Dualify: Wiener EdTech-Startup unterstützt Lehrlinge und deren Ausbildungsbetriebe
Weniger Lehrlinge, steigende Anforderungen und wachsender Dokumentationsaufwand setzen Ausbildungsbetriebe zunehmend unter Druck. Das österreichische EdTech-Startup Dualify will die Lehrausbildung deshalb digital vereinfachen.
Eine sinkende Lehrlingsanzahl und steigende Ansprüche erhöhen den Druck in der Lehrausbildung. Dualify möchte genau hier ansetzen und wird derzeit in ersten Pilotbetrieben eingeführt. Das österreichische EdTech-Startup verbindet eine Smartphone-App für Lehrlinge mit einer Web-App für Ausbildungsbetriebe, damit Lehrlinge und Betriebe auf einer gemeinsamen Grundlage arbeiten und Ausbildung übersichtlich und nachvollziehbar wird.
Dualify: Konzept vom FH Joanneum
„Lehrlinge erhalten mehr Orientierung, klare Ziele und regelmäßiges Feedback, damit Fortschritte sichtbar werden und Entwicklung bewusst begleitet werden kann. Betriebe gewinnen Übersicht über Ausbildungsstände, reduzieren Koordinationsaufwand und können Ausbildung nachvollziehbar dokumentieren, ohne dass zentrale Informationen an einzelnen Personen hängen bleiben“, heißt es in einer Aussendung des Startups.
„Unser Ziel ist, die Lehrausbildung im Alltag einfacher und nachvollziehbarer zu machen – damit mehr Zeit für gute Ausbildung bleibt und Qualität sowie Wertschätzung steigen“, sagt Maximilian Kottnig, CEO von Dualify.
Das Konzept zu Dualify entstand im Rahmen des Masterstudiengangs Digital Entrepreneurship an der FH Joanneum, geprägt durch Kottnigs Erfahrungen aus dem eigenen steirischen Familienunternehmen, das seit 1927 Lehrlinge ausbildet. Dualify wird u. a. durch aws First Incubator und die Wirtschaftsagentur Wien (Founders Lab) begleitet sowie durch Netzwerke wie Social Business Hub Styria und EdTech Austria. Zusätzlich unterstützt ein Expert:innen-Netzwerk, darunter Lena Köninger als Mentorin im aws-Umfeld.
Mehr als Kapitalbeschaffung: Die Börse als Professionalisierungs-Hebel
Der Börsengang als strategisches Instrument für Unternehmenswachstum: Im brutkasten-IPO-Talk räumte eine Expert:innen-Runde mit gängigen Mythen rund um den heimischen Kapitalmarkt auf.
Mehr als Kapitalbeschaffung: Die Börse als Professionalisierungs-Hebel
Der Börsengang als strategisches Instrument für Unternehmenswachstum: Im brutkasten-IPO-Talk räumte eine Expert:innen-Runde mit gängigen Mythen rund um den heimischen Kapitalmarkt auf.
Im IPO-Talk vlnr.: Dejan Jovicevic, brutkasten, Philip Pauer, Reploid, Henriette Lininger, Wiener Börse, und Harald Kröger, RBI | (c) brutkasten
Der Schritt an den Kapitalmarkt fußt prinzipiell auf drei Säulen, erklärt Henriette Lininger, Director Issuers bei der Wiener Börse, im brutkasten-IPO-Talk: Kapital, Sichtbarkeit und Struktur. Denn ein Initial Public Offering (IPO), zu Deutsch: ein Börsengang, sei weit mehr als eine Kapitalbeschaffungsmaßnahme: „Es bringt unglaubliche Sichtbarkeit für das Unternehmen, nicht nur am Finanzmarkt, sondern weit darüber hinaus, etwa bei Kund:innen, Mitarbeiter:innen und Lieferant:innen.“
„Täglich ein Zeugnis“
Das Welser Scaleup Reploid Group AG absolvierte seinen Börsengang im Einstiegssegment direct market plus der Wiener Börse vergangenes Jahr (brutkasten berichtete). Für CEO Philip Pauer stand bei der Entscheidung vor allem der Aspekt der Professionalisierung im Vordergrund, wie er erzählt. Für das Unternehmen diene die Börse als striktes Disziplinierungsinstrument, um Wachstumsziele zu erreichen. Pauer vergleicht: „Es ist im Endeffekt wie in der Schule, nur kriegst du in der Schule einmal im Jahr ein Zeugnis, an der Börse kriegst du es täglich.“
Echte Aktien für Mitarbeiter:innen
Ein weiterer Erfolgsfaktor für das Unternehmenswachstum, der sich durch den Börsengang ergebe, sei die direkte Mitarbeiterbeteiligung, meint Pauer. Die Vergabe echter Aktien anstelle von „Phantom Shares“ steigere die Motivation der Belegschaft immens, da die Mitarbeiter:innen „ein Stück weit zu Unternehmerinnen und Unternehmern“ werden.
