04.05.2026
EXKLUSIVES INTERVIEW

Dominic Thiem über Investments: „Keine Panikreaktionen – das ist dem Profisport sehr ähnlich“

Mit neun Startup-Beteiligungen und einem eigenen Energie-Unternehmen hat sich Dominic Thiem nach seiner Tenniskarriere ein zweites Standbein als Investor und Unternehmer aufgebaut. brutkasten hat den ehemaligen US-Open-Sieger im Zuge des Red Bull Basement Österreich-Finales in Graz zum exklusiven Gespräch getroffen.
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Dominic Thiem bei Red Bull Basement in Graz | (c) Philipp Carl Riedl / Red Bull Content Pool

Mit neun Startup-Beteiligungen, einem eigenen Energie-Unternehmen und einem klaren Blick für Gründerpersönlichkeiten hat sich Dominic Thiem nach seiner Tenniskarriere ein zweites Standbein in der Investorenszene aufgebaut. Im Interview spricht der ehemalige US-Open-Sieger über seinen Weg vom Profisportler zum Unternehmer, worauf er bei Founder:innen achtet, warum Resilienz im Startup-Alltag genauso entscheidend ist wie im fünften Satz eines Grand-Slam-Finales und welche Rolle sein Heimmarkt Österreich für ihn als strategischer Partner spielt.

Wir haben Dominic Thiem beim Österreich-Finale des Red Bull Basement in Graz getroffen, wo er als Teil der Jury die heimischen Studierenden-Pitches bewertete (brutkasten berichtete). Der internationale Innovationswettbewerb verzeichnete heuer mit 1.060 Einreichungen einen Rekord, das Sieger-Team „Prepwise“ vertritt Österreich im Juni beim World Final in San Francisco.


Du hast nach deinem Karriereende den Schritt in die Startup-Welt gewagt, als Investor, aber auch als Unternehmer. Wann hat sich dieser Wunsch bei dir entwickelt, selbst zu gründen und zu investieren?

Eigentlich ist es ganz lustig: Mein erstes Investment habe ich gemacht, bevor mich das Thema überhaupt zu interessieren begonnen hat. Das war 2017 bei Neoh. Ich war damals 24 Jahre alt und mit vollem Fokus auf meine Tenniskarriere. Andere Dinge haben mich kaum interessiert. Da hat mein Team einen super Job gemacht und eine wirklich tolle Partnerschaft abgeschlossen.

Richtig intensiv mit dem Thema beschäftigt habe ich mich erst nach meiner Handgelenksverletzung. Das war der Wendepunkt, an dem ich realisiert habe, dass eine Sportkarriere nicht ewig dauert und ich mir Dinge suchen muss, die mich auch danach erfüllen. Investments in Startups waren definitiv eines davon.

Wie viel Raum nehmen Startup-Beteiligungen heute in deinem Alltag ein?

Den Großteil meiner Zeit nimmt es nicht in Anspruch, aber es ist schon ein beträchtlicher Teil. Manchmal sind es ein paar ruhigere Tage oder Wochen, dann wieder geballte Termine. Wichtig ist mir vor allem: Ich habe aktuell neun Beteiligungen, und bei acht davon habe ich investiert, weil ich ein wirklich gutes Gefühl bei der Sache hatte. Ich kenne die Gründer persönlich, sie haben mir Vertrauen vermittelt, und ich verstehe, was sie tun. Manches ist sehr komplex, aber ein grundlegendes Verständnis ist mir immer wichtig. Man muss auch dazusagen, dass all meine Investments auch zu mir persönlich passen und mich die Produkte auch extrem interessieren.

Hast du einen Branchenfokus, oder zählt für dich primär das Team?

Beides. Ernährung interessiert mich sehr stark, da habe ich auch die meisten Beteiligungen. Nachhaltigkeit, Gesundheit und Sport sind weitere große Bereiche. Dazu zähle ich auch meine Investments wie Smash und Biogena, weil sie einen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen können, gerade für Kinder und Jugendliche. Projekte wie die Biogena One World Foundation, wo ich ebenfalls involviert bin, sind genau das, was wir heutzutage brauchen und vorantreiben müssen.

(c) Philipp Carl Riedl / Red Bull Content Pool

Wie kommt dein Dealflow zustande? Hast du ein Team, das dich berät?

