06.07.2023

EcoAustria: Darum lassen sich Beruf und Familie in Österreich schwer vereinen

Mit einem Gender Pay Gap von 18,8 Prozent - und damit deutlich über dem EU-Schnitt von 12,7 Prozent - liegt Österreich in puncto gendergerechter Bezahlung nicht im Spitzenfeld. Wie das Forschungsinstitut EcoAustria nun zeigt, befindet sich Österreich auch bei Vereinbarkeit von Beruf und Familie im letzten EU-Drittel.
/artikel/ecoaustria-darum-lassen-sich-beruf-und-familie-in-oesterreich-nicht-vereinen
(c) Adobe Stock
mit Visuals

Österreich ist im schwächsten Drittel in puncto Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Europa vertreten. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Wirtschaftsforschungsinstitut EcoAustria. Gründe dafür seien unter anderem die niedrige Kinderbetreuungsquote bei unter Dreijährigen, ein überdurchschnittlicher Gender Pay Gap sowie die geringe Vollzeitbeschäftigung von Frauen im europäischen Vergleich. Monika Köppl-Turyna, Direktorin von EcoAustria, klärt auf.

Kinderbetreuung und Teilzeitbeschäftigung fördern Ungleichheit

Die örtliche Erreichbarkeit und zeitliche Flexibilität sowie die Qualität hiesiger Kinderbetreuungen beeinflussen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in einem Land. In Österreich verzeichnet EcoAustria eine überdurchschnittlich hohe Erwerbsbeteiligung von Müttern, jedoch oft in Teilzeitbeschäftigungen. Dies soll, EcoAustria zufolge, zur Geschlechterungleichheit am Arbeitsmarkt beitragen. Das Institut erwähnt zudem, dass institutionelle Kinderbetreuung die Erwerbsintegration von Müttern fördern und zu einer Ausweitung der Arbeitszeit führen kann. Dies würde auch Bildungsergebnisse sowie die schulische Integration benachteiligter Kinder positiv beeinflussen, so das Institut.

Dänemark und Schweden im Spitzenfeld, Österreich auf Platz 20

Um Strukturen und Rahmenbedingungen der institutionellen Kinderbetreuung im internationalen Vergleich zu bewerten, hat das Wirtschaftsforschungsinstitut EcoAustria einen vergleichenden Scoreboard-Indikator entwickelt. Dieser berücksichtigt Leistungskennzahlen der Kinderbetreuung sowie Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, so das Forschungsinstitut in einer Pressemeldung.

Gegenüber der letzten Betrachtung aus dem Jahr 2021 hat sich der Indexwert von 0,47 auf 0,48 verbessert, liegt aber noch weit vom Bestwert 1 entfernt. Im Vergleich mit 29 Ländern, darunter 27 EU-Länder sowie die Schweiz und Norwegen, belegt Österreich den 20. Platz – und hat sich damit zum Jahr 2021 um keinen Platz verbessert. Im Europavergleich führen Schweden und Dänemark mit einem Indexwert 0,78, Slowenien mit 0,77 und Norwegen mit 0,71.

Ein Vergleich ausgewählter Länder (c) EcoAustria

Längere Betreuungszeiten gefordert

Das Wirtschaftsforschungsinstitut sieht eine Erhöhung der Kinderbetreuungsquote bei unter Dreijährigen mit längeren Betreuungszeiten als Schlüssel zur Besserung. Dies bestätigt EcoAustria Direktorin Monika Köppl-Turyna. Die Expertin fordert dazu auf, sich in puncto Kinderbetreuung an den skandinavischen Ländern sowie an Slowenien zu orientieren:

„Institutionelle Kinderbetreuung findet bei unter Dreijährigen in einem nennenswerten Ausmaß nur bei kurzen Betreuungsumfängen unter 30 Stunden pro Woche statt. Eine tägliche Betreuungszeit von weniger als sechs Stunden ist kaum mit einer Vollzeitbeschäftigung der Mütter bzw. beider im Haushalt lebenden Elternteile vereinbar“, so die Expertin.

