04.05.2026
EXKLUSIVES INTERVIEW

Dominic Thiem über Investments: „Keine Panikreaktionen – das ist dem Profisport sehr ähnlich“

Mit neun Startup-Beteiligungen und einem eigenen Energie-Unternehmen hat sich Dominic Thiem nach seiner Tenniskarriere ein zweites Standbein als Investor und Unternehmer aufgebaut. brutkasten hat den ehemaligen US-Open-Sieger im Zuge des Red Bull Basement Österreich-Finales in Graz zum exklusiven Gespräch getroffen.
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Dominic Thiem bei Red Bull Basement in Graz | (c) Philipp Carl Riedl / Red Bull Content Pool

Mit neun Startup-Beteiligungen, einem eigenen Energie-Unternehmen und einem klaren Blick für Gründerpersönlichkeiten hat sich Dominic Thiem nach seiner Tenniskarriere ein zweites Standbein in der Investorenszene aufgebaut. Im Interview spricht der ehemalige US-Open-Sieger über seinen Weg vom Profisportler zum Unternehmer, worauf er bei Founder:innen achtet, warum Resilienz im Startup-Alltag genauso entscheidend ist wie im fünften Satz eines Grand-Slam-Finales und welche Rolle sein Heimmarkt Österreich für ihn als strategischer Partner spielt.

Wir haben Dominic Thiem beim Österreich-Finale des Red Bull Basement in Graz getroffen, wo er als Teil der Jury die heimischen Studierenden-Pitches bewertete (brutkasten berichtete). Der internationale Innovationswettbewerb verzeichnete heuer mit 1.060 Einreichungen einen Rekord, das Sieger-Team „Prepwise“ vertritt Österreich im Juni beim World Final in San Francisco.


Du hast nach deinem Karriereende den Schritt in die Startup-Welt gewagt, als Investor, aber auch als Unternehmer. Wann hat sich dieser Wunsch bei dir entwickelt, selbst zu gründen und zu investieren?

Eigentlich ist es ganz lustig: Mein erstes Investment habe ich gemacht, bevor mich das Thema überhaupt zu interessieren begonnen hat. Das war 2017 bei Neoh. Ich war damals 24 Jahre alt und mit vollem Fokus auf meine Tenniskarriere. Andere Dinge haben mich kaum interessiert. Da hat mein Team einen super Job gemacht und eine wirklich tolle Partnerschaft abgeschlossen.

Richtig intensiv mit dem Thema beschäftigt habe ich mich erst nach meiner Handgelenksverletzung. Das war der Wendepunkt, an dem ich realisiert habe, dass eine Sportkarriere nicht ewig dauert und ich mir Dinge suchen muss, die mich auch danach erfüllen. Investments in Startups waren definitiv eines davon.

Wie viel Raum nehmen Startup-Beteiligungen heute in deinem Alltag ein?

Den Großteil meiner Zeit nimmt es nicht in Anspruch, aber es ist schon ein beträchtlicher Teil. Manchmal sind es ein paar ruhigere Tage oder Wochen, dann wieder geballte Termine. Wichtig ist mir vor allem: Ich habe aktuell neun Beteiligungen, und bei acht davon habe ich investiert, weil ich ein wirklich gutes Gefühl bei der Sache hatte. Ich kenne die Gründer persönlich, sie haben mir Vertrauen vermittelt, und ich verstehe, was sie tun. Manches ist sehr komplex, aber ein grundlegendes Verständnis ist mir immer wichtig. Man muss auch dazusagen, dass all meine Investments auch zu mir persönlich passen und mich die Produkte auch extrem interessieren.

Hast du einen Branchenfokus, oder zählt für dich primär das Team?

Beides. Ernährung interessiert mich sehr stark, da habe ich auch die meisten Beteiligungen. Nachhaltigkeit, Gesundheit und Sport sind weitere große Bereiche. Dazu zähle ich auch meine Investments wie Smash und Biogena, weil sie einen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen können, gerade für Kinder und Jugendliche. Projekte wie die Biogena One World Foundation, wo ich ebenfalls involviert bin, sind genau das, was wir heutzutage brauchen und vorantreiben müssen.

(c) Philipp Carl Riedl / Red Bull Content Pool

Wie kommt dein Dealflow zustande? Hast du ein Team, das dich berät?