Lokaler Marktplatz?
Doch ist Wien für alle der richtige Börsenplatz? Oftmals bestehe laut Henriette Lininger die unbegründete Sorge, dass ein lokales Listing im Widerspruch zu globalen Expansionsplänen stehe. Sie widerspricht deutlich: „Man geht an die Börse, um international zu wachsen, um zu skalieren“. Die Wiener Börse sei ein „zutiefst international vernetzter Markt“, an dem über 90 Prozent der Investor:innen aus dem Ausland stammen. Er gewährleiste eine hohe Liquidität und damit eine sehr gute Handelbarkeit der gelisteten Aktien. Ein weiterer Standortvorteil: Die Wahrscheinlichkeit in einen Leitindex wie den ATX aufgenommen zu werden besteht ausschließlich über eine Notierung am Heimmarkt – ein Faktor, der für Sichtbarkeit und institutionelles Interesse von großer Bedeutung sei.
Der brutkasten-IPO-Talk
Auch Pauer sieht keinen Anlass, für einen Börsengang ins Ausland zu gehen und betont die Erreichbarkeit in Wien, die er schätze: „Ich frage mich, was kriegen wir in Wien nicht, was wir woanders bekommen würden?“. Harald Kröger, Group Head Structured Finance & Investment Banking bei der RBI, pflichtet dem bei. Die Bundeshauptstadt sei für internationales Kapital sehr wohl attraktiv: „Wien zieht Investor:innen an“. Kröger identifiziert jedoch eine andere Herausforderung für den Standort: „Die größere Herausforderung ist es, österreichisches Geld in relevanten Größen anzuziehen“.
Vorteil bei alternativer Finanzierung
Dabei muss Kapital – auch für ein börsennotiertes Unternehmen – nicht nur über die Börse kommen. So erhielt Reploid kürzlich eine Venture-Debt-Finanzierung in zweistelliger Millionenhöhe über das RBI Growth Financing Program. Die hohe Transparenz und „Readiness“ durch die Börsennotierung sei dabei maßgeblich für die schnelle Abwicklung verantwortlich gewesen, meint Philip Pauer. Kröger sieht einen strategischen Vorteil des Instruments für Wachstumsunternehmen: „Unser Fokus liegt nicht darauf, im Fall eines großen Erfolges die Cap Table massiv zu verwässern.“
„Börsen-Peergroups sind überbewertet“
Bei solchen strategischen Entscheidungen geht es letztlich natürlich auch um den Vergleich mit der Konkurrenz. Dieser spielt auch bei der Börsen-Standortwahl mitunter eine Rolle – Stichwort: „Peergroups“. Vergleichbare Unternehmen am selben Börsenplatz sollen konkretes Benchmarking ermöglichen, so die These hinter dem Begriff. Kröger schätzt deren Bedeutung jedoch als gering ein: „Börsen-Peergroups sind überbewertet.“ Denn Analyst:innen seien fachlich problemlos in der Lage dazu, Vergleichswerte über verschiedene Börsen hinweg zu berechnen.
Was es aber jedenfalls brauche, sei ein generelles Umdenken in Österreich, um die Wirtschaft nachhaltig zu stärken, meint Kröger: „Ein funktionierender Kapitalmarkt ist nicht die Ursache, sondern Teil der Lösung. Und das ist etwas, was wir beginnen müssen zu verinnerlichen“.
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