Mütter arbeiten in Slowenien in Vollzeit, in Österreich eher in Teilzeit

In Slowenien herrscht zudem eine höhere Erwerbsbeteiligung von Müttern in Vollzeitbeschäftigungen als in Österreich. Hierzulande seien Mütter eher teilzeitbeschäftigt. EcoAustria zufolge führe dies zu „betreuungsbedingten Diskontinuitäten in den Erwerbskarrieren” von Müttern – und sei damit ein Grund für den überdurchschnittlich hohen Gender Pay Gap im EU-Vergleich, der laut Eurostat 2021 bei 18,8 Prozent liegt. Dieser liegt in Österreich mit einem Indexwert von 0,13 nur knapp über dem schlechtesten Wert im Ranking.

Fachkräftemangel am Land stellt Weichen

Köppl-Turyna zufolge stellt auch der Arbeitskräftemangel eine Herausforderung dar. Denn zur Ausweitung des Netzes an Kinderbetreuung brauche es vor allem qualifizierte Fach- und Betreuungskräfte sowie assistierende Mitarbeitende. Schwierigkeiten würden sich dabei vor allem im Expertenmangel in ländlichen Siedlungsgebieten ergeben. “Die Ausweitung der Kinderbetreuung muss effizient erfolgen und Kooperationsvorteile sowie überregionale Synergien müssen genutzt werden“, fordert Köppl-Turyna.


Beitragsbild (c) Adobe Stock

Deine ungelesenen Artikel:
22.10.2026

Hansmann: „Ich möchte, dass meine Töchter später alles machen können, ohne dass ihr Geschlecht sie daran hindert“

Rund 2.000 Besucher:innen kamen beim finalen Stopp des Female Future Festivals in Wien zusammen, um sich zu vernetzen und über Unternehmertum und Gleichberechtigung zu sprechen. Auch Business Angel Hansi Hansmann sprach sich in seiner Keynote für eine gleichberechtigte Zukunft aus.
/artikel/hansmann-ich-moechte-dass-meine-toechter-spaeter-alles-machen-koennen-ohne-dass-ihr-geschlecht-sie-daran-hindert
22.10.2026

Hansmann: „Ich möchte, dass meine Töchter später alles machen können, ohne dass ihr Geschlecht sie daran hindert“

Rund 2.000 Besucher:innen kamen beim finalen Stopp des Female Future Festivals in Wien zusammen, um sich zu vernetzen und über Unternehmertum und Gleichberechtigung zu sprechen. Auch Business Angel Hansi Hansmann sprach sich in seiner Keynote für eine gleichberechtigte Zukunft aus.
/artikel/hansmann-ich-moechte-dass-meine-toechter-spaeter-alles-machen-koennen-ohne-dass-ihr-geschlecht-sie-daran-hindert
Hansi Hansmann auf der Main Stage des Female Future Festivals 2026. © brutkasten

Unter dem Motto „The Power of Connection“ versammelten sich am 22. Oktober rund 2.000 Teilnehmende in der Wiener Ottakringer Eventlocation. Das von den Schwestern Verena Eugster und Patricia Zupan-Eugster gegründete Female Future Festival widmete sich Themen wie Leadership, künstlicher Intelligenz und Finanzkompetenz. Neben Fachpanels zu Verhandlungsstrategien oder finanzieller Gesundheit war auch Business Angel Hansi Hansmann als Keynotespeaker auf der Bühne zu sehen.

„…, weil ich glaube, dass es unsere Welt besser macht“

Im Gespräch mit brutkasten nannte Hansmann seine Motivation für den Besuch: „Ich habe zwei kleine Töchter und ich möchte gerne, dass meine Töchter später im Leben irgendwann alles das machen können, was sie machen wollen, ohne dass ihr Geschlecht sie daran hindert.“ „Ich bin ein ganz, ganz großer Fan davon, dass es mehr Unternehmerinnen und mehr Investorinnen gibt. Überhaupt mehr Frauen an der Macht, weil ich glaube, dass es unsere Welt besser macht“, ergänzt er zu seinen Beweggründen.