Das ist sehr unterschiedlich. Manche Gründer kenne ich schon ewig, da ist der Kontakt organisch entstanden. Andere kamen komplett zufällig zustande, jemand schreibt einen wild an, und es passt einfach. Wenn ein, zwei Investments gut funktionieren, kommen über die gleichen Leute oft neue Vorschläge, dann ist das Vertrauen schon da. Bei meiner Beteiligung bei Hut & Stiel kenne ich den Gründer seit zehn, elf Jahren. Das ist auch kein klassisches Startup mehr, sondern ein etabliertes Unternehmen. Es ist ein guter Mix.

Wie definierst du deine Rolle als Investor, reiner Kapitalgeber oder aktiver Sparringspartner?

Auch da ist es ein Mix. Bei einigen Investments kenne ich mich fachlich zu wenig aus, um echter Sparringspartner zu sein. Da würde ich nichts beitragen. Bei anderen, etwa bei Smash, bin ich natürlich etwas tiefer in der Materie und kann abseits des Kapitals ein bisschen helfen. Bei Hut & Stiel weiß ich nicht, wie man Pilze züchtet, aber rund um Ernährung im Profisport bringe ich aus meiner Vergangenheit sehr viel mit. Da gehe ich dann über diese Schiene rein.

Wie wichtig sind dir Co-Investoren? Bei dir investieren ja auch Athleten wie Guido Burgstaller oder Joshua Kimmich mit.

Bei meinen Investments wusste ich oft gar nicht, wer sonst dabei ist. Mein Bauchgefühl für die Sache war entscheidend. Bei Precision habe ich erst nach meinem Investment erfahren, dass etwa Serge Gnabry schon investiert war. Das ist natürlich eine zusätzliche Bestätigung, aber es ist nicht ausschlaggebend.

Welche Skills aus dem Profisport helfen dir als Investor?

Eine gewisse Gelassenheit, wenn es schlecht läuft. Ruhig bleiben, keine Panikreaktionen, das ist dem Profisport sehr ähnlich. Und der Glaube an ein Ziel. Operativ arbeiten die Gründer, das ist klar, aber das tiefe Überzeugtsein von einer Vision ist wie im Sport.

Worauf achtest du bei Gründer:innen?

Es muss menschlich passen, das ist die Grundvoraussetzung. Aber das allein reicht nicht, das Produkt muss für mich Potenzial haben und Sinn ergeben. Wenn das Produkt nicht passt und ich nicht 100 % überzeugt bin, sage ich ab. Es müssen für mich viele Dinge zusammenpassen.

Vom Investor zum Unternehmer: Wie läuft es bei deinem eigenen Unternehmen Thiem Energy?

Es geht in eine gute Richtung. Wir haben mittlerweile ein wirklich tolles Produkt mit mehreren Varianten, wo alle Österreicher:innen frei wählen können, was sie möchten. Das geht von Strompreisoptimierung bis hin zu einer kompletten Abdeckung des Stromverbrauchs, wo wir unseren Community-Strom mit einem Reststromtarif verknüpfen. Natürlich sind wir von der Größe noch lange nicht da, wo wir sein möchten, aber es macht extrem Spaß, und wenn wir von unseren Mitgliedern die Rückmeldung bekommen, dass sie sich mit Thiem Energy Stromkosten erspart haben, ist das ein tolles Gefühl.

(c) Philipp Carl Riedl / Red Bull Content Pool

Hast du als Investor schon Rückschläge erlebt?

Zum Glück ist mir noch nichts völlig durch die Finger gegangen. Aber ich weiß von NEOH, dass sie sehr heikle Phasen überstehen mussten. Heute stehen sie super da, aber der Weg war hart. Genau das meine ich: Als Gründer brauchst du, genau wie als Profisportler, eine unglaubliche Resilienz. Mit Manuel von NEOH bin ich gut in Kontakt, sein Weg ist beeindruckend. Selbst wenn ein Startup nicht aufgeht, prägt einen dieser jahrelange Hustle. Das hilft auf jedem weiteren Weg.

Hast du einen geografischen Fokus?

