28.11.2025
INTEREST GROUP

Easelink aus Graz startet Matrix-Charging-Allianz mit Audi, Nissan und Voyah

Mit der neu gegründeten Matrix Charging Interest Group (MCIG) bündelt das Grazer Startup Easelink gemeinsam mit Audi, Nissan und Voyah die Kräfte der Branche, um eine einheitliche Schnittstelle für automatisiertes Laden zu etablieren.
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Easelink, MCIG
© Easelink

In den letzten Jahren sorgte das Grazer Startup Easelink immer wieder für Schlagzeilen. Mit seiner „Matrix Charging“-Technologie für automatisiertes, konduktives Laden von E-Autos, konnte es nicht nur im Heimatmarkt, sondern vor allem auch im chinesischen Markt überzeugen. In Wien und Graz wird die Technologie etwa im Projekt „eTaxi Austria“ für das Laden von E-Taxis genutzt. In China brachte sich das Unternehmen sogar als Lieferant der Standard-Lade-Lösung für das ganze Land ins Spiel, wie brutkasten berichtete.

2022 schloss das Grazer Startup eine 8,3 Millionen Euro schwere Series-A-Finanzierungsrunde ab, der im Oktober 2024 ein 1,5 Mio. Euro-Investment von Verbund X Ventures folgte. Nun gründete man die Matrix Charging Interest Group (MCIG), eine Branchenkooperation zur Standardisierung der „Matrix Charging Technologie“, die vom österreichischen High-Tech-Unternehmen entwickelt wurde.

„Weltweit integrieren Fahrzeughersteller Matrix Charging in die Serienentwicklungspläne ihrer kommenden Fahrzeugplattformen. Um die Interoperabilität zwischen allen Fahrzeugen und der automatisierten Ladeinfrastruktur sicherzustellen, benötigen diese Fahrzeughersteller dringend eine Standardisierung dieser automatisierten Ladeschnittstelle. Die MCIG versteht sich als ergänzende Plattform zu den laufenden Standardisierungsarbeiten der ISO- und IEC-Gremien“, heißt es per Aussendung.

„Operative Flexibilität und Planungssicherheit“

Ihr Ziel ist es, formelle Standardisierungsprozesse durch eine branchenorientierte, Matrix Charging spezifische Koordination zu optimieren. So könnten alle relevanten Schnittstellenparameter und Spezifikationen parallel zur Serienentwicklung mit der erforderlichen Geschwindigkeit harmonisiert werden. Lizenzen werden zu MCIG FRAND (Fair, Reasonable, And Non-Discriminator) -Bedingungen vergeben, wodurch den Produktentwicklern der Zugang zu wesentlichen Patenten ermöglicht und Wettbewerb, Innovation, Produktdifferenzierung sowie eine breite Marktverfügbarkeit gefördert werden sollen.

„Unser Ziel ist es, Matrix Charging als globalen Standard für automatisiertes Laden zu etablieren. Indem wir unsere wesentlichen Patente zu FRAND-Bedingungen zur Verfügung stellen, bieten wir den MCIG-Mitgliedern maximale operative Flexibilität und Planungssicherheit sowohl für die Nutzung als auch für die Weiterentwicklung der Technologie“, sagt Hermann Stockinger, Gründer & Geschäftsführer von Easelink.

Vorsitzender der MCIG ist Menno Treffers, der über jahrzehntelange Branchenerfahrung im Bereich der Schnittstellenstandardisierung verfügt. Zuvor war er Vorsitzender des Wireless Power Consortium und Generalsekretär des Zhaga Consortium.

„MCIG folgt dem erfolgreichen Modell der Special Interest Groups, wie beispielsweise denen, die hinter der Entwicklung von Bluetooth und NFC stehen. Die Aufgabe von MCIG besteht darin, die Matrix-Charging-Schnittstelle zu standardisieren, ihre branchenübergreifende Markteinführung zu überwachen sowie die Validierung, Prüfung und Zertifizierung gemäß klar definierten Branchenspezifikationen sicherzustellen“, sagt er.

Die Gründungsmitglieder von MCIG sind Audi, Easelink, Nissan und Voyah (Marke des chinesischen Autobauers Dongfeng Motor Corporation aus Wuhan). Weitere Unternehmen mit „strategischem Interesse an der Entwicklung und Markteinführung von Matrix Charging“ sind eingeladen, sich aktiv an der Gestaltung des Standards zu beteiligen.

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Mit ihrer Reverse-Mentoring-Agentur forciert Ines Hanusch Zukunftssicherheit in Wirtschaft und Politik. © brutkasten

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Wir leben in einer paradoxen Arbeitswelt: Führungskräfte werden für ihr über Jahrzehnte angesammeltes Wissen bezahlt doch exakt dieses Erfahrungswissen kann angesichts rasanter technologischer und kultureller Umbrüche zum blinden Fleck werden. Genau hier setzt eine Methodik an, die traditionelle Rollenbilder auf den Kopf stellt: Reverse Mentoring.

Ines Hanusch, Gründerin der Reverse-Mentoring-Agentur bond & grow, begleitet Unternehmen und Politik bei diesem Paradigmenwechsel. Für sie ist der Kerngedanke simpel, aber radikal: „Beim klassischen Mentoring lernt die Jüngere von der Erfahreneren. Beim Reverse Mentoring ist es umgekehrt: Die Führungskraft sitzt in der Lernenden-Position gezielt, strukturiert und vor allem nicht nebenbei.“

Kein Kaffeetratsch und keine Therapie

Doch was genau ist Reverse Mentoring in der Praxis? Hanusch wird nicht müde zu betonen, was es nicht ist: Es sei kein lockeres Kaffeegespräch, kein Coaching mit einer einzigen Zielvorgabe und schon gar keine Therapie. Auch der oft gehörte Einwand, man könne sich doch einfach mit den eigenen Kindern austauschen, greift für die Expertin ins Leere: „Mit den eigenen Kindern teile ich eine Sozialisation, ein Machtgefälle, ob ich will oder nicht.

