Digitales Servicebuch: Prescreen-Founder steigen bei OE Service ein
OE Service aus Klagenfurt wickelt für Auto-Werkstätten die digitalen Servicebuch-Einträge zentral ab. Der Gründer hat sich ein sechsstelliges Investment gesichert.
Constantin Wintoniak, Markus Presle und Nicolas Vorsteher haben ihr Startup Prescreen 2017 um 27 Millionen Euro an Xing verkauft. Jetzt sind sie selbst Startup-Investoren und haben sich jüngst an OE Service aus Klagenfurt beteiligt. Mit einem mittleren sechsstelligen Eurobetrag sichern sie sich jeweils rund 6,7 Prozent an dem 2018 gegründeten Jungunternehmen, an dem unter anderem auch die Diamir-Gründer Maximilian Nimmervoll und Lorenz Edtmayer beteiligt sind. OE Service digitalisiert den Servicebucheintrag für Autoservices.
Pay per use beim digitalen Servicebuch-Eintrag
OE-Service-Gründer Janos Juvan: „Wir haben ein reines Pay-per-use-Businessmodell und Prescreen bringt uns das Know-how, dass es jetzt braucht, um unser Wachstum zu beschleunigen“. Das Servicebuch im Handschuhfach ist bei den meisten Autoherstellern bereits durch digitale Plattformen ersetzt. Dort müssen Autowerkstätten Services digital eintragen – eine mühsame Aufgabe, da jeder Hersteller auf einen eigenen Prozess setze, erklärt Juvan. Bei OE Service müssen Werkstätten lediglich die VIN des Fahrzeugs eintragen, die Software erkennt automatisch, um welches Fahrzeug es sich handelt und leitet Nutzer:innen zum entsprechenden Formular weiter. Bezahlt wird pro Servicebucheintrag über ein zuvor aufgeladenes Guthaben.
Janos Juvan im brutkasten-Talk zum Investment
„Zentralseitig hat die OE Service eine Plattform entwickelt, die alle Prozesse übernimmt. Das, was Booking für Hotels macht mit einem klaren Usecase auf den digitalen Servicebucheintrag“. Alleine in Österreich und Deutschland sei der Markt sehr groß: Etwa ein Drittel der rund 52 Mio. PKW haben bereits ein digitales Servicebuch. „Wir kalkulieren mit einem Bedarf von 15-20 Mio. Fahrzeugen oder mehr pro Jahr“.
OE Service: Bereits 10 Prozent des deutschen Markts erobert
Inzwischen setzen nach Unternehmensangaben mehr als 3000 Werkstätten auf das System des Startups. Das Prinzip stieß bei einigen großen Herstellern allerdings nicht auf Gegenliebe. Juvan musste sich mit seinem Unternehmen vor Gericht gegen diese behaupten – und gewann. Auch mit dem neuerlichen Investment soll der Wachstumskurs nun weiter verstärkt werden.
In einem Statement kommentieren die Prescreen-Gründer: „Wir hätten nicht gedacht, dass es hier eine äußerst attraktive Nische mit einem so hohen Volumen- und laufendem Wachstumspotential gibt. Bemerkenswert ist, dass OE Service bereits über 35 Prozent des potentiellen Marktes in Österreich und über zehn Prozent in Deutschland inne hat. Das alles hat dazu geführt, dass wir unbedingt Teil der OE Service Geschichte sein wollten. Wir denken, dass wir Janos genau jetzt helfen können, das Geschäft schnell und professionell zu skalieren und weitere Märkte rasch zu erschließen“.
10 Jahre Global Incubator Network Austria: Ein Jahrzehnt internationaler Vernetzung – gefeiert im Herzen Wiens
Zehn Jahre, sechs Partnerregionen, 756 Startups: Beim Jubiläum von Global Incubator Network Austria (GIN) im Wien Museum wurde greifbar, wie aus einem Förderprogramm ein globales Netzwerk wurde. brutkasten war vor Ort.
10 Jahre Global Incubator Network Austria: Ein Jahrzehnt internationaler Vernetzung – gefeiert im Herzen Wiens
Zehn Jahre, sechs Partnerregionen, 756 Startups: Beim Jubiläum von Global Incubator Network Austria (GIN) im Wien Museum wurde greifbar, wie aus einem Förderprogramm ein globales Netzwerk wurde. brutkasten war vor Ort.
Während der ViennaUP wurde Wien einmal mehr zur internationalen Drehscheibe der Startup-Welt. Inmitten dieser Woche voller Begegnungen, Ideen und Innovationen setzte ein Event einen ganz besonderen Akzent: Im Wien Museum, mit weitem Blick über den Karlsplatz, kamen zahlreiche Founder, Investor:innen, Corporate-Partner und Wegbegleiter:innen zusammen, um ein Jubiläum zu feiern, das sinnbildlich für den internationalen Fokus des österreichischen Innovationsstandorts steht: 10 Jahre Global Incubator Network Austria (GIN).
Schon beim Eintreten wurde spürbar, was GIN über das vergangene Jahrzehnt ausgemacht hat – das Zusammenspiel aus österreichischen Wurzeln und globaler Reichweite. Gründer:innen aus Wien trafen auf asiatische Startups, die diese Woche in der Stadt zu Gast waren, um in Europa Fuß zu fassen.
Foto: epilogy.photography
Eine von ihnen war Nga Chi Lydia Yip, Co-Founderin und CSO von Elleon Biotech aus Hongkong. Ihr Startup hat ein Reagenz entwickelt, mit dem sich markierte Zellen – etwa Krebs- oder virusinfizierte Zellen – mit bloßem Auge oder per Smartphone sichtbar machen lassen, ganz ohne teure Mikroskope oder geschultes Personal. „Ich habe in den letzten Tagen mehr wertvolle Leads getroffen als in zwei Jahren in Hongkong“, erzählte sie. Über das GIN-Programm war sie auf der Suche nach einem strategischen Partner für die Antikörper-Produktion – und wurde bei einem der Networking-Momente tatsächlich fündig. „Ich liebe den Vibe hier. Die Leute sind wirklich da, um einander zu helfen.“
Genau diese Atmosphäre baut GIN seit 2016 systematisch auf: Verbindungen, die weit über ein einzelnes Programm oder eine Delegationsreise hinausreichen.
Ein Jahrzehnt Brückenbauen zwischen Österreich und Asien
Seit seiner Gründung 2016 verfolgt GIN ein klares Ziel: innovative Startups beim internationalen Wachstum zu unterstützen und gleichzeitig Österreich als zentralen Innovationsstandort zu stärken. Unter dem Leitgedanken „Connecting the Circles of Growth“ hat sich daraus ein Netzwerk entwickelt, das weit über klassische Förderprogramme hinausgeht.
Die Bilanz nach zehn Jahren spricht für sich: 756 unterstützte Startups, 71 internationale Programm-Batches, 7 zentrale Partnerregionen und über 30 internationale Innovationspartner. Im Zentrum stehen die beiden Programme GO ASIA und GO AUSTRIA, die den Austausch in beide Richtungen ermöglichen – ein zweiseitiger Ansatz, der GIN zu einer einzigartigen Brückenbauerin macht. Geschichten wie jene von Elleon Biotech zeigen, was das konkret bedeutet.
Foto: epilogy.photography
Zur Beginn reflektierten Henrietta Egerth (Geschäftsführerin FFG) und Bernhard Sagmeister (Geschäftsführer aws) über die Vision hinter GIN, die gemeinsame Steuerung der beiden Programme und den Blick nach vorne. „Zehn Jahre Global Incubator Network Austria bedeuten zehn Jahre messbaren Impact für das österreichische Startup-Ökosystem und weit darüber hinaus“, betont Henrietta Egerth. „Allein am aktuellen GIN-Programm nehmen 56 Startups aus sieben asiatischen Zielregionen teil – mehr als jemals zuvor.“
Panel: Local Roots, Global Reach
Unter dem Titel „Local Roots, Global Reach: The New Rules of Internationalization“ diskutierte ein hochkarätig besetztes Panel die veränderten Spielregeln internationaler Expansion. Marcus Berger (CEO, Aviloo), Ayashi Das Majumder (Co-Founderin & COO, Sensegrass), Markus Lang (General Partner, Speedinvest) und Andreas Mühlberger (Infineon Technologies Austria) brachten vier sehr unterschiedliche Perspektiven zusammen. Die zentrale Botschaft: Für einen kleinen Exportmarkt wie Österreich ist Internationalisierung essenziell – gleichzeitig aber komplexer geworden, und sie gelingt nur durch starke Partnerschaften und langfristige Begleitung.
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Workshop: Impulse für die nächsten zehn Jahre
Im interaktiven Workshop-Teil, moderiert von Viktoria Ilger (Venture Clienting Austria), wurden die Gäste selbst zu Mitgestaltenden. An mehreren Tischen diskutierten sie in kleinen Runden über die zentralen Fragen rund um Internationalisierung. Begleitet wurde der Nachmittag von einem Live-Graphic-Recording-Team, das die wichtigsten Gedanken und Erkenntnisse in Echtzeit visuell festhielt – ein wachsendes Bild, das ebenso entstand wie die Insights selbst und am Ende eindrucksvoll präsentiert wurde.
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Blick nach vorne: Indien als nächster Meilenstein
Mit der geplanten Erweiterung von GIN GO ASIA nach Indien ab 2027 wurde ein klares Signal für die nächste Phase gesetzt. Bereits heute holt das aktuelle GO AUSTRIA Programm sieben indische Deep-Tech-Startups nach Österreich. Indien zählt mittlerweile über 130 Startup-Unicorns und entwickelt sich mit enormer Dynamik zu einem der wichtigsten Technologie- und Wachstumsmärkte der Welt. Mit der India-Austria Startup Bridge wurde bereits vor zwei Jahren ein erstes Instrument geschaffen, um indische Startups nach Österreich zu holen – ab 2027 öffnen sich die Türen gezielt auch für österreichische Startups in diesen Zukunftsmarkt. So festigt GIN Österreichs Rolle als europäisches Gateway für Innovation, Technologie und internationale Zusammenarbeit.
Foto: epilogy.photography
Eine Community feiert
Zum Abschluss wurde sichtbar, was GIN über die Zahlen hinaus ausmacht: eine globale Community aus Foundern, Partner:innen, Mentor:innen und Freund:innen. In einem Happy-Birthday-Video schickten Wegbegleiter*innen aus aller Welt ihre Glückwünsche. Das GIN-Team kam auf die Bühne, die Gläser wurden erhoben – und der Nachmittag mündete in eine Feier, die anschließend bei GIN & Friends am Karlsplatz ihre Fortsetzung fand. Für Lydia Yip stand da nur noch ein letztes Meeting an, bevor auch sie dazustieß: „Ich hätte nie erwartet, dass eine Geschäftsreise so viel Freude macht.“
Das Global Incubator Network Austria (GIN) ist eine Initiative der österreichischen Bundesregierung und wird von der Austria Wirtschaftsservice (aws) und der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) umgesetzt. Ziel ist es, Start-ups, Investor:innen und Innovationspartner:innen international zu vernetzen und den Innovationsstandort Österreich nachhaltig zu stärken. Der Artikel wurde in Kooperation mit der Austria Wirtschaftsservice (aws) umgesetzt.
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