03.12.2025
INVESTMENT

DotSimple: mittleres sechsstelliges Investment für Wiener Social-Media-KI-Startup

Die KI-Anwendungen von DotSimple sollen die Social-Media-Arbeit für KMU übernehmen. Nun holte man sich eine Kapitalspritze.
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DotSimple-Gründer Manuel Roessler | (c) DotSimple
DotSimple-Gründer Manuel Roessler | (c) DotSimple

„Besonders klein- und mittelständische Unternehmen brauchen einen professionellen, soliden Auftritt auf Social Media, wenn sie Kund:innen gewinnen oder als attraktive Arbeitgeber:innen für Aufmerksamkeit sorgen wollen. Ihnen fehlen aber oft Zeit, Ressourcen, Know-how und Budget“, sagt Manuel Roessler. Der Wiener Unternehmer, der auch die Plattform RechtEasy betreibt, will dieses Problem mit seinem 2022 gegründeten Startup DotSimple lösen.

„Unsere Mission ist es, Social Media so einfach zu machen, dass jedes Unternehmen auch ohne Vorwissen dank dem Einsatz von DotSimple über einen professionellen Auftritt auf Social-Media-Plattformen verfügen kann“, sagt Head of Marketing Thi Tho Le.

KI-Agent generiert Social-Media-Inhalte direkt aus Unternehmenswebsite

Das Unternehmen setzt dabei – wie sollte es anders sein – auf Künstliche Intelligenz (KI). Die „All-in-One-Plattform“ soll Postings automatisch erstellen, optimieren und „zum idealen Zeitpunkt“ veröffentlichen. Ein zentrales neues Feature ist dabei der KI-Agent „AI BrandPost“, der direkt aus der Unternehmenswebsite individualisierte Social-Media-Inhalte generiert. „Unser DotSimple-‚AI BrandPost‘ ermächtigt Unternehmer:innen, ihre Social-Media-Kampagnen einfach, individuell und wirkungsvoll umzusetzen. Das ermöglicht besonders im KMU-Bereich bisher ungeahnte Chancen“, meint Roessler.

Kapitalspritze für DotSimple soll in Produkt und Expansion fließen

Nun verkündete DotSimple den Abschluss einer Finanzierungsrunde im „mittleren sechsstelligen“ Bereich durch „eine Gruppe strategischer Investor:innen aus der Tech- und Digitalbranche“. Mit dem frischen Kapital werde man die Plattform weiterentwickeln, KI-Funktionen ausbauen und den Marktausbau im DACH-Raum intensivieren, heißt es vom Unternehmen. Die Investor:innen würden dabei neben Kapital auch Erfahrung in den Bereichen Technologie, Marketing und Unternehmensaufbau mitbringen. „Wir wollen DotSimple als führendes SocialMedia-Tool für KMU im deutschsprachigen Raum etablieren“, so Roessler.

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Foto: A1 Telekom Austria/APA-Fotoservice/Martin Hörmandinger

Bei Energie und bei Verteidigung hat Europa spät und teuer gelernt, was strategische Abhängigkeit kostet. Im Digitalen – bei Betriebssystemen, Cloud und Künstlicher Intelligenz – ist die Abhängigkeit von wenigen außereuropäischen Anbietern mindestens genauso groß. Genau dort will eine neue Allianz heimischer Leitbetriebe gegensteuern.

Getragen wird die „Initiative Digitale Souveränität“ von A1 Telekom, Anexia, Erste Bank, Keba Group, Spar ICS, Umdasch Group und der Vienna Insurance Group – sieben Unternehmen aus sieben Branchen. Gemeinsam wollen sie Initiativen und Pilotprojekte vorantreiben, um den Digitalstandort Österreich und Europa zu stärken, mit besonderem Fokus auf den Schutz kritischer Infrastruktur.

Die Stoßrichtung ist dabei ausdrücklich keine defensive. „Digitale Souveränität bedeutet nicht Abschottung, sondern Wahlfreiheit und europäische Alternativen — besonders bei kritischen Daten“, sagte A1-Deputy-CEO Thomas Arnoldner. Souveränität sei kein Schutzwall, sondern ein Sprungbrett – und man müsse sie aufbauen, bevor man sie brauche.

Vorschlag: ein Gütesiegel für die öffentliche Beschaffung

Der konkreteste Vorschlag steht im Positionspapier selbst: ein „Gütesiegel für Souveränität“ für die öffentliche Beschaffung. Es soll verlässliche Qualitätsstandards im Cloud-Bereich sichtbar machen, Transparenz schaffen und sogenanntem „Sovereign-Washing“ vorbeugen – also dem bloßen Etikett „souverän“ ohne echte Substanz. Zugleich soll digitale Souveränität in den Bewertungskriterien öffentlicher Vergaben verankert werden; für besonders sensible Daten aus Verwaltung, Gesundheit oder Bildung schlägt die Initiative europäische beziehungsweise österreichische „Souveränitätszonen“ vor.

Foto: A1 Telekom Austria/APA-Fotoservice/Martin Hörmandinger

Keba-CEO Christoph Knogler führte den Gedanken bei der Pressekonferenz aus Industriesicht aus: Ein solches Siegel müsse nachvollziehbar ausweisen, wo Daten gespeichert und verarbeitet werden, wer die Infrastruktur betreibt und in welchem Rechtsraum das geschieht. Berücksichtige die öffentliche Hand Souveränität bei ihren Vergaben, sei das kein bürokratisches Zusatzmerkmal, sondern ein Qualitätskriterium. Zusätzlich warb Knogler dafür, nicht jede Anwendung in der Cloud zu betreiben: On-Device- und On-Edge-KI könnten sensible Daten direkt an Gerät oder Maschine verarbeiten.

Hinter der Debatte steht ein juristischer Kern. Auf Nachfrage aus dem Publikum verwiesen die Initiatoren auf den US Cloud Act als zentrales Problem bei der Frage, welchem Rechtsraum in Europa verarbeitete Daten unterliegen. Fertige Kriterien für das Gütesiegel gebe es noch nicht – die Arbeit laufe auf europäischer wie nationaler Ebene.

Anexia-CEO Alexander Windbichler brachte einen regulatorischen Vergleich ins Spiel: Wie einst im Telekom- und Energiemarkt die Netze geöffnet wurden, ohne Produkte vorzuschreiben, könnte im Cloud-Bereich eine klare Trennung zwischen Software und Betrieb – samt offener Schnittstellen – für fairen Wettbewerb sorgen.

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