Das Kind wird mir vieles nicht sagen, und ich werde vieles nicht hören wollen.“ Wahre Wirkung entstehe erst durch psychologische Sicherheit ohne persönliche Verstrickung eine Atmosphäre, in der ein junger Mensch kein Interesse daran hat, zu gefallen, sondern ehrlich zu sein.

Der Blick von innen: Reibung als Chance

In klassischen Organisationen verhindert die Hierarchie oft genau jenen Raum der psychologischen Sicherheit, in dem ungefiltert und ohne Angst vor Konsequenzen gesprochen werden kann. Ines Hanusch beschreibt das systematische Dilemma eindrücklich: Je weiter Führungskräfte auf der Karriereleiter nach oben klettern, desto mehr manifestiert sich die Angst vor Inkompetenz und Statusverlust. „Wenn Top-Entscheider:innen plötzlich von jemandem lernen, der dreißig Jahre jünger ist, entsteht unweigerlich intensive Emotion, Irritation und Reibung“ – doch exakt in diesen Momenten verankert sich laut Hanusch der größte Lerneffekt.

Wie sich dieser Rollentausch in der Realität anfühlt, schildert eine 21-jährige Mentorin, die im Rahmen von bond & grow Top-Entscheider:innen begleitet. Kristin Barnowsky sieht in ihrer Aufgabe eine enorme Verantwortung: Für sie bedeutet Reverse Mentoring, erfahrenen Führungskräften neue Perspektiven mit auf den Weg zu geben und dabei auch hin und wieder Reibung zu erzeugen“. Nervosität vor dem ersten Aufeinandertreffen ist keine Seltenheit, wie sie verrät. Ihr persönlicher mentaler Trick für das erste Meeting? „Ich stelle mir einfach vor, dass die Person mich bereits mag und ich sie auch. Dadurch gehe ich wesentlich natürlicher, authentischer und positiver in das Gespräch.“

Die größte Herausforderung im laufenden Prozess ist für sie das Gespür dafür, wie tief man in die Glaubenssätze des Mentees eindringen darf. Wenn auf Mentee-Seite Widerstand entsteht, stecke dahinter oft eine unbewusste Angst; etwa das Gefühl, nicht gehört oder gesehen zu werden. Es erfordere Empathie und präzises Timing, unangenehme Themen anzusprechen, ohne die Führungskraft emotional zu überfordern, erklärt die 21-Jährige.

Für wen das Konzept geeignet ist – und wann es scheitert

Die Zahlen sprechen für sich, doch Reverse Mentoring ist kein Selbstläufer. Laut Hanusch eignet es sich primär für Führungskräfte, die Nichtwissen als Startpunkt und nicht als Schwäche betrachten. In hierarchisch geprägten Unternehmen erfordere das immense Größe. „Statusverlust berührt das Selbstbild direkt, und das ist unbequem“, analysiert Hanusch. Viele Führungskräfte fürchten den Moment, in dem sie erkennen müssen, dass jemand, der viele Jahre jünger ist, über entscheidendes Know-how verfügt – sei es über moderne Arbeitskulturen, neue Konsumgewohnheiten oder schlicht den Umgang mit Unsicherheit in Krisenzeiten.

Wann also scheitert Reverse Mentoring? Die Expertin zieht eine klare Grenze: „Ich rate ab, wenn Unternehmen Reverse Mentoring als Imagemaßnahme einsetzen wollen, ohne wirkliche Bereitschaft, etwas zu verändern.“ Ohne intrinsische Motivation beider Seiten, einen geschützten Rahmen und professionelles Matching wird das Format zur reinen Simulation.

Innovation durch unbefangenes Denken

Wenn die Rahmenbedingungen jedoch stimmen, entpuppt sich Reverse Mentoring als machtvoller Innovationsmotor. In vielen Branchen sind junge Menschen näher an der Zielgruppe oder stellen diese gar selbst dar. Sie spüren kulturelle Trends früher und besitzen den Mut, Unbequemes auszusprechen. Kristin Barnowsky erlebt das regelmäßig in ihren Mentoring-Sessions, etwa wenn es um künstliche Intelligenz, Automatisierung von Workflows oder den Einsatz von Social Media geht. Doch der tiefere Wert liegt oft jenseits der Technologie: Es geht um das Hinterfragen erstarrter Prozesse. „Oft sehen die Dinge, die uns Sorgen machen, nur für uns so aus; aus einer anderen Perspektive sind sie plötzlich Chancen für innovative Veränderungen“, resümiert die Mentorin.

Letztlich profitiert nicht nur die Führungskraft auch die jungen Mentor:innen wachsen, bauen sich ein Netzwerk auf und erleben direkte Selbstwirksamkeit. Die wichtigste Frage für Ines Hanusch: „Was, wenn du von denen lernst, die bisher nicht gefragt wurden? Es tut manchmal weh, sich spiegeln zu lassen. Aber nur so entsteht Fortschritt.“ In einer Wirtschaft, die händeringend nach Fachkräften und neuen Wegen sucht, könnte die Bereitschaft, vom Nachwuchs zu lernen, bald über die Existenz von Unternehmen entscheiden. Oder wie Ines Hanusch sagt: „Wer heute keine Kultur des gegenseitigen Lernens etabliert, verliert morgen den Anschluss bei existenziellen Themen wie Mitarbeiterbindung und Innovation.“

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