10.02.2025
INSOLVENZ

easyVegan: Salzburger Startup muss Konkurs anmelden

Das Salzburger Startup easyVegan machte unter anderem über einen "2 Minuten 2 Millionen"-Auftritt und eine Kooperation mit Stiegl auf sich aufmerksam.
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easyvegan Pixelrunner FireStart P4 Therapeutics - Insolvenzen
(c) Adobe Stock

Wer in Österreich gelegentlich vegane Burger oder andere Fleischersatz-Produkte im Restaurant isst, hat sie vielleicht schon gegessen, ohne es zu wissen: die Produkte des Salzburger Startups easyVegan. Das Unternehmen beliefert nämlich eine Reihe heimischer Gastronomie-Betriebe, darunter auch Haubenlokale. Und über Listungen bei Großhändlern wie Metro, eurogast und TransGourmet können die Tiefkühl-Produkte auf Linsen- bzw. Bier-Treber-Basis von jedem Restaurant in die Speisekarte inkludiert werden.

2min2mio-Auftritt, Investment und Stiegl-Kooperation

2017 gegründet konnte easyVegan sich 2022 ein sechsstelliges Investment sichern – brutkasten berichtete. Davor war das Startup bei einem „2 Minuten 2 Millionen“-Auftritt 2021 zwar leer ausgegangen, konnte jedoch seine Bekanntheit steigern. Im selben Jahr erreichte man auch die Top 10 beim Wettbewerb GreenStart.

Für Aufsehen sorgte das Unternehmen 2023 mit einer Kooperation mit der Salzburger Brauerei Stiegl. Seitdem finden sich neben Linsen-Burgern, Linsen-Stäbchen und Co. auch Produkte auf Basis des Braurückstands Treber, etwa Burger und „Treber-Bällchen“ im Angebot.

easyVegan brachte Konkursantrag ein

Doch wie die Kreditschutzverbände KSV1870 und AKV nun vermeldeten, brachte easyVegan einen Konkursantrag ein. Eine Fortführung des Unternehmen dürfte also nicht geplant sein, wiewohl ein Sanierungsantrag auch noch im Laufe des Konkursverfahrens eingebracht werden könnte. Zudem besteht die Möglichkeit, Kapital wie Produktionsanlagen und geistiges Eigentum aus der Konkursmasse zu erwerben und die Produkte mit einer anderen oder neuen Gesellschaft fortzuführen. Die Verbindlichkeiten betragen laut einem Kurier-Bericht 390.000 Euro.

easyVegan-Co-Founder: „Wir hoffen auf einen Käufer“

Update (11.02.): easyVegan-Co-Founder Martin Jager gab dem brutkasten auf Anfrage folgendes Statement zum Konkursantrag: „Die gestiegenen Kosten konnten nicht rechtzeitig durch das Wachstums aufgefangen werden. So musste die easyVegan GmbH die Insolvenz anmelden. Wir hoffen auf einen Käufer, der die Idee der preisgekrönten Produkte weiterführen möchte.“

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Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus) | Foto: Martin Pacher
Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus) | Foto: Martin Pacher / brutkasten

Er ist seit vielen Jahren einer der obersten Punkte auf der politischen Wunschliste der heimischen Startup-Szene: der Beteiligungsfreibetrag. Das Prinzip ist schnell erklärt: Man kann mit ihm Startup-Investments bis zu einem gewissen jährlichen Betrag von der Steuer absetzen. Das soll einen starken Anreiz schaffen, Risikokapital anderen Veranlagungsformen vorzuziehen und somit mehr privates Kapital für Startups mobilisieren.

Die genaue Ausgestaltung wäre bei einer möglichen Umsetzung Gegenstand politischer Verhandlungen. Die Forderungen aus dem Ökosystem gehen bis zu einem Betrag von 500.000 Euro pro Jahr, wie etwa in der „Vision 2030“ von invest.austria, AustrianStartups, Junge Wirtschaft und StartupNOW aus dem Jahr 2024. Großes internationales Vorbild ist das Vereinigte Königreich, das unter anderem dank eines solchen Modells konstant die mit Abstand höchsten Startup-Investment-Volumina Europas vorweist.

Bei der SPÖ nicht durchzubringen

Doch im Gegensatz zur anderen großen Forderung des heimischen Startup-Ökosystems, dem Dachfonds, der mittlerweile im Entstehen ist, schaffte es der Beteiligungsfreibetrag 2025 nicht ins schwarz-rot-pinke Regierungsprogramm. Hinter vorgehaltener Hand wird der Grund dafür in ÖVP-Kreisen klar benannt: Der Vorschlag sei beim Koalitionspartner SPÖ nicht durchzubringen. Im Frühling 2024, also noch in der Opposition, äußerte sich SPÖ-Chef Andreas Babler, konkret auf das Thema angesprochen, gegenüber brutkasten knapp, aber deutlich: „Steuerbegünstigungen für private Investoren, die in der Regel zu den Top 1 Prozent der Einkommens- und Vermögensverteilung zählen, sind keine Priorität der SPÖ.“

Für Zehetner „nächster logischer Schritt“

On the record ging man dem Thema in der ÖVP seit der Regierungsbildung 2025 dagegen mit Verweis auf die Koalitionsvereinbarung lieber aus dem Weg. Bis jetzt. Denn Startup-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner forderte den Beteiligungsfreibetrag nun via LinkedIn-Posting offen ein. Nach dem Dachfonds wäre dieser, „der nächste logische Schritt“, schreibt sie und führt eine EcoAustria-Studie und internationale Vorbilder ins Treffen.

Unverhoffte Schützenhilfe in der Diskussion

Doch woher kommt der plötzliche Mut zur offenen Forderung entgegen dem koalitionären Konsens? Zehetner bekam Anfang dieser Woche eine Steilvorlage aus Deutschland, über die auch brutkasten berichtete. Dort war es nicht etwa CDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, sondern mit Lars Klingbeil der amtierende SPD-Chef, Vizekanzler und Finanzminister, der Steuererleichterungen für Startup-Beteiligungen aufs Tapet brachte.

„Deutschland will mehr privates Kapital für Startups mobilisieren. Österreich sollte das auch tun“, schreibt Zehetner und verweist direkt auf die Ankündigung des SPD-Chefs. Das argumentative Kalkül dahinter liegt auf der Hand: Gegen den Vorstoß des deutschen Parteigenossen, dessen Schützenhilfe für Zehetner wohl unverhofft kam, lässt sich in der österreichischen Sozialdemokratie deutlich schwerer argumentieren, als gegen die Dauerforderung aus der liberalen Ecke. Ob dadurch tatsächlich eine offene Diskussion innerhalb der Koalition angestoßen wird, ist freilich zu bezweifeln.

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