26.08.2025
INVESTMENT

Ecocircling: Salzburger Aquaponik-Unternehmen holt US-Investment

Die vor kurzem gegründete Salzburger Ecocircling GmbH will in einer Pilotanlage ein innovatives Aquaponik-Projekt umsetzen. Biomasse, unter anderem aus Ernteabfällen, dient dabei als Energiequelle für den Betrieb von Fischzucht und Gemüseproduktion. Dafür gab es Kapital aus den USA. Gründerin Teresa Millinger-Neumayr erklärt ihre Idee.
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Ecocircling
© Peter Tomschi - Teresa Millinger-Neumayr (l.), Geschäftsführerin Ecocircling und Grace Sheehan, Investorin und US-Unternehmerin.

Die Idee zum Salzburger Unternehmen Ecocircling entstand aus einer persönlichen Beobachtung Teresa Millinger-Neumayrs. In ihrer Region war es oft schwierig, frische, lokal produzierte Lebensmittel – insbesondere Fisch – zu bekommen. So recherchierte die Gründerin und lernte, dass Österreichs jährlicher Fischbedarf bei rund 70.000 Tonnen liegt, aber nur etwa 5.000 Tonnen aus heimischer Produktion stammen.

Ecocircling: Aquaponik für Lebensmittelproduktion

„Das bedeutet einen Selbstversorgungsgrad von gerade einmal sieben Prozent – über 90 Prozent müssen importiert werden“, sagt sie. „Gleichzeitig sind Klimawandel, steigende Energiekosten und Wasserknappheit globale Herausforderungen, die neue Lösungen erfordern. Daraus ist die Idee gereift, ein Kreislaufsystem zu entwickeln, das Fisch- und Gemüseproduktion intelligent verbindet.“

Ecocircling erzeugt daher Energie aus Ernte- und Schlachtabfällen, gewinnt Wasser aus der Luft und nutzt Aquaponik zur Lebensmittelproduktion. Damit mache man sich unabhängig von fossilen Energien und internationalen Lieferketten. „Ecocircling ist als Ergänzung zur traditionellen Landwirtschaft zu betrachten, wir wollen zur regionalen Ernährungssicherheit beitragen und eine Pilotanlage zur Marktreife bringen“, so Millinger-Neumayr weiter.

US-Investment

Mit diesem Konzept konnte die Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlerin US-Investorin Grace Sheehan für sich gewinnen, die sich am Unternehmen beteiligt hat. Über die konkrete Investitionssumme wurde aus Vertraulichkeitsgründen Stillschweigen vereinbart. „Grace bringt sowohl Kapital als auch strategisches Know-how ein und ist meine Partnerin in der Weiterentwicklung und Internationalisierung des Unternehmens“, sagt Millinger-Neumayr. „Wir denken das System nicht nur für eine einzelne Pilotanlage in Österreich, sondern für Hotels, Städte und Regionen weltweit.“

Kern des modularen Ecocircling-Systems ist die Verbindung einer Luftfeuchte-zu-Wasser-Einheit mit einer Biomasseanlage, die aus pflanzlichen Abfällen nachhaltig Energie und Wärme erzeugt. Damit sei unabhängige Nahrungsmittelproduktion auf kleinstem Raum möglich – und das mit 90 Prozent weniger Wasser- und Energieverbrauch im Vergleich zur herkömmlichen landwirtschaftlichen Produktion. Das System des Unternehmens ist modular und lasse sich schnell in unterschiedlichen Regionen einsetzen, auch dort, wo klassische Landwirtschaft an ihre Grenzen stößt. Das Unternehmen aus Salzburg kombiniert konkret Aquaponik mit KI-gestützter Steuerung, erneuerbarer Energie und Wassergewinnung aus Luftfeuchtigkeit.