Generell ist mir das egal. Wenn es ein österreichisches Startup ist, ist es natürlich besonders cool. Aber wenn ich nicht nur Investor, sondern auch strategischer Partner bin, so wie bei Smash, dann ist Österreich klar am stärksten, einfach weil ich hier logischerweise am bekanntesten bin. Aber auch der Rest der Welt ist sehr interessant für mich, weil es immer und überall unglaublich coole und innovative Ideen und Projekte gibt. In Amerika wollen wir zukünftig ebenfalls mehr machen, da ich dort eine sehr große Plattform durch meinen US-Open-Titel habe.

Du wirbst auch für Bitpanda. Hast du einen Tipp für Gründer:innen, die über Sportsponsoring nachdenken?

Bitpanda spielt mittlerweile in einer ganz anderen Liga und ist Hauptpartner bei drei von vier Champions-League-Halbfinalisten, das ist der Wahnsinn. Studien zeigen jedes Jahr, wie wertvoll Sportsponsoring ist. Jeder Euro, der etwa in Fußballsponsoring investiert wird, kommt ein Vielfaches zurück. Wenn man es smart aufzieht, kann es enorm helfen.

Du bist heute beim Red Bull Basement dabei. Was nimmst du mit?

Ich habe alle Pitches gesehen, einer ist krankheitsbedingt ausgefallen, also waren es neun vor Ort. Ich war schon vor zwei Jahren dabei, damals waren richtig coole Ideen dabei und ich hatte mit zwei Teams länger Kontakt im Anschluss. Auch heuer sind ein paar starke Sachen darunter. Wenn die Gründer ihre Ideen selbst vortragen, bekommt das nochmal eine andere Dimension. Ich bin gespannt.

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v.l.n.r.) Sergio Rodríguez, Alejandro Huenich und Günter Winkler beim Decoto-Netzwerktreffen „Beyond the Pitlane 2026" am Red Bull Ring | (c) brutkasten

Millionenbudgets, erfahrene Business Developer und am Ende trotzdem kein einziger Abschluss: An diesem Muster scheiterten japanische Medizintechnik-Unternehmen immer wieder bei ihren Expansionsversuchen in die USA. „Zu Decoto kamen Unternehmen, die zuvor Millionen in ihr Business Development in den USA investiert und ihre besten japanischen Mitarbeiter dorthin geschickt hatten und nach zwei oder drei Jahren trotzdem keinen Umsatz erzielen konnten“, erzählt Alejandro Huenich im Gespräch mit brutkasten.

Aus genau dieser Beobachtung heraus gründete Sean Yoshikawa vor rund vier Jahren Decoto International in Tokio: als Antwort auf Handelshemmnisse, Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede, an denen die Internationalisierung von MedTech-Unternehmen häufig scheitert.

Huenich, der zuvor in der österreichischen Blockchain-Szene aktiv war, stieg später als Co-Founder ein. Kennengelernt hatten sich die beiden bereits Jahre zuvor bei einer Startup-Live-Veranstaltung in Österreich, an der Yoshikawa auf Einladung der WKO teilgenommen hatte. In die Medizintechnik kam Huenich zunächst ohne Branchenerfahrung: Innerhalb von 48 Stunden erhielt er zwei voneinander unabhängige Anfragen aus dem MedTech-Bereich, neben Yoshikawas Anruf auch eine Vermittlung zum Wiener Medizintechnik-Unternehmen Aurimod. „Das Universum hat mir innerhalb von 48 Stunden gleich zweimal MedTech auf den Tisch geknallt“, sagt Huenich.

Seit Jänner 2026 führt Huenich Decoto als Geschäftsführer und hat die Marke übernommen. Gründer Yoshikawa ist aus privaten Gründen aus dem operativen Geschäft ausgestiegen, begleitet das Netzwerk jedoch weiterhin punktuell beratend. Eine spätere Rückkehr bleibt offen.

Mit dem Wechsel an der Spitze kam auch eine strategische Neuausrichtung: „Ich habe Decoto stärker europäisch ausgerichtet“, sagt Huenich. Graz soll künftig als „Gateway to Europe“ dienen und internationalen MedTech-Unternehmen den Zugang zu europäischen Märkten erleichtern. Gleichzeitig bleibt das globale Modell bestehen: Partner in Mexiko öffnen den Zugang zu Lateinamerika, das Netzwerk in Japan zu Südostasien, weitere Partner decken Europa und die USA ab.

