27.11.2025
RAHMENBEDINGUNGEN

EcoAustria fordert per Maßnahmenpaket bessere Wachstumsbedingungen für Startups und Scaleups

Innovative Jungunternehmen hierzulande würden im Vergleich zu den USA zu langsam wachsen, so EcoAustria.
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EcoAustria
© Weinwurm - Monika Köppl-Turyna, Direktorin des Wirtschaftsforschungsinstituts EcoAustria.

Europas Wettbewerbsfähigkeit steht unter Druck. Die Produktivitätslücke gegenüber den USA hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stetig vergrößert, besonders im Technologiesektor, wo die Produktivität US-amerikanischer Unternehmen massiv gestiegen ist, während sie in Europa weitgehend stagniert – so sieht es das Wirtschaftsforschungsinstitut EcoAustria und macht eine zentrale Ursache dafür aus: in Europa entstehen deutlich weniger innovative Startups und sie wachsen im Vergleich zu den USA langsamer.

EcoAustria: Strukturelle Hürden das Problem

„Konkret liegt die Eintrittsrate vielversprechender Neugründungen in den USA rund 25 Prozent höher als in Europa. Zudem erreichen die wachstumsstärksten jungen US-Firmen einen sechsfach höheren Beschäftigungsanteil als vergleichbare europäische Jungunternehmen. Folglich werden in Europa deutlich weniger von ihnen zu Marktführern“, erklärt EcoAustria-Direktorin Monika Köppl-Turyna.

Eine aktuelle 23-seitige „Policy Note“ des Instituts soll diese Entwicklung verdeutlichen und aufzeigen, dass innovative Jungunternehmen in Europa oftmals durch strukturelle Hürden ausgebremst werden.

„Startups und Scaleups sind entscheidend für Produktivität, technologischen Fortschritt und langfristiges Wachstum – ohne sie wird Europa im globalen Wettbewerb weiter zurückfallen. Europa braucht dringend bessere Rahmenbedingungen, um strukturelle Barrieren abzubauen, Finanzierungsquellen zu erweitern und ein innovationsfreundliches Umfeld zu schaffen“, so Köppl-Turyna weiter.


Vor diesem Hintergrund empfiehlt das Institut folgendes Maßnahmenpaket:

1. Vollendung des Binnenmarkt

Der Abbau verbleibender Handelshürden sowie die Harmonisierung unternehmensrelevanter Regulierungen sollen die Vollendung des EU-Binnenmarkts ermöglichen, damit Startups leichter EU-weit expandieren, Skaleneffekte nutzen und Wachstumspotenziale ausschöpfen können – ein Schritt, der laut EcoAustria das EU-BIP um rund 480 Milliarden Euro erhöhen könnte.

2. Einheitliche Regeln für mehr Eigenkapital

Die Vereinheitlichung von Gesellschafts-, Insolvenz- und Steuerrecht sowie die Vertiefung des europäischen Kapitalmarkts sollen die grenzüberschreitende Eigenkapitalfinanzierung erleichtern. So kann ein echter europäischer Kapitalbinnenmarkt entstehen, der mehr Investitionen mobilisiert und die hohen Ersparnisse in Europa effizienter nutzt. Davon würden insbesondere junge innovative Unternehmen profitieren, die dadurch leichter Zugang zu Wachstumskapital erhalten könnten.

3. Mobilisierung von Risikokapital

Um mehr Wachstumskapital für innovative Startups bereitzustellen, sollen regulatorische Hürden abgebaut und der Zugang zu privatem und institutionellem Kapital verbessert werden – insbesondere durch Reformen, die stärker auf kapitalgedeckte Pensionssysteme setzen und damit mehr Mittel für Risikokapitalinvestitionen mobilisieren. So lasse sich die bestehende Finanzierungslücke gegenüber den USA verringern, wo ein Vielfaches an Risikokapital investiert werde. Ziel ist es, europäischen Startups die Mittel zu geben, damit sie bleiben – und hier zu Marktführern werden.

4. Stärkung des Innovationsökosystems

Durch eine bessere Koordinierung und Vernetzung der europäischen Forschungs- und Innovationslandschaft sowie den Abbau nationaler Fragmentierung sollen grenzüberschreitende Innovationscluster entstehen, die Investitionen auf strategische Schlüsseltechnologien bündeln. Dadurch soll sichergestellt werden, dass Startups Know-how, Talente und Märkte EU-weit erschließen können und Europa in Technologien wie KI oder Quantencomputing global anschlussfähig bleibt.

5. Förderung der Unternehmenskultur und Risikobereitschaft

Nicht zuletzt könne ein kultureller Wandel hin zu mehr Risikobereitschaft, Innovationsfreundlichkeit und Wertschätzung für Unternehmertum die Gründungsdynamik fördern und Innovationskraft Europas erhöhen. Durch gezielte Bildungsinitiativen, sichtbare Vorbilder und den Abbau von Stigmata sollen mehr Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit wagen.