„Zugang zu Wasser streng reguliert“

„In vielen Ländern ist der Zugang zu Wasser streng reguliert, Wasserrechte sind teuer oder gar nicht mehr zu bekommen“, erklärt Millinger-Neumayr: „Herkömmliche Landwirtschaft verbraucht sehr viel Wasser – unser System dagegen arbeitet mit einem geschlossenen Kreislauf. Wir können Wasser aus Luftfeuchtigkeit generieren. Das heißt: Wir sind unabhängig von klassischen Wasserrechten, und das eröffnet enorme Chancen in Regionen, die bisher kaum Lebensmittel selbst produzieren konnten.“

Zu den nächsten Schritten von Ecocircling gehört es, kurzfristig die Pilotanlage aufzubauen, um das System in der Praxis zu demonstrieren und erste Kunden zu beliefern. Parallel arbeitet man an Partnerschaften mit Hotellerie, Gastronomie und Landwirten.

Ziel von Ecocircling: ‚Plug&Play‘-System

„Unser Ziel ist ein ‚Plug & Play‘-System: aufstellen, einschalten, produzieren – auf Wunsch mit Rundum-Service, von der mobilen Schlachtung bis zum Vertrieb von Überschüssen. Mittelfristig geht es darum, das System international auszurollen“, erklärt Millinger-Neumayr.

Und Sheehan ergänzt: „Mit Ecocircling wollen wir die Kreislaufwirtschaft gezielt stärken und gleichzeitig einen Beitrag zur Ernährungssicherheit als Ergänzung zur traditionellen Landwirtschaft leisten. Die Verbindung von exzellenter angewandter Forschung und innovativen Pilotprojekten wie diesem eröffnet vielversprechende Perspektiven für Österreich, Europa und die Welt.“ Die Fertigstellung des Pilotmoduls ist für das Jahr 2026 geplant.

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Bundesminister Peter Hanke und FFG-Geschäftsführerin Karin Tausz beim Pressegespräch © Tobias Gärtner

„Wir merken explosionsartige Entwicklungen“, sagte Innovationsminister Peter Hanke heute beim Pressegespräch mit FFG-Geschäftsführerin Karin Tausz zum österreichischen Weltraumsektor. Die beiden präsentierten eine erste Zwischenbilanz, 5 Monate nach der Erhöhung des österreichischen ESA-Beitrags und kündigten ein neues Investor-Forum für Raumfahrt-Startups an.

Rückfluss statt bloßem Beitrag

Seit dem ESA-Ministerrat in Bremen im November 2025 zahlt Österreich 340 Millionen Euro in die Europäische Weltraumorganisation ein: 80 Millionen oder 30 Prozent mehr als in der Vorperiode. Bereits in den ersten Monaten der Laufzeit 2026–2028 sind 74 Millionen Euro als Aufträge an österreichische Unternehmen und Forschungseinrichtungen zurückgeflossen, davon „rund 51 bis 52 Millionen direkt an Unternehmen“, so Tausz. Die gesamte ESA-Zeichnung beim Ministerrat 2025 betrug 22,3 Milliarden Euro, das höchste Volumen in der Geschichte der Organisation.

200 Unternehmen mit klarem Wachstumspfad

Rund 200 Unternehmen und Forschungseinrichtungen sind laut offiziellen Zahlen derzeit im österreichischen Weltraumsektor aktiv und erzielten 2022 Gesamteinnahmen von 209 Millionen Euro. Der europäische Markt für sichere Satellitenkommunikation soll laut EUSPA-Marktbericht 2026 von 200 Millionen Euro (2025) auf 1,2 Milliarden Euro bis 2040 wachsen. Der Sektor ist außerdem als eines von neun Stärkefeldern in der Industriestrategie 2035 verankert.

Privatkapital für Space-Tech

Öffentliche Mittel allein reichen dem Ministerium zufolge nicht aus, um das Wachstumspotenzial des Sektors auszuschöpfen. Deshalb wird am 29. und 30. Oktober 2026 in München ein trilaterales ESA-DACH-Forum ins Leben gerufen, organisiert von FFG, der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR sowie dem Swiss Space Office.

Ziel ist ein kuratiertes Matching zwischen rund 60 ausgewählten Raumfahrt-Unternehmen und rund 120 Investor:innen, um gezielt privates Kapital in den Sektor zu lenken. „Es soll ganz klar sein für die Investoren, die kommen: Hier wird über Weltraum gesprochen“, so Tausz. Das Format soll danach jährlich rotieren.

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