Das ist sehr unterschiedlich. Manche Gründer kenne ich schon ewig, da ist der Kontakt organisch entstanden. Andere kamen komplett zufällig zustande, jemand schreibt einen wild an, und es passt einfach. Wenn ein, zwei Investments gut funktionieren, kommen über die gleichen Leute oft neue Vorschläge, dann ist das Vertrauen schon da. Bei meiner Beteiligung bei Hut & Stiel kenne ich den Gründer seit zehn, elf Jahren. Das ist auch kein klassisches Startup mehr, sondern ein etabliertes Unternehmen. Es ist ein guter Mix.

Wie definierst du deine Rolle als Investor, reiner Kapitalgeber oder aktiver Sparringspartner?

Auch da ist es ein Mix. Bei einigen Investments kenne ich mich fachlich zu wenig aus, um echter Sparringspartner zu sein. Da würde ich nichts beitragen. Bei anderen, etwa bei Smash, bin ich natürlich etwas tiefer in der Materie und kann abseits des Kapitals ein bisschen helfen. Bei Hut & Stiel weiß ich nicht, wie man Pilze züchtet, aber rund um Ernährung im Profisport bringe ich aus meiner Vergangenheit sehr viel mit. Da gehe ich dann über diese Schiene rein.

Wie wichtig sind dir Co-Investoren? Bei dir investieren ja auch Athleten wie Guido Burgstaller oder Joshua Kimmich mit.

Bei meinen Investments wusste ich oft gar nicht, wer sonst dabei ist. Mein Bauchgefühl für die Sache war entscheidend. Bei Precision habe ich erst nach meinem Investment erfahren, dass etwa Serge Gnabry schon investiert war. Das ist natürlich eine zusätzliche Bestätigung, aber es ist nicht ausschlaggebend.

Welche Skills aus dem Profisport helfen dir als Investor?

Eine gewisse Gelassenheit, wenn es schlecht läuft. Ruhig bleiben, keine Panikreaktionen, das ist dem Profisport sehr ähnlich. Und der Glaube an ein Ziel. Operativ arbeiten die Gründer, das ist klar, aber das tiefe Überzeugtsein von einer Vision ist wie im Sport.

Worauf achtest du bei Gründer:innen?

Es muss menschlich passen, das ist die Grundvoraussetzung. Aber das allein reicht nicht, das Produkt muss für mich Potenzial haben und Sinn ergeben. Wenn das Produkt nicht passt und ich nicht 100 % überzeugt bin, sage ich ab. Es müssen für mich viele Dinge zusammenpassen.

Vom Investor zum Unternehmer: Wie läuft es bei deinem eigenen Unternehmen Thiem Energy?

Es geht in eine gute Richtung. Wir haben mittlerweile ein wirklich tolles Produkt mit mehreren Varianten, wo alle Österreicher:innen frei wählen können, was sie möchten. Das geht von Strompreisoptimierung bis hin zu einer kompletten Abdeckung des Stromverbrauchs, wo wir unseren Community-Strom mit einem Reststromtarif verknüpfen. Natürlich sind wir von der Größe noch lange nicht da, wo wir sein möchten, aber es macht extrem Spaß, und wenn wir von unseren Mitgliedern die Rückmeldung bekommen, dass sie sich mit Thiem Energy Stromkosten erspart haben, ist das ein tolles Gefühl.

(c) Philipp Carl Riedl / Red Bull Content Pool

Hast du als Investor schon Rückschläge erlebt?

Zum Glück ist mir noch nichts völlig durch die Finger gegangen. Aber ich weiß von NEOH, dass sie sehr heikle Phasen überstehen mussten. Heute stehen sie super da, aber der Weg war hart. Genau das meine ich: Als Gründer brauchst du, genau wie als Profisportler, eine unglaubliche Resilienz. Mit Manuel von NEOH bin ich gut in Kontakt, sein Weg ist beeindruckend. Selbst wenn ein Startup nicht aufgeht, prägt einen dieser jahrelange Hustle. Das hilft auf jedem weiteren Weg.

Hast du einen geografischen Fokus?

Generell ist mir das egal. Wenn es ein österreichisches Startup ist, ist es natürlich besonders cool. Aber wenn ich nicht nur Investor, sondern auch strategischer Partner bin, so wie bei Smash, dann ist Österreich klar am stärksten, einfach weil ich hier logischerweise am bekanntesten bin. Aber auch der Rest der Welt ist sehr interessant für mich, weil es immer und überall unglaublich coole und innovative Ideen und Projekte gibt. In Amerika wollen wir zukünftig ebenfalls mehr machen, da ich dort eine sehr große Plattform durch meinen US-Open-Titel habe.