„Eine solche Kultur des chancenorientierten Unternehmertums ist zugleich Voraussetzung dafür, dass formelle Reformen ihre volle Wirkung entfalten“, resümiert Köppl-Turyna, „da kulturelle Normen bestimmen, wie stark politische Maßnahmen tatsächlich in mehr Unternehmensgründungen und Wachstum münden.“

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RNAnalytics, tecnet
© equity - (v.l.) Christian Laurer, Adriana González Palomo, Viktoria Enkmann, Hannes Burgstaller und Natalija Rajicic.

Mit einem SAFE (Simple Agreement for Future Equity) beteiligt sich tecnet equity am niederösterreichischen TechBio-Startup RNAnalytics. Das von Viktoria Enkmann und Hannes-Oliver Burgstaller gegründete Unternehmen ist im accent Makerspace in Tulln angesiedelt und entwickelt dort Lösungen für die Analyse von Lipid-Nanopartikeln – winzigen Transporthüllen, die Wirkstoffe wie RNA sicher in menschliche Zellen bringen sollen. Mit dem Investment möchte RNAnalytics die Weiterentwicklung seiner modularen Analyse-Toolkits sowie den Ausbau seiner integrierten Softwareplattform vorantreiben. Über die Höhe der Beteiligung wurde Stillschweigen vereinbart. Doch wie brutkasten erfahren hat, handelt es sich inklusive Förderungen um eine Summe im „höheren sechsstelligen Bereich“.

RNAnalytics: Analysen sehr aufwendig

RNA-basierte Medikamente haben durch neue Impfstoffe und Therapieansätze stark an Bedeutung gewonnen. Damit RNA im Körper überhaupt dort ankommt, wo sie wirken soll, braucht sie eine schützende Transporthülle. Dafür werden häufig sogenannte Lipid-Nanopartikel, kurz LNPs, eingesetzt.

Ob diese winzigen Partikel richtig funktionieren, muss während der Entwicklung eines Medikaments immer wieder überprüft werden. Entscheidend sei dabei, die Eigenschaften der Partikel genau zu verstehen, von ihrer Größe und Stabilität über die tatsächlich eingeschlossene RNA-Menge bis hin zu ihrem Verhalten in unterschiedlichen Zellen.

Diese Analysen seien heute oft aufwendig, erfordern teilweise teure Spezialgeräte und würden mangels einheitlicher Methoden nur eingeschränkt vergleichbare Ergebnisse liefern. „Das kostet Zeit und erschwert insbesondere kleineren BioTech-Unternehmen und Forschungslabors den Zugang zu einer Technologie, die für die Entwicklung neuer RNA-Therapien immer wichtiger wird“, liest man in der Aussendung.

Modulare Toolkits

RNAnalytics hat es sich daher zum Ziel gesetzt, diese Analysen einfacher und standardisierter zu machen. Dafür entwickelt das Unternehmen modulare Toolkits, die auf bereits vorhandener Laborausstattung eingesetzt werden können. Sie kombinieren validierte Messmethoden, Reagenzien und Referenzmaterialien und wollen Laboren damit einen „klar definierten Ablauf für die Untersuchung von Lipid-Nanopartikeln“ ermöglichen.

„Die SAFE-Finanzierung gibt uns in dieser frühen Phase die Möglichkeit, unsere Toolkits konsequent weiterzuentwickeln und parallel den Ausbau unserer Softwareplattform voranzutreiben. Mit tecnet equity haben wir dabei einen Partner an unserer Seite, der die Herausforderungen technologieintensiver Gründungen versteht“, sagt Enkmann, CEO von RNAnalytics.

RNAnalytics: Plattform in Entwicklung

Der Ansatz des Tullner Startups geht jedoch über einzelne Labortests hinaus, wie man mitteilt: Parallel zu den Toolkits entwickelt das Unternehmen eine Softwareplattform, in der die bei den Analysen entstehenden Daten zusammengeführt und automatisch ausgewertet werden können.

So entstehe ein umfassendes Bild der relevanten Qualitätsmerkmale eines RNA-Therapeutikums. Statt Messergebnisse aus unterschiedlichen Geräten und Tests einzeln auszuwerten, könnten Labore ihre Daten zentral verarbeiten, verschiedene Qualitätsparameter miteinander vergleichen und standardisierte Berichte erstellen. Die Kombination aus physischen Toolkits und Software soll damit einen bislang stark fragmentierten Analyseprozess in einen durchgängigen Workflow überführen.

„RNAnalytics setzt an einem sehr konkreten Problem in einem technologisch anspruchsvollen und stark wachsenden Bereich der Biotechnologie an. Besonders überzeugt uns der Ansatz, komplexe Laboranalytik durch standardisierte Toolkits zugänglicher zu machen und diese gleichzeitig in einer skalierbaren Softwareplattform zusammenzuführen“, erklärt Christian Laurer, Senior Investment Manager bei tecnet equity. „Die beiden Gründer:innen verbinden fundiertes wissenschaftliches Know-how mit einem klaren Verständnis für die Herausforderungen in der LNP-Analytik und einer überzeugenden Produktvision. Diese Kombination war für uns eine wesentliche Grundlage für das Investment in dieser frühen Phase.“

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