Ein Netzwerk ohne Angestellte

Decoto ist in mehr als elf Ländern aktiv, mit Schwerpunkten in Südostasien, Japan, Korea, den USA, Lateinamerika und Europa. China und die Schweiz sollen als nächste Märkte hinzukommen. Das Konstrukt dahinter ist ungewöhnlich: „Decoto ist ein System ohne Angestellte“, erklärt Huenich. Im Ökosystem arbeiten eigenständige Unternehmen, Expert:innen und Einzelunternehmer:innen projektbezogen zusammen, vergleichbar mit einer international aufgestellten Anwaltskanzlei. Vergütet wird, wer tatsächlich an einem Projekt beteiligt ist. Das hält die Struktur schlank und schafft für die Partner einen Anreiz, ihre Expertise einzubringen und das Netzwerk aktiv weiterzuentwickeln. Klassisches Marketing betreibe Decoto kaum, die Projektpipeline sei dennoch gut gefüllt.

Das Netzwerk unterscheidet sich nach Huenichs Verständnis jedoch nicht nur durch seine Struktur, sondern auch durch die Art, wie Partnerschaften aufgebaut und Geschäfte gemacht werden. „We are not a business company with some spiritual qualities. We are a spiritual company doing business“, beschreibt er den Ansatz. Im Gespräch wechselt er zwischen Deutsch und Englisch. Gemeint ist eine Unternehmenskultur, in der Achtsamkeit, Wertschätzung, Transparenz, Reflexion und kaufmännische Integrität die Grundlage der Zusammenarbeit bilden.

(v.l.n.r.) Günter Winkler, Alejandro Huenich, Sergio Rodríguez und Amel Havkic beim Decoto-Netzwerktreffen „Beyond the Pitlane 2026″ am Red Bull Ring. | (c) Decoto International

„Gute Beziehungen, Freude an der Zusammenarbeit und geschäftlicher Erfolg sind für uns kein Widerspruch, sie gehören zusammen“, sagt Huenich. Gerade die Monetarisierung von Netzwerken sei schwierig: Viele verfügten über starke Kontakte, schafften es jedoch nicht, daraus nachhaltige Projekte und Geschäftsmodelle zu entwickeln. Decoto sieht seinen bisherigen Erfolg deshalb in der Verbindung gemeinsamer Werte mit einer klaren Methodologie, definierten Rollen und konkreten wirtschaftlichen Zielen.

Gleichzeitig ist Huenich überzeugt, dass die zwischenmenschliche Ebene künftig noch wichtiger wird. Künstliche Intelligenz werde zunehmend Prozesse übernehmen, Vertrauen, persönliche Beziehungen und die Qualität der Zusammenarbeit ließen sich jedoch nicht auf dieselbe Weise automatisieren. Eine ähnliche Haltung verfolgt er als Founding Member von Conxious (brutkasten berichtete), einer Initiative für bewusstere und werteorientierte Formen des Unternehmertums.

Decoto versteht sich ausdrücklich nicht als reine Unternehmensberatung. Beratung ist zwar ein Bestandteil der Arbeit, der Ansatz geht jedoch deutlich darüber hinaus: Gemeinsam mit seinen Netzwerkpartnern beteiligt sich Decoto aktiv an der Umsetzung und begleitet MedTech-Unternehmen beim Eintritt in neue Märkte. Unter dem Modell „Co-Founder as a Service“ übernimmt beispielsweise ein lokaler Partner den Aufbau der Aktivitäten vor Ort, bis das Unternehmen eigene Strukturen geschaffen hat und selbst übernehmen kann.

Die Partner kennen die jeweiligen Gesundheitssysteme, Marktmechanismen, kulturellen Besonderheiten und relevanten Entscheidungsträger. Dadurch erhalten die Unternehmen nicht nur strategische Empfehlungen, sondern auch operative Unterstützung und Zugang zu den notwendigen lokalen Netzwerken.

Wie finanziert sich Decoto?

Das Geschäftsmodell ruht auf drei Säulen: klassischer Beratung, Venture Building im Sinne des „Co-Founder as a Service“-Modells sowie erfolgsabhängigen Vergütungen im Vertrieb, die jeweils mit einem Retainer kombiniert werden. Beteiligungen an Unternehmen nimmt Decoto nur in Ausnahmefällen. „Equity ist nicht nur gut, es ist auch eine Verantwortung“, sagt Huenich. Inhaltlich konzentriert sich das Netzwerk auf MedTech und Life Sciences, von Digital Health bis Longevity. Pharma ist ausdrücklich ausgeschlossen.