Du wirbst auch für Bitpanda. Hast du einen Tipp für Gründer:innen, die über Sportsponsoring nachdenken?

Bitpanda spielt mittlerweile in einer ganz anderen Liga und ist Hauptpartner bei drei von vier Champions-League-Halbfinalisten, das ist der Wahnsinn. Studien zeigen jedes Jahr, wie wertvoll Sportsponsoring ist. Jeder Euro, der etwa in Fußballsponsoring investiert wird, kommt ein Vielfaches zurück. Wenn man es smart aufzieht, kann es enorm helfen.

Du bist heute beim Red Bull Basement dabei. Was nimmst du mit?

Ich habe alle Pitches gesehen, einer ist krankheitsbedingt ausgefallen, also waren es neun vor Ort. Ich war schon vor zwei Jahren dabei, damals waren richtig coole Ideen dabei und ich hatte mit zwei Teams länger Kontakt im Anschluss. Auch heuer sind ein paar starke Sachen darunter. Wenn die Gründer ihre Ideen selbst vortragen, bekommt das nochmal eine andere Dimension. Ich bin gespannt.

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FFG-Geschäftsführerinnen Henrietta Egerth und Karin Tausz (v.l.) | (c) Philipp Stambera/FFG

Sie haben einen klar definierten Zweck: konkrete Forschungsergebnisse für die wirtschaftliche Nutzung zu liefern. 24 „Comet-Zentren“ (Competence Centers for Excellent Technologies) gibt es mittlerweile in Österreich; das Programm-Management liegt bei der FFG. „Die Zentren bringen exzellente Forschungseinrichtungen und engagierte Unternehmen zusammen und schaffen damit ein Umfeld, in dem neue Erkenntnisse rasch in Technologien, Produkte und Anwendungen überführt werden können“, heißt es von den beiden FFG-Geschäftsführerinnen Henrietta Egerth und Karin Tausz.

Nun wurde eine neue Förderrunde für drei bestehende und ein neues Zentrum beschlossen. 31,6 Millionen Euro kommen dabei von Infrastruktur- und das Wirtschaftsministerium, 15,8 Millionen Euro von den beteiligten Bundesländern. Unternehmenspartner bringen zusätzlich rund 45,2 Millionen Euro, wissenschaftliche Partner weitere 4,9 Millionen Euro ein. Insgesamt ergeben sich daraus etwa 97,5 Millionen Euro Finanzierung.

Neues Comet-Zentrum erforscht „selbstheilende Systeme“

Neu hinzu kommt dabei das Kompetenzzentrum ARC (Autonomic Resilience in Dynamic Networked Systems). Dort sollen Methoden erforscht werden, um die Widerstandsfähigkeit technischer Systeme, kritischer Infrastrukturen und Unternehmen gegenüber Krisen und externen Schocks zu erhöhen. Im Mittelpunkt stünden dabei „autonom agierende und selbstheilende Systeme, die auf Künstlicher Intelligenz sowie Schwarmintelligenz basieren“, heißt es in einer Aussendung. Das Zentrum wird von der Lakeside Labs GmbH in Klagenfurt koordiniert. Neben dem Land Kärnten sind auch Burgenland und Tirol beteiligt. Zudem fließen in der aktuellen Runde Mittel an die Comet-Zentren Linz Center of Mechatronics GmbH (LCM), Materials Center Leoben Forschung GmbH (IMI) und Virtual Vehicle GmbH (COMET SDM).

Zentren sollen Beitrag zu Schlüsseltechnologien der Industriestrategie bringen

Auf politischer Seite betont man den Beitrag der Zentren zur Industristrategie 2035 (brutkasten berichtete). Dabei erhofft man sich einen Beitrag zu den dort definierten Schlüsseltechnologien, im konkreten Fall „Künstliche Intelligenz und Dateninnovation“, „Mobilitätstechnologien“, „Fortgeschrittene Produktionstechnologien und Robotik“ und „Anspruchsvolle Materialien“.

„Mit den Comet-Zentren investieren wir gezielt in jene Schlüsseltechnologien, die über die Wettbewerbsfähigkeit unseres Industriestandorts in den kommenden Jahrzehnten entscheiden“, meint Innovationsminister Peter Hanke. Und Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer erklärt, die Finanzierung der Zentren sei „der nächste Schritt in der Umsetzung der Industriestrategie und ein entscheidender Hebel zur erfolgreichen Überführung exzellenter Forschungsergebnisse in markttaugliche Produkte.“

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