12.05.2021

Digitalisierungsindex 2021: KMU treten auf der Stelle

Zum vierten Mal hat der Telekommunikationsanbieters Drei den Digitalisierungsgrad österreichischer Unternehmen unter die Lupe genommen. Dabei zeigt sich: Einen corona-bedingten Digitalisierungsschub gab es nur für große Unternehmen. Kleinbetriebe hinken weiterhin hinterher.
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Digitalisierung
© Adobe Stock/Coloures-Pic

Der Digitalisierungsindex wurde 2017 gemeinsam mit Arthur D. Little Austria, WKO und WU Wien ins Leben gerufen und heuer erstmals auf ganz Österreich ausgeweitet. Das Marktforschungsunternehmen marketmind hat Anfang des Jahres 811 Unternehmen aus 19 verschiedenen Branchen befragt; die erhobenen Daten wurden von der Strategie- und Innovationsberatung Arthur D. Little analysiert und mit den Ergebnissen aus den Jahren vor der Pandemie verglichen. Das Ergebnis macht deutlich, dass sich die Digitalisierung der österreichischen Unternehmen nicht im erwarteten Ausmaß beschleunigt hat.

Große top, kleine Flop

Denn auch wenn Großbetriebe – hier sprechen 90 Prozent von einer Beschleunigung durch Corona -, die Industrie und einzelne Branchen wie Bildung, Kultur, Kommunikationswirtschaft und Tourismus auf Videokonferenzen, Homeoffice und andere digitale Tools gesetzt haben, treten vor allem Klein- und Kleinstbetriebe nach wie vor auf der Stelle. Häufig auch deshalb, weil ihnen im Zuge der Corona-Pandemie einfach das Geld dafür gefehlt hat. Im Handel hat nur jedes zehnte Unternehmen verstärkt auf neue Online-Absatzkanäle gesetzt; auch Handwerk oder Logistik hatten schwer zu kämpfen. Das führt auch dazu, dass über die gesamte Befragung hinweg nur ein Drittel sagt, digitale Fortschritte erzielt zu haben.

Dass die Kluft zwischen groß und klein zunimmt, lässt sich in der Studie auch am Einsatz von Homeoffice oder Videkonferenz-Tools festmachen. Mehr als die Hälfte der Großunternehmen verstärkten deren Einsatz, bei den kleinen Betrieben nutzen acht Prozent vermehrt Videotelefonie und nur sechs Prozent haben zum ersten Mal oder verstärkt im Homeoffice gearbeitet. Ebenfalls interessant: Fast die Hälfte der Betriebe arbeitet auch nach Corona weiterhin ohne Telefon-, Video- und Webkonferenzen und ohne Digitale Signatur. Cloud-Services nutzen überhaupt erst 39 Prozent der Betriebe.

Digitalisierungsindex 2021
© marketmind/Arthur D. Little

Digitalisierungsindex nahezu unverändert

Der Digitalisierungsindex, der sich aus fünf Einzelfaktoren – von der IT-Ausstattung und Vernetzung, über Online-Präsenz und -vertrieb bis zur Arbeitsweise – zusammensetzt, veränderte sich hierzulande dementsprechend kaum und erreicht 35 von 100 Punkten. Vor der Pandemie lag der Wert bei 34 Punkten. Rudolf Schrefl, CEO von Drei dazu: „Zweifelsohne hat Corona in Österreich für einen Digitalisierungsschub gesorgt. Auch wenn es immer noch viel zu wenige sind, gab es unter den österreichischen Unternehmen noch nie so viele ‚digitale Champions‘. Die knapp 20 Prozent der Betriebe, die man in Österreich grundsätzlich als digitalisiert bezeichnen kann, sind aber mit wenigen Ausnahmen Großbetriebe.“ Er betonte weiters, dass insbesondere jetzt Unterstützung für Klein- und Kleinstbetriebe enorm wichtig sei, damit sie die digitale Transformation nicht verpassen.

Umsetzungsberatung und bessere rechtliche Rahmenbedingungen

Karim Taga, Managing Partner von Arthur D. Little (ADL) Austria, bringt auf den Punkt, wo der Schuh drückt: „Initiativen für mehr Beratung und für eine leichtere Finanzierung gibt es, sie müssen aber noch bekannter werden. Außerdem benötigen die Betriebe dringend breitflächig schnelles Internet: Rund ein Drittel sitzt hier immer noch vor leeren Gläsern.“ Hier setzt Drei u.a. mit der Errichtung des größten 5G Netzes Österreichs an, mit dem mehr als 700 der entlegensten Gemeinden mit High Speed-Internet versorgt werden sollen. „Die heimischen Telekombetreiber werden in den kommenden Jahren für die Anbindung der österreichischen Unternehmen an schnelles Internet drei Milliarden Euro investieren. Dafür benötigen wir faire rechtliche Rahmenbedingungen, die den 5G Ausbau beschleunigen und nicht behindern“, appelliert Schrefl an die Politik.

