07.03.2024

EcoNetix: Wiener ClimateTech holt wenige Monate nach Gründung Millionen-Investment

EcoNetix hat eine technische und datengetriebene Lösung zum Monitoring und Tracking von CO2-Einsparung entwickelt. Über die nächsten Jahre soll ein weltweites Carbon-Credit-Portfolio aufgebaut werden. Die beiden Gründer Jakob Zenz und Paul Nimmerfall haben uns mehr über die Lösung und nächsten Wachstumsschritte erzählt.
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Die beiden EcoNetix-Gründer Paul Nimmerfall und Jakob Zenz (v.l.n.r.) | (c) brutkasten/ fabian krausböck

Einer Studie der Boston Consulting Group zufolge betrug der globale Markt für Carbon-Credits 2021 rund zwei Milliarden US-Dollar. Und ihm wird ein rasantes Wachstum vorausgesagt: Bis 2030 geht man davon aus, dass dieser auf bis zu 40 Milliarden US-Dollar anwachsen wird. Trotz des Booms steht der Markt in Kritik – insbesondere aufgrund der mangelnde Standardisierung und Transparenz.

Einer der Hauptgründe dafür liegt in der Überprüfung der Wirksamkeit von CO2-Kompensations-Projekten, die in der Regel schwierig ist. Dies trifft insbesondere auf Projekte in Entwicklungsländern zu. Aufgrund mangelnder Infrastruktur und Ressourcen werden beispielsweise Aufforstungsprojekte in entlegenen Regionen nur einmal pro Jahr einem Audit unterzogen.

EcoNetix bietet Lösung

Um mehr Transparenz am Markt zu schaffen, bedarf es künftig einer akkurateren Datenlage vor Ort. Dies hat sich das Wiener ClimateTech EcoNetix zur Aufgabe gemacht, das 2023 von Jakob Zenz und Paul Nimmerfall gemeinsam mit David Salzgeber gegründet wurde. Das noch recht junge Unternehmen entwickelte eine Tech-Lösung, die mit Hilfe von Sensoren Live-Daten im Feld sammelt. Langfristig soll so das Vertrauen in den CO2-Markt zurückgebracht und ein weltweites Carbon-Credit-Portfolio aufgebaut werden.

(c) EcoNetix

Dafür arbeitet das Unternehmen bereits mit lokalen Partnern in sechs Ländern und auf drei Kontinenten zusammen. Dazu zählen etwa Aufforstungsprojekte in Afrika, Renaturierungsprojekte an Küsten und Projekte zur Transformation hinzu erneuerbarer Energie. „Wir haben aktuell über 78.000 Hektar über Projektpartner konzessioniert“, so Zenz gegenüber brutkasten. Zu Ländern zählen Tanzania, die Demokratische Republik Kongo, Kenia, Angola, die Vereinigte Arabischen Emirate und der EU-Raum.

Gründerteam bringt viel Erfahrung mit

Der Bezug zum afrikanischen Kontinent kommt nicht von ungefähr. Zenz, der über einen Background als Investmentbanker verfügt, war bereits in Uganda als Unternehmer aktiv und gründete vor Ort eine 65 Hektar große Farm. Im Zuge seiner unternehmerischen Aktivität lernte er den Gründer des afrikanischen Scaleups UpEnergy kennen, das bereits seit 2011 Carbon-Removal-Projekte in zahlreichen afrikanischen Ländern aufbaute.

„Das Carbon-Credit-Thema ist irgendwie für mich immer so etwas gewesen, wo der Financial Stream effektiv vom globalen Norden in den globalen Süden kommen kann. Die Ursprungsidee war einfach gut“, so Zenz über seine Motivation EcoNetix zu gründen.

Für die Gründung seines neuen Unternehmens war Zenz auf der Suche nach Co-Foundern und wurde über LinkedIn auf Paul Nimmerfall aufmerksam, der über einen juristischen Background verfügt. Er arbeitete außerdem rund zwei Jahre in den Vereinigten Arabischen Emiraten für eine Anwaltskanzlei im Bereich „M&A und Energy-Law“. Zuletzt war Nimmerfall beim oberösterreichischen Energy-Scaleup neoom rund um Walter Kreisel als Director tätig. Dort war er maßgeblich an der Skalierung des Unternehmens von 30 auf über 250 Mitarbeiter:innen beteiligt.

Dritter im Bunde ist David Salzgeber, der die technische Expertise einbringt. Salzgeber ist zugleich auch CEO des 1996 gegründeten Unternehmens Salzgeber IT Revolutions, das in Österreich ein führender Hersteller von Sicherheitstechnik und Internet of Things ist.

