08.04.2025
INSOLVENZ

easygoinc: Welser Van- und Ex-2m2m-Startup insolvent

Mit einem Bausatzmodul wollte das Welser Startup easygoinc Fahrzeuge zu Campern ummodulieren. Die Idee schaffte es 2019 zu "2 Minuten 2 Millionen", 2023 war man insolvent und wurde saniert. Allerdings ohne Erfolg, wie sich heute zeigt.
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(c) Adobe Stock - Axel Bueckert

Unter dem Namen „Easygoinc VanLine“ trat das Welser Startup rund um David Lugmayr und Martin Erbler schon im Jahr 2019 bei der Startup-Show „2 Minuten 2 Millionen“ an. Seither musste das Startup einige Stolpersteine überspringen. Nun meldete man Konkurs an – und ist damit nicht zum ersten Mal zahlungsunfähig.

easygoinc entwickelte Bausatzmodule für Camper

Im Jahr 2016 wurde das Startup mit Sitz in Wels gegründet und fokussierte sich auf den „Um- und Innenausbau von Campingfahrzeugen“. Wie schon in der Startup-Show „2 Minuten 2 Millionen“ präsentiert, spezialisierte sich das Startup auf „smarte Raumkonzepte für Alltagsfahrzeuge“ seiner Kunden.

In Van- oder Campingfahrzeugen wollte man nicht nur ein Bett, sondern auch eine mobile Küche und einen flexiblen Stauraum in Bausatzmodulen integrieren. Der Bausatz konnte von Kund:innen im Webshop des Startup bestellt werden.

1,64 Millionen Euro Überschuldung

Nun wurde ein Konkursverfahren per Eigenantrag beim zuständigen Landesgericht Wels eröffnet, wie der Alpenländische Kreditorenverband AKV berichtet.

Die Verbindlichkeiten des Startups belaufen sich auf eine Summe von über 1,93 Millionen Euro. Den angeführten Passiva stehen Aktiva im Umfang von 290.900 Euro gegenüber. Die rechnerische Überschuldung liegt somit in Höhe von etwa 1,64 Millionen Euro, heißt es vom AKV.

Zuletzt waren 21 Dienstnehmer:innen bei easygoinc beschäftigt. Außerdem seien rund 100 Gläubiger:innen von der Insolvenz betroffen.

Insolvenz bereits 2023 – Sanierung nicht geglückt

Damit handelt es sich nicht um die erste Insolvenz: Schon 2023 war easygoinc zahlungsunfähig. Damals wurde ein Sanierungsplan mit einer Quote von 20 Prozent abgeschlossen. Wegen der schwierigen Wirtschaftslage konnte das Startup allerdings nur zwei der vier Teilquoten bezahlen.

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Das Bitpanda Headquarter in Wien © Bitpanda

Einen Vorgeschmack auf den nun veröffentlichten Jahresabschluss 2025 gab Bitpanda gleichsam vorauseilend bereits im März dieses Jahres – brutkasten berichtete. In den damals präsentierten Zahlen war nicht nur von einer Umsatzsteigerung die Rede, sondern auch von einem Sinken des „bereinigten EBITDA“ um 75 Prozent. Dieses sei von 52 Millionen Euro auf 13 Millionen Euro gefallen, hieß es vom Wiener Unicorn. Begründet wurde das mit „gezielten Investitionen“. Das Ergebnis unterm Strich ließ man im März aber aus.

Der nun vorliegende Jahresabschluss – wohlgemerkt jener der operativen Bitpanda GmbH mit Sitz in Wien und nicht der übergeordneten AG mit Sitz in der Schweiz – bringt nun Licht ins Dunkel. Und die damit veröffentlichte Gewinn- und Verlustrechnung zeichnet ein noch deutlich drastischeres Bild als die im März kommunizierten „bereinigten“ Zahlen. Nach fast 62 Millionen Euro Nettogewinn im Jahr 2024 standen demnach vergangenes Jahr rund 14 Millionen Euro Verlust zu Buche.

„Wir haben bewusst in unsere Expansion und den weiteren Ausbau der Marke Bitpanda investiert“

Auf brutkasten-Anfrage kommentiert Bitpanda kurz und knapp mit der aus dem Frühjahr bekannten Argumentation:

Das Jahr 2025 war für die Bitpanda GmbH ein Jahr strategischer Wachstumsinvestitionen. Gleichzeitig hat sich unser Kerngeschäft stark entwickelt, was sich in einer deutlichen Steigerung unserer Umsatzerlöse zeigt.

Wir haben bewusst in unsere Expansion und den weiteren Ausbau der Marke Bitpanda investiert. Diese Investitionen waren Teil unserer langfristigen Wachstumsstrategie und spiegeln sich erwartungsgemäß im Jahresergebnis wider.

Die Aussagen zum Umsatz lassen sich dabei so auch im nun vorgelegten Bericht ablesen: Tatsächlich stieg der ausgewiesene Umsatz von 2024 auf 2025 von 7,19 Milliarden Euro auf 7,72 Milliarden Euro. Der Anstieg fällt bereinigt sogar noch größer aus: 2024 waren noch rund 613 Millionen Euro aus Krypto-Verkäufen auf externen Börsen in den Umsatzerlösen enthalten, die seit 2025 saldiert im Materialaufwand ausgewiesen werden. Bei diesen Umsatzzahlen handelt es sich wohlgemerkt um den gesamten Verkaufserlös über die Plattform. Bitpanda gab bereits im März den auf Basis der Margen berechneten, deutlich kleineren „bereinigten Umsatz“ aus: Dieser stieg von 321 auf 371 Millionen Euro. Mit Abstand größter Umsatztreiber war laut Jahresabschluss das Kerngeschäft als Broker.

Deutlich höhere Marketingausgaben, Personalkosten sinken trotz Aufstockung

Auch die Aussage, die sich auf den Nettoverlust von immerhin rund 14 Millionen Euro bezieht, deckt sich prinzipiell mit den Zahlen im Jahresabschluss. Tatsächlich stieg der Marketingaufwand um rund 56 Prozent auf fast 107 Millionen Euro. Auch die Beratungskosten legten von knapp 14 Millionen auf rund 22 Millionen Euro zu. Die durchschnittliche Mitarbeiterzahl (FTE) wuchs zwar von 486 auf 555. Jedoch interessant dabei: Der Personalaufwand ging trotz der Aufstockung leicht zurück, von 78,6 auf 75,1 Millionen Euro. Gestiegen ist hingegen der Aufwand für Mitarbeiterüberlassung, von 5,4 auf 8,1 Millionen Euro.

Dass man (wohl dennoch nicht ganz beabsichtigt) recht deutlich in die roten Zahlen rutschte, hängt aber auch mit Faktoren zusammen, die im offiziellen Bitpanda-Statement unerwähnt bleiben. Operativ blieb Bitpanda 2025 noch knapp im Plus: Der Betriebserfolg lag bei 4,1 Millionen Euro, nach 80 Millionen Euro im Vorjahr. Ins Minus drehte das Ergebnis erst durch das Finanzergebnis von minus 18,3 Millionen Euro. Dahinter stehen Abschreibungen auf Anteile an verbundenen Unternehmen in Höhe von 14,4 Millionen Euro sowie ein Zinsaufwand von 4,9 Millionen Euro, nach nur 0,2 Millionen Euro im Jahr 2024. Zu Buche stehen außerdem teilweise gestiegene Handelsverluste und ein deutlich höheres Minus in der Intercompany-Verrechnung, das von 13 auf knapp 36 Millionen Euro anwuchs.

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