Projekte von Decoto

Zu den aktuellen Projekten zählen laut Huenich die Ansiedlung eines iranischen Startups in Graz, die laufende Ansiedlung eines indischen Unternehmens, die Zusammenarbeit mit einem koreanischen Unternehmen im Demenzbereich sowie die Unterstützung österreichischer Startups.

Als Referenzprojekt nennt Huenich das koreanische Unternehmen Seven Point One, das mit „AlzWIN“ ein KI-gestütztes, sprachbasiertes Screening zur Früherkennung von Demenzrisiken entwickelt hat. Das Unternehmen war bereits in Korea etabliert und laut Huenich auch in Japan erfolgreich, kam beim Eintritt in den US-Markt jedoch zwei Jahre lang kaum voran.

Gemeinsam mit den Decoto-Partnern wurden anschließend unter anderem der FDA-Prozess, das Branding, die Kapitalaufnahme und die ersten Verkäufe an Krankenhäuser bearbeitet. Nach acht Monaten sei das Unternehmen bereit gewesen, seine Aktivitäten in den USA zu skalieren.

Das zentrale Learning daraus beschreibt Huenich so: „Wenn du als ausländisches Unternehmen in einen neuen Markt gehst, wirst du zunächst immer als ausländisches Unternehmen wahrgenommen. Es gilt fast überall: America first, Japan first oder India first.“ Deshalb brauche es lokale Partner, die nicht nur den Markt kennen, sondern auch über das notwendige Vertrauen und die richtigen Beziehungen verfügen.

Eine zentrale Rolle in diesem internationalen Modell übernimmt Sergio Rodríguez. Neben Alejandro Huenich und Günter Winkler ist er der dritte Co-Founder des neu ausgerichteten, stärker europäisch verankerten Decoto-Unternehmens. Rodríguez ist seit mehr als 17 Monaten Teil des Netzwerks, leitet die Aktivitäten in Spanien und Lateinamerika und verantwortet die Bereiche Projektmanagement und Finanzen.

Der Strukturbauer: Günter Winkler

Seit Juni verstärkt Günter Winkler Decoto als neuer Geschäftsführer. Der Wirtschaftsingenieur war lange in der Automotive-Branche tätig, zunächst bei einem OEM in Stuttgart, danach zehn Jahre beim Grazer Technologieunternehmen AVL, wo er zuletzt ein internationales Entwicklungsteam in Indien, Ungarn und Österreich leitete. Seit 2022 ist er zudem Geschäftsführer von Ottronic, einem obersteirischen Entwicklungs- und Fertigungspartner für Medizintechnik-Unternehmen mit Sitz in Fohnsdorf.

Sein Weg zu Decoto begann zunächst als Kunde. Ausgangspunkt war die Wachstumsfrage von Ottronic: Der DACH-Markt allein passte nicht mehr zu den internationalen Zielen des Unternehmens. Die Zusammenarbeit begann mit einem geförderten Internationalisierungsprojekt, in dessen Rahmen Winkler gemeinsam mit Huenich zur World Health Expo und zur MedTech World nach Dubai reiste. Darauf folgte ein gemeinsames Südamerika-Projekt in Kooperation mit dem Internationalisierungscenter Steiermark (ICS) mit einem Volumen von knapp 50.000 Euro.

Nach der Zusammenarbeit in diesen beiden Projekten entschied sich Winkler im Juni, nicht nur Kunde und Partner des Netzwerks zu bleiben, sondern als neuer Geschäftsführer Verantwortung für die weitere Entwicklung von Decoto zu übernehmen.

Seine zentrale Aufgabe ist es, aus dem bislang bewusst lose organisierten Zusammenschluss internationaler Expert:innen und Partner ein professionell strukturiertes Unternehmen zu entwickeln, das dem aktuellen Wachstum nachhaltig standhalten kann. Die organisatorische Weiterentwicklung ist notwendig, um die wachsende Nachfrage und die bestehende Projektpipeline künftig zuverlässig bedienen zu können.

Dabei soll Decoto vor allem in organisatorischer und struktureller Hinsicht professionalisiert werden, ohne jene bewährten Aspekte aufzugeben, die das Netzwerk bisher erfolgreich gemacht haben: seine Flexibilität, die persönliche Zusammenarbeit und die enge Verbindung zwischen den internationalen Partnern.