Taga von ADL verweist auf die notwendige gemeinsame Anstrengung der drei wesentlichen Stakeholder ICT-Anbieter, öffentliche Hand und Corporates. Nur in dieser Kombination ist es seiner Ansicht nach möglich, die digitale Transformation mit effektiven Maßnahmen und Programmen zu unterstützen. „ICT-Anbieter sollten flächendeckende leistungsfähige Infrastruktur schaffen und ihre Angebote auf die Bedürfnisse von KMUs zuschneiden. Die öffentliche Hand sollte existierende Initiativen wie etwa ‚fit4interne‘ oder ‚KMU.Digital‘ weiter fördern und gleichzeitig neue innovative Programme wie zum Beispiel ein ‚Digitales Starthilfe Paket‘ einführen. Corporates sollten ein digitales Ökosystem stimulieren, Know-how-Transfer ermöglichen und ein regionales Ökosystem aufbauen“, ist Taga überzeugt.

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(c) Tony Sebastian via Unsplash
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Die jüngere Geschichte des deutschen Essenzustellungs-Konzerns Delivery Hero, der u.a. vom Österreicher Markus Fuhrmann (mittlerweile mit Gropyus erfolgreich) mitgrgründet wurde, ist durchaus durchwachsen. Ausgerechnet im Heimatmarkt räumte man bereits 2018 durch einen Verkauf des gesamten Deutschland-Geschäfts an die niederländische Takeaway.com, zu der unter anderem Lieferando gehört, das Feld. Ein kurzer Comeback-Versuch mit der asiatischen Marke Foodpanda im Zuge des Lieferbooms der Corona-Pandemie wurde abgeblasen.

Anders sieht die Situation in eine Reihe weiterer globaler Märkte aus: Im arabischen Raum und in asiatischen Ländern wie Südkorea ist man über diverse Tochtermarken teils Marktführer. In mehreren lateinamerikanischen und europäischen Ländern zählt man zu den wichtigsten Playern. Auch in Österreich steht Delivery Hero mit der Marke Foodora auf Platz zwei hinter Takeaway.com mit Lieferando.

Konsolidierung Richtung USA: Uber Eats wird durch Übernahme zu globaler Nummer 1

Nun werden die Karten aber neu gemischt: Denn wie Uber heute bekanntgab, legte man ein Übernahmeangebot für den börsennotierten Berliner Konzern und will diesen für umgerechnet rund 12,7 Milliarden Euro aufkaufen. Das Angebot liegt dabei deutlich über dem aktuellen Aktienkurs. Geht der Deal durch, bedeutet das eine massive Marktkonsolidierung in Richtung USA. Uber betreibt mit Uber Eats selbst einen globalen Player in der Essenzustellung, der etwa Marktführer in Frankreich, Japan, Australien, Mexiko und Kanada ist – im Heimatmarkt USA aber recht weit hinter Konkurrent Doordash liegt.

Durch die geplante Übernahme von Delivery Hero kauft sich Uber führende Positionen in einer ganzen Reihe von Ländern ein. Mit 99 Märkten und einem Bruttowarenvolumen von 236 Milliarden Dollar (auf Basis der Werte aus 2025) wäre es nachher nach eigenen Angaben das größte Lieferdienst-Unternehmen der Welt.

14 Märkte, darunter Österreich, wegen Kartellrecht an anderen Käufer

Insgesamt 14 Märkte spart Uber bei der Übernahme aber bewusst aus. Diese sollen auf Basis eines Vertrags mit der New Yorker Investmentfirma SSW Partners von dieser für umgerechnet rund 1,4 Milliarden Euro übernommen werden. Das betrifft bis auf Chile, Ecuador und die Türkei europäische Länder, darunter etwa Schweden, Spanien und auch Österreich. Um die Marken geht es dabei nicht – Foodora (Europa), Glovo (Europa/Asien/Afrika) und PedidosYa (Lateinamerika) gehen mit ihren nationalen Töchtern teilweise an Uber und teilweise an SSW Partners.

Grund für die sehr selektive Aufspaltung ist das Kartellrecht. Laut offizieller Uber-Aussendung zum geplanten Deal übernehme SSW Partners „insbesondere dort, wo sich Uber Eats und Delivery Hero bereits überschneiden“. Sprich: Es werden proaktiv Märkte ausgespart, wo Kartell-Klagen und ein Einschreiten von Wettbewerbsbehörden vorprogrammiert sind.

Österreichischer Markt als Spezialfall

Im Fall von Österreich, wo Uber Eats nach einem gescheiterten ersten Versuch momentan gar nicht am Markt ist, geht es vor allem um die EU-Wettbewerbshüter, die den Gesamtmarkt im Blick haben. Durch den Schachzug steht gleichzeitig dem bereits kommunizierten Wiedereinstieg mit der Marke Uber Eats in den österreichischen Markt nichts im Wege.

Die New Yorker Investmentgesellschaft wird übrigens nicht dauerhaft Eigentümerin von Foodora Österreich und den weiteren Töchtern bleiben. Man werde „den Prozess leiten, um die besten langfristigen Heimstätten für diese Unternehmen zu finden, in denen sie weiterhin florieren können“, heißt es von SSW Partners.

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