15.05.2026
MINDSET

„Du musst all-in gehen“: Deutsche Startup-Chefin rüttelt Wiener Szene wach

Krisen sind keine Zeiten für Pessimismus, sondern der beste Nährboden für neue Geschäftsideen. Mit dieser klaren Botschaft rüttelte Verena Pausder, Vorstandsvorsitzende des deutschen Startup-Verbands, die Szene beim BTM Event in Wien wach. Warum halbe Sachen nicht zum Erfolg führen, zeigt ihr eindringlicher Weckruf.
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Verena Pausder am BTM Event 2026 © Jakob Kotzmuth

Beim BTM Event in Wien – initiiert von Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner und Chaka2-Gründer Martin Kaswurm – teilte die bekannte Unternehmerin und Investorin ihre wichtigsten Lektionen aus den vergangenen 20 Jahren mit dem Publikum. Ihre Botschaft dient als klarer Weckruf für das heimische Ökosystem.

„Wann ziehst du hier weg?“

Pausder beobachtet aktuell eine teils lethargische Grundstimmung: „Im Moment gehen Gespräche in Deutschland und vielleicht auch in Österreich immer damit los: Wann ziehst du hier weg?“. Viele glaubten, „hier gehen bald die Lichter aus“.

Doch die Vorstandsvorsitzende hält diese defätistische Haltung für „total uninspirierend“. Historisch betrachtet seien Krisenzeiten stets auch Unternehmerzeiten gewesen. Gerade in schwierigen Phasen müsse man die entscheidenden unternehmerischen Fragen stellen: „Was geht gerade zu Ende? Und was kann neu entstehen?“.

„Früh“ ist länger als man denkt

Ein zentraler Erfolgsfaktor ist laut der Expertin das mutige Timing bei neuen technologischen Trends. „Traut euch früh dabei zu sein, aber unterschätzt nicht, wie lange ‚früh‘ dauert“, lautet ihr klares Plädoyer an die Szene.

Als sie 2012 ihr Startup Fox & Sheep für den noch sehr jungen iPad-Markt gründete, wurde dieses frühe Risiko mit schnellem globalen Wachstum belohnt. Wer aufkommende Wellen nur von außen beobachte und zögere, der laufe unweigerlich Gefahr, den Anschluss zu verpassen, wenn der Markt schließlich verteilt ist.

Keine halben Sachen beim Gründen

Wer den Schritt ins Unternehmertum wagt, darf dies laut Pausder nicht auf Sparflamme tun. „Du musst all-in gehen. Du kannst dich nicht nur ein bisschen da reinschmeißen“, forderte sie das Publikum auf. Echter Erfolg ist unweigerlich an eine hohe Fallhöhe geknüpft.

Pausder beschrieb diese mentale Hürde unmissverständlich: „Wenn du all-in gehst, dann weißt du: ‚Ich setze jetzt alles auf diese Karte und mir kann dann jeder dabei zugucken, wie ich entweder Erfolg habe oder es gar nicht funktioniert'“. Nur wer dieses öffentliche Scheitern als Option akzeptiert, entfesselt laut der Unternehmerin die nötige Antriebskraft: „Wenn du weißt, es kann alles funktionieren oder es kann alles scheitern, dann läufst du einfach schneller“.

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© Lara Jameson via Pexels

Aufgrund wachsender geopolitischer Unsicherheiten und steigender Anforderungen durch Künstliche Intelligenz gerät die Abhängigkeit europäischer Unternehmen von außereuropäischen Tech-Konzernen zunehmend in den Fokus. Vor diesem Hintergrund haben der Fachverband Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie (UBIT) der Wirtschaftskammer Österreich und der Verband Österreichischer Software Innovationen (VÖSI) den sogenannten „Austrian Cloud Atlas“ veröffentlicht. Die interaktive Plattform soll heimischen Betrieben als Orientierungshilfe bei der Wahl digitaler Lösungen dienen.

Transparenz bei Datenhoheit und Angeboten

Das Tool erfasst Rechenzentren, Cloud-Anbieter:innen sowie Managed Service Provider in Österreich. Damit soll die Übersicht bestehende Branchen-Initiativen wie die Österreichische KI-Landkarte ergänzen. „Unternehmen müssen wissen, wo ihre Daten liegen, von welchen Technologien sie abhängig sind und welche Alternativen ihnen zur Verfügung stehen“, betont Wilfried Drexler, Obmann des Fachverbands UBIT.

Laut den Initiator:innen stehe die Förderung der digitalen Handlungsfähigkeit im Mittelpunkt. Das Angebot solle Firmen dabei unterstützen, bewusste Entscheidungen über ihre IT-Kapazitäten zu treffen und strategische Abhängigkeiten von internationalen Hyperscalern schrittweise zu reduzieren. „Die Daten basieren auf freiwilligen Einreichungen und werden laufend erweitert“, heißt es auf der Website.

Ruf nach abgestimmtem Zielbild

Neben der rein informativen Funktion nutzen die beteiligten Verbände den Launch für politische Forderungen. Während auf EU-Ebene derzeit am „Cloud and AI Development Act“ gearbeitet werde, fehle es in Österreich laut Branchenvertreter:innen an einem einheitlichen Rahmen. Zunehmende länderspezifische Einzelregelungen erschwerten den zielgerichteten Ausbau der Infrastruktur.

Martin Madlo, Präsident der Austrian Datacenter Association, verweist diesbezüglich auf fehlende Standards: „Was fehlt, ist ein abgestimmtes nationales Zielbild.“ Ein solches sei laut der Branchenvertretung jedoch notwendig, um die heimische Daten-Infrastruktur künftig gemeinsam mit der Energieversorgung und dem Netzausbau zukunftsfähig aufzustellen.

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