Die Arbeitsteilung bringt Huenich auf den Punkt: „Günter baut das Unternehmen, ich kümmere mich um die Menschen.“

Diese Fassung bleibt sehr nah am Original, stellt Günters neue Position aber deutlich klarer heraus und erklärt nachvollziehbar, warum er jetzt Geschäftsführer wird und welche konkrete Aufgabe er übernimmt.

Die klinische Perspektive: Amel Havkic und EvoMed

Mit Amel Havkic erweitert Decoto sein Netzwerk um klinisch-medizinische Expertise. Der Frankfurter Pneumologe ist Ärztlicher Leiter für Weaning und Heimbeatmung am St. Elisabethen-Krankenhaus Frankfurt und Gründer von EvoMed Consulting. Als Partner im Decoto-Netzwerk bringt er insbesondere seine Erfahrung in der klinischen Bewertung und Clinical Adoption ein – also bei der Frage, wie medizinische Innovationen sinnvoll in den klinischen Alltag integriert und von den späteren Anwender:innen angenommen werden können.

Huenich und Havkic lernten sich zunächst über LinkedIn kennen. Persönlich trafen sie sich kurz darauf bei der von Dylan Attard gegründeten MedTech World Dubai. Decoto ist Partner der internationalen Veranstaltungsreihe und regelmäßig bei deren Events vertreten. Im November soll ein großer Teil des Decoto-Netzwerks bei der MedTech World Europe auf Malta zusammenkommen.

„Statt uns als Konkurrenz zu betrachten, haben wir schnell erkannt, dass sich unsere Kompetenzen sehr gut ergänzen“, sagt Havkic. Den strategischen Wert der Partnerschaft sieht Huenich vor allem in Havkics Nähe zur klinischen Praxis: „Er kennt den medizinischen Bereich und den Alltag der Menschen, die eine Innovation später im Krankenhaus anwenden müssen. Dieser Aspekt ist unglaublich wichtig und wird häufig massiv unterschätzt.“

Für Havkic ist Clinical Adoption eine der entscheidenden Erfolgsmetriken im Gesundheitswesen: Wenn Ärzt:innen und Pflegepersonal ein Produkt im Alltag nicht sinnvoll einsetzen können oder darin keinen konkreten Mehrwert erkennen, kann selbst die beste Technologie scheitern.


Wie die Netzwerkarbeit funktioniert

Wie Decoto Netzwerkarbeit versteht, zeigte sich zuletzt am Red Bull Ring. Beim ADAC Racing Weekend lud das Unternehmen gemeinsam mit CESA und Reiter Racing zum Event „Beyond the Pitlane 2026“ – einer kuratierten Runde aus Spitzensport, MedTech und Venture Capital. Das Programm reichte vom Lunch im Fahrerlager über den Renntag in der Box von Reiter Racing, dessen Team an diesem Wochenende den zweiten Platz belegte, bis hin zu einer Paneldiskussion.

Netzwerkveranstaltung am Red Bull Ring | (c) brutkasten

Auf dem Podium diskutierten unter anderem Amel Havkic von EvoMed Consulting, Lejla Pock von Human.technology Styria, Matthew Foran von Meadow Valley Capital, Guillermo Fernando Pezzetto von AVL Racetech, Aleksandra Krajnc vom Know Center und Shavini Fernando von OxiWear. Moderiert wurde die Diskussion von Alejandro Huenich.

Das Event war zugleich Teil eines aktuellen Decoto-Projekts: Peak Performance MedTech. Die Initiative soll eine Brücke zwischen medizinischer Innovation und Spitzensport schlagen. Der Motorsport bietet dafür ein besonders geeignetes Umfeld, da der menschliche Körper hier seit Jahrzehnten an seine Grenzen gebracht wird – häufig lange bevor daraus gewonnene Erkenntnisse Eingang in die reguläre Gesundheitsversorgung finden.

MedTech-Innovationen sollen im Hochleistungssport erprobt, weiterentwickelt und sichtbar gemacht werden und von dort ihren Weg in breitere Märkte finden. Gleichzeitig zeigt das Format, wie das Decoto-Modell im Kern funktioniert: Unterschiedliche Akteure werden gezielt zusammengebracht, persönliche Beziehungen aufgebaut und daraus konkrete Projekte und Partnerschaften entwickelt.

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