Was seine Beteiligungen angeht, sieht der Investor und ehemalige Manager in Sachen Geschlechterverteilung ein klares Muster: „Ich habe in alles investiert: in rein männliche Teams natürlich viel mehr, aber auch rein weibliche und gemischte Teams. Am besten performen gemischte Teams aus meiner Erfahrung.“

Der Hebel gemischter Teams

Den Vorteil gemischter Teams sieht Hansmann im Zusammenspiel unterschiedlicher Stärken: Es gebe „unterschiedliche Eigenschaften und Skills zwischen Frauen und Männern, und die Mischung macht’s aus“.

Als Beispiel nennt er den Markteintritt: „Ein reines Männerteam geht mit dem Produkt raus, wenn es fertig ist. Nach dem Motto ’das können wir mal rausschieben in den Markt, probieren wir mal, schauen wir mal, ob es ankommt.’ Beim reinen Frauenteam, da muss das Produkt perfekt sein. Und das dauert natürlich fünf Monate länger, bis die auf den Markt gehen, und damit vergeht Zeit.“ Für ihn gilt: „Das gemischte Team, wo sozusagen alle Stimmen zu Wort kommen, ist das Ideale.“

Deutlicher Finanzierungs-Gap in H1/2026

Doch obwohl die Teamkonstellation am besten zu performen scheint, bestehen nach wie vor große Ungleichheiten in Sachen Startup-Finanzierung. Erst kürzlich zeigte der Female Start-up Funding Index H1/2026 von EY Österreich, Female Founders und Fund F das Ausmaß. Im ersten Halbjahr flossen 472 Mio. Euro Risikokapital in österreichische Startups, ein Plus von 329 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Rein männliche Teams erhielten davon 94,9 Prozent, gemischte Teams 4,8 Prozent und rein weibliche Teams 0,3 Prozent. Der Frauenanteil unter den analysierten Gründer:innen lag bei rund 13 Prozent. „Frauen dürfen gründen. Finanziert werden Männer“, brachte es Lisa-Marie Fassl, Managing Partner von Fund F, in der damaligen Aussendung auf den Punkt.

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

EcoAustria: Darum lassen sich Beruf und Familie in Österreich schwer vereinen

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

EcoAustria: Darum lassen sich Beruf und Familie in Österreich schwer vereinen

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

EcoAustria: Darum lassen sich Beruf und Familie in Österreich schwer vereinen

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

EcoAustria: Darum lassen sich Beruf und Familie in Österreich schwer vereinen

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Als Investor:in ist es wichtig, den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kontext eines Landes zu verstehen, um fundierte Investitionsentscheidungen treffen zu können. Dieser Artikel verdeutlicht, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Österreich problematisch ist, was Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die Geschlechterungleichheit haben kann. Ein Mangel an Kinderbetreuungseinrichtungen und die geringe Vollzeiterwerbstätigkeit von Frauen könnten beispielsweise Einfluss auf das Arbeitskräfteangebot und die Produktivität von Unternehmen haben. Als Investor:in sollte man diese Herausforderungen im Blick behalten und mögliche Investitionsmöglichkeiten in Branchen oder Unternehmen evaluieren, die Lösungen für diese Probleme bieten oder von einer Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie profitieren könnten.

EcoAustria: Darum lassen sich Beruf und Familie in Österreich schwer vereinen

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

EcoAustria: Darum lassen sich Beruf und Familie in Österreich schwer vereinen

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

EcoAustria: Darum lassen sich Beruf und Familie in Österreich schwer vereinen

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

EcoAustria: Darum lassen sich Beruf und Familie in Österreich schwer vereinen

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

EcoAustria: Darum lassen sich Beruf und Familie in Österreich schwer vereinen