Das Geschäftsmodell

Gemeinsam bauen sie nun Sensoren, die für das Early-Verification-Tool Daten vor Ort sammeln. Diese werden wiederum mit Satellitendaten kombiniert. In einen weiteren Schritt erhalten Kunden über eine Plattform in Echtzeit einen Einblick zum jeweiligen Kompensationsprojekt, das sie mit dem Kauf von Carbon Credits unterstützen. Teil des Geschäftsmodells ist jedoch nicht nur das Sammeln der Daten, sondern auch der Verkauf der Credits. Und das Startup hat ambitionierte Pläne: „Wir wollen der größte Anbieter und der größte Asset Manager von High-Quality Carbon Credits werden“, so Paul Nimmerfall.

(c) EcoNetix

Zooplus-Gründer steigt über Investment-Company ein

Für das weitere Wachstum und die Umsetzung ihrer Pläne konnte EcoNetix nun eine siebenstellige Finanzierungsrunde abschließen. Und das Startup konnte dafür namhafte Investoren für sich gewinnen: Neben dem VC Persistent und ASC Impact beteiligt sich auch Voltares Ventures. Bei letzterem handelt es sich um die Green Investment Company von Cornelius Patt. Er hat Europas größten Tierbedarfshändler Zooplus aufgebaut, der 2021 von Finanzinvestoren für einen Betrag in Höhe von 3,7 Milliarden Euro von Finanzinvestoren übernommen wurde. Den Kontakt zu Cornelius Patt konnten die Gründer übrigens in Wien auf der UNIDO-Messe in der Wiener Hofburg herstellen.

„Im Jahr 2024 werden wir im Kernteam von fünf auf ca. 15 Personen wachsen. Mit unseren Projektpartnern beschäftigen wir aktuell bereits über 150 Mitarbeiter weltweit“, so Zenz. Zudem sollen in den nächsten Monaten Niederlassungen in den USA, Singapur und Japan aufgebaut werden, um die Plattform global zu skalieren.


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Elias und Matthias Bohun von Traivelling bei der Prämierung der besten Geschäftsidee Niederösterreichs 2019 (c) Daniela Matejschek

Interkontinentale Zugreisen einfach und nachhaltig zu ermöglichen, dafür wurde Traivelling vor gut fünf Jahren gegründet. Ursprünglich war das Unternehmen im B2C-Bereich tätig. Privatpersonen sollten ohne großartige Recherche weite Strecken mit dem Zug zurücklegen können. Zuletzt wollte man sich im B2B-Bereich verstärken, doch nun ist das Unternehmen insolvent. Ein Konkursverfahren am Handelsgericht Wien wurde eröffnet.

„Wir arbeiten in einem knappen Margenbereich“

Zuletzt arbeitete Traivelling daran, eine Softwareschnittstelle im B2B-Bereich anzubieten, über die Tickets weitervermittelt werden sollten. Das Wiener Startup hätte dafür monatliche Fees von B2B-Partnern und eine Provision von Bahnfirmen erhalten. Aus einer Aussendung des Kreditschutzverbands KSV1870 geht hervor, dass Traivelling dadurch Umsätze in einer Größenordnung generieren wollte, die für einen langfristigen Unternehmenserfolg entscheidend sein sollten. Im Endeffekt war laut KSV 1870 eben diese Softwareschnittstelle für die Nutzung durch Unternehmenskunden, also der B2B-Bereich, die Ursache für die Insolvenz.

Die Entwicklung dieser Schnittstelle konnte nämlich bis dato nicht fertiggestellt werden. Auch ein Rettungsversuch durch Verhandlungen mit Investoren scheiterte. „Es waren unüberbrückbare vertragliche Differenzen zwischen den Investoren und uns“, erklärt Geschäftsführer Elias Bohun, der die Namen der Investoren nicht nennen möchte.

„Wir arbeiten in einem knappen Margenbereich. Am Ende ist uns leider das Geld ausgegangen, obwohl wir jeden Tag Buchungen hatten. Wir hätten aber ein Vielfaches gebraucht“, sagt Bohun. Bereits gebuchte Tickets würden ihre Gültigkeit behalten. Das Unternehmen hatte zwei Mitarbeiter.

Die Verbindlichkeiten betragen laut Kreditschutzverband 435.000 Euro, rund 200 Gläubiger seien betroffen. Die Zahl der Gläubiger sei so groß, weil Traivelling sich unter anderem mittels Crowdfunding finanzierte.

Crowdfunding und FFG-Förderung

Das Startup konnte im Jahr 2025 über eine Crowdfunding-Aktion 200.000 Euro einsammeln (brutkasten berichtete). Um diese Summe zu erreichen, habe es laut Geschäftsführer Elias Bohun nur zehn Tage gebraucht. Zusätzlich erhielt das Wiener Startup eine FFG-Basisförderung. Insgesamt konnten man eine Finanzierung in Höhe von rund 600.000 Euro aufstellen.

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