmen möchten nun von zahlreichen technischen Synergien von Pumpen-Komponenten bis hin zur Forschung und Entwicklung gemeinsam profitieren. Ecop-CEO Sacharowitz dazu: „Mit KSB gewinnen wir den Partner, den wir brauchen, um unsere Technologie weltweit auszubauen und sie auch in höheren Leistungsbereichen von Großwärmepumpen führend zu machen.“

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Teamfoto Klartext AI | (c) Leandra Schurz Photography

Elektronikprodukte enthalten wertvolle Rohstoffe, werden aber häufig so entwickelt, dass sie sich nicht einfach reparieren, wiederverwenden oder recyceln lassen. Das Wiener Startup Klartext AI will mit Künstlicher Intelligenz dazu beitragen, das zu ändern. Das 2025 gegründete Unternehmen entwickelt KI-Lösungen für unterschiedliche Anwendungsbereiche, darunter doclarity, ein Tool zur Erstellung barrierefreier PDF-Dokumente. Im Rahmen des Eureka-Forschungsprojekts „ManageR“ entwickelt es einen KI-Assistenten, der Elektronikhersteller bei Entscheidungen zur Kreislaufwirtschaft unterstützen soll. Dafür erhält Klartext AI eine Förderung von rund 250.000 Euro von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG).

Das Projekt startete am 1. Oktober 2026 und läuft über drei Jahre. Klartext AI ist dabei für die KI-Technologie zuständig und entwickelt den sogenannten ‚ManageR Copilot‘. Dieser soll Informationen über Produkte, Materialien und gesetzliche Vorgaben zusammenführen und daraus Handlungsempfehlungen ableiten.

KI soll Reparatur und Wiederverwendung bewerten

Im Mittelpunkt von ManageR steht ein digitales Bewertungs- und Optimierungstool. Dieses soll Unternehmen dabei helfen, für einzelne Produkte und Komponenten geeignete Kreislaufstrategien zu finden. Dabei geht es beispielsweise um die Frage, ob Bauteile repariert, wiederverwendet, aufbereitet oder recycelt werden sollten. Die Software soll in unterschiedlichen Phasen des Produktlebenszyklus zum Einsatz kommen – etwa bei der Entwicklung oder im Einkauf. Je nach Lebenszyklusphase soll das System unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten aufzeigen. Neben ökologischen Faktoren soll dabei auch die Wirtschaftlichkeit berücksichtigt werden.

Eine Herausforderung ist dabei die Vielzahl an benötigten Informationen. Dazu zählen etwa Produktstücklisten, Materialdaten, regulatorische Anforderungen und branchenspezifisches Fachwissen. Diese Informationen sind häufig auf unterschiedliche Systeme und Abteilungen verteilt oder liegen bei einzelnen Experten. Das Wiener Startup entwickelt deshalb ein KI-Agentensystem samt Benutzeroberfläche, das die Daten verknüpfen soll. Ein besonderer Schwerpunkt liegt laut Anna Poledna, Business Development bei Klartext AI, auf der Nachvollziehbarkeit: Nutzer sollen erkennen können, auf welchen Informationen und Quellen die Vorschläge beruhen. Technologisch setzt das Startup dafür unter anderem auf Wissensgraphen und Multi-Agenten-Systeme.

Eine Rolle bei der Entstehung des Projekts spielten laut Poledna auch neue EU-Vorgaben. Die Ökodesign-Verordnung (ESPR) soll unter anderem die Langlebigkeit und Reparierbarkeit von Produkten verbessern. Der Digitale Produktpass soll künftig Informationen zu Materialien, Reparaturmöglichkeiten und Umweltauswirkungen verfügbar machen.

Zusammenarbeit mit Fraunhofer und Industrieunternehmen

An ManageR sind neben Klartext AI das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA), die Universität Stuttgart sowie die deutschen Unternehmen ifm und Ansmann beteiligt. Fraunhofer koordiniert das Projekt und entwickelt unter anderem ein Bewertungsmodell, während die Universität Stuttgart ihre Expertise in der Ökobilanzierung einbringt. Die beiden Industrieunternehmen stellen ein 3D-Kamerasystem und ein Ladegerät zur Verfügung, an denen die Technologie getestet werden soll.

„Für uns ist es großartig, dass wir unsere KI-Forschung direkt in die Anwendung bringen können. In ManageR entwickeln wir gemeinsam mit führenden Forschungseinrichtungen neue Methoden und testen sie gleichzeitig an echten Industrieprodukten“, sagt Poledna.

Nach Abschluss des Forschungsprojekts im September 2029 soll die Technologie laut Poledna kommerziell angeboten werden. Geplant ist, sie künftig auch für weitere Elektronikprodukte einzusetzen. Wie breit das System anwendbar sein wird, hängt insbesondere von der Verfügbarkeit entsprechender